Zum Sonntag: Ewigkeitssonntag

Veröffentlicht am Sa, 24.11.2018
von Martin Merdes
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Asperg

Lieber Gott!
Es ist Brauch, am Ewigkeitssonntag besonders an die Verstorbenen zu denken. Es werden Angehörige zum Gottesdienst eingeladen, alle Namen der Verstorbenen verlesen und für sie Kerzen entzündet. Es ist ein besinnlicher, trauriger Gottesdienst, dieser letzte im alten Kirchenjahr. Ganz verschieden sind sie gestorben. Hier ein erfülltes, langes Leben. 5 Kinder, 14 Enkel, 23 Urenkel. Dort ein kurzes: junger Familienvater, Unfall mit Traktor. Eine Witwe mit zwei Kindern bleibt zurück. Oder die Frau, die so lange nicht sterben konnte. Die Schmerzen waren schlimm. Auch Morphium nützte fast nichts mehr. Warum, Gott, musste sie leiden, und warum wir mitleiden?

So verschieden sterben Menschen. Gott, was bleibt? Was ist ewig? Wie wird es sein, nach dem Tod? Kommt Petrus, um die Tür zu jenem Reich zu öffnen, welches uns Jesus verheißen hat? Wird abgewogen, was wir geleistet haben - aber, Herr, wie könnte ich dann bestehen?

Meine Hoffnung ist eine andere. Ich vertraue ganz auf Deine Liebe und Gnade. Ich bin kein Heiliger. Ich kenne viele meiner Schatten, weiß, dass ich nicht immer das Gute suche und tue. Und trotzdem: Wenn ich überlege, dann habe ich keine Angst vor dem Tod. Ich weiß mich von Dir getragen und begleitet. Deine Gnade wird größer sein als alles!

Im November fallen die Blätter, schweben zu Boden. Sie verfärben sich und zeigen ihre Schönheit zum letzten Mal. Dann werden sie grau und schwarz, werden zu Humus. Humus ist neue Kraft für neues Leben im nächsten Jahr, dazwischen der Winter. Ein Bild für Trauer. Unser Körper wird, wenn tot, ebenfalls verrotten. Wie heißt es auf dem Friedhof „Erde zu Erde …“ Aus unserem Körper wird Erde werden. Lebensgrundlage für neues Leben. Aber was wird aus unseren Ideen, Plänen, guten Vorsätzen? Was wird aus der Liebe, die wir zu säen versuchten? Und was ist mit all dem Unkraut, das wir dabei auch verbreitet haben? Welche Saat wird aufgehen? Was hat Bestand in dieser Welt?
„Es bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei“, heißt es im 1. Korintherbrief. Oh Gott, wie schön, wenn nur diese drei bestehen bleiben!

Dein Martin Merdes

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