Gottesdienstliche Gedanken zum 15.n.Tr., 20.9.2020 von Freimut Bott

Gruß: Zu unseren gottesdienstlichen Gedanken am 15. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest grüße ich Sie herzlich.

Es ist nicht die Zeit der Sorglosigkeit. Die Fallzahlen in der Pandemie steigen wieder. Wir geben aufeinander acht, einer schützt den andern. Wir vermeiden alles, was die Pandemie weiter anheizen könnte. Und doch steht an diesem Sonntag ein Gedanke im Raum, der unser Vertrauen stärken will, Vertrauen in aller Umsicht, Vertrauen, das aus der Erfahrung kommt, dass für unser Leben alles da ist, was wir brauchen. Wie hören die Worte aus dem Petrusbrief und nehmen sie mit in die Woche: Wochenspruch: Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch. 1. Petr. 5,7

 

Lied NL+ 46,1-3 Gott, deine Liebe reicht weit

1. Gott, deine Liebe reicht weit, du hüllst sie ein in ein Kleid aus Bäumen, Blumen und Ähren, die schön sind und uns ernähren. Wir wurzeln in ihr von Zeit zu Zeit: Gott, deine Liebe reicht weit.

2. Gott, deine Liebe ein Lied, das mich seit je zu dir zieht. Singt, Vögel, Wellen und Winde, dass meinen Ursprung ich finde. Dein Atem belebt, die Schwermut flieht: Gott, deine Liebe ein Lied.

3. Gott, deine Liebe hält warm. Sie ist der schützende Arm, mit dem wir Menschen uns geben, was jeder braucht für sein Leben. Wir schöpfen aus ihr Hoffnung und Charme: Gott, deine Liebe hält warm.                                                     Text: Eugen Eckert. Melodie: Winfried Heurich. © Lahn-Verlag, Kevelaer

 

Ps 127 NL+ Nr. 919

Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.

Wenn der HERR nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.

Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzet

und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf. Ps 127, 1–2

 

Eingangsgebet

Wir bringen uns mit, Gott, in jeden Psalm und in jedes Lob, in jeden Gedanken, den wir aussprechen und in jede Stille, die wir aushalten. Wir bringen uns mit, mit unseren Erfahrungen der letzten Tage, aus ereignislosen Stunden, aus wichtigen Entscheidungen, mit unserer Freude und unseren Tränen.

Denn, was immer wir mitbringen, deine Arme sind weit geöffnet, du reichst uns die Hand, du hast ein offenes Ohr. Öffne uns die Augen, Gott, für die Kraft, aus der wir leben, für das Licht, das uns leuchtet, für die Gedanken, die uns leiten.

Wir bringen uns mit, Gott. Und du empfängst uns.

Lass uns deine Gegenwart spüren und die Kraft deiner Liebe, deine Güte und Wahrheit.

Wo wir uns und unser Leben nicht verstehen, da lass uns erfahren, dass wir bei dir geborgen sind, mit unserem ganzen Wesen. Amen.

 

502,1.2.4 Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit

1. Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit! Lob ihn mit Schalle, werteste Christenheit! Er lässt dich freundlich zu sich laden; freue dich, Israel, seiner Gnaden, freue dich, Israel, seiner Gnaden!

2. Der Herr regieret über die ganze Welt; was sich nur rühret, alles zu Fuß ihm fällt; viel tausend Engel um ihn schweben, Psalter und Harfe ihm Ehre geben, Psalter und Harfe ihm Ehre geben.

4. Er gibet Speise reichlich und überall, nach Vaters Weise sättigt er allzumal; er schaffet frühn und späten Regen, füllet uns alle mit seinem Segen, füllet uns alle mit seinem Segen.

Text und Melodie: Matthäus Apelles von Löwenstern 1644

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wir sind gerade in einer sehr dynamischen Zeit, Wir hangelnd uns von Tag zu Tag, entscheiden, was gerade möglich ist und was nicht. Planungssicherheit gibt es nicht. Wir leben ganz in der Gegenwart.

Aber der Blick zurück, der Blick nach innen bleibt uns, der Blick auf die Grundfragen unseres Lebens, der unsere Entscheidungen mitbestimmt. Habe ich sie für mich geklärt?

Wo komme ich her, wo gehe ich hin, wer bin ich als Mensch in diesem Universum? Für mich selbst das wichtigste aller Wesen? Ich fühle meinen Schmerz, ich fühle meine Freude, ich fühle meine Leidenschaft und meine Verantwortung. Ich fühle mich ganz deutlich. Und ich habe nur dieses eine Leben, aus dem ich alles herausholen will, was möglich ist, koste es, was es wolle – Und doch bin ich nur einer von 7,8 Milliarden, ein Staubkorn im Universum. Wie wichtig kann ich mich nehmen, ohne eigenartig zu wirken?

Es sind diese Grundfragen des Lebens, die Menschen zu aller Zeit dazu gebracht haben über ihren Ursprung nachzudenken. Wie kann ich meine Existenz deuten und wie finde ich meinen Ort in diesem Leben, das schon immer beziehungsreich ist?

Menschen haben zu jeder Zeit die Wissenschaft danach befragt, ihr Wissen zusammengetragen und nach diesem Woher geforscht. Die Antworten haben sich im Lauf der Jahrhunderte verändert. Jede Generation wähnte sich der Lösung ganz nah.

Aber im Blick auf die Frage nach dem Wesen des Menschen helfen wissenschaftliche Erkenntnisse über die Entstehung des Lebens nur bedingt. Da sind es eher Fragen nach der Entstehung und Prägung von Kulturen und verbindenden Grundlagen des Miteinanders. Was ist im Innersten menschlich?

Auch die Bibel hat ihre Grundtexte zur Entstehung des Lebens und der Grundlagen dieses Miteinanders. Zu diesen Grundtexten gehören die Schöpfungsgeschichten der Bibel. Ihr Schwerpunkt liegt nicht auf der Frage wie die Welt entstanden ist, sondern auf der Frage: Wer ist der Mensch und was ist seine Rolle in dieser Welt, in einer Welt, die nicht einfach da ist, sondern als Schöpfung Gottes verstanden wird.

Ich lese den 2. Schöpfungsbericht, den älteren, aus 1. Mose 2,4b-15:

Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte. (5)Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen; denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; (6)aber ein Nebel stieg auf von der Erde und feuchtete alles Land. (7)Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. (8)Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte. (9)Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den  Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. (10)Und es ging aus von Eden ein Strom, den Garten zu bewässern, und teilte sich von da in vier Hauptarme. (11)Der erste heißt Pischon, der fließt um das ganze Land Hawila, und dort findet man Gold; (12)und das Gold des Landes ist kostbar. Auch findet man da Bedolachharz und den Edelstein Schoham. (13)Der zweite Strom heißt Gihon, der fließt um das ganze Land Kusch. (14)Der dritte Strom heißt Tigris, der fließt östlich von Assyrien. Der vierte Strom ist der Euphrat. (15)Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

Ein Bekenntnis zieht sich durch diesen Text: Die Erde ist Gottes Werk, aus seinem Entschluss und aus seinem Willen ist sie geworden. Und aus dieser Erde ist auch der Mensch. Aber der Mensch ist nicht nur Teil der Schöpfung. Gott tritt in Beziehung zu diesem Menschen. Er haucht ihm das Leben ein, seinen Geist, sein Wesen, seine Fähigkeiten bekommt er von Gott.  Sein Leben, seinen Wert und seine Würde erhält der erst durch den Odem Gottes. Zu dem irdischen Ursprung kommt Geistliches, der Hauch Gottes. Der Atem, der den Menschen beseelt, hat seinen Sitz in der Kehle, dort, wo unsere Sprache ihren Ursprung nimmt, wo sich die Gedanken artikulieren. Gott schenkt dem Menschen, dem von der Erde genommenen also Geist und Leben. Er ist nicht nur damit beschäftigt sein Überleben zu sichern.

Schon von seinem Ursprung her ist er von Gott beschenkt mit Kreativität, mit Ideen und Gedanken und mit Sinn und Verstand, mit Einsicht und Verständnis. Diesen Menschen beschenkt Gott nicht nur mit dem Leben, sondern auch mit einem Lebensraum, den er für ihn gestaltet hat. Einen Garten. Mit Früchten, die für ihn wachsen. Hier soll der Mensch leben, im Einklang mit der Natur. Diesen Garten soll er bebauen und bewahren.

Das ist der Grundgedanke dieser biblischen Schöpfungsgeschichte. Alles, was wir in unserem Leben schon immer vorfinden, ist von Gott geschaffen und auch wir Menschen sind Geschöpfe Gottes, die im Einklang mit dieser Schöpfung leben sollen. Alles menschliche Leben lebt aus der Beziehung zu Gott.

Neben diesem Ursprung des Menschen sehen wir Züge seines Wesens: Der Mensch strebt nach Höherem, er gibt sich nicht zufrieden.

Friedrich Nietzsche hat das in den Satz gegossen: „Gäbe es Götter, wie könnte ich es ertragen kein Gott zu sein.“

„Ihr werdet sein wie Gott,“ hat die Schlange verheißen, „ihr werdet selbst das Gute und das Böse unterscheiden lernen. Unabhängig und frei.“

Nicht abhängig zu sein von Gott, sondern sein Schicksal selbst in der Hand haben. Den eigenen Lebensraum selbst gestalten. Der eigenen Kraft trauen. Das steckt wohl auch von Anfang an als Drang tief im Menschen drin.

Bis heute gestaltet der Mensch die Natur, macht sie zu seinem Lebensraum, formt sie nach seinen Erfordernissen. Er nutzt seinen Verstand und seine Kreativität. Er nimmt die Welt in Besitz.

Wo die Rückbindung an den Schöpfer fehlt, und der Respekt vor der Schöpfung und allen Geschöpfen, treibt der Mensch Raubbau an der Natur. Und das ist inzwischen global sichtbar.

Was seit Jahrzehnten angemahnt und vorhergesagt wurde, zeigt sich jetzt. Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, das hatten sich seit Jahrzehnten Christen auf ihre Fahnen geschrieben und auf Kirchentagen gefordert und herbeigesehnt. beschworen. Jetzt sind die Folgen sichtbar und ihre Kosten können in Zahlen gefasst werden. Klimaaktivisten gehen auf die Straße, zurecht. Die Alpengletscher und die Polkappen schmelzen, Stürme, Trockenheiten und Überschwemmungen nehmen zu. Der Golfstrom schwächelt und verändert unser Wetter. Boden Luft und Wasser sind verschmutzt. Wenn schon die Rückbindung an den Schöpfer fehlt – wo ist die Vernunft? Wo die Einsicht, dass unsere Versäumnisse unsere Kinder teuer zu stehen kommen? Es wird nicht ohne Veränderungen und Einschnitte gehen – und nicht ohne unsere Unterstützung für alle, die sich für die Zukunftsfähigkeit unserer Welt einsetzen.

Vielleicht und gerade, weil wir uns als Geschöpfe Gottes verstehen, als Menschen, die nicht zufällig auf dieser Erde leben.

Wir leben jenseits von Eden. Wir wissen: Bescheidenheit erzeugt keine Umsätze, keine Unternehmensgewinne, kein Wirtschaftswachstum.

Aber Bescheidenheit kann Ressourcen schonen und unseren ökologischen Fußabdruck verkleinern.

Keiner kann für sich alleine etwas ändern – und doch trägt jeder von uns mit an der Verantwortung für den Zustand dieser Schöpfung, die nicht unsere ist, sondern Gottes.

Wir leben jenseits von Eden. Das Paradies kriegen wir nicht zurück. Wir haben nur diese eine Erde.

Aber werfen Sie mit mir einen Blick auf das Kirchenfenster über der Orgel. Was wir nicht sehen sind die schöpferischen Hände Gottes, der aus dem Wasser das Leben schafft. Was wir aber sehen, ist eine interessante Verschiebung.

Sie erinnern sich an die vier Ströme, die durch den Paradiesgarten flossen? Der Künstler hat sie hier durch das Lamm fließen lassen. In Jesus liegt ein neuer Zugang zu unserem Ursprung. Er, der als Lamm Gottes die Sünde getragen hat, er lässt uns die Beziehung zu Gott aus dem Paradies wiedergewinnen. Eine Beziehung, in der der Leben schaffende Geist Gottes durch die Flammen der Liebe wirkt und verändert.

In alle Himmelsrichtungen sollen sich diese Ströme der Besinnung auf den Ursprung ergießen, Ströme der Solidarität und des Zusammenhalts, Ströme der Besonnenheit und der Vernunft, Ströme der Nächstenliebe und der Unterstützung, Ströme der Bereitschaft zur Veränderung und zu einer neuen Bescheidenheit.

In alle Himmelsrichtungen sollen sie fließen und die Erfahrung weitertragen, dass auf dieser Erde alles ineinandergreift, dass Glück und Frieden nur mit anderen gemeinsam zu haben sind. Dass Freude nur wächst, wenn es vielen gut geht.

Jenseits von Eden müssen wir uns noch sorgen, um uns und um andere, bis wir eines Tages in dem himmlischen Jerusalem und seinen goldenen Pforten angekommen sind, wo alles Sorgen ein Ende hat, und wir uns ganz in unserem Ursprung wiederfinden. Amen.

 

506,1.2.5 Wenn ich o Schöpfer deine Macht

1. Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht, die Weisheit deiner Wege, die Liebe, die für alle wacht, anbetend überlege: so weiß ich, von Bewundrung voll, nicht, wie ich dich erheben soll, mein Gott, mein Herr und Vater!

2. Mein Auge sieht, wohin es blickt, die Wunder deiner Werke; der Himmel, prächtig ausgeschmückt, preist dich, du Gott der Stärke. Wer hat die Sonn an ihm erhöht? Wer kleidet sie mit Majestät? Wer ruft dem Heer der Sterne?

5. Der Mensch, ein Leib, den deine Hand so wunderbar bereitet, der Mensch, ein Geist, den sein Verstand dich zu erkennen leitet: der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis,

ist sich ein täglicher Beweis von deiner Güt und Größe.

Text: Christian Fürchtegott Gellert 1757, Melodie: Bis hierher hat mich Gott gebracht (Nr. 329)

 

Fürbitten und Vater unser

Barmherziger, ewiger Gott, wir leben aus deiner Liebe, wir leben in deiner Schöpfung

wir leben aus der Beziehung zu dir.

Du hast uns Verantwortung zugetraut, Verantwortung für diese Erde und Verantwortung für alle Geschöpfe.

Kulturlandschaften werden zu Wüste, Regenwälder brennen und werden öde, Stürme verheeren ganze Landschaften. Eine Dürre folgt der nächsten und bringt Hunger und Elend.

Und die Ungerechtigkeit in den Wertschöpfungsketten sorgt dafür, dass viele vom Lohn ihrer Arbeit nicht leben können.

Hilf uns, Gott, unseren Lebensstil zu ändern, bescheidener zu werden, nicht zuerst nach dem Preis zu fragen, sondern nach Nachhaltigkeit und Langlebigkeit.

Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehen. Gib uns den langen Atem und die Geduld, den Weg weiterzugehen, den du uns zeigst. Lass uns mutig den Weg des Glaubens gehen

und stecke viele an, diesen Weg mitzugehen. Amen.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

NL 202 Verleih uns Frieden gnädiglich

Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsren Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine, denn du, unser Gott, alleine.

Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich!

 

Bleiben Sie behütet und bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.


Gottesdienstliche Gedanken zum 13.9.2020, 14. Sonntag nach Trinitatis

Votum und Gruß: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Zu unseren gottesdienstlichen Gedanken am 14. Sonntag nach Trinitatis grüße ich Sie ganz herzlich mit dem Wochenspruch aus Ps 103,2:Christus spricht: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

 

Lied NL+ 153 Heute sagt Gott ja du dir

1. Heute sagt Gott „Ja” zu dir, er will dich nun begleiten. Heute sagt Gott „Ja” zu dir, er will dich nun begleiten an frohen, hellen, guten Tagen und in schweren Zeiten, an frohen, hellen, guten Tagen und in schweren Zeiten.

2. Heute sagt Gott „Ja” zu dir, und er wird bei dir sein. Heute sagt Gott „Ja” zu dir, und er wird bei dir sein, er wird dich durch dein Leben tragen, lässt dich nicht allein, er wird dich durch dein Leben tragen, lässt dich nicht allein.

3. Heute sagt Gott „Ja” zu dir, die Taufe ist das Zeichen. Heute sagt Gott „Ja” zu dir, die Taufe ist das Zeichen, Gott wird dein ganzes Leben nicht von deiner Seite weichen, Gott wird dein ganzes Leben nicht von deiner Seite weichen.

Text und Melodie: Verena Rothaupt 2011. © Strube, München

Psalm 103,1-8

Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,

der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.

Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.

Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.

Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

Ehr sei dem Vater…

 

Gebet

Gott, in deinem Horizont vollzieht sich unser Leben; da wo Himmel und Erde sich berühren, hast du uns hingestellt.

Du machst uns zu Grenzgängern zwischen der Welt, in der wir leben und deinem Reich, das du baust. Mitten in unserem Leben begegnest du uns. Du rufst uns in die Gemeinschaft mit dir.

Bei dir wollen wir zur Ruhe kommen, und die Mitte finden, aus der wir leben.

Nicht nur der Sonntag gehört dir. In der Mitte unseres Lebens, in den alltäglichen Abläufen

bist du gegenwärtig. Du begleitest uns durch unsere Tage und Stunden.

Wo wir an Grenzen stoßen, willst du uns helfen sie zu überwinden und den Zugang zu unseren Mitmenschen zu finden.

Schließe auf, was verschlossen ist und verbinde, was zusammengehören soll, damit wir alle eins werden in dir. Amen.

 

Schriftlesung 1.Thess 5,14-24

Wir ermahnen euch aber: Weist die Nachlässigen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig mit jedermann. 15 Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach, füreinander und für jedermann. 16 Seid allezeit fröhlich, 17 betet ohne Unterlass, 18 seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch. 19 Den Geist löscht nicht aus. 20 Prophetische Rede verachtet nicht. 21 Prüft aber alles und das Gute behaltet. 22 Meidet das Böse in jeder Gestalt. 23 Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für das Kommen unseres Herrn Jesus Christus. 24 Treu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun.

Lied:  EG 333 Danket dem Herrn

 

1. Danket dem Herrn! Wir danken dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich, sie währet ewiglich, sie währet ewiglich! Ps 118,1

2. Lobet den Herrn! Ja, lobe den Herrn auch meine Seele; vergiss es nie, was er dir Guts getan,

was er dir Guts getan, was er dir Guts getan! Ps 103,2

6. Singet dem Herrn! Lobsinget dem Herrn in frohen Chören, denn er vernimmt auch unsern Lobgesang, auch unsern Lobgesang, auch unsern Lobgesang!

Text: Karl Friedrich Wilhelm Herrosee vor 1810, Melodie und Satz: Karl Friedrich Schulz 1810

 

Von Menschen und Bäumen

Wir sitzen heute zum Gottesdienst unter einem wunderschönen Nussbaum. Im Garten meiner Kindheit stand ein mächtiger Birnbaum. Er trug zwar nur Mostbirnen, davon aber in guten Jahren 14 Zentner. Es war ein mächtiger Baum. An seinem Stamm stand eine kurze Leiter. Sie reichte nur bis zu den untersten Ästen. – aber so hatten wir Kinder eine Möglichkeit in den Baum hineinzuklettern. Wir liebten diesen Baum. Er bot uns die Möglichkeit immer wieder auszuprobieren wie weit wir uns hinaufwagten. Von Jahr zu Jahr schafften wir es weiter, je nach Größe. Das erforderte Mut und Kraft und Geschicklichkeit. Aber es öffnete auch ganz neue Perspektiven. Was für ein herrlicher Ausblick.

