Zum Sonntag: Wie soll ich dich empfangen …

Veröffentlicht am Sa, 01.12.2018
von Sabine Horn
Geschäftsführerin, Ökumenische Hospizinitiative

… und wie begegn ich dir, …“ – schon seit Wochen geht mir dieses Lied nicht aus dem Kopf und die Melodie klingt in mir. Doch warum drängt sich mir dieses Lied so auf?  Ist es die diesjährige Freude auf die Adventszeit, die Zeit des Wartens und der Vorfreude auf die Ankunft Jesu Christi? Ich bleibe einfach an diesem Lied hängen und lese alle zehn Strophen in aller Ruhe durch. Da ist von „Friede und Freude“ genauso die Rede wie von „tausend Plagen und großer Jammerlast“. Mir scheint, wie wenn das ganze Leben mit allen Höhen und Tiefen von Paul Gerhardt vor mir aufgefächert wird.  Vor über 350 Jahren schrieb er diesen Text und er hat an Aktualität nichts eingebüßt.

„Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir?“ Ich merke, wie mir ganz viele Situationen und Begegnungen im zu Ende gehenden Kirchenjahr in den Sinn kommen und sich mir immer wieder aufs Neue diese Frage stellte. Wie trete ich dem Anderen gegenüber? Wie trete ich überhaupt ein und auf?  Und wie wird die Begegnung werden und sein? Oberflächlich oder tief, heiter oder traurig, beschwerend oder leicht, verletzend oder wertschätzend und achtsam?

Ich weiß nicht, wie es Ihnen gerade geht, ob Sie auf Hoch-Zeiten zurückblicken dürfen, oder ob Sie Abschied von einem nahestehenden Menschen nehmen mussten. Ich weiß auch nicht, ob Sie sich auf die nun kommenden Wochen der Adventszeit freuen oder ob Sie sich vor dieser Zeit fürchten mit Allem, was sie an Erinnerungen und Gefühlen mit sich bringt. Jedenfalls wünsche ich Ihnen für die  nächste Zeit die Ahnung und spürbare Erfahrung von dem, der nun bald kommen wird und über den Paul Gerhardt in der sechsten Strophe dichtet: „… seid unverzagt, ihr habet die Hilfe vor der Tür; der eure Herzen labet und tröstet, steht allhier.“

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