Zum Sonntag: Anders reisen lernen

Veröffentlicht am Sa, 12.01.2019
von Andreas Bührer
Pfarrer, Evangelische Kirchengemeinde Freiberg a. N. - Pfarramt Amanduskirche

„Wer 2019 eine Flugreise nach New York plant, wird seine persönliche CO2-Bilanz mit einem Schlag ruinieren“, las ich neulich in einem Journal. Dann würden, so hieß es weiter, auch alle anderen persönlichen Prinzipien wie regelmäßig mit dem Rad zum Arbeitsplatz fahren, auf Fleisch zu verzichten oder eigenen Strom zu produzieren keine wirklichen Effekte fürs Klima erzielen. Natürlich fing ich sofort an zu überschlagen, wie meine Bilanz für die letzten drei Jahre aussieht. Einmal nach Malta, im Jahr davor Irland, und wieder davor nichts, zumindest keine Flugreise. Ich atmete auf:  Nicht wirklich viel, dachte ich, im Vergleich zu den Jetsettern geradezu lächerlich, aber eben auch nicht nichts. Und erneut fragte mich das kleine Männchen im Hinterkopf: Wie lange willst du noch an den Zeichen der Zeit vorbeisehen? Ist dir nicht längst klar, dass nun wirklich jetzt der Punkt gekommen ist, dass sich in deinem Kopf was dreht? Ja, es ist mir schon lange klar, so wie es vielen der Leserinnen und Leser dieser Zeilen auch klar ist. Bloß, wo soll man anfangen? An welcher Stelle können wir unseren Lebensstil tatsächlich wirksam ändern? -  An diesem Wochenende beginnt ja in Stuttgart die jährliche Reise- und -Touristikmesse CMT. Unzählige Anbieter werden wieder ihre Traumziele präsentieren, nahezu kein Winkel dieser Welt wird dabei außen vor bleiben. Auch Baden-Württembergs evangelische und katholische Kirchen werden dort mit Ständen und Aktionen vertreten sein. Gemeinsam mit einigen anderen werde ich über das Pilgern sprechen, über die sanfteste Art des Tourismus. Pilgern ist leise, Pilgern braucht kein zweites oder drittes Tagesprogramm, Pilgern kann man in jedem Alter, Pilgern lässt mich neue Welten erschließen und stiftet Gemeinschaft unter Freunden und mit Fremden. Es braucht keine spezielle Technik, es ist günstig, es ist langsam, es ist nachhaltig. Ja, wer pilgert, lernt anders zu reisen. Ob das für 2019 ein machbarer Vorsatz sein könnte?

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