Die Alte Karre fahren

Veröffentlicht am Fr, 04.01.2019
von Hansjürgen Bohner
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Kornwestheim - Pfarramt Heilig-Geist-Kirche
Pfarrer, Evang. Kirchenbezirk LB - Bezirksämter -

So kamen wir ins Gespräch über Fahrverbote, die Chancen der Elektromobilität, und über die Möglichkeiten dem Klimawandel etwas entgegenzusetzen.
Ganz konkret fragte ich meinen Gesprächspartner: „Mein Auto, ein Benziner, ist bald zwanzig Jahre alt. Ist ein batteriegetriebenes Auto eine Alternative, wenn ich je ein neues Auto kaufen sollte?“ Zwischen manchem Für und Wider schälte sich für mich ein interessanter Gedanke heraus: „Wenn Sie etwas zur Bewahrung der Schöpfung beitragen wollen, dann fahren Sie ihr altes Auto, bis es auseinanderfällt.“ „Eigentlich“, sagte mein Gesprächspartner, sollte ich das gar nicht sagen, denn wir haben so ausgefeilte Techniken entwickelt, dass der alte Stinker wirklich nicht mehr zeitgemäß ist.“ Denn mit einem batteriegetriebenen Auto habe man vor Ort keine schädlichen Abgase mehr, wenn man einmal vom Abrieb der Bremsen absehe. Aber es sei zu bedenken: Man exportiere die Umweltlasten in Länder, in denen die Grundstoffe für die Batteriefertigung abgebaut werden und in diesen Ländern gäbe es kaum Umweltvorschriften.
Daraus entspannte sich ein munteres Gespräch über Nachhaltigkeit, Warenproduktion und Umweltschutz. Es sei eine Katastrophe, dass aufgrund der Fahrverbote für manche Dieselautos fast neue Autos durch noch neuere ersetzt werden müssten. „Ich weiß auch nicht warum diese Autos nicht nachgerüstet werden. Vielleicht will die Industrie eben lieber neue Autos verkaufen,“ so mein Gesprächspartner.
Die Produktion eines neuen Autos verbrauche viel mehr Ressourcen, als man damit einsparen könne. Das gelte auch für Elektroautos. Dies sei ein weiterer Grund zu sagen: „Fahren Sie die alte Karre, bis der TÜV euch scheidet, dann werden Sie Mitglied beim Car-Sharing. Für die Bewahrung der Schöpfung ist das am besten.“  Die alte Karre fahren, bis es nicht mehr geht, das denke ich, ist für mich ein gangbarer Weg. Mein Gesprächspartner übrigens hat nie ein eigenes Auto besessen. Nach dem Erwerb des Führerscheins war er bald Mitglied einer Car-Sharing-Organisation geworden.
    

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