Und manchmal versteckte ich mich im Baum. Da hatte ich den ganzen Garten im Überblick, konnte jeden sehen, der kam – und wusste doch: Mich sieht man nicht hinter dem dichten Blätterwerk des Baumes.

Er war ein Mann, der es zu etwas gebracht hatte. Alles aus eigener Kraft. Er hatte die Möglichkeiten beim Schopf gepackt, die das Leben und die augenblicklichen Verhältnisse ihm boten. Und der Erfolg hatte sich eingestellt. Er stieg auf. Kletterte immer höher. Aber je höher er stieg, desto mehr verlor er seinen inneren Kompass. Er wähnte sich am Ziel.

Da war das schöne Haus und die Familie und der gesicherte Wohlstand. Aber über allem war er hart geworden. Er hatte es gelernt, zuallererst nach sich selbst zu schauen. Selber schuld, wer nichts aus sich macht. Man muss schließlich sehen, wo man bleibt. Und wenn ich es nicht tue, dann macht es ein anderer. Mit meiner Anständigkeit kann ich die Welt nicht verändern. Das Leben verlangt eben manchmal harte Entscheidungen, wenn man etwas erreichen will.

Unbeirrt war er seinen Weg gegangen. Immer weiter nach oben. Wo die Äste dünn werden, ist kein Platz für einen zweiten.

Er war einsam geworden in seinem Erfolg. Bei seinen Freunden wusste er nicht, ob sie ihn meinten, oder seinen Einfluss und seine Wichtigkeit.

Er spürte, wenn das das Ziel war, an dem er angekommen war, dann hatte er sich verlaufen. Bei allem, was er hatte fehlte ihm Entscheidendes. Das war nicht der Horizont, in dem er sein Leben sehen wollte. Zufrieden war er jedenfalls nicht.

Ob Zachäus auch so einer war, der Zöllner, von dem der heutige Predigttext erzählt. Lk 19,1-10

1 Und Jesus ging nach Jericho hinein und zog hindurch. 2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. 3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. 4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. 5 Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. 6 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. 7 Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. 8 Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. 9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. 10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Zachäus. Wir wissen nicht, was ihn bewog Zöllner zu werden.

Das Land war von den Römern besetzt. Die überließen in ihren Provinzen in der Regel die Verwaltung denen, die sie besiegt hatten. Aber sie wollten Soldaten für ihre Kriege und sie wollten Geld um sie zu bezahlen und um ihre Macht auszubauen. Das System war einfach. Handel gab es überall. Und auf den Handel konnte man Abgaben erheben. Dazu errichteten sie an den Handelswegen und vor den Markplätzen ihre Zollstationen. Die wurden zu einem festen Preis verpachtet. Wie die Zollpächter zu diesem Geld kamen, war ihre Sache. Was sie mehr einnahmen als den Pachtzins, das war ihr Verdienst.

Zachäus war einer von Ihnen. Einer, der mit den Siegern gemeinsame Sache machte, ein Kollaborateur. Einer, der seine Landsleute ausnahm, einer, der von ihrem Geld reich geworden war.

Einer, wen wundert es, der bei niemandem beliebt war, einer der wohl recht früh den Maßstab für angemessene Zollforderungen verloren hatte. Er wollte hoch hinaus. Hatte seine Ziele. Und er stieg auf. Ein Oberer der Zöllner. Je weiter oben er war, desto dünner waren die Äste. Und desto größer war die Abscheu seiner Landsleute vor seinem Tun. Betrug schwingt mit in seinem Geschäftsgebaren.

Zachäus war nicht zufrieden. Er hatte seinen inneren Kompass verloren oder falsch eingestellt. Was er erreicht hatte, war nicht das Ziel, das ihn einst leitete. Er hatte sich verstiegen.

Mag sein, er kann es nicht zugeben. Mag sein, er sucht die Heimlichkeit, die Diskretion. Aber er ist auf der Suche nach einer Veränderung. Er weiß, dass es anders werden muss, damit es besser werden kann.

Jesus wird zum Inbegriff seiner Hoffnung. Sein Privatleben, seine innere Unzufriedenheit ging niemanden etwas an. Das hätte ihn verletzlich gemacht. Und der Baum versprach diese Diskretion, ohne die es für ihn nicht ging: Alles sehen können ohne gesehen zu werden.

Jesus kommt. Er sieht nicht die vielen, die ihn begeistert erwarten, er bleibt vor dem Baum stehen. Er sieht den, der sich versteckt hat, den, der seinen Traum nicht offen leben kann, den, der sich verstiegen hat, den, der die Orientierung verloren hat. Es ist, als würde Jesus ihn seit langem kennen. Seinen Namen und seine Sehnsucht und seine innere Not. „Ich will, ich muss heute noch bei dir zu Gast sein.“ Was für eine Befreiung für den Einsamen. Was für eine Wohltat für den Ausgegrenzten.

Jesus redet nicht nur. Er kommt tatsächlich. Er stillt die Sehnsucht des Herzens. Er bringt zurück, was er verloren hatte. Mit Jesus erlebt er beides: menschliche Nähe und die Nähe Gottes, die sein Leben aufdeckt. Im Licht der Gegenwart Gottes liegt sein Leben offen vor Zachäus. "Heute ist diesem Haus Heil widerfahren," sagt Jesus.

Zachäus wird wieder gemeinschaftsfähig. Was ihn einsam gemacht und ausgegrenzt hat, wird überwunden. Die Wende vollzieht sich in der Begegnung mit Jesus in der die Sünde ihre Macht verliert.

Der Blick weitet sich wieder. Er findet seinen inneren Kompass wieder, sieht wieder die Ziele, für die es sich lohnt, und die Wege, die er gehen kann. Der Reiche und Mächtige geht durchs Nadelöhr. Er tritt wieder mitten hinein in die Gemeinschaft der Hoffenden und Verantwortenden, der Glaubenden und der Liebenden.

Und das verändert ihn. Er bringt in Ordnung, was sich in Ordnung bringen lässt und trennt sich von einem Teil seines Vermögens.

Er legt die Saat für ein Stück mehr Gerechtigkeit und ein mehr an Akzeptanz.

Da ist seinem Haus Heil widerfahren, Nicht nur ihm allein. Es strahlt auf alle aus, die um ihn sind.

So schaue ich in den Baum unter dem wir sitzen, schaue hinauf. Hier sitzt keiner drin, hier versteckt sich keiner. Und doch wird dieser und jeder andere Baum zum Zeichen der Hoffnung für alle, die sich verstiegen haben, die ihren inneren Kompass verloren haben, die den falschen Ziele gefolgt sind, dass nichts so bleiben muss wie es ist, weil Jesus uns die Umkehr ermöglicht, er öffnet das Enge ins Weite, er lässt und neue Horizonte entdecken und füllt unsere Herzen mit seinem Geist, der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Amen.

 

Lied: NL+ 28 Du hast Erbarmen

Du hast Erbarmen und zertrittst all meine Schuld. Du hilfst mir auf in deiner Treue und Geduld. Du nimmst mir meine Last, nichts ist für dich zu schwer. Du wirfst all meine Sünden tief hinab ins Meer. Wer ist ein Gott wie du, der die Sünde verzeiht und das Unrecht vergibt? (Oh, oh) Wer ist ein Gott wie du? Nicht für immer bleibt dein Zorn bestehn, denn du liebst es, gnädig zu sein.

Text und Melodie: Albert Frey. © SCM Hännsler, Holzgerlingen, für Immanuel-Music, Ravensburg

 

Fürbitten

Gott, du lässt uns die Botschaft hören: Wer sich verstiegen hat, wer einsam geworden ist in den dünnen Ästen, der kann einen Neuanfang wagen, weil deine Liebe das Leben öffnet und den Horizont weitet.

Gott, wir erleben deine Liebe und deine Güte. Aber wenn wir uns umschauen, dann sehen wir so viel Leid und Elend. Flüchtlinge in Moria, die nichts mehr haben und keinen finden, der großzügig ihre Not beendet. Welcher Kompass gibt uns die Richtung? Menschenfreundlichkeit und Nächstenliebe?

Gott, wir bitten dich für alle, die nicht drüber raussehen. Deren Möglichkeiten eingeschränkt sind, durch Krankheit, Armut oder Ausgrenzung. Schenke ihnen neue Perspektiven und hilf uns, das zu ermöglichen.

Gott, stärke unseren Glauben, unsere Hoffnung und unseren Mut, damit wir zu Boten deiner Güte werden, damit wir von unserem Glauben erzählen und dem Halt, den wir darin finden und der Orientierung, die er uns schenkt. Fülle unsere Herzen mit deinem Geist und schenke der Erde ein menschliches Gesicht. Amen.

Gemeinsam beten wir

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lied NL+ 102 Allein deine Gnade genügt

Allein deine Gnade genügt, die in meiner Schwachheit Stärke mir gibt. Ich geb dir mein Leben und was mich bewegt. Allein deine Gnade genügt.

1. Ich muss mich nicht länger um Liebe bemühn, ich habe Vertrauen zu dir. Du hast meine Sünde getilgt durch dein Blut und Gnade ist für mich genug.

Allein deine Gnade genügt, die in meiner Schwachheit Stärke mir gibt. Ich geb dir mein Leben und was mich bewegt. Allein deine Gnade genügt.

2. Das Blut Jesu lässt mich gerecht vor dir stehn, es hat alle Schuld gesühnt. Die Gnade hat über Gericht triumphiert, und nun bin ich frei in dir.

Allein deine Gnade genügt, die in meiner Schwachheit Stärke mir gibt. Ich geb dir mein Leben und was mich bewegt. Allein deine Gnade genügt.

 

Bleiben Sie behütet und bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

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Gottesdienstliche Gedanken zu Apg 6,1-7 am 13. Sonntag nach Trinitatis

Gruß: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

gesungen:  Amen 

Zu unseren Gottesdienstlichen Gedanken grüße ich Sie mit dem Wochenspruch:Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Mt 25,40

 

Lied: NL+ 152: Herr, wohin sonst sollten wir gehen

Herr, wohin sonst sollten wir gehen? Wo auf der Welt fänden wir Glück? Niemand, kein Mensch kann uns so viel geben wie du. Du führst uns zum Leben zurück. Nur du, nur du schenkst uns Lebensglück. Aus deinem Mund höre ich das schönste Liebeslied. An deinem Ohr darf ich sagen, was die Seele fühlt. An deiner Hand kann ich fallen und du hältst mich fest. An deinem Tisch wird mein Hunger gestillt.

Text und Melodie: Thea Eichholz-Müller. © 2000 Gerth Medien Musikverlag, Asslar

 

 

Psalm 68 NL+ 905 (Psalm 68, 4–7.20–21.35–36)

Die Gerechten freuen sich /und sind fröhlich vor Gott *und freuen sich von Herzen.

Singet Gott, lobsinget seinem Namen! /Macht Bahn dem, der auf den Wolken einherfährt; er heißt HERR. Freuet euch vor ihm!

Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung,

ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt, / der die Gefangenen herausführt, dass es ihnen wohlgehe; aber die Abtrünnigen bleiben in dürrem Lande.

Gelobt sei der HERR täglich. Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.

Wir haben einen Gott, der da hilft, und den HERRN, einen Herrn, der vom Tode errettet.

Gebt Gott die Macht! Seine Herrlichkeit ist über Israel und seine Macht in den Wolken.

Zu fürchten bist du, Gott, in deinem Heiligtum. Er ist Israels Gott.

Er wird dem Volk Macht und Kraft geben. Gelobt sei Gott!

 

Gebet

Himmlischer Vater, du rufst mich in deine Gegenwart. Du lässt mich aus den Quellen deiner Güte schöpfen. Du verleihst mir neue Kraft. Du veränderst mich durch deine Liebe.

Du kennst die Wege meines Lebens. Du weißt, wo ich in die Irre gegangen bin,

obwohl ich es gut gemeint habe. Deine Liebe legt nicht fest. Deine Liebe befreit.

Deine Liebe öffnet die Zukunft. Deine Liebe stellt unser Leben ins Licht.

Du willst nicht, dass wir die Orientierung verlieren. Du willst, dass wir den Weg finden,

auf den andern zu, der uns anvertraut ist. Du willst, dass wir aus deiner Liebe leben,

nicht nur für uns selbst, sie soll ausstrahlen und wirken wie deine Liebe, damit sie unser Miteinander prägt, mit Vertrauen und Aufmerksamkeit, mit herzlicher Verbundenheit, mit der Bereitschaft trotz mancher Enttäuschung Neues zu wagen. Dir vertraue ich mich in der Stille an. Zeige mir wie du mein Leben leiten willst, zu einem Leben aus deinem Geist, aus deiner Liebe, aus deiner Barmherzigkeit, aus deinem Frieden.

 

Lied:  NL 86,1-5 Wenn das Brot, das wir teilen

1. Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt, , dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.

2. Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt und die Not, die wir lindern, zur Freude wird, , dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.

3. Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt, , dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.

4. Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird, , dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.

5. Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist und der Tod, den wir sterben, vom Leben singt, , dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.

Text: Claus Peter März; französisch: Danielle Guerrier Koegler 2011. Melodie: Kurt Grahl. © Text und Melodie: bei den Urhebern. © Französischer Text: Strube, München

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

viele Menschen haben eine gewisse Sehnsucht nach einem übersichtlichen Leben, nach geordnetem Miteinander, nach Harmonie und Ausgewogenheit, nach Berechenbarkeit und Gerechtigkeit.

Das klingt nicht gerade nach Abenteuerlust, eher konfliktscheu als danach, mit offenem Visier die Auseinandersetzung suchen.

Wer keinen Konflikt will, beschwichtigt die Probleme, redet Krisen klein, deeskaliert.

Können Sie solche beschwichtigenden Sätze noch hören wie: In der Krise die Chance entdecken? Wenn das Ziel nicht erreicht werden kann, dann ist halt der Weg das Ziel?

Krisen erleben wir wahrlich genug. Wir brauchen nur die Zeitung aufzuschlagen oder das Fernsehen einzuschalten oder die Schlagzeilen im Internet anzusehen. Alles voller Krisen. 

Wir erleben sie dramatisch, weil sie unserer Sehnsucht nach einem übersichtlichen Leben widersprechen.

Schauen wir einmal hinein in die Zeit unseres Predigttextes aus der Apostelgeschichte. Da wird so ein übersichtliches Leben dargestellt. Nach dem Pfingstfest haben sich die Christen in Jerusalem unter der Leitung der 12 Apostel zu einer Gemeinde zusammengefunden. Ein fröhliches Miteinander. Lukas beschreibt sie so: „Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre, im Brotbrechen und im Gebet und hatten alles gemeinsam.“

Das Bild von einem geradezu idealisierten Leben, jeder teilt, was er hat. Jeder bekommt was er braucht. Die Gemeinde wächst. Die einen kommen wegen dem Evangelium und dem geteilten Glauben, andere kommen wegen dem Brot, andere wegen beidem. Aber sie alle kommen. Nur, wer wenig hat, teilt leichter mit den anderen als der, der viel hat.

Wir wissen nicht, ob es jemals funktioniert hat, dieses idealisierte Miteinander. Zu unterschiedlich waren die Menschen, die da zusammenkamen, Alteingesessene Juden, die täglich zum Tempel gingen, festverwurzelt in ihren Traditionen und unter den Menschen in der Stadt, sie sprachen hebräisch wie schon immer.

Und da waren Juden aus der Ferne, die oft im Alter nach Jerusalem zurückkehrten, um dort ihren Lebensabend zu verbringen und einmal in Jerusalemer Erde beerdigt zu werden. Sie sprachen griechisch, wie immer. Sie hatten kein Netzwerk in der Stadt, in der Regel auch keine Verwandtschaft im Hintergrund. Dass das gerade für die Witwen zu ganz unterschiedlichen Lebensumständen führte, ist leicht zu verstehen. Die Einen hatten ein dichtes Netz, in dem sie aufgefangen waren, die anderen hatten niemanden.

Und doch verstanden sie sich alle als eine nicht ganz ideale, aber idealisiert dargestellte Gemeinde.  Es kam zum Konflikt.

Ich lese aus Apg 6,1-7

1 In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung.2 Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir für die Mahlzeiten sorgen und darüber das Wort Gottes vernachlässigen.

3 Darum, ihr lieben Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Heiligen Geistes und Weisheit sind, die wir bestellen wollen zu diesem Dienst.

4 Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben.

5 Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Judengenossen aus Antiochia.

6 Diese Männer stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten die Hände auf sie.

7 Und das Wort Gottes breitete sich aus und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.

Wer sich idealisiert präsentiert, neigt dazu Probleme unter den Teppich zu kehren – die ideale Ehe, die ideale Familie, das ideale Unternehmen, die ideale Gemeinde- das Ideale duldet keinen Schatten auf der weißen Weste.

Wie aber damit umgehen, wenn man nur die Spitze des Eisbergs sieht?

Die offizielle Lesart ist gut und hilfreich:

Eine einfache Botschaft: Alleine kannst du es nicht schaffen.

Eine wachsende Gemeinde braucht angepasste Strukturen. Wir stöhnen in unseren Kirchen manchmal über die Vielschichtigkeit der Gremien und Strukturen, aber darin ist unsere Kirche lebensfähig. Wir fragen zurzeit manchmal andersherum: Was brauchen wir noch, wenn die Mitgliederzahlen sinken und die Kirchengemeinden kleiner werden?

Der Blick auf die Anfänge gibt da wohl einen Impuls: Welche Ebene hat sich zuerst ausgebildet? – Was muss also bleiben?

Neben die Apostel, die seither alles gemacht hatten, Verkündigung und Leitung, Lehre und Organisation und Schauen und Kümmern,

neben die alles in allem Apostel tritt ein neues Profil: Die Diakoninnen und Diakone (damals waren die Frauen in Leitungspositionen allerdings noch nicht in Sichtweite.)

Alles in allem – das geht in einer wachsenden Gemeinde nicht mehr. Aber das erste, das entsteht, das aus unserer Sicht heute also unverzichtbare, das ist die Sorge um die, die benachteiligt sind.

Diakoninnen und Diakone sorgen sich um die Gerechtigkeit in der Gemeinschaft, sie sorgen sich um die Lebensmöglichkeiten für die Benachteiligten und sie verstehen ihr Handeln zurecht als gelebte Verkündigung des Evangeliums. Wer von Liebe und Vertrauen erzählt, von der Güte Gottes und vom Segen, der kann an denen nicht vorübergehen, der kann die nicht übergehen und übersehen, die benachteiligt sind.

Dort sind es also die Diakone, die sich um die griechischen Witwen kümmern, um die Gerechtigkeit bei der Essensverteilung und so um den Frieden in der idealisierten Gemeinde, der wieder hergestellt scheint.

