Konkret die Not lindern

Veröffentlicht am Fr, 07.12.2018
von Hans-Martin Brombach
Pastor / Evang. Method. Kirche, Sonstige Dienste

Man könnte auch sagen „Erwachsene“. Wer dem entgehen will, lese hier nicht weiter. Achtung! Jetzt: ES GIBT KEINEN NIKOLAUS!
Dieser seltsame Typ im Coca-Cola-Bademantel, der sich im allgemeinen als Nikolaus ausgibt und der immer fragt, ob man das Jahr über artig war – sonst bekommt man angeblich nichts geschenkt -, das ist gar nicht der richtige Nikolaus, sondern Onkel Klaus oder so. Mehr oder weniger gut getarnt mit Watte rund um die Nase. Und die zugeschlagene Fahrzeugtür wenige Sekunden bevor es klingelte gehörte auch nicht zu einem Rentierschlitten. Schande! Äußerst frustrierend: Wir sind hintergangen worden.
Für manche reichte das, um ihren kindliche geprägten Glauben, bei dem der Nikolaus ein Baustein war, gleich komplett über Bord zu werfen. Denn wenn die Eltern schon beim Nikolaus gelogen hatten, dann ja vielleicht bei vielem anderen auch. Das Vertrauen ist weg und oft auch das herzerwärmende Glitzern, das Kinder in den Augen haben, wenn sie etwas geschenkt bekommen.
In dieser Situation gilt es, Kinder und Erwachsene wieder zurückzuführen vom Coca-Cola-Kommerztypen zum Ur-Nikolaus. Dieser Bischof von Myra in der heutigen Türkei, der zum Urbild unserer Schokoladen-Geschenk-Kultur am 6. Dezember wurde. Der hätte gestern bei einem Besuch in unserer Stadt angesichts der erwartungsvoll vor den Türen platzierten möglichst großen Stiefel nur ein mildes Lächeln auf dem Gesicht gehabt. Ihm ging es im 4. Jahrhundert um etwas ganz anderes: Er wollte ganz konkret Leben retten und Not lindern und nicht den vorhandenen Überfluss und Konsum mehren. Es war Ausdruck seines christlichen Glaubens, Menschen zu beschenken und damit Not zulindern. Er fühlte sich als Beschenkter und wollte etwas davon weiter geben. Und seine Erfahrung lehrte ihn, dass wer sich beschenkt weiß, der wird auch etwas davon weitergeben und andere wieder beschenken. Bischof Nikolaus wusste sich von Gott beschenkt. Ein Schneeballeffekt war angestoßen worden.
Insofern gilt: An den Nikolaus zu glauben mag kindlich sein, naiv ist es nicht. Denn seine Ideale zum Lebensmotto zu machen könnte auch heute noch ein Glitzern in die Augen zaubern. Nicht nur bei Kindern!


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