Zum Sonntag: Einladung zur Jagd – ein Gedanke zur Jahreslosung

Veröffentlicht am Sa, 05.01.2019
von Martin Wendte
Pfarrer, Citykirche-Ludwigsburg -art-und-weise- -
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Ludwigsburg-Friedenskirche -

„Was braucht es, damit Du als Jäger Erfolg hast?“, frage ich meinen Bekannten, der seit Jahren auf die Jagd geht. „Warum interessiert Dich das denn auf einmal?“, fragt er mich zurück, „hast Du gute Vorsätze fürs Neue Jahr und willst endlich mal mitkommen?“

„In jedem Fall braucht es dreierlei“, erläutert mein Bekannter. „Als Jäger musst Du einiges an Wissen haben: Wie geht es den Tieren gerade, wo befinden sie sich? Dann musst Du selbst etwas können. Du musst treffsicher sein und das auch immer wieder üben. Am Wichtigsten aber ist, dass Du mit der richtigen Haltung auf die Jagd gehst. Du musst zum einen ganz offen sein und genau wahrnehmen, was um Dich herum passiert. Zum anderen musst Du bereit sein, dann blitzschnell zu handeln. Diese Mischung aus offener Wahrnehmung und Bereitschaft zum Handeln – die ist entscheidend. Kommst Du dieses Jahr mit auf die Pirsch?“

„Ja, aber im übertragenen Sinne“, antworte ich. „Ich will im Neuen Jahr keine Tiere jagen, sondern den Frieden. Die Jahreslosung der Kirchen – also der Bibelspruch, der wie eine Überschrift über dem ganzen Jahr steht – heißt nämlich 2019: ‚Suche den Frieden und jage ihm nach.‘ Der Friede ist also nicht einfach da. Ich muss ihn immer wieder suchen und ihn jagen, damit er sich einstellt. Das gilt für den Frieden in unserer Gesellschaft ebenso wie für den Frieden in unseren Familien und in den Kirchen. Ich lerne von Dir, dass ich dazu wissen muss, wo die Konfliktherde sind und was die Menschen antreibt. Ich muss treffsicher argumentieren können und das auch immer wieder üben. Und ich muss vor allem genau und geduldig die Situation wahrnehmen, in der ich mich jeweils befinde – um dann zum richtigen Zeitpunkt das richtige Wort zu sagen. Auf geht es, die Jagdsaison ist eröffnet!“ 

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