Zum Sonntag: Kopf hoch!

Veröffentlicht am Sa, 08.12.2018
von Kerstin Gottfried

Kopf hoch!

Gesengten Hauptes läuft Timmy von der Schule nach Hause. Wieder einmal hat er es nicht geschafft. Und dabei hat er sich so angestrengt. Wieder eine vier. Noch gellen die Sprechchöre der Mitschüler in seinen Ohren. "Dummy-Timmy!" Eine dicke Träne kullert über seine Pausbacken.

Genervt wirft der Hausmann das Geschirrhandtuch in die Ecke - nichts kann man der Familie recht machen. Und schon wieder zanken sich die Kinder lauthals. Mit gesenktem Kopf steht er da und massiert sich die Schläfen.

Immer am Start dagegen ist June. Die Augen fest auf das Handy gerichtet. Schnell ein paar Infos posten über den momentanen Beziehungsstatus, sich lustig machen über das heutige Outfit des Lehrers, Verabredungen treffen und eine Playlist erstellen für den Musikgenuss und und und.

Ihr Blick ist dagegen auf die Zahlen gerichtet. Das war ein schlechtes Geschäftsjahr für sie. Nun steht für die Geschäftsfrau mit dem Jahresabschluss auch die Frage im Raum, wie es weitergehen kann.

Lange schon ist er auf der Suche nach einer neuen Bleibe für die Familie. Die Wohnung ist viel zu klein. Überall nur Absagen oder viel zu hohe Mieten. Hoffnungslos geht er wieder einmal die Inserate in der Zeitung durch. 

Dieses Jahr wird Weihnachten perfekt. Bis ins kleinste Detail ist alles geplant, eine Aktion folgt der nächsten, allen will man es recht machen, niemanden enttäuschen und so hechelt man sich durch die Advents- und Weihnachtszeit.

Vielleicht erkennt der ein oder andere sich in einer der Situationen wieder. Vielleicht sind es auch ganz andere Dinge, die uns dazu bringen den Kopf zu senken, mit gesenktem Kopf durch die Welt zu gehen und sich scheinbar nur im Kreis zu drehen.  

"Kopf hoch" ruft uns der Evangelist Lukas in der Bibel (Lukas 21,28) entgegen. Warum? Weil wir im Advent auf das Kommen von dem warten, der uns Entlastung, Entschärfung, Erleichterung und Entspannung bringen will. Da kommt einer, der uns befreit von Zwängen, Ängsten und Zweifel. Da kommt einer, der mein Alltagsgrau mit seinem Licht der Hoffnung durchbricht.

"Kopf hoch!"  Diese Freiheit nehme ich mir, weil das Kind in der Krippe mich dazu befreit hat.  Ich darf meinen Blick heben, weil er für mich da ist und immer da sein wird. Er schenkt mir neue Perspektiven für mich und diese Welt und darüber hinaus.

                                                

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