Auch wir kennen diese Spezialisierung innerhalb unserer Kirche, die in der Diakonie mit viel Fachpersonal Menschen begleitet und Lebensmöglichkeiten aufzeigt, öffnet, oder ihnen in ihren Einschränkungen ein würdiges Dasein ermöglichen will. Das ist ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft und unserer Kirche. Diakonische Einrichtungen wie die Karlshöhe, oder unsere Diakonischen Bezirksstellen, oder die Wohnungslosenhilfe, oder… sie tragen viel zum Ansehen unserer Kirche bei. Sie sind die sichtbare Seite unserer Nächstenliebe und unserer Verkündigung des Evangeliums. Und sie sind entstanden aus den Gemeinden, die ihrem Glauben eine sichtbare Gestalt geben wollten. Für mich war es daher kein großer Schritt, bei den Projekten für unseren freiwilligen Gemeindebeitrag auch ein Projekt aus der Diakonie darzustellen. Für viele sind es gerade diese Einrichtungen der Diakonie, die sie in der Kirche halten. Eine Kirche, die diakonisch handelt hat Strahlkraft und Reichweite.

Wenngleich auch hier – und das sei am Rande angemerkt, in oftmals idealisierten Einrichtungen.

Was damals geholfen hat, das hilft uns auch heute: Die Bereitschaft zu Anpassung und Veränderung. Behutsam und schrittweise.

Da tut es manchmal gut, wenn man den Konflikt unter der Decke wahrnimmt. Konflikte sind Störungen im Miteinander, die wir nicht scheuen sollten. Schließlich weisen sie auf Entwicklungen hin, die eine Veränderung brauchen, sie zeigen auf, wo Weichen neu gestellt werden müssen, nicht weil das Alte schlecht war, sondern damit die Gemeinschaft in ihrer Breite zukunftsfähig bleibt.

Konflikte lassen uns entdecken – in unserem eigenen Leben wie in einer Gemeinde, wo wir nochmal genau hinschauen müssen und Abläufe, Prozesse, Reaktionsmuster verbessern können. Sie sind nicht angenehm, sie sind nicht erwünscht und sind am Ende doch hilfreich und nötig.

Neben den idealisierenden Text der Apostelgeschichte treten Beobachtungen im Text.

Die Lösung klingt gut. Hier die Apostel, da die Diakone. Das sieht zunächst aus wie eine mittlere Führungsebene, die da eingezogen wurde.

Und doch fällt an dieser Führungsebene auf: Alle Namen der Diakone sind griechisch. Sie sind wohl eher eine Führungsebene für die Zugezogenen. Und es fällt auf: Es sind 7. Das ist wohl doch kein Zufall, dass es gerade 7 sind wie in den Leitungsgremien der Synagogengemeinden jener Zeit. Und in der Folge treten die 7 in erster Linie nicht auf um Lebensmittel zu verteilen, sondern um ihre theologischen Standpunkte dazulegen. Die Unterschiede im Verständnis des Glaubens und in den Traditionen waren wohl stärker als die Sehnsucht nach Einheit.

Schon damals entstand eine Einheit in der Vielfalt wie wir sie heute in unterschiedlichen Konfessionen mit unterschiedlichen Traditionen und Schwerpunkten leben.

Entscheidend für uns alle ist aber, dass wir Konflikten, da wo wir sie sehen, nicht aus dem Weg gehen, sondern sie als Impuls annehmen, Prozesse und Muster zu überdenken.

Die Sehnsucht nach einem übersichtlichen Leben, nach geordnetem Miteinander, nach Harmonie und Ausgewogenheit, nach Berechenbarkeit und Gerechtigkeit werden wir nicht immer stillen können, aber wir können aus unserem Glauben und aus dem versöhnenden Geist Jesu Christi Wege suchen, die der idealisierten Erzählung entsprechen, in gegenseitigem Respekt, in Anerkennung von Bewährtem und in der Offenheit für das, was an Neuem wachsen muss. Amen.

 

Lied:  NL+ 221: Wo ich auch stehe, Du warst schon da

1. Wo ich auch stehe, du warst schon da. Wenn ich auch fliehe, du bist mir nah. Was ich auch denke, du weißt es schon. Was ich auch fühle, du wirst verstehn.

Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst. Herr, du richtest mich wieder auf, und du hebst mich zu dir hinauf. Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.

2. Du kennst mein Herz, die Sehnsucht in mir. Als wahrer Gott und Mensch warst du hier. In allem uns gleich und doch ohne Schuld. Du bist barmherzig, voller Geduld.

Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst und dass du mich beim Namen nennst und mir vergibst. Herr, du richtest mich wieder auf, und du hebst mich zu dir hinauf. Ja, ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.

Text (nach Psalm 139,1–2) und Melodie: Albert Frey 1994. © SCM Hänssler, Holzgerlingen, für Immanuel Music

 

Fürbitten und Vater unser

Wir wollen dich bitten Gott, für uns und für deine Kirche, dass unser Glaube in uns Vertrauen und Hoffnung weckt, dass wir Sicherheit daraus gewinnen, Ruhe und Orientierung.

Und dann lass uns zusammenwirken in dieser Welt, jeder mit seinen Gaben, jeder in seinem Aufgabenfeld.

Lass uns unseren Glauben sichtbar leben, in Nächstenliebe und im Wahrnehmen und kümmern.

Mit offenen Augen für die Konflikte, die gesehen werden wollen, mit offenen Augen für gute Lösungen, die uns weiterbringen. Und mit geöffneten Händen und Herzen, die die Not lindern.

Lass uns miteinander finden, was uns guttut und was jetzt nötig ist.

Damit wir offen sind für die Veränderungen, die hilfreich sind und uns nach vorne bringen.

Erfülle uns mit deinem Geist, der uns die Richtung weist und uns mutig unsere nächsten Schritte finden lässt. Amen.

Zu dir rufen wir gemeinsam:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lied: Keiner ist wie du

Keiner ist wie Du! Niemand sonst berührt mein Herz so wie Du.

Wo auch immer ich noch suchte, o Herr, es bleibt: Keiner ist wie Du!

 

Erbarmen fließt wie ein weiter Strom und Heilung strömt aus Deiner Hand. Kinder mit Wunden sind sicher bei Dir. Keiner ist wie Du!

 

Keiner ist wie Du! Niemand sonst berührt mein Herz so wie Du.

Wo auch immer ich noch suchte, o Herr, es bleibt: Keiner ist wie Du!

  

Text: Lenny LeBlanc nach 1. Chronik 17, 20 Deutsch: Martin Pepper

 Melodie: Lenny LeBlanc Satz: David Plüss

 

Bleiben Sie behütet und bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

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Gottesdienstliche Gedanken zum 12. Sonntag nach Trinitatis, 30.8.2020

Eingangswort Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen. Zu unseren gottesdienstlichen Gedanken am 12. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest grüße ich sie ganze herzlich mit dem Wochenspruch aus Jes 43.3:

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen.

 

Lied: NL121,1-5 Die Himmel erzählen

Refrain: Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Erde verändert ihr altes Gesicht. Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Erde lebt auf und wird licht.

1. Ein Tag erzählt's dem andern. Selbst Nacht für Nacht wird klug. Kaum hörbar die Stimme, die weltweit wandert. Aber Schweigen sagt oft schon genug.

2. Ein Zelt baut sich die Sonne, aus Wolken eine Bahn. Kaum fassbar die Freude, belebende Wonne - und die Klarheit greift Finsternis an.

3. Ein Wort, von Gott gegeben, tut Herz und Seele gut. Kaum denkbar die Güte, von der wir leben, gegen alle Angst macht sie uns Mut.

4. Ein Herz, in Gott geborgen, befolgt auch sein Gebot. Kaum sichtbar die Hoffnung in schweren Sorgen, und doch hilft sie uns mindern die Not.

5. Mein Lied wird Gott gefallen, verschweigt es nicht die Schuld. Kaum spürbar, doch meint er es gut mit uns allen, ja, er sucht uns in großer Geduld.

Text (zu Psalm 19): Jan Janssen 2008; französisch: Danielle Guerrier Koegler 2013. Musik: Fritz Baltruweit 2008. © tvd-Verlag, Düsseldorf

 

Psalm 36 (719)

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

  und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

 

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes

und dein Recht wie die große Tiefe.

  Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

 

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,

  daß Menschenkinder unter dem Schatten

  deiner Flügel Zuflucht haben!

 

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,

  und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

 

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

  und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

 

Eingangsgebet

es tut mir gut, vor dir zu stehen, einzutauchen in das Kraftfeld deiner Liebe.

Deine Güte bewegt mich, an deiner verbindenden Liebe will ich mich orientieren.

Stecke mich an mit deinem Geist des Friedens. Bewege mich durch deine Liebe,

die das Gute sieht und festhält ohne gleichgültig zu werden, ohne sich ausgenützt zu fühlen,

ohne den eigenen Wert zu verlieren und die Achtung vor mir und den anderen.

Es tut mir gut, Gott, vor dir zu stehen und die Solidarität zu finden, in der Mangel und Überfluss einander ausgleichen, in der Gerechtigkeit aufleuchten kann, als Herausforderung und als Ziel, das es zu erreichen gilt.

Es tut mir gut, Gott, vor dir zu stehen, weil du mein Leben im Licht deiner Güte siehst.

 

Stilles Gebet

Danke Gott, dass Du unsere Bitte hörst, lass sie für uns und andere zum Segen werden. Amen.

Lied EG 289, 1.5 Nun lob mein Seel den Herren

1. Nun lob, mein Seel, den Herren, was in mir ist, den Namen sein. Sein Wohltat tut er mehren, vergiss es nicht, o Herze mein. Hat dir dein Sünd vergeben und heilt dein Schwachheit groß,

errett’ dein armes Leben, nimmt dich in seinen Schoß, mit reichem Trost beschüttet, verjüngt, dem Adler gleich; der Herr schafft Recht, behütet, die leidn in seinem Reich.

 

5. Sei Lob und Preis mit Ehren Gott Vater, Sohn und Heilgem Geist! Der wolle in uns mehren, was er aus Gnaden uns verheißt, dass wir ihm fest vertrauen, uns gründen ganz auf ihn,

von Herzen auf ihn bauen, dass unser Mut und Sinn ihm allezeit anhangen. Drauf singen wir zur Stund: Amen, wir werden’s erlangen, glaubn wir von Herzensgrund.

 

Predigtgedanken zu 1.Kor 3,9-15

In jede Begegnung, in jedes Gespräch, in jede Auseinandersetzung bringen wir unsere Erfahrungen mit, Erlebnisse, die uns geprägt haben, Reaktionsmuster, die wir ausgebildet haben. Keiner von uns ist ein unbeschriebenes Blatt. Wir tragen Spuren des Lebens an uns und die Erfahrung, dass da Menschen waren, die uns Vorbilder waren, an denen wir uns orientieren konnten, von denen wir vieles gelernt und übernommen haben. Vieles bewusst und voller Überzeugung, anderes sicher auch unbewusst.

Aber wir sind ja nicht fertig mit unserer Persönlichkeitsentwicklung, immer wieder kommen wir mit den vorhandenen Mustern an unsere Grenzen, dann sind wir offen für neue Anregungen, dann müssen wir uns umorientieren, neue Wege versuchen. Vorsichtig. Tastend. In vollem Bewusstsein oder unbewusst.

Unser Predigttext nimmt uns in diese Thematik hinein. Hier im Blick auf die konkrete Situation in einer konkreten Gemeinde. Ich lese aus 1. Kor 3,9-15:

Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Ich nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.

Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird's klarmachen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.

Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.

Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.

Die Geschichte hinter diesem Text ist schnell erzählt. Der Apostel Paulus kam auf seiner 2. Missionsreise nach Korinth. Von 50-52 n. Chr. wirkte er dort und gründete eine Gemeinde, die mit der Zeit mehr und mehr wuchs. Als Paulus weiterzog, kam Apollos nach Korinth und begleitete den Gemeindeaufbau erfolgreich weiter.

Es gab wohl auch zugezogene Gemeindeglieder, die von Petrus geprägt waren.

Viele hatten vorher an heidnische Götter geglaubt, wenige waren aus dem Judentum zum Glauben an Christus gekommen.

Als dann auch Apollos weitergezogen war, hatte die Gemeinde ihre Balance verloren. Sie ist in der Krise. Paulus sieht eine Gemeinde vor sich, in der sich Parteien zusammengefunden haben, die endlos miteinander debattieren und sich profilieren. Jeder schaut nur auf Seines und hält sich für besonders bedeutsam: Wir sind von Paulus geprägt, wir von Apollos, wir von Petrus, oder gar: Wir fühlen uns nur dem erhöhten Christus verpflichtet, wir lassen uns von niemandem was sagen.

In diese Situation hinein schreibt Paulus seinen Brief. Er mischt sich ein. Er will Impulse setzen, zum Nachdenken anregen, eine Veränderung bewirken. Das ist nicht immer willkommen, wer kennt sie nicht, die ungebetenen guten Ratschläge. Und doch will er die Streitenden mit seinem Bild von Gemeinde konfrontieren und ihren Horizont weiten, Wege aufzeigen, Lösungen andeuten.

Paulus ist die Einheit der Gemeinde und der Zusammenhalt wichtig. Er sieht ihre Aufgabe nicht darin, sich mit sich selbst zu beschäftigen und sich aneinander abzuarbeiten. Konflikte entstehen – auch heute noch. Sie gehören dazu. Sie müssen angeschaut und aufgearbeitet und bewältigt werden. Sie sind Arbeit, Teil unserer Aufgabe. Aber sie sind nicht die Mitte, um die sich alles dreht.

Neben das Bild der debattierenden Parteien stellt er sein Bild von Gemeinde. Er greift ein Bild aus jener Zeit auf. Das Bild des gemeinsamen Hauses, in dem alle vereint sind. Und er verbindet es mit der Erfahrung der Menschen in den Städten jener Zeit mit ihren engen Gassen. Immer wieder kam es da zu verheerenden Bränden. Je nach Baumaterial blieb von den Häusern nichts mehr übrig, oder wenigstens das Fundament, oder der Sockel, oder die Wände…

Und ich denke, wir spüren, was er meint. Manche Krise wird zur Feuerprobe, die zeigen kann, was Bestand hat, was trägt, was bleibt. und was nicht.

Was bleibt? Paulus mahnt die Gemeinde, mit Ernst zu finden, was der Feuerprobe standhält.

Eine Neuausrichtung ist nötig, es geht nicht darum wer gewinnt und wer verliert, es geht um den Zusammenhalt, um die Gemeinsamkeit und um die Strahlkraft, die einlädt an diesem Bau mitzubauen.

Mir ist dieses Bild wichtig. Ich denke, es geht auch in unseren gegenwärtigen Krisendiskussionen nicht darum, sich zu profilieren, oder die Bedürfnisse einzelner Interessensgruppen in den Vordergrund zu stellen, sei es in der Gesundheitskrise, die uns in Atem hält oder in der Klimakrise, die eine noch wesentlich größere Tragweite hat, oder in den wirtschaftlichen Folgen, die beide mit sich bringen.

Das gemeinsame Haus ist nicht mehr die Gemeinde in Korinth, die Gemeinde ist ein Erfahrungsfeld, in dem wir Stärke und Orientierung finden. Das gemeinsame Haus ist längst global. Es ist längst geboten, dass wir nicht mehr kontrovers streiten und unsere unterschiedlichen Interessen aufeinanderprallen lassen wie in vielen Talkshows. Es wäre schon lange nötig, dass wir konstruktiv diskutieren, gemeinsam bauen, unsere Erkenntnisse zusammentragen, jeder aus seinem Fachbereich und miteinander nach Lösungen suchen, die weiterbringen, mit dem Fokus nicht auf kurzfristige Vorteile, sondern langfristige Lebensperspektiven.

Aber das kann da leichter gelingen, wo es ein gemeinsames Fundament gibt. Eine gemeinsame Überzeugung, eine gemeinsame Grundlage, auf die sich alle berufen können.

Und dann baut nicht alle drauf los, mit Holz, oder Lehm oder Stein, sondern findet heraus, was jetzt der Bedrohung standhält.

Für uns als Christen kann sicher gelten: Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Auf diesem Grund sind Grundsätze gewachsen, die ausgestrahlt haben. Sie haben nicht umsonst Eingang in unsere Verfassung gefunden und in die Grundsatzpapiere internationaler Organisationen. Sie stehen nicht zur Diskussion: Dass alle Menschen den gleichen Wert und die gleiche Würde haben. Und das gleiche Recht auf Leben… Egal welcher Herkunft, egal welcher Hautfarbe, egal ob gesund oder krank. Vieles krankt in unserer Gesellschaft gerade daran, dass sich Gedanken einschleichen, die an diesem Fundament rütteln.

Aber dieses Fundament ist der Grund auf dem unser gemeinsames Haus steht. Das erfordert von uns Verantwortung und Toleranz, Solidarisches Handeln und die Bereitschaft, sich und die eigenen Interessen zurückzunehmen zu können. Wie in einer Hausgemeinschaft, wie in einer Familie, wie in einer WG.

Ob wir schon Feuer unter dem Dach haben? Weil internationale Vereinbarungen an Wert verlieren, weil der Klimawandel sich immer mehr beschleunigt, weil demokratiefeindliche Bewegungen an vielen Orten auf dem Vormarsch sind und solidarische Zusammenschlüsse immer mehr Mitglieder verlieren?

Es wird auch uns weiterführen, wenn wir uns an dem gemeinsamen Fundament orientieren, an dem Bild von einem Miteinander unter den Menschen, das sich an der Liebe Gottes zu seiner Welt und seinen Geschöpfen ausrichtet. Und nicht mitbauen an den seltsamen Hütten die auf dem Fundament menschenverachtender und egoistischer Ideale, offener Lügen und seltsamer Verschwörungstheorien entstehen.

Das ist nicht bequem und das ist nicht immer einfach. Aber im gemeinsamen Haus brauchen wir diesen Geist, der uns zusammenführt und das Gemeinsame in den Mittelpunkt stellt. Amen.

Lied: 137 Finden wir verschiedenen zusammen

1. Finden wir Verschiedenen zusammen, arme Reiche, heimatlos daheim, finden uns in dem, von dem wir stammen, Jesu Glieder, Jesu Hände wolln wir sein.

2. Bitten Jesu Geist um seine Gaben: Hören, Achten, Lieben und Verzeihn, teilen Zeit und Mut und was wir haben, Jesu Schwestern, Jesu Brüder wolln wir sein.

3. Nehmen wir uns an in unsrer Schwachheit. Gott gibt Stärke uns in Brot und Wein, sendet uns hinaus im Geist der Wahrheit. Jesu Stimme, Jesu Zeugen solln wir sein.

4. Bringen wir uns ein in Gottes Namen, geben unsern Teil ins Ganze ein, sä'n wir auf sein Wort hin Gottes Samen. Jesu Acker, Jesu Weizen solln wir sein.

Text: Frieder Dehlinger 2017. Originaltitel „The Last Supper”. Musik: Andrew Lloyd Webber, Tim Rice. © Universal MCA Music Ltd. Universal MCA Music Publishing GmbH

Fürbittengebet

Wir bitten dich, Gott, für unsere Kirche. Hilf, dass sie ein Ort bleibt, an dem dein Wort und deine Liebe lebendig sind, ein Ort, von dem Impulse der Veränderung ausgehen, und an dem die Einladung weitergeht von Mensch zu Mensch und von Herz zu Herz, dass bei dir gute Wege ihren Anfang nehmen.

 

Wir bitten dich für das Miteinander der Menschheit: Lass nicht zu, dass Misstrauen und Ungerechtigkeit unsere Welt bleibend spalten. Weise uns Wege zu einer neuen Gemeinschaft unter den Völkern, Wege zu Frieden und Gerechtigkeit. Bewahre uns vor einer Eitelkeit,

die Unterschiede macht zwischen Mensch und Mensch.

 

Wir bitten dich, hilf uns, dass wir weder falschen Idealen nachlaufen, noch resignieren, noch aus Furcht verstummen. Mach in uns deine furchtlose Liebe stark, die sich der Gegenwart stellt und den Glauben stärkt und uns das Ziel zeigt, das du mit uns hast:

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lied NL 202 Verleih uns Frieden gnädiglich

Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsren Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine, denn du, unser Gott, alleine.

Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich!

Text: Martin Luther 1529 nach der Antiphon „Da pacem Domine” 9. Jh.; französisch: Yves Kéler 1989. Musik: Matthias Nagel. © Musik: Zebe Publishing, Berlin. © Text franz: beim Urheber

 

Segen

Bleiben Sie behütet und bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.


9. Sonntag nach Trinitatis am 2. August 2020

Eingangswort

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Ein herzliches Willkommen zu unseren gottesdienstlichen Gedanken.

 

Lied: NL 169 Komm und lobe den Herrn

Komm und lobe den Herrn, meine Seele, sing, bete den König an. Sing wie niemals zuvor nur für ihn, und bete den König an.

1. Ein neuer Tag und ein neuer Morgen, und wieder bring ich dir mein Lob. Was heut vor mir liegt und was immer auch geschehn mag, lass mich noch singen, wenn der Abend kommt.

2. Du liebst so sehr und vergibst geduldig, schenkst Gnade, Trost und Barmherzigkeit. Von deiner Güte will ich immer singen: zehntausend Gründe gibst du mir dafür.

3. Und wenn am Ende die Kräfte schwinden, wenn meine Zeit dann gekommen ist, wird meine Seele dich weiter preisen, zehntausend Jahre und in Ewigkeit.

Text und Melodie: Matt Redman und Jonas Myrin; deutsch: David Hanheiser und David Schnitter.
© 2011 Thankyou Music/Said and Done Music. Für D,A,CH: SCM Hänssler, Holzgerlingen

 

Psalm 63

Gott, du bist mein Gott, den ich suche.

Es dürstet meine Seele nach dir,

          mein ganzer Mensch verlangt nach dir

          aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum,

wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

          Denn deine Güte ist besser als Leben;

          meine Lippen preisen dich.

So will ich dich loben mein Leben lang

und meine Hände in deinem Namen aufheben.

          Das ist meines Herzens Freude und Wonne,

          wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;

wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich,

wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

          Denn du bist mein Helfer,

          und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

Meine Seele hängt an dir;

deine rechte Hand hält mich.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Gebet und Stilles Gebet

Gott, du bist uns nahe noch bevor wir zu dir kommen.
Du bist bei uns, noch bevor wir uns aufmachen zu dir.
Jetzt stehen wir vor dir.

Wir sehnen uns nach dir.

Wir sehnen uns nach Gemeinschaft.

Lass uns dich erfahren.
Vor dich bringen wir, was uns bewegt…

… Stille …

Du hörst mich, wenn ich mit dir rede. Das gibt mir Kraft. Amen.

 

Schriftlesung Matthäus 13, 44-46

Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.

Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

 

Lied: NL 121 Die Himmel erzählen die Ehre Gottes

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Erde verändert ihr altes Gesicht. Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Erde lebt auf und wird licht.

3. Ein Wort, von Gott gegeben, tut Herz und Seele gut. Kaum denkbar die Güte, von der wir leben, gegen alle Angst macht sie uns Mut.

4. Ein Herz, in Gott geborgen, befolgt auch sein Gebot. Kaum sichtbar die Hoffnung in schweren Sorgen, und doch hilft sie uns mindern die Not.

5. Mein Lied wird Gott gefallen, verschweigt es nicht die Schuld. Kaum spürbar, doch meint er es gut mit uns allen, ja, er sucht uns in großer Geduld.

Text (zu Psalm 19): Jan Janssen 2008; französisch: Danielle Guerrier Koegler 2013. Musik: Fritz Baltruweit 2008. © tvd-Verlag, Düsseldorf

 

Predigt zu Jeremia 1, 4-10

Brief eines werdenden Vaters:

Mein klitzekleines Gummibärchen,

da schwimmst du also im Bauch deiner wunderschönen Mama herum und weisst gar nicht, was hier draussen so vor sich geht. Wenn wir deinem kleinen grossen Bruder erzählen, dass wir dich in einigen Monaten in unserer Mitte haben werden, dann gluckst er vergnügt vor sich hin und winkt dir. Ich glaube, er kann dich sehen. Ich glaube er ahnt schon, wie kunterbunt und wuselig du sein Leben machen wirst. Wir freuen uns auf jeden Fall die Ohren rot, dass du bald da bist.

Aber es gibt noch andere Dinge, von denen ich dir erzählen muss. Vor denen ich dich beschützen werde, solange es nötig und solange Atem in mir ist. Hier draussen gibt es Menschen, die dir sagen wollen, wer du bist und was du zu tun hast, ohne dass sie dich kennen oder verstehen.

Aber trotzdem musst du dir keine Sorgen machen. Während du noch ein paar Runden schwimmst, schmiedet deine Familie Pläne gegen Pfeilspitzen und Ketten. Wir werden sie abfangen und zerbrechen. Wir werden dir zeigen, wie man sie entfernt und zersprengt. Und wir werden die zur Verantwortung ziehen, die dich fesseln und verletzen wollen.

Es wird anstrengend sein und manchmal über unsere Kräfte gehen, aber das ist es wert. Du bist es wert.

Papa                                            („Brief an mein ungeborenes Kind“ von Nils Pickert auf www.wireltern.ch)

 

Jeder Mensch bekommt, noch während er im Mutterleib schwimmt und langsam im Entstehen ist, Gaben und Fähigkeiten in sich gelegt. Eigenschaften, die ihn auszeichnen, die später mal etwas zeigen von dem, wer oder was er ist. Manche dieser Eigenschaften sind schon in den Genen angelegt, andere wird sich das Kind nach der Geburt und im Laufe seines Lebens aneignen, je nachdem, was ihm so in seinem Leben begegnet. Widerstandskraft zum Beispiel. Oder immer den Blick für die Bedürfnisse anderer zu haben.

Andere Gaben und Fähigkeiten, die ein Mensch hat, werden kaum zur Entfaltung kommen. „Das kannst du nicht, dafür bist du noch zu klein!“ oder „Das gehört sich nicht für ein Mädchen/für einen Jungen!“ oder … bekommen sie von klein auf zu hören und irgendwann glauben sie dann selbst daran.

Pfeilspitzen und Ketten nennt es der Vater im Brief an sein ungeborenes Kind.

 

Pfeilspitzen und Ketten liegen auch um das Denken des Menschenkindes mit dem Namen Jeremia, der von Gott quasi auch einen Brief erhält:

Und des HERRN Wort geschah zu mir (Jeremia): Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: "Ich bin zu jung", sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

„Ich kann nicht gut reden!“ sagt Jeremia und auch: „Ich bin zu jung!“.

Aber Gott sieht mehr in seinem geliebten Menschenkind als die Ketten, die das Denken Jeremias einengen. Und mehr als die Pfeilspitzen, die andere auf ihn abfeuern. Gott sieht die verborgenen Möglichkeiten, die in Jeremia wie ein ungehobener Schatz im Acker schlummern. Und er weiß, was er ihm zutrauen kann: er hat einen Auftrag für ihn.

Jeremia braucht keine speziellen Fähigkeiten, die ihn für sein Amt besonders qualifizieren. Er braucht allein die Zusage von Gott: Du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Seine Identität als Prophet wird nicht durch etwas definiert, dass seinem Selbstverständnis oder dem Bild, das andere von ihm haben, entspricht, sondern allein durch die Berufung von Gott her: Ich bin bei dir! Und du brauchst keine Angst haben vor den Pfeilspitzen und Ketten, die dich gefangen halten. Ich werde dir zeigen, wie man sie entfernt und zersprengt. Ich werde sie abfangen und zerbrechen.

Gott hat Jeremia berufen, er will ihn – und er will ihn genau so, wie er ist! Mit allem, was an Gaben und Fähigkeiten in ihn gelegt ist – aber auch mit allem, was er nicht kann.

Auf ihn wartet keine leichte Aufgabe: du sollst ausreißen und einreißen, zerstören und verderben, bauen und pflanzen. Klartext reden. Den Mund auftun da, wo andere ihre Augen verschließen. Die Aufgabe des Propheten ist es, seine Gegenüber wachzurütteln und Möglichkeiten aufzuzeigen: Schaut her – das will Gott wirklich für seine Welt!

Andererseits: Jeremia muss die Kraft nicht in sich selbst finden. Er bekommt sie von Gott.

 

Wenn jemand Klartext redet, dann ist das für die Umwelt meist ganz schön unbequem:

Black lives matter – schwarze Leben zählen! Warum hasst ihr Menschen nur weil sie eine andere Hautfarbe haben? Es gibt keine Rechtfertigung dafür, warum Leben und Arbeit eines Menschen mit einer anderen Hautfarbe oder einem anderen Geschlecht weniger wert sind!

Fridays for future: Wenn ihr so weiter macht, dann werden eure Kinder nicht mehr genug Luft zum Atmen haben! Meint ihr, ihr Recht auf Leben wäre weniger wert als eure Bequemlichkeit?

Oder auch: körperliche Unversehrtheit bestimmt nicht den Wert eines Menschen, weder vor noch nach seiner Geburt. Es muss Grenzen geben für eure Freiheit!

Aussagen wie diese zerstören das schöne Selbstbild, das Menschen und Nationen gerne um sich herum aufbauen. Sie haben sich eingerichtet in ihrer Welt. Deshalb bekämpfen sie Propheten bis aufs Blut.

Doch was für Jeremia gilt, das gilt auch für uns. Gott legt uns nicht fest auf die Gaben und Fähigkeiten, die ins eigene Weltbild oder das der anderen passen. Gott sieht die Möglichkeiten, die in uns stecken. Auch uns traut er zu, genau hinzuschauen und Klartext zu reden. Hinzuweisen auf die Pflicht zum Guten. Auf die Verantwortung jedes Einzelnen gegenüber Gott und seiner Schöpfung.

Und auch uns gibt er einen Brief mit auf den Weg:

 

Mein geliebtes Menschenkind,

du weißt gar nicht, wie sehr ich mich freue, dass es dich gibt. Auch wenn es so viele Menschen gibt, die dir sagen wollen, wer du bist und was du zu tun hast, ohne dass sie dich kennen oder verstehen. Lass dir das nicht einreden. Du bist gut so, wie du bist!

Aber da ist noch mehr: Du kommst aus meinem Herzen. Ich habe mich in dich gelegt. Und ich habe eine wichtige Aufgabe für dich: Geh in die Welt und zeig wer du bist! Zeig, was ich in dich gelegt habe!

Ich verspreche dir: ich bin bei dir. Ich werde dich beschützen. Du darfst aus mir leben.

Und ich verrate dir noch etwas:

Meine Gnade ist alles, was du brauchst. Denn gerade in den Schwachen lebt meine volle Kraft.

Amen.

 

Liedvortrag: Gott wird dich tragen

1. Gott wird dich tragen, drum sei nicht verzagt, treu ist der Hüter, der über dich wacht. Stark ist der Arm, der dein Leben gelenkt, Gott ist ein Gott, der der Seinen gedenkt.

Gott wird dich tragen mit Händen so lind. Er hat dich lieb wie ein Vater sein Kind. Das steht dem Glauben wie Felsen so fest: Gott ist ein Gott, der uns nimmer verlässt.

2. Gott wird dich tragen, wenn einsam du gehst; Gott wird dich hören, wenn weinend du flehst. Glaub' es, wie bang dir der Morgen auch graut, Gott ist ein Gott, dem man kühnlich vertraut.

3. Gott wird dich tragen durch Tage der Not; Gott wird dir beistehn in Alter und Tod. Fest steht das Wort, ob auch alles zerstäubt, Gott ist ein Gott, der in Ewigkeit bleibt.

Text: Frances Jane van Alstyne-Crosby vor 1890 / Walter Rauschenbusch 1890 / Günter Balders 2001

Melodie: Ira David Sankey 1890

 

 

Fürbitten und Vater unser

Fürchte dich nicht, sagst du uns, ewiger Gott.
Gründe zur Furcht gibt es viele in dieser Zeit:
Um Gesundheit, Leib und Leben,
um Vernunft, Frieden und Verständigung,
um Arbeit, Einkommen und Gerechtigkeit,
um diese Erde und was auf ihr lebt.
So fürchten wir uns aus vielen Gründen und sollen es doch nicht. Denn in der Furcht können wir nicht leben, nichts Gutes wirken.

Ich bin bei dir, sagst du uns, gnädiger Gott.
Ins Leben hast du uns gerufen, ohne dich wäre nichts da.
Durch Tage und Nächte hast du uns schon begleitet,
in Tiefen gestärkt,
zu Höhen geführt.
Wecke in uns den Sinn, dass du da bist, jetzt bei uns.
Damit wir ohne Furcht leben, dich und unseren Nächsten lieben.

Ich will dich erretten, sagst du uns, barmherziger Gott.
Nach Rettung rufen so viele Menschen, in unserem Land und in vielen Teilen der Erde.
Zeige dich,

sende deinen Geist,
dein Licht und deine Wahrheit,
dass es hell werde,
dass die Angst vergehe.
Und mache uns bereit, deine Mitarbeiter zu werden.

Weil du uns erretten willst, weil du bei uns bist, deshalb fürchten wir uns nicht, sondern vertrauen uns dir an und beten gemeinsam mit den Worten, die du uns gelehrt hast:

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lied: NL 167 Keinen Tag soll es geben

1. Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst: Niemand ist da, der mir die Hände reicht. Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst: Niemand ist da, der mit mir Wege geht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft, der halte unsren Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe.

2. Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst: Niemand ist da, der mich mit Kraft erfüllt. Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst: Niemand ist da, der mir die Hoffnung stärkt.

3. Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst: Niemand ist da, der mich mit Geist beseelt. Keinen. Tag soll es geben, da du sagen musst: Niemand ist da, der mir das Leben schenkt.

Text: Uwe Seidel. Melodie: Thomas Quast 1997. © tvd-Verlag, Düsseldorf

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!


"Glauben und Sehen" - Gottesdienst im Grünen am 8. Sonntag nach Trinitatis, 2. August 2020

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Begrüßung

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

 

Ein herzliches Willkommen an diesem Sonntagmorgen!

Der Wochenspruch ist Zuspruch und Anspruch zugleich:

Lebt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit. (Eph 5, 8b-9)

 

Lied: Auf, Seele, Gott zu loben

1. Auf, Seele, Gott zu loben! / Gar herrlich steht sein Haus. / Er spannt den Himmel droben / gleich einem Teppich aus. / Er fährt auf Wolkenwagen, / und Flammen sind sein Kleid. / Windfittiche ihn tragen, / zu Diensten ihm bereit.

2. Gott hat das Licht entzündet, / er schuf des Himmels Heer. / Das Erdreich ward gegründet, / gesondert Berg und Meer. / Die kühlen Brunnen quellen / im jauchzend grünen Grund, / die klaren Wasser schnellen / aus Schlucht und Bergesrund.

4. Gott lässet Saaten werden / zur Nahrung Mensch und Vieh. / Er bringet aus der Erden / das Brot und sättigt sie. / Er sparet nicht an Güte, / die Herzen zu erfreun. / Er schenkt die Zeit der Blüte, / gibt Früchte, Öl und Wein.

6. Den Menschen heißt am Morgen / er an das Tagwerk gehn, / lässt ihn in Plag und Sorgen / das Werk der Allmacht sehn. / Er ist der treue Hüter, / wacht über Meer und Land, / die Erd ist voll der Güter / und Gaben seiner Hand.

Text: Martha Müller-Zitzke 1947

Melodie und Satz: Johann Steurlein 1575, Wolfenbüttel 1930

 

Psalm 8

Gott, unser Herr -
Auf der ganzen Erde wirst du verehrt,
im Himmel, da wirst du besungen!

Wegen dem Klagen von Kindern und Säuglingen
schufst du ein Bollwerk gegen deine Gegner,
um Feind und Rächer zu vernichten.

Wenn ich den Himmel sehe - dein mächtiges Werk -
und Mond und Sterne, die du bereitet hast,
          denke ich: Was ist der Mensch, dass du auf ihn achtest?
          Was ist das Menschlein, dass du für es sorgst?

Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott,
um ihn mit Herrlichkeit und Pracht zu krönen;

um ihn herrschen zu lassen über das Werk deiner Hände
hast du ihm alles zu Füßen gelegt:

Schafe und Rinder allesamt,
auch jedes wilde Tier auf Erden
           die Vögel im Himmel, die Fische im Meer;
           selbst das, was im Meer seine Bahnen zieht.

Gott, unser Herr -
Auf der ganzen Erde wirst du verehrt!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und allezeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet und Stilles Gebet

Gott, wir strecken uns aus nach dir.

Schick uns nicht fort mit leeren Händen.

Schenke uns dein Licht und dein Wort.

Erleuchte die Dunkelheiten unseres Lebens.

In der Stille vertrauen wir uns dir an…

[Stilles Gebet]

Du hörst mich wenn ich mit dir rede. Das gibt mir Kraft. Amen.

 

Schriftlesung Johannes 9, 1-7

Und Jesus ging vorüber und sah einen Menschen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren ist? Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündigt noch seine Eltern, sondern es sollen die Werke Gottes offenbar werden an ihm. Wir müssen die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt. Als er das gesagt hatte, spuckte er auf die Erde, machte daraus einen Brei und strich den Brei auf die Augen des Blinden und sprach zu ihm: Geh zu dem Teich Siloah - das heißt übersetzt: gesandt - und wasche dich! Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

 

Lied: Gib uns Ohren, die hören

Gib uns Ohren, die hören, und Augen, die sehn, und ein weites Herz, andre zu verstehn. Gott, gib uns Mut, unsre Wege zu gehn.

Text und Kanon für 3 Stimmen: Bernd Schlaudt. © beim Autor

 

Predigt zu Johannes 9, 1-7

Liebe Gemeinde,

was trifft eher auf Sie zu:       Ich glaube nur, was ich sehe?

                        oder:   Ich sehe nur, was ich glaube?

________

Die Jünger sind mit Jesus unterwegs. Jesus sieht im Vorübergehen einen blindgeborenen Mann. Die Jünger beginnen zu tuscheln. Einer spricht laut aus, was die anderen denken:

Rabbi, warum ist der Mann blind?
Hat der Mann gesündigt?
Oder haben die Eltern des Mannes gesündigt?

Diese Fragen sind nicht einmal so rückständig, als wie wir sie gerne betrachten würden. Wissenschaftliche Einsichten zur Ursache von Krankheiten gaukeln uns heute vor, dass unsere Gesundheit in unseren eigenen Händen liegt. Ernähre dich gesund, treibe Sport und sitz nicht nur rum, verhalte dich so, wie es dir Ratgeber und Fitness-Gurus vermitteln! Trag ne Maske und wasch dir die Hände. Du bist krank? Selbst schuld!

Ein Jünger sagt: Ich sehe nur, was ich glaube. Schon von klein auf wurde mir beigebracht: wer krank ist, hat die Rechnung für das bekommen, was er falsch gemacht hat. Das ist die gerechte Strafe Gottes. Irgendeinen Grund wird es also schon geben.

Und Jesus sagt: Ich sehe was, was du nicht siehst. Ich sehe deine blinden Flecken. Ich sehe, was dir Angst macht: dass es ungerecht zugeht in der Welt. Dass es nur schwer auszuhalten ist, nicht alles in der Hand zu haben und dass es dich selbst auch treffen kann.

________

Wie es dem blinden Mann dabei wohl geht? Denn hören kann er gut. Sicher ist er daran gewöhnt, dass andere über ihn reden, anstatt mit ihm. Bestimmt kennt er die Frage der Jünger auch allzu gut, weil er sich schon tausend Mal selbst darüber den Kopf zerbrochen hat.

Warum ich?

Womit hab ich das verdient?

Was hab ich falsch gemacht?

Der blinde Mann sagt: Ich glaube nur, was ich sehe. Und weil ich nichts sehe, weiß ich nicht, was ich glauben soll.

Und Jesus sagt: Ich sehe was, was du nicht siehst. Ich sehe die Kraft Gottes, die Menschen und Dinge verwandeln kann. Der zu Recht bringt, was ungerecht ist. Ich sehe einen Menschen unter Menschen. Und damit sie dich auch so sehen, sollst du wieder sehen können. Denn sie glauben nur, was sie sehen.

________

Jesus, von Gott gesandt als das Licht der Welt, bringt Licht ins Dunkel und Schärfe in den Blick.

Er sieht den Blinden mit seinen Fragen und Selbstvorwürfen.

Er sieht die Jünger mit ihrem hilflosen Versuch, einer betroffen machenden Begegnung auszuweichen.

Er sieht alle anderen, die im Anschluss an diesen Dialog mit dem menschlichen Verstand zu begreifen versuchen, was geschehen ist.

Und seine Antwort entlastet alle: Weder – noch.

Weder er selbst hat Schuld auf sich geladen, noch seine Eltern.

Schluss mit dem Zermartern, dem Grübeln und der Ursachenforschung!

Es ist ganz anders: Jetzt kann Gott seine Kraft zeigen. Jetzt kann Gott zeigen, was er mit euch Menschen vorhat.
Gott hat mich gesandt.

Er hat mich gesandt um zu zeigen: Ich bin das Licht für die Welt.

Und ich habe die Macht, die von Gott kommt: sehend zu machen, den Blick zu schärfen und aus der Vergangenheit in die Zukunft zu führen.

Nicht die Antwort auf das „warum?“ verändert das Leben des Blindgeborenen. Sondern das Gesehen-Werden. Das Ansehen Gottes. Das: „Ich sehe was, was du nicht siehst“.

Und für die Jünger gilt das Gleiche: nicht die Antwort auf das „wer?“ verändert ihr Denken. Jesus sieht ihre Angst, ihre Hilflosigkeit, ihren Wissensdurst. Er sieht, wie sehr sie selbst darauf angewiesen sind, dass sie heil und ganz werden. Sie sind darauf angewiesen, dass jemand ihren Blick schärft, damit sie sehen, was andere nicht sehen: nämlich die heilvolle Gegenwart Jesu und den Blick der Güte Gottes, die uns findet und die uns ein Licht aufgehen lässt, damit wir diejenigen werden, die Gott in uns sieht.

________

„Ich sehe was, was du nicht siehst!“ - es ist Gottes Wunsch, dass wir werden, die er in uns sieht, nämlich: Kinder des Lichts!

Glaube ich das, was Gott in mir sieht?

Sehe ich, was Gott von mir glaubt?

Unsere größte Angst ist nicht, dass wir unzureichend sind. Unsere größte Angst ist, dass wir unermesslich mächtig sind.  

Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, das uns am meisten erschreckt.

Wir fragen uns selbst, „Wer bin ich, dass ich brillant, prachtvoll, talentiert und sagenhaft bin?“

Aber wer bist du, es nicht zu sein? Du bist ein Kind Gottes.

Es dient der Welt nicht, wenn du dich klein machst. Sich klein zu machen, nur damit sich andere um dich herum nicht unsicher fühlen, hat nichts Erleuchtetes.

Wir sind hier um unser Licht zu zeigen, so wie es Kinder tun. Wir sind dazu geboren, die Herrlichkeit Gottes die in uns ist, sichtbar zu machen. Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem von uns.

Und indem wir unser eigenes Licht leuchten lassen, geben wir unbewusst anderen die Erlaubnis, es auch zu tun. Indem wir uns von unserer eigenen Angst befreien, befreit unsere Gegenwart automatisch andere. (Marianne Williamson in "A Return To Love: Reflections on the Principles of A Course in Miracles")

Amen.

 

Lied: Schenke mir, Gott, ein hörendes Herz

1. Schenke mir, Gott, ein hörendes Herz, das seinen Ohren traut in dieser Welt. Schenke mir, Gott, ein hörendes Herz, das seinen Ohren traut in dieser Welt.

Refrain: Schenke mir, Gott, ein Herz, das lebt und schlägt, das für das Leben schlägt. Schenke mir, Gott, ein Herz, das lebt und schlägt, das für das Leben schlägt.

2. Schenke mir, Gott, ein sehendes Herz, das mir die Augen öffnet für die Welt. Schenke mir, Gott, ein sehendes Herz, das mir die Augen öffnet für die Welt. Schenke mir, Gott, …

3. Schenke mir, Gott, ein fühlendes Herz, das für den andern aufgeht jeden Tag. Schenke mir, Gott, ein fühlendes Herz, das für den andern aufgeht jeden Tag. Schenke mir, Gott, …

Text: Thomas Laubach 2014. Musik: Thomas Quast 2014. © tvd-Verlag, Düsseldorf

 

Fürbitten und Vater unser

In diesen sommerlichen Tagen genießen wir die Sonne.
Ihre Strahlen wärmen uns.
In diesen sommerlichen Tagen schauen wir auf dich, Christus.
Du bist das wahre Licht.
Deine Gegenwart macht unser Leben hell.

            Deine Wärme, Christus, heile uns und alle
            die leiden,
            die verzweifeln, die keinen Ausweg finden,
            die vor Angst schreien,
            die mit dem Tod ringen.
            Mit deiner Wärme, Christus, umhülle diese Welt,
            damit die Schmerzen und der Tod an ihr Ende kommen.
            Christus – erbarme dich.

Dein Licht, Christus, erleuchte uns und alle,
die in Sorge sind,
die Angst vor dem Kommenden haben,
die um ihr Recht kämpfen,
die für andere verzichten,
die Macht haben.
Mit deinem Licht, Christus, erleuchte diese Welt,
damit dein Frieden den Hass überwindet.
Christus – erbarme dich.

            Deine Liebe, Christus, erfülle uns und alle,
            die so sehr auf Liebe angewiesen sind,
            deine Liebe für die Kinder und Jugendlichen,
            die durch Corona verunsichert sind,
            deine Liebe für die Gemeinden in aller Welt,
            die bedrängt und verfolgt werden,
            deine Liebe für alle,
            die nach der Wahrheit fragen und
            die das Leben suchen.
            Deine Liebe, Christus,
            erfülle diese Welt, deine Kirche, unsere Herzen,
            damit sie diese Welt heilt und verwandelt.

Dir vertrauen wir uns und alle, die zu uns gehören an, wenn wir mit den Worten beten, die du uns gelehrt hast: Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lied: Wiesen und Berge, die Wälder und Seen

1. Wiesen und Berge, die Wälder und Seen, was lebt und atmet in Tälern und Höhn: es trägt deine Handschrift, bezeugt dein Tun, verkündet deinen Ruhm!

Und darum jubel ich dir zu, dass jeder es hört: der Meister bist du. Ich will tanzen und singen vor dir, du herrlicher Schöpfer, Ehre sei dir!

2. Das Werk deiner Liebe, das du in mir vollbracht, das mich zum Kind deines Reiches gemacht: es trägt deine Handschrift, bezeugt dein Tun, verkündet deinen Ruhm!

Und darum jubel ich dir zu, dass jeder es hört: der Meister bist du. Ich will tanzen und singen vor dir, du herrlicher Schöpfer, Ehre sei dir!

Originaltext („Stand Here and Rejoice”) und Melodie: Danny Plett. Deutsch: Ute Meißner. © Janz Musikverlag, adm. by Gerth Medien, Asslar

 

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!


7. Sonntag nach Trinitatis, 26.7.2020; Hebr 13,1-3

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott


Die Gedanken zum Download in PDF

Gedanken als Audio

Eingangswort Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen. Zu den Gottesdienstlichen Gedanken am 7. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest grüße ich Sie ganz herzlich mit dem Wochenspruch:  So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Eph 2,19

 

Lied: We must believe (von Leon Patillo) Arr. Micha Keding

1. We must believe him. Praise his name.

2. He put his love in my heart. Praise his name.

3. He put his joy in my life. Praise his name.

4.. We do believe in Jesus Christ. Praise his name.

 

1. Wir müssen ihm glauben. Preist seinen Namen

2. Er hat seine Liebe in mein Herz gelegt. Preist seinen Namen

3. Er hat seine Freude in mein Leben gebracht. Preist seinen Namen

4. Wir glauben an Jesus Christus. Preist seinen Namen.

 

Ps 37 Nr.720

Befiehl dem Herrn deine Wege

und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen

 

und wird deine Gerechtigkeit heraufführen wie das Licht

und dein Recht wie den Mittag.

 

Sei stille dem Herrn und warte auf ihn.

Entrüste dich nicht, damit du nicht Unrecht tust.

 

Bleibe fromm und halte dich recht;

denn einem solchen wird es zuletzt gut gehen.

 

Der Herr hilft den Gerechten,

er ist ihre Stärke in der Not.

 

Ehr sei dem Vater…

Eingangsgebet

Gott, bevor wir dich suchen,

bist du schon da.

Mit deiner Liebe, die sich nach Erwiderung sehnt

Noch bevor wir dich rufen,

kennst du unsere Bitten,

und weißt, was uns fehlt und was uns gut tut.

Noch bevor wir zu dir kommen,

sind wir schon in deinem Licht,

Schenke uns offene Augen, um deine Herrlichkeit zu sehen.

Offene Ohren, um dein Wort zu hören,

ein offenes Herz, um dir zu vertrauen.

Und die Liebe, die unser Denken und Handeln durchdringt.

Bei dir finden wir Geborgenheit und Frieden.

Bei dir weitet sich der Horizont

Bei dir erscheint alles in einem anderen Licht.

Vor dir werden wir still. Wir stellen unser Leben in dein Licht

Stille

 

Dich wollen wir loben, Gott. Du stellst unsere Füße auf weiten Raum.  Amen.

 

Schriftlesung 1. Mose 18,1-15

1 Und der HERR erschien Abraham im Hain Mamre, während er an der Tür seines Zeltes saß, als der Tag am heißesten war. 2 Und als er seine Augen aufhob und sah, siehe, da standen drei Männer vor ihm. Und als er sie sah, lief er ihnen entgegen von der Tür seines Zeltes und neigte sich zur Erde 3 und sprach: Herr, hab ich Gnade gefunden vor deinen Augen, so geh nicht an deinem Knecht vorüber. 4 Man soll euch ein wenig Wasser bringen, eure Füße zu waschen, und lasst euch nieder unter dem Baum. 5 Und ich will euch einen Bissen Brot bringen, dass ihr euer Herz labt; danach mögt ihr weiterziehen. Denn darum seid ihr bei eurem Knecht vorübergekommen. Sie sprachen: Tu, wie du gesagt hast. 6 Abraham eilte in das Zelt zu Sara und sprach: Eile und menge drei Maß feines Mehl, knete und backe Brote. 7 Er aber lief zu den Rindern und holte ein zartes, gutes Kalb und gab's dem Knechte; der eilte und bereitete es zu. 8 Und er trug Butter und Milch auf und von dem Kalbe, das er zubereitet hatte, und setzte es ihnen vor und blieb stehen vor ihnen unter dem Baum, und sie aßen. 9 Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Sara, deine Frau? Er antwortete: Drinnen im Zelt. 10 Da sprach er: Ich will wieder zu dir kommen übers Jahr; siehe, dann soll Sara, deine Frau, einen Sohn haben. Das hörte Sara hinter ihm, hinter der Tür des Zeltes. 11 Und sie waren beide, Abraham und Sara, alt und hochbetagt, sodass es Sara nicht mehr ging nach der Frauen Weise. 12 Darum lachte sie bei sich selbst und sprach: Nun, da ich alt bin, soll ich noch Liebeslust erfahren, und auch mein Herr ist alt! 13 Da sprach der HERR zu Abraham: Warum lacht Sara und spricht: Sollte ich wirklich noch gebären, nun, da ich alt bin? 14 Sollte dem HERRN etwas unmöglich sein? Um diese Zeit will ich wieder zu dir kommen übers Jahr; dann soll Sara einen Sohn haben. 15 Da leugnete Sara und sprach: Ich habe nicht gelacht –, denn sie fürchtete sich. Aber er sprach: Es ist nicht so, du hast gelacht.


Vortragslied: Amazing grace Arr. Micha Keding

Amazing grace, How sweet the sound that saved a wretch like me. I once was lost, but now I am found, was blind, but now I see.

'Twas grace that taught my heart to fear, and grace my fears relieved. How precious did that grace appear The hour I first believed.

How sweet the name of Jesus sounds in a believers ear, It sooths his sorrows, heals the wounds and drives away his fear

Amazing grace how warm the sound that gave new life to me. He will my shield and portion be, his word my hope secures.

Unglaubliche Gnade, wie süß der Klang, die einen armen Sünder wie mich errettete! Ich war einst verloren, aber nun bin ich gefunden, war blind, aber nun sehe ich.

Es war Gnade, die mein Herz Furcht lehrte, und Gnade löste meine Ängste; wie kostbar erschien mir diese Gnade zu der Stunde, / als ich zum ersten Mal glauben konnte.

Wie süß der Name von Jesus im Ohr eines Gläubigen klingt. Er lindert seine Sorgen, heilt die Wunden und vertreibt die Furcht.

Unglaubliche Gnade, was für ein warmer Klang, der mir neues Leben gab. Er ist mein Schild und mein Teil, sein Wort macht meine Hoffnung fest.


Predigtgedanken zu Hebr. 13,1-3

Liebe Gemeinde,

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Hebräerbrief. Er wendet sich an eine Gemeinde, die Gefahr läuft müde zu werden. Ausgelaugt in der Verfolgung. Entkräftet. Aber in dem Brief werden sie erinnert an die Glut des Anfangs. Als sie noch voller Elan waren und ganz selbstverständlich füreinander da waren und miteinander ertrugen, was nicht leicht zu ertragen war. In dieser Zeit waren sie miteinander und füreinander stark. An diese Zeit sollen sie sich erinnern und an die Grundfesten ihres Miteinanders. Ich lese aus Hebr 13,1-3

1 Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. 2 Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. 3 Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.

Es geht heute um Gastfreundschaft. Und um geteiltes Leben und geteilte Herausforderungen.

Es geht um eine Gastfreundschaft, die mehr ist als ein Öffnen der Tür und eine belanglose Begegnung beim Essen. Es geht um eine Gastfreundschaft die tiefer geht und in den Horizont Gottes weist. Gastfreundschaft ist nicht in unser Bleiben gestellt. Sie ist, so habe ich gelesen, eine Grundverpflichtung menschlichen Zusammenlebens.

Wir kennen sie aus der Tradition. Wir haben sie eben nochmal gehört, die Geschichte von Abraham, bei dem die 3 Fremden vorbeikommen. Er nötigt sie zu bleiben und sich zu erfrischen und sich einen Bissen Brot servieren zu lassen. Dann aber bereitet er ein festliches Mahl mit Brot und Milch und Fleisch. Wie hätten sich die Reisenden auch sonst stärken sollen in jener Zeit, in der jeder fern der Heimat auf die Gastfreundschaft der anderen angewiesen war. Und doch wies diese Begegnung über sich hinaus. Es war nicht nur ein Austausch von Nachrichten und von Erfahrungen zwischen Fremden, die einander begegnen. Abraham weiß nicht wen er da beherbergt und doch verändert sich sein Leben durch diese Begegnung und durch die Ankündigung, die die Männer machen: Gott erfüllt seine Verheißung. Noch nicht Nachkommen, zahlreich wie die Sterne am Himmel – aber doch ein Anfang. Ein erstes Kind, ein Sohn, der die Verheißung weiterträgt. Eine Geschichte von Gastfreundschaft im Horizont Gottes.

Vor etwa 5 Jahren ging eine andere Geschichte durch die Presse. Es geschah in Franken bei Bamberg.

Die 68-Jährige Gabriele Stärz aus Karlsruhe und ihr Lebensgefährte Hans Eppinger waren mit dem Kanu unterwegs. Hungrig fanden sie schließlich den Brauerei-Gasthof Hennemann in Unterleiterbach. Der Magen hing ihnen in den Kniekehlen. Der Eingang war zugemauert, aber da schaute jemand aus dem Fenster und bedeutete ihnen, dass der Eingang hinten sei. Sie werden empfangen und an einen Tisch geführt. Sie bestellten, was ihnen angeboten wurde: Eier, Toast, selbstgemachte Marmelade, selbstgemachtes syrisches Fladenbrot, Tomaten, Joghurtsoßen. Alles sah noch improvisiert aus. Das Mobiliar passte nicht zusammen, aber das Essen schmeckte. Sympathisch das syrische Restaurant in Franken, dachten sie. Sie wollten zahlen. Aber Kawa Suliman schaute sie nur verständnislos an. Ihr seid doch unsere Gäste. Wir leben hier. Er holte seine Freunde aus der Küche. Gabriele und Hans waren zu Gast in einem Asylbewerberheim.

Was für eine Überraschung. Wer gastfrei ist, kann Engel beherbergen. Auch wenn hier wohl zunächst die Gastgeber ihren Gästen wie Engel erschienen, die ganz selbstverständlich mit ihnen teilten, was sie hatten. Kawa Suliman, ein junger Anwalt, war ein Jahr zuvor aus dem Norden Syriens nach Deutschland geflohen und kam in dem ehemaligen Gasthof unter. Wer gastfrei ist, wer auch Fremde beherbergt, bei dem können Engel zu Gast sein. Gabriele und Hans behielten die Geschichte nicht für sich. Sie machten sie bekannt. Bis sie schließlich in die Zeitung kam. Der Artikel endete übrigens mit dem Hinweis: Gabriele Stärz betont, wie wichtig es sei, dass Flüchtlingen in Deutschland geholfen wird. Die 68-Jährige arbeitet in Karlsruhe einmal pro Woche ehrenamtlich im Asylbewerberheim.

Und wir: Wir sind vorsichtig gegenüber Fremden. Wir überlegen uns gut, wem wir die Tür öffnen. Wir lassen nicht jeden ein. Und das ist gut so. Dem Leichtsinn soll hier nicht das Wort geredet werden. Eher der Frage: Sind wir noch offen, entdecken wir sie noch, diese Begegnungen, die uns verändern, die unsere Hoffnung stärken und unseren Glauben, die uns beflügeln und bewegen und weiterbringen?

Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.

Ich habe mich lang schwergetan mit Engeln und Engelsgeschichten. Sie waren mir durch allzu viel Rauschgold und Schnörkel verschlossen.

Aber seit ich die Engel ohne Flügel suche, und die Geschichten von den Menschen entdecke, die plötzlich da sind, unerwartet, hilfreich und heilsam, seitdem öffnet sich mir der Zugang zu diesen Begegnungen.

Wir erzählen uns wohl nicht so selbstverständlich von diesen Begegnungen. Aber wenn man sich traut und damit anfängt, dann treten sie wieder ins Bewusstsein, die Geschichten – von der Marktfrau am Weihnachtsmarkt, die mir meine Weihnachtspredigt rettete mit ihrer Geschichte von dem Mädchen, das sie mit einem selbstgemalten Bild tröstete, oder von der freundlichen Dame, die mir in einer angestrengten Situation in einem unbekannten Hotel den Kaffee schenkte, den ich so dringend brauchte, und von vielen anderen.

Normalerweise sind wir Fremden gegenüber skeptisch. Und doch lassen sich Erfahrungen machen, die uns einen Hinweis darauf geben wie wohltuend das ist, wenn wir die Offenheit erleben, dass da jemand an unserer Seite ist und bleibt und mitfühlt und sieht, was nötig ist und es dann tut als wäre das ganz selbstverständlich.

Es muss nicht immer die ganz große Verheißung Gottes sein. Aber dass manche Not unser Herz erreicht und öffnet und wir das nötige tun, das spiegelt sich für mich schon auch in dem Wort: „Gastfrei zu sein vergesst nicht.“ Dass unsere Tür aufgeht und unser Herz und wir die nicht vergessen, denen wir wohltuend zu Seite sein können und dass wir die Geschichten nicht vergessen, in denen uns diese Gastlichkeit zuteilwurde, als andere mit uns teilten was sie hatten an Gaben, Fähigkeiten und Geschichten, die den Himmel öffnen, das lasst uns nicht vergessen. Amen.

 

Lied: 414,1-4 

1. Lass mich, o Herr, in allen Dingen auf deinen Willen sehn und dir mich weihn;

gib selbst das Wollen und Vollbringen und lass mein Herz dir ganz geheiligt sein.

Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin; dein, Herr, ist alles, was ich hab und bin.

 

2. Gib meinem Glauben Mut und Stärke und lass ihn in der Liebe tätig sein,

dass man an seinen Früchten merke, er sei kein eitler Traum und falscher Schein.

Er stärke mich in meiner Pilgerschaft und gebe mir zum Kampf und Siege Kraft.

 

3. Lass mich, solang ich hier soll leben, in gut und bösen Tagen sein vergnügt

und deinem Willen mich ergeben, der mir zum Besten alles weislich fügt; gib Furcht und Demut, wann du mich beglückst, Geduld und Trost, wann du mir Trübsal schickst.

 

4. Ach, hilf mir beten, wachen, ringen, so will ich dir, wenn ich den Lauf vollbracht,

stets Dank und Ruhm und Ehre bringen, dir, der du alles hast so wohl gemacht.

Dann werd ich heilig, rein und dir geweiht, dein Lob verkündigen in Ewigkeit.

Text: Georg Joachim Zollikofer 1766; Melodie: Dir, dir, o Höchster, will ich singen (Nr. 328)

 

Fürbittengebet

Gott,

immer wieder lässt du uns deine Gegenwart spüren.

Das sind dann ganz besondere Momente, die unseren Glauben stärken.

Hilf uns diese Erlebnisse festzuhalten.

Sie bewegen uns. Sie verändern uns.

Sie machen uns offen für den Menschen,

mit dem wir nicht gerechnet haben.

Öffne uns die Augen, damit wir sehen wo wir gefragt sind und wo unsere Offenheit und unsere Liebe Früchte tragen können, die unseren Glauben beflügeln.

Hilf uns geschwisterlich zu leben.

Miteinander und füreinander. Mit den Fremden und denen, die uns schon lange vertraut sind.

Lege du das Netzwerk deiner Liebe über uns, das uns im Glauben und in der Liebe und in der Hoffnung verbindet.

Gemeinsam beten wir

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lied NL 118 Der Herr segne dich

Der Herr segne dich, behüte dich, lasse sein Angesicht leuchten über dir, und der Herr sei dir gnädig! Er erhebe sein Angesicht über dich und erfülle dein Herz mit seinem Licht, tiefer Friede begleite dich.

1. Ob du ausgehst oder heimkommst, ob du wach bist oder schläfst, sei gesegnet und gestärkt durch seinen Geist. Ob du in das Tal hinabgehst oder Berge vor dir stehn, mögest du den nächsten Schritt in seinem Segen gehn!

2. Ob die Menschen, die du liebst, dies erwidern oder nicht, sei ein Segen durch die Gnade deines Herrn. Ob die Träume, die du träumtest, noch verheißungsvoll bestehn oder längst schon nicht mehr für dich wie ein Traum aussehn.

Friede mit dir! Friede mit dir!

Text und Melodie: Martin Pepper 2000. © 2000 mc peppersongs, Berlin

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

 

Den Zeitungsartikel finden Sie hier:

https://www.infranken.de/lk/bamberg/paar-verwechselt-asylheim-mit-gasthof-und-wird-freundlich-bewirtet-art-1458318

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6. Sonntag nach Trinitatis, 5.7.2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott


Die Gedanken zum Download in PDF

Gedanken als Audio

Eingangswort:  Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen. Am 6. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest grüße ich Sie ganz herzlich zu unseren gottesdienstlichen Gedanken.

 

Lied: 445,1.2.4.5 Gott des Himmels und der Erden

1. Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und Heilger Geist, der es Tag und Nacht lässt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt, und was drinnen ist erhält:

2. Gott, ich danke dir von Herzen, dass du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen hast behütet und bewacht, dass des bösen Feindes List mein nicht mächtig worden ist.

4. Hilf, dass ich mit diesem Morgen geistlich auferstehen mag und für meine Seele sorgen, dass, wenn nun dein großer Tag uns erscheint und dein Gericht, ich davor erschrecke nicht.

5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein.

 

Psalm 33 NL 901

Der HERR schaut vom Himmel und sieht alle Menschenkinder.

            Von seinem festen Thron sieht er auf alle, die auf Erden wohnen.

Der ihnen allen das Herz geschaffen hat, achtet auf alle ihre Werke.

Einem König hilft nicht seine große Macht; ein Held kann sich nicht retten durch seine große Kraft.

Rosse helfen auch nicht; da wäre man betrogen; und ihre große Stärke errettet nicht.

Siehe, des HERRN Auge sieht auf alle, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen,

dass er ihre Seele errette vom Tode und sie am Leben erhalte in Hungersnot.

            Unsre Seele harrt auf den HERRN; er ist uns Hilfe und Schild.

Denn unser Herz freut sich seiner, und wir trauen auf seinen heiligen Namen.

            Deine Güte, HERR, sei über uns, wie wir auf dich hoffen.

Ehr sei dem Vater…

 

Eingangsgebet

Himmlischer Vater, wir leben in der Verbindung mit dir.

Wir leben befreit und offen und zugewandt.

Wir leben aus deinem Geist, wir leben aus deiner Liebe, wir leben aus der Kraft des Glaubens.

Was uns trägt, wollen wir weitergeben.

Hilf uns aufrecht und aufrichtig unseren Weg zu gehen, damit viele aus der gleichen Quelle ihre Kraft schöpfen können wie wir, damit sie bei dir die Geborgenheit und Ruhe finden, die uns beziehungsreich und geschwisterlich leben lässt.

Erfülle uns mit deinem Geist, der keinen Unterschied zwischen den Menschen macht,

der jedem den gleichen Wert und die gleiche Würde zumisst, damit unser Glaube nicht privat bleibt, sondern eine tragende Säule unseres Miteinanders wird.

Und dann, lass uns in der Stille deine Stimme hören, die uns den Weg weist, der zu den Quellen des Lebens führt.

 

 - Stille -

 

Ich will dich loben, Gott. Du hältst uns mit dir verbunden.  Amen.

 

Schriftlesung Dtn 7,6-12

6 Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. 7 Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, 8 sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. 9 So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, 10 und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. 11 So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust.

12 Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.

 

Kanon: per crucem

Per crucem et passionem tuam libera nos Domine. Per sanctam ressuretionem tuam libera nos Domine.

Durch dein Kreuz und dein Leiden, durch deine heilige Auferstehung, erlöse uns, Herr.

 

Predigtgedanken

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wie gerne würden wir einfach alles hinter uns lassen und das Leben wiederhaben, das wir vor der Pandemie hatten? Unbeschwert, offen, mit herzlicher Nähe, mit all den Annehmlichkeiten, an die wir uns gewöhnt hatten, Urlaubsreisen ohne Einschränkungen, Besuche in Kinos, Restaurants Konzerten, Ausstellungen.

Wir brechen auf, finden sowas wie einen Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen, die einen ausgelaugt von der anstrengenden Zeit in Familie und Beruf, andere fit wie Turnschuh nach viel Zeit im Fitnessstudio, andere mit Übergewicht, weil außer Essen nicht viel war.

Wir tasten uns voran. Handwerker sind ausgebucht, Fahrräder ausverkauft, manche Anschaffung getätigt. Wir suchen Lösungen für Hochzeiten und Konfirmationen, für Gottesdienste und Gemeindefeste.

Und doch tragen wir alle die Vergangenheit als mächtige Erinnerung in uns, die den Maßstab vorgibt.

Szenenwechsel.

Auch das Volk Israel hat seine Vergangenheit als mächtige Erinnerung. Der Text aus dem 5. Buch Mose – er ist wohl in der Zeit nach der Babylonischen Gefangenschaft entstanden. Die Israeliten sind zurück im eigenen Land. Nichts ist mehr wie es war. Sie brechen auf in eine neue Zeit. Die Erinnerung lastet schwer. Ihre Überheblichkeit und ihr Nationalstolz, ihre militärische Bündnispolitik und ihre Vereinnahmung ihres Glaubens für ihre machtpolitischen Ziele hatten sie in den Abgrund geführt und schließlich in die Babylonische Gefangenschaft. 70 Jahre fern der Heimat, fern von allen Orten, die ihnen heilig waren. Jetzt sind sie wieder zurück. Mit nichts müssen sie anfangen, klein und bescheiden. Was sollte ihnen Kraft geben?

Da sind die Worte der Priester, Worte, voller Erinnerung: Nicht wegen eurer Stärke, nicht wegen eurer Attraktivität hat euch Gott erwählt, sondern aus Liebe. Wir haben eine Tradition, eine Geschichte mit Gott. Er hat damals unsere Not in der Sklaverei in Ägypten gehört und hat uns herausgeführt in die Freiheit. In der Wüste hat er uns am Leben erhalten, wir mussten nichts vorweisen um vor Gott etwas zu sein. Denn er hatte uns aus Liebe erwählt. Wie er uns damals die Treue hielt, so wird er sie uns auch heute halten. Wir haben eine neue Chance. Nach dem Zusammenbruch nochmal von vorn. Aber diesmal richtig. Ohne Hochmut, ohne Gottvergessenheit. Aber mit dem Geist seiner Gebote im Herzen, mit seinen Rechten und Ordnungen als Weg zum Leben, als inneren Kompass für die neue Zeit. Gottes Erwählung bleibt bestehen. Sein Bund aus Liebe bis ins tausendste Glied. Unerschütterlich. Denen, die ihn lieben und seine Gebote halten. Und wie jeder Liebende wartet Gott auf die Erwiderung seiner Liebe.

Ein neuer Anfang. Die Geschichte ging weiter. Bis heute. Mit Gott im Bund.

Es ist die Geschichte des Volkes Israel mit Gott. Jesus hat diese Tradition für uns geöffnet.

Jesus hat uns in seine Geschichte mit Gott hineingenommen. In seinen Predigten und Gleichnissen, in seiner Art mit den Menschen umzugehen, in seiner hingebungsvollen Liebe zu denen, die sich mächtig fühlen und zu denen, die nicht wissen wie es weitergehen soll.

Unser Zeichen dieses Bundes ist die Taufe. Sie nimmt uns hinein in den neuen Bund, der nicht an ein Volk gebunden ist. In der Taufe finden wir zusammen zu einer Gemeinschaft, die wie eine Familie zusammengehört. Es ist eine bunte Familie, die sich auf allen Erdteilen findet überall da, wo Menschen einander begegnen, die aus dem gleichen Glauben leben und aus dem gleichen Glauben das Miteinander prägen wollen. Eine Gemeinschaft aus allen Völkern, nicht immer sichtbar und doch zusammengehörig über alle Grenzen hinweg. Eine Familie, verbunden in der hingebungsvollen Liebe aus der Jesus gelebt hat, die ihn furchtlos den Mächtigen gegenübertreten ließ und die ihn liebevoll und ohne Berührungsängste für die Menschen da sein ließ, die ihm begegneten. Er wandte sich ihnen so zu, dass die Wunden ihrer Lebensgeschichten heilen konnten.

Wie jeder Liebende wartet er in Gottes Namen auf unsere Erwiderung seiner Liebe in unserem Miteinander in der weltweiten Familie der Christenheit und darüber hinaus.

Kann es da sein, dass dunkelhäutige Menschen über häufige unbegründete Polizeikontrollen klagen und wir gehen dem nicht auf den Grund?

Kann es sein, dass Menschen, die vor Krieg und Verfolgung und Tod geflohen sind, bei uns keine Aufnahmen finden?

Kann es da sein, dass Menschen, die in helfenden und rettenden Berufen arbeiten angegriffen und verletzt werden?

Kann es da sein, dass viele in pflegenden Berufen keine Anerkennung und keine angemessene Bezahlung bekommen – und der Bonus des Gesundheitsministers lässt auch noch auf sich warten – unsere Diakonie- und Sozialstation hat ihn übrigens jetzt schon mal ausbezahlt. Ein kleiner Schritt der Anerkennung.

Kann es da sein, dass Arbeitnehmer bei uns in der Fleischindustrie - und anderswo in der Textilindustrie, als Näherinnen und in Färbereinen, in der Produktion von Lebensmitteln, in der Gewinnung von Rohstoffen für unsere elektronischen Geräte, in Gerbereien, und, und, und, unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten und wir nehmen das unwidersprochen hin und kaufen die Produkte, die so erzeugt wurden?

Wenn wir aus unserer Taufe leben, dann haben auch wir diese Vergangenheit als mächtige Erinnerung in uns, die von der hingebungsvollen Liebe erzählt, die Jesus bis zum Ende gelebt hat, mit der er Segen gestiftet und den Kreislauf der Vergeltung durchbrochen hat, auch wenn es ihn das Leben gekostet hat.

Wenn wir aus der Taufe leben, dann haben wir unzählige Möglichkeiten Zeichen dieser Liebe zu setzen und Zeichen des Widerstands gegen alles menschenverachtende Denken und Handeln. Nicht weil wir besser wären, nicht weil wir wertvoller wären, nicht weil wir einflussreich wären, sondern allein, weil Gott uns erwählt hat, als seine Geschwister auf dieser Erde geschwisterlich zu leben. Amen.

 

Lied: NL 158 Ich sage ja

1. Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf. Ich sage Ja zu seinem Wort und Ruf, zum Lebensgrund und Schöpfer dieser Welt, und der auch mich in seinen Händen hält, und der auch mich in seinen Händen hält.

2. Ich sage Ja zu dem, der uns gesandt und aus dem Tod zum Leben auferstand und so trotz Hass, Gewalt und Menschenlist für uns zum Freund und Bruder worden ist.

3. Ich sage Ja zu Gottes gutem Geist, zum Weg der Liebe, den er uns verheißt, zu wagen Frieden und Gerechtigkeit in einer Welt voll Hunger, Angst und Leid.

4. Ich sage Ja zu Wasser, Kelch und Brot, Wegzehrung, Zeichen, Zuspruch in der Not. Ich sage Ja und Amen, weil gewiss ein andres Ja schon längst gesprochen ist.

 

Fürbittengebet

Himmlischer Vater, du begleitest uns auf unserem Weg des Glaubens,

hilfst uns das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden, unsere Kräfte zu bündeln,

gemeinsam dem Ziel zu folgen, das Jesus uns leuchtend vor Augen gestellt hat:

Ein Leben in dem wir als Menschen menschlich miteinander umgehen, auf Augenhöhe, weil vor dir jeder den gleichen Wert und die gleiche Würde hat.

Ein Leben, in dem wir genau hinschauen und widersprechen, wo Menschen ihrer Würde beraubt und ausgebeutet, bedroht und unterdrückt werden.

Ein Leben in dem wir liebevoll mit uns und mit anderen umgehen, auf Augenhöhe,

„Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Hilf uns, alle zu stärken, für sie zu beten und für sie da zu sein, die anderen Menschen zu Seite stehen. Allen, die sich Krankheit und Hunger, Aussichtslosigkeit und Gewalt entgegenstellen. Sie verdienen unseren Respekt.

Und lass deine Friedensmacht auf der ganzen weiten Erde spürbar werden.

Gemeinsam beten wir

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lied NL 71 Mögen sich die Wege

1. Mögen sich die Wege vor deinen Füßen ebnen, mögest du den Wind im Rücken haben, und bis wir uns wiedersehn, und bis wir uns wiedersehn, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

2. Möge warm die Sonne auch dein Gesicht bescheinen, Regen sanft auf deine Felder fallen, und bis wir uns wiedersehn, und bis wir uns wiedersehn, möge Gott seine schützende Hand über dir halten.

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

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5. Sonntag nach Trinitatis, 12. Juli 2020

Gottesdienstliche Gedanken von Christina Beck

Die Gedanken zum Download in PDF

Gedanken als Audio

 

Eingangswort

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Am 5. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest grüße ich Sie ganz herzlich zu unseren gottesdienstlichen Gedanken.

Der Wochenspruch zeigt, worum es heute gehen soll: Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es. (Eph 2, 8)

 

Lied: EG 503 Geh´ aus, mein Herz und suche Freud

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

3. Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder; die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder, Berg, Hügel, Tal und Felder.

8. Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.

13. Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe; gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe, viel Glaubensfrüchte ziehe.

14. Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben, und Pflanze möge bleiben.

Text: Paul Gerhardt 1653 Melodie: August Harder vor 1813

Psalm 73

Ja, wirklich: Gott ist gut zu Israel,

zu denen, die ein reines Herz haben!

Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen.

Um ein Haar hätte ich meinen Halt verloren.

Denn ich war neidisch auf die Angeber,

als ich sah, wie gut es den Frevlern ging.

Denn sie leiden offenbar keine Schmerzen,

ihr Leib ist gesund und wohlgenährt.

 

Dennoch bleibe ich immer bei dir.

Du hast mich an die Hand genommen.

            Du führst mich nach deinem Plan.

            Und wenn mein Leben zu Ende geht,

            nimmst du mich in Würde bei dir auf.

Wen hätte ich sonst im Himmel?

Bei dir zu sein, das ist alles,

was ich mir auf der Erde wünsche.

            Und sind mein Leib und Leben vergangen:

            Auch dann bleibst du, Gott, trotz allem

            mein Fels und mein Erbteil für immer!

Ich aber bekenne:

Gott nahe zu sein, ist gut für mich.

            Bei Gott, dem HERRN, habe ich meine Zuflucht.

            Von allen seinen Werken will ich gerne erzählen.

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

 

Gebet und Stilles Gebet

Gott, wir stehen vor dir. Wir können nur Staunen: du tust uns so viel Gutes. Deine Sonne wärmt uns. Wir atmen deine Luft. Du hast uns deine Erde gegeben. Du hast uns Menschen gegeben, die an unserer Seite stehen. Du kommst zu uns. Du bist uns ganz nah.Nah bist du uns in deinem Sohn Jesus. Wir bitten Dich: Stärke uns. Mach unsere Liebe groß. Hör uns zu.

Dir dürfen wir alles sagen…

- Stille - 

Du hörst mich wenn ich mit dir rede. Das gibt mir Kraft. Amen.

 

Lied: NL 161 Ich verlass dich nicht

Ich verlass dich nicht, verlass dich drauf. Hab dich fest in meiner Hand.

1. Deine Schritte gehe ich mit dir. Ich will dich bewahrn, nicht mit Liebe sparn. Deine Schritte gehe ich mit dir. Gehst auf gutem Land, ich geb es in deine Hand.

Ich verlass dich nicht, verlass dich drauf. Hab dich fest in meiner Hand.

2. Wenn du lachst, dann lache ich mit dir, wenn du tanzt und singst und vor Freude springst. Wenn du lachst, dann lache ich mit dir, geb dir dazu Grund, füll mit Freude Herz und Mund.

Ich verlass dich nicht, verlass dich drauf. Hab dich fest in meiner Hand.

3. Wenn du wachst, dann wache ich mit dir, wenn der Tag sich neigt und der Kummer bleibt. Wenn du wachst, dann wache ich mit dir. Hab dich fest im Arm, halt dich sicher, fest und warm.

Ich verlass dich nicht, verlass dich drauf. Hab dich fest in meiner Hand.

Text und Melodie: Tabea Hartmann. © buch+musik ejw-service gmbh, Stuttgart

 

Predigt zu Lukas 5, 1-11

Link zum Bild: Jan Brueghel der Ältere, Seehafen mit der Predigt Christi

Ich möchte Sie heute einladen mit einzutreten in dieses Gemälde von Jan Brueghel dem Älteren. Man könnte es schon fast als ein Wimmelbild bezeichnen, jedenfalls ist darauf ebenso viel zu entdecken…

Es zeigt im Gesamten eine Weltlandschaft, wie man sie sich, wenn auch moderner, an fast allen Häfen dieser Welt vorstellen kann: Der Fischmarkt im Vordergrund weist darauf hin, dass die Boote, die im Hintergrund an der Küste liegen, wohl Fischern gehören, die einen erfolgreichen Fang hinter sich haben. Die Küste zieht sich bis über den Horizont. Die Sonne bricht, schon etwas über dem Horizont, zwischen den Wolken hervor. Das geschäftige Treiben und der Turm auf dem Felsen lassen vermuten, dass in der Nähe der Küste eine große Stadt liegen muss.

Die Körbe mit großen und kleinen Fischen, die den über den Markt flanierenden Städtern angeboten werden, quellen über. Ein fröhliches Treiben ist es, dass sich da beobachten lässt. Fein herausgeputzte Menschen finden sich dort, stehen in Gruppen zusammen und unterhalten sich angeregt, feilschen vielleicht auch mit den Verkäufern über einen angemessenen Preis. Laut muss es da zugehen auf den Wegen und Pfaden zum See und am Ufer selbst. Bekannte begegnen sich, grüßen und tauschen sich aus.

Im Hintergrund dieses bunten Markttreibens hat sich eine unüberschaubare Menschenmenge zusammengefunden. Aus allen Richtungen strömen noch Menschen herbei.

Man kann sich geradezu vorstellen, dass die Menschenmenge sich aus den unterschiedlichsten Menschen zusammensetzt: da sind die, die immer mit dabei sind und am liebsten in der ersten Reihe stehen und die, die begierig zuhören. Menschen, vom Leben enttäuscht und ausgepumpt stehen neben denen, die einfach nur neugierig sind, was da vor sich geht. Kinder drängeln sich durchs Getümmel nach vorne. Sie versammeln sich um eines der Fischerboote, das nahe am Ufer liegt. Andere bleiben ein wenig weiter zurück auf der Anhöhe stehen, beobachten aus sicherer Distanz was da vor sich geht.

Scheinbar im Hintergrund fällt dann aber doch eine kleine, weiß-gewandete Gestalt, in einem der Boote stehend, auf. Dass dies Jesus sein muss, wird klar, wenn man sich die Position der Gestalt im Bildganzen anschaut: in ihr überschneiden sich die beiden Bilddiagonalen. Der Prediger vom Anbruch des Gottesreiches ist der Mittelpunkt des Weltganzen. Inmitten der Weite der Landschaft mit Städten, Burgen und Wäldern, mitten im alltäglichen Handel und Wandel der Menschen.

Inmitten dieses Bildes ereignet sich folgende Szene:

Einmal drängte sich die Volksmenge um Jesus und wollte hören, wie er Gottes Wort verkündete. Jesus stand am See Genezareth. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und reinigten die Netze. Jesus stieg in eines der Boote, das Simon gehörte. Er bat Simon, ein Stück vom Ufer wegzufahren. Dann setzte er sich und sprach vom Boot aus zu den Leuten. Als Jesus seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: »Fahre hinaus in tieferes Wasser! Dort sollt ihr eure Netze zum Fang auswerfen!« Simon antwortete: »Meister, wir haben die ganze Nacht hart gearbeitet und nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze auswerfen.«

Aus einer scheinbar zufälligen Begegnung – Jesus nimmt in einem der Boote Platz, damit ihn die Menge besser hören kann – entsteht eine vertrauensbildende Maßnahme. Ob das, wovon Jesus gesprochen hat, Simon bereits bewegt zu diesem Mix aus berufsbegründeter Skepsis und dieser sehnsuchtsvollen Äußerung des Vertrauens („weil du es sagst…“)? Jedenfalls muss da schon etwas mit ihm geschehen sein, dass er dem Rat eines unbekannten Zimmermannssohns folgt, obwohl doch die beste Zeit zum Fischfang dem Stand der Sonne nach schon längst vorüber ist und der Fischer von der harten Arbeit der Nacht müde und enttäuscht ist.

Und es lohnt sich… Simon und seine Leute warfen die Netze aus. Sie fingen so viele Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Sie winkten die Fischer im anderen Boot herbei. Sie sollten kommen und ihnen helfen. Zusammen beluden sie beide Boote, bis sie fast untergingen.

In der Gegenwart Jesu erfahren Simon und seine Mitstreiter, wie sich Leere in Fülle verwandelt. Sein Blick weitet sich: dieser reiche Fang ist mehr als das Planbare und Vorhersagbare, ja: mehr als ein vernünftiger Mensch erwarten kann. Aus Simons Berufserfahrung ist das Wissen gewachsen: nach einer erfolglosen Nacht ist tagsüber auch nichts drin. Überraschendes ist da nicht vorgesehen. Nun aber hat er es mal anders gemacht: hinhören, vertrauen, abwarten. Und wird überrumpelt von den Ereignissen:

Als Simon Petrus das sah, fiel er vor Jesus auf die Knie und sagte: »Herr, geh fort von mir! Ich bin ein Mensch, der voller Schuld ist!« Denn Schrecken ergriff ihn und die anderen, die dabei waren, weil sie einen so gewaltigen Fang gemacht hatten. So ging es auch Jakobus und Johannes, den Söhnen von Zebedäus. Sie arbeiteten eng mit Simon zusammen.

In diesem Moment überkommt Simon, den Fischer, eine bahnbrechende Erkenntnis: dieser Jesus muss mehr in sich tragen als ein gewöhnlicher Mensch das tut. Er nimmt den Abstand zwischen sich und seinem Gegenüber wahr und sieht sich neu in seiner ganzen Begrenztheit. Nicht er hat sich bewährt, sondern das Wort des Mannes, der wider jede Erfahrung recht behalten hat. Simon hat durch diese ungewöhnliche Begegnung ins Gottvertrauen gefunden. Er muss nicht alles allein schaffen. Das schenkt ihm neuen Lebensmut.

Im Moment seiner Erkenntnis erhält Simon seinen Beinamen Petrus – der Fels. Sein Name zeigt: er hat nun festen Boden unter den Füßen gefunden. Der Fang, der Gewinn, der daraus erzielt werden könnte, sie zählen jetzt nicht mehr. Er überlässt ihn andern. Er lässt die äußere Sicherheit zurück und gewinnt dafür eine innere:

Da sagte Jesus zu Simon: »Hab keine Angst! Von jetzt an wirst du ein Menschenfischer sein!« Da zogen sie die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten Jesus.

Jetzt könnte man fragen: wo ist eigentlich Simon Petrus in diesem Bild? Offensichtlich hat er sein Boot, die Netze und die vielen Fische schon hinter sich gelassen. Überwältigt von der Begegnung, befreit von allem, was auf ihm lastete. Voller Vertrauen, dass er auf der richtigen Spur ist. Vielleicht hat er sich schon längst unter die Menschenmenge gemischt. Er ist bereits dabei, die Menschen für die Einsicht zu gewinnen, die ihm gerade erst aufgegangen ist: bedingungsloses Vertrauen in Gott kann zu einer unwahrscheinlichen Lebenskraft werden. Nicht, dass dann alles gelingt, aber er hat einen Grund gefunden, der trägt. Das „Fürchte dich nicht!“ geht mit, gibt festen Boden unter den Füßen. Das gibt Simon Petrus weiter. Er geht zu den Menschen, die alle schon die Vergeblichkeit der eigenen Bemühungen erlebt haben. Er macht ihnen neuen Mut. Nicht zuerst den Mangel sehen, sondern die Fülle, aus der wir leben. Alles Lebensnotwendige ist uns geschenkt. Es ist mit Jesus Gott, der im Zentrum des Bildes und unserer Geschichte steht. Er wird seine Schöpfung, die uns in diesem Bild in ihrer Fülle vor Augen gemalt ist, nicht im Stich lassen. Er geht mit, sich ganz im Hintergrund haltend – wie der Christus im Bild nur mühsam zu finden, aber doch da, indem er die Welt im Innersten zusammenhält. Und in diesem Innersten erklingt das „Fürchte dich nicht!“

Amen.

Lied: EG 313 Jesus, der zu den Fischern lief

1. Jesus, der zu den Fischern lief / und Simon und Andreas rief, / sich doch ein Herz zu fassen, / die Netze zu verlassen - / vielleicht kommt er auch heut vorbei, / ruft mich und dich, zwei oder drei, / doch alles aufzugeben / und treu ihm nachzuleben.

2. Jesus, der durch die Straßen kam, / den Mann vom Zoll zur Seite nahm / und bei ihm wohnen wollte, / dass der sich freuen sollte - / vielleicht kommt er auch heut vorbei, / fragt mich und dich, zwei oder drei: / Wollt ihr mir euer Leben, / und was ihr liebhabt, geben?

3. Der durch die Welt geht und die Zeit, / ruft nicht, wie man beim Jahrmarkt schreit. / Er spricht das Herz an, heute, / und sammelt seine Leute. / Und blieben wir auch lieber stehn - / zu wem denn sollen wir sonst gehn? / Er will uns alles geben, / die Wahrheit und das Leben.

Text: Jürgen Henkys (1975) 1977 Melodie: Frits Mehrtens 1961

 

Fürbitten und Vater unser

Großer Gott,
mit Dir neue Wege gehen, das wär´s.
Netze auszuwerfen, wo dann auch Fische sind.
Mit Dir leben, getröstet und genährt.
Statt all der Alltagsangst, dem Druck, dem Müssen und Sollen und am Ende doch der Hunger.

Für Deine Kirche bitten wir Dich, Gott.

Viele fragen: Passen Fische und Netze, Handwerk und Hoffnung zueinander?

Mache uns Mut.

Öffne unsere Augen für dein verborgenes Wirken.
Schenke uns Vertrauen im Alltag und Worte, um einander mutig zu machen.

Ach Gott, wir bitten Dich: Für Entscheider und Präsidentinnen,
für Klar-Sein und Maßhalten, Schutz, Abstand und Nähe.

Wir bitten dich für alle, die durch die gegenwärtige Krise in Wirtschaft und Finanzen obdachlos wurden und ihre Arbeit verloren haben und für die Menschen, die in Angst um ihre Existenz leben.
Dein Weg ist dunkel manchmal, kantig und verwurzelt.
Zeig´ dich, Gott, mitten im Chaos, immer wieder.

Für die unruhigen Herzen bitten wir Dich, Gott.
Für alles „ich müsste mehr tun“,
jedes „ich hab nichts geschafft“.
Mit Dir zu sein, Gott, ist Leben, ist Atem, ist Glück.
Pulsier´ durch uns durch, alle hier wie wir sind, und erhöre uns.

Ach Gott, vieles bewegt uns. Wir legen es in die Worte, die du uns gelehrt hast: Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lied: NL 202 Verleih uns Frieden gnädiglich

Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsren Zeiten. Es ist doch ja kein andrer nicht, der für uns könnte streiten, denn du, unser Gott, alleine, denn du, unser Gott, alleine.

Halleluja, Kyrie eleison: Herr Gott, erbarme dich! (4x)

Text: Martin Luther 1529 Musik: Matthias Nagel. © Musik: Zebe Publishing, Berlin.

 

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Fürchte dich nicht!

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

 


4. Sonntag nach Trinitatis, 5.7.2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

Die Gedanken zum Download in PDF

Gedanken als Audio

 

Eingangswort Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen. Am 4. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest grüße ich Sie ganz herzlich zu unseren gottesdienstlichen Gedanken.

Lied: 169 Bless the Lord (eine Strophe deutsch und eine Strophe englisch)

Komm und lobe den Herrn, meine Seele, sing, bete den König an. Sing wie niemals zuvor nur für ihn, und bete den König an.

1. Ein neuer Tag und ein neuer Morgen, und wieder bring ich dir mein Lob. Was heut vor mir liegt und was immer auch geschehn mag, lass mich noch singen, wenn der Abend kommt.

Bless the Lord, o my soul, o my soul; worship His holy name. Sing like never before, o my soul; I'll worship Your holy name.

1. The sun comes up, it's a new day dawning, it's time to sing Your song again. Whatever may pass, and what ever lies before me. Let me be singing when the evening comes.

Text und Melodie: Matt Redman und Jonas Myrin; deutsch: David Hanheiser und David Schnitter.
© 2011 Thankyou Music/Said and Done Music. Für D,A,CH: SCM Hänssler, Holzgerlingen

 

Psalm 112 übertragen von Huub Oosterhuis

I           Du wolltest glücklich sein: Kräftig, heiter, aufrecht,

 

II          gute Arbeit, gut wohnen, etwas Geld, nett gefunden werden,

lieb, die große Liebe finden, Kinder kriegen, gesunde, schöne.

 

I           Das alles wolltest du – wer nicht? Willst du auch gut sein, verlässlich,

treu, gerecht, mitfühlend?

Eine düstere Sache ist die Welt, aber da sind Menschen des Lichts.

 

II          Gierig, grausam, selbstsüchtig dieser und jener,

aber da sind Menschen, die geben und teilen.

Da ist Böses, unbändig Böses, unaufhaltsam,

aber da sind Menschen, die Verdammnis durchbrechen.

 

I           Da sind Worte gesprochen, die wirken zum Guten, die dein Herz stärken,

dein Gewissen schärfen.

 

II          Glücklich, wer sie sucht, um zu hören, und lebt, sie auch zu tun.

Ein böser Mensch wird niemals glücklich.

 

gesprochen:
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Eingangsgebet

Ich will dich loben, mein Gott. Am Morgen und am Tag und am Abend,

auch in der Nacht will ich dich loben, wenn ich dein Licht nicht sehe.

Denn du bist nicht nur groß und mächtig, du lässt uns deine Gnade spüren.

Du kommst uns nah. Du berührst unsere Herzen. Du füllst sie mit Gedanken der Liebe

Und mit der Sehnsucht nach Frieden Und nach einem Leben, in dem einer für den anderen da ist.

Ich will dich loben, Gott. Im Licht deiner Liebe leben wir auf. Im Licht deiner Liebe wird das Leben neu, Im Licht deiner Liebe erfahren wir deinen Segen.

Dir öffne ich in der Stille mein Herz

 

 - Stille -

 

Ich will dich loben, Gott. Du schenkst uns Gedanken des Friedens.  Amen.


Schriftlesung Römer 12,17-21

Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. 18 Ist´s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. 19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.« 20 Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22). 21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.


Lied NL
213 Wenn Glaube bei uns einzieht

1. Wenn Glaube bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt. Wenn Glaube bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt.

2. Wenn Liebe bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt. Wenn Liebe bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt.

3. Wenn Hoffnung bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt. Wenn Hoffnung bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt.

Text: Martina Wittkowski 2004. Melodie: Ralf Grössler 2004. © Strube, München

 

Predigtgedanken

Liebe Leserin, lieber Leser,

Haben Sie schon einmal erlebt was passiert, wenn jemand mit einem Lächeln im Gesicht auf sie zukommt? Sie lächeln automatisch zurück. Der Bann ist gebrochen. Die Brücke ist gebaut. Über die Brücke eines Lächelns gelingt unsere Kommunikation. Da spürt jeder sofort: Wer mir zulächelt ist mir wohlgesonnen. Von einem ehrlichen Lächeln habe ich nichts zu befürchten. Es wärmt mein Herz.

Wer voller Freundlichkeit auf jemanden zugeht, hat es leichter, gerade wenn es um Menschen geht, mit denen es uns nicht so leichtfällt. Mit unserer Freundlichkeit erreichen wir sie auf einer anderen Ebene. Wir finden eine gemeinsame Basis.

Mit einem Lächeln, mit einer freundlichen Eröffnung, mit anerkennenden und würdigenden Worten können wir eine Begegnung prägen.

Mit einem Lächeln und mit Freundlichkeit sprechen wir wohl eine tiefe Sehnsucht an, die in uns Menschen wohnt, eine Sehnsucht nach Harmonie und Frieden, nach Anerkennung und Respekt, nach einem gelingenden Leben, das den Konflikt nicht scheut, das sich aber nicht in unnötigen Auseinandersetzungen verschleißt.

Da geht es uns als Christen wie allen Menschen. Wir teilen diese Sehnsucht. Und wo es gelingt, voller Wohlwollen miteinander umzugehen, stellt sich ein gutes Gefühl ein, wir fühlen uns nach solchen Begegnungen beflügelt und gestärkt. Das trägt für eine Weile. – Wir haben da unsere Geschichten in uns. Und schon die Erinnerung bringt das gute Gefühl wieder zurück.

Ist´s möglich, so viel an euch liegt, schreibt Paulus an die Gemeinde in Rom, so haltet mit allen Menschen Frieden. Wenn wir schon mit allen Menschen diese Sehnsucht teilen, wie viel mehr steht es uns als Christen gut an, sie mit Leben zu füllen, wo wir doch in der Regel die Güte Gottes erfahren haben, Last, die von den Schultern genommen wurde, Versäumnisse, die verziehen wurden. Da sind Bilder von einem barmherzigen Gott, die wir in uns tragen, der die Verwundungen des Lebens heilt, der das Leben wieder in Balance bringt, der mitgeht und uns Menschen an die Seite stellt, die uns guttun. Wir haben Jesus vor Augen, den friedfertigen, der selbst am Kreuz noch für seine Peiniger bittet, Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.

Auf dem Weg zu einer Kirche des Friedens und der Gerechtigkeit, so lautete das Motto der letztjährigen EKD-Synode in Dresden. Das ist wohl dran, dass wir als Kirche unsere Friedensfähigkeit und unser Drängen auf Gerechtigkeit betonen. Und das in einer Zeit, in der Soziologen von der Krise des Allgemeinen sprechen. Institutionen wie Gewerkschaften, Parteien, Verbände und auch die Kirchen erleiden einen Bedeutungsverlust. Selbst in Baden-Württemberg sind die Mitgliederzahlen unserer Kirche weiter gesunken. Das Allgemeinverbindliche tritt zurück hinter das Individuelle. Die gemeinsame Basis unserer Gesellschaft wird kleiner.

Dieser Tage kam mal wieder Bonjour Alfons im Radio, da hat der charmante Alfons sich über Soziale Netzwerke geäußert und gefragt, warum die eigentlich sozial heißen, wo sie doch zulassen, dass da Beiträge voller Hass und Häme unwidersprochen stehen bleiben, die der Spaltung unserer Gesellschaft und der Schwächung unserer Demokratie Vorschub leisten. Und in der Süddeutschen Zeitung vom Freitag war von Mark Zuckerberg zu lesen, dass er nicht glücklich sei über die zweifelhafte Rolle, die facebook bei den Wahlen in den USA und Brasilien, beim Brexit, beim Völkermord in Myanmar und bei den Lynchmobs in Indien und Mexiko gespielt habe, allerdings erst unter dem Druck gekündigter Werbeverträge namhafter Konzerne, die einen Imageschaden für Ihr Unternehmen fürchten.

Ja, wo die Menschenwürde, die Wahrheit und die Gerechtigkeit mit Füßen getreten werden, da muss bei aller Friedfertigkeit unsere andere Meinung sichtbar werden.

Aber wie? Paulus schreibt uns als Magna Charta alles Christlichen ins Stammbuch: Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Und das ist nicht als schöner Kalenderspruch gemeint, sondern als alltagstaugliche Maxime.

Luther schreibt in einem Kommentar zur Stelle: Sieh zu, dass der andre dich nicht damit, dass er dir wehe tut zu einem Menschen macht, der ihm gleich ist, nämlich zu einem bösen, und dass nicht seine Bosheit deine Güte überwältige. Denn Sieger ist, wer den andern umwandelt und sich gleichmacht, während er selbst unverändert bleibt. Nein, mach du ihn vielmehr dadurch, dass du wohl an ihm handelst zu einem guten Menschen, der dir gleich ist. Deine Güte überwinde seine Bosheit und wandle ihn in dein Wesen um.

In unserem Verhalten halten wir also den Menschen einen Spiegel vor. Was sehen sie? Sehen sie im Spiegel unserer Reaktion einen Menschen, der ist wie sie und sie bestätigt? Oder sehen sie im Spiegel unserer Reaktion das ganz andere, das sie infrage stellt? Das Prinzip des Wohlwollens? Das Prinzip der Liebe, die selbst denen Gutes entgegenbringt, die uns verletzen? Das Prinzip der Güte Gottes, das wir an Jesus erlebt haben?

Die ganz Großen der Geschichte haben das beherzigt, wie Mahatma Gandhi, der mit seinem gewaltfreien Widerstand die Kolonialmacht gebrochen hat, oder Martin Luther King, der mit dem gleichen Ansatz gegen die amerikanische Rassentrennung vorging, und ich habe den Eindruck, die Black-Lives-Matter-Bewegung hat sich nach den ersten Ausschreitungen schnell daran erinnert, dass Gewalt zwar Aufmerksamkeit bringt, aber keinen Erfolg in der Sache.

Gewaltfreiheit und Wohlwollen, Zugewandtheit und liebevolles Miteinander lässt sich nicht erzwingen. Es wächst in uns. Es ist ein Geschenk. Bei dem Einen ein Geschenk des Lebens und der Erfahrungen, die prägend waren, bei einem Anderen ein Geschenk des Glaubens, der ins Denken und Handeln hineinwirkt.

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Diesen Satz gibt Paulus als Leitgedanken für das gesellschaftliche Miteinander weiter.

Er will es in uns wachhalten: Wenn wir das Miteinander in unser Gesellschaft mitgestalten und mitprägen wollen, hin zu mehr Frieden und Gerechtigkeit, geleitet von dieser Sehnsucht nach einem gelingenden Leben, dann hilft es uns nicht, uns anzupassen. Was aber hilft, ist unseren Standpunkt und unsere Überzeugungen zu leben, auch und gerade da, wo sie herausgefordert werden. Dass wir ein Spiegel werden für dieses andere Muster, das Jesus gelebt hat. Selbstbewusst, stark, überzeugend und prägend. Wie ein Lächeln, wie gewinnende Freundlichkeit. Wie gestillte Sehnsucht nach Harmonie und gelingendem Leben. Amen.


Lied: NL
102 Allein deine Gnade genügt

Allein deine Gnade genügt, die in meiner Schwachheit Stärke mir gibt. Ich geb dir mein Leben und was mich bewegt. Allein deine Gnade genügt.

1. Ich muss mich nicht länger um Liebe bemühn, ich habe Vertrauen zu dir. Du hast meine Sünde getilgt durch dein Blut und Gnade ist für mich genug.

2. Das Blut Jesu lässt mich gerecht vor dir stehn, es hat alle Schuld gesühnt. Die Gnade hat über Gericht triumphiert, und nun bin ich frei in dir.

Text (nach 2. Korrinther 12, 5) und Melodie: Martin J. Nystrom; deutsch: Ken Janz, Martin Pepper.
© 1991 Integrity's Hosanna! Music, für D,A,CH: Gerth Medien, Asslar

 

Fürbittengebet

Wir heben den Blick, Gott, wir sehen die Welt mit allen ihren Facetten.

Hab Dank für alles Gute, das unter uns geschieht, für alle Zuwendung, die spürbar wird, die sichtbar wurde, auch in den letzten Monaten und Wochen, in denen wir so viel Hilfsbereitschaft und gegenseitiges Füreinander-da-sein erlebt haben.

Lass uns aus dieser Liebe leben. Lass uns eintreten gegen Hass und Hetze, gegen jeden menschenverachtenden Gedanken. Lass uns, wo wir können, dazu beitragen, dass alle Menschen in Würde leben können.

Gemeinsam beten wir

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Lied NL
146 Gottes Segen behüte dich nun

Gottes Segen behüte dich nun, Gottes Frieden in all deinem Tun. Geh gesegnet, getröstet, gestärkt und geliebt in der Freude, die Gott dir heut gibt.

Text und Melodie: Cliff Barrows 1982; französisch: Pierre Lachat 1986; deutsch: Martina Weiland.
© bei den Urhebern

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

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Erntebitt-Gottesdienst "...soviel er zum Essen brauchte", 28. Juni 2020

Gottesdienstliche Gedanken von Christina Beck

Die Gedanken zum Download in PDF

Gedanken als Audio

 

Eingangswort

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

„…soviel er zum Essen brauchte“ – das ist das Thema des diesjährigen Erntebittgottesdienstes. Das jeder bekommt, was er braucht, ist nicht selbstverständlich. Wir sind angewiesen auf das Wachsen und Gedeihen und die richtigen Wetterbedingungen, die es braucht. Wir sind angewiesen auf Gottes Segen.

Der Wochenspruch fasst die Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. (Lk 13, 29)

 

Eingangsgebet

Allmächtiger Gott, du hast den Himmel und die Erde erschaffen.

Du hast uns Menschen dazu bestimmt, die Erde zu bebauen und sie als Haushalter deiner Schöpfung zu bewahren.

Wir freuen uns und sind dankbar für alles, was du auch dieses Jahr wieder auf unseren Äckern, Wiesen und in unseren Gärten wachsen lässt. Ohne dein Zutun würde dies alles nicht gelingen.

Mit den Früchten, die wir von unseren Feldern und aus unseren Gärten ernten werden, können wir sowohl uns Menschen als auch die Tiere in unseren Ställen ernähren. Dafür danken wir dir. Lass die Dankbarkeit dir gegenüber in unseren Herzen wachsen und segne du uns jetzt in diesem Gottesdienst. AMEN

 

Lied: Wiesen und Berge, die Wälder und Seen

1. Wiesen und Berge, die Wälder und Seen, was lebt und atmet in Tälern und Höhn: es trägt deine Handschrift, bezeugt dein Tun, verkündet deinen Ruhm!

Und darum jubel ich dir zu, dass jeder es hört: der Meister bist du. Ich will tanzen und singen vor dir, du herrlicher Schöpfer, Ehre sei dir!

2. Das Werk deiner Liebe, das du in mir vollbracht, das mich zum Kind deines Reiches gemacht: es trägt deine Handschrift, bezeugt dein Tun, verkündet deinen Ruhm!

Und darum jubel ich dir zu, dass jeder es hört: der Meister bist du. Ich will tanzen und singen vor dir, du herrlicher Schöpfer, Ehre sei dir!

Originaltext („Stand Here and Rejoice”) und Melodie: Danny Plett. Deutsch: Ute Meißner. © Janz Musikverlag, adm. by Gerth Medien, Asslar

 

Sprechmotette

 

Gott ist es, der für uns sorgt, der uns versorgt

Im Supermarkt sind die Regale voll, es gibt alles was das Herz begehrt.

Wir leben in Deutschland im Überfluss und es werden jedes Jahr rund 12,7 Millionen Tonnen Lebensmittel in privaten Haushalten weggeworfen.

Zu dieser Verschwendung tragen wir alle bei: Hersteller, Landwirtschaft, Handel und Verbraucher.

Gott ist es, der für uns sorgt, der uns versorgt

Wir erinnern uns an Zeiten, da wurde ganz selbstverständlich in Familien noch ein Schwein geschlachtet.

Obst und Gemüse kam aus dem eigenen Garten, Kartoffeln und Kraut waren sichere Vorräte.

Die Wertschätzung der Lebensmittel ist bei vielen verloren gegangen. Immer ist alles verfügbar zu niedrigem Preis.

Gott ist es, der für uns sorgt, der uns versorgt

Wir müssen 'raus aus diesem Verhaltensmuster – nur kaufen was gebraucht wird.

Vorräte checken, Lebensmittel richtig lagern, Mahlzeiten planen, keine Spontaneinkäufe. Kreativ mit Resten umgehen, verwerten, verschenken, haltbar machen.

Schaut in euren Kühlschrank, esst nur was ihr schon gekauft habt, kauft nur was ihr braucht, benutzt das was ihr gekauft habt.

Gott ist es, der für uns sorgt, der uns versorgt

Der Wunsch, dass immer alles zu jeder Zeit frisch und verfügbar ist, führt letztendlich zur Überproduktion. Brauchen Bäckereien bis 20 Uhr ein volles Sortiment? Darf in der Mensa auch mal was ausgehen?

Der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln wirkt sich negativ auf Umwelt und Ressourcen aus, hier und weltweit, in Nord und Süd.

Jedem weggeworfenen Lebensmittel geht ein hoher Verbrauch an Wasser und Energie für die Produktion und den Transport voraus.

Gott ist es, der für uns sorgt, der uns versorgt

Das Wissen um Wachsen und Gedeihen ist abhanden- gekommen.

Bäuerinnen und Bauern müssen sich rechtfertigen für die Art und Weise, wie sie Lebensmittel erzeugen.

Forderungen der Gesellschaft sind für die Landwirtschaft häufig nicht wirtschaftlich zu erfüllen.

Gott ist es, der für uns sorgt, der uns versorgt

Fremden Märkten wird oft mehr Vertrauen geschenkt als der heimischen Landwirtschaft.

Politik scheint machtlos zu sein.

Landwirtschaft ist abhängig von den Launen der Natur, von den Launen der globalen Märkte, von den Launen der Gesellschaft.

Gott ist es, der für uns sorgt, der uns versorgt

Lasst uns alle, Erzeuger und Verbraucher, Produzenten und Konsumenten, Stadt und Land, wieder zueinander finden und mehr Verständnis für die Sorgen und Nöte des anderen entwickeln.

Lasst uns einander mit Wertschätzung und Respekt begegnen.

Machen wir uns gemeinsam auf den Weg.

 

Lied: Du schufst, Herr, unsre Erde gut

Refrain: Du schufst, Herr, unsre Erde gut, denn die Erde ist ja dein! Sie zu bewahren, gib uns Mut, denn die Erde ist ja dein!

1. Lange Zeit, Herr, haben wir gehandelt unbedacht, Schöpfer Gott, erbarme dich! Über deine Gaben, deine Schätze nicht gewacht - Schöpfer Gott, erbarme dich.

2. Deine Flüsse, Seen und Bäche haben wir verschmutzt, - Schöpfer, Gott, erbarme dich! Haben nur geplant, gebaut, was unserm Wohlstand nutzt - Schöpfer, Gott, erbarme dich!

3. Deine Luft ist nun erfüllt mit Abgas, tonnenschwer, - Schöpfer, Gott, erbarme dich! Und der Lärm, der uns umgibt, macht taub uns das Gehör - Schöpfer, Gott, erbarme dich!

4. Herr, anstatt zu traun auf deine starke Wunderkraft, - Schöpfer, Gott, erbarme dich! Waren wir nur stolz auf alles, was wir selbst geschafft - Schöpfer, Gott, erbarme dich!

5. Weck uns alle endlich auf, beende unsern Wahn, - Schöpfer, Gott, erbarme dich! Weil sonst nach uns keiner mehr auf Erden leben kann - Schöpfer, Gott, erbarme dich!

Text: Traugott Wettach 1976

Melodie: Spiritual

 

Predigt

„Morgen gibt es wieder Eier“ – so stand vor drei Monaten vor einem leeren Automaten zu lesen, an dem man frische Eier direkt vom Hof mitnehmen kann. Auch in den Supermärkten hingen an den leeren Regalen Hinweise, dass man doch bitte nur EINE Packung pro Haushalt mitnehmen solle (ob das jetzt Hefe, Nudeln, Dosenravioli oder Klopapier war). In den mobilen Netzwerken gingen Scherze herum, dass Klopapier in diesem Jahr als Vermögenswert zu versteuern sei…

„Jeder hatte …. soviel er zum Essen brauchte“: Das ist ein kleiner Satz in einer großen biblischen Geschichte. Ein Satz, der die Lebensmittel begrenzt auf das Lebensnotwendige und die Koordinaten für das rechte Maß bestimmt. „Jeder hatte …. so viel er zum Essen brauchte“, das ist auch eine Begrenzung, vor allem jedoch ein klares Ja zur Befriedigung der je eigenen Bedürfnisse.

Wenn wir das Leben in unseren europäischen Breitengraden und in unserem Land anschauen, leben wir weit über diese heilsame Begrenzung hinaus. Es erschreckt mich, wenn ich höre, dass im Jahr 2015 jeder Privathaushalt 85 Kilogramm Essen und jährlich fast 13 Millionen Tonnen im Müll landen.

Wer hätte es sich je träumen lassen, dass in unseren Landen Klopapier rationiert werden muss und eine Bundeskanzlerin Menschen die Menge ihres Einkaufs vorgeben muss – wo doch jeden Tag alles da ist!? Wo liegen die Gründe dafür?

Die Krise, die wir in den zurückliegenden Monaten durchleben und durchleiden mussten, offenbart tiefliegende Ängste, die eines der reichsten Länder dieser Erde nicht befrieden konnte. Die Koordinaten unserer Gesellschaft scheinen nicht mehr zu stimmen.

Die Erzählung des heutigen Predigttextes benennt diese Ängste, greift sie auf und führt diese in die Nähe einer heilsamen Mitte, weil uns nur von dieser Mitte der Halt kommen kann, der Krisen gewachsen ist.

Die Erzählung nimmt ihren Ausgang in der Wüste. Gott hatte durch die Führung des Mose kurz zuvor die Israeliten aus der Knechtschaft in Ägypten befreit. Doch schnell ist der Jubel über die neue Freiheit verstummt. Stattdessen werden maulende Stimmen laut: In Ägypten mussten wir nicht hungern, da saßen wir bei den Fleischtöpfen und hatten Brot in Hülle und Fülle. Wären wir doch lieber an der harten Arbeit gestorben! Was nützt uns die Freiheit, wenn wir jetzt elendig in dieser blöden Wüste verhungern?

Diese Ängste bleiben von Gott nicht unerhört. Gott sagt Mose: Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinausgehen und täglich sammeln, was es für den Tag bedarf. Am sechsten Tage aber wird's geschehen, wenn sie zubereiten, was sie einbringen, dass es doppelt so viel sein wird, wie sie sonst täglich sammeln.

So geschieht es dann auch: Am Abend kamen Wachteln herauf und bedeckten das Lager. Und am Morgen lag Tau rings um das Lager. Und als der Tau weg war, siehe, da lag's in der Wüste rund und klein wie Reif auf der Erde. Und als es die Israeliten sahen, sprachen sie untereinander: Man hu? Denn sie wussten nicht, was es war. Mose aber sprach zu ihnen: Es ist das Brot, das euch der HERR zu essen gegeben hat. Das ist's aber, was der HERR geboten hat: Ein jeder sammle, soviel er zum Essen braucht, einen Krug voll für jeden nach der Zahl der Leute in seinem Zelte. Und die Israeliten taten's und sammelten, einer viel, der andere wenig. Aber als man's nachmaß, hatte der nicht darüber, der viel gesammelt hatte, und der nicht darunter, der wenig gesammelt hatte. Jeder hatte gesammelt, soviel er zum Essen brauchte.

Gott steht verlässlich zu seinem Wort. Jeden Tag gibt er zu Essen, jedem „was es für den Tag bedarf“. Natürlich ist das für jeden etwas anderes, doch für jeden ist da, was er braucht. Aber am Ende geht es doch so aus, dass sich der Bauch als weit stärker als der Verstand erweist. Nicht nur in dieser Geschichte, sondern auch in unserem Leben. Unser Gehirn, so sagen Wissenschaftler, speichert die ständigen Billigangebote, die auf uns einprasseln, als etwas Positives ab. Vom Billigen können wir deshalb nicht genug bekommen, vor allem beim Essen. Und weil Essen nicht viel wert zu sein scheint, regiert der Bauch über den Verstand und Wegwerfen ist kein Problem mehr.

Genau an dieser Wertschätzung der Nahrung arbeitet unsere Erzählung, indem sie immer wieder das Wort „sammeln“ benutzt. So wird deutlich: Essen ist zunächst kein Industrieprodukt. Wer sammelt, schöpft aus dem Vorfindlichen.

Das gilt auch für unsere Landwirtschaft: Niemand hat der Natur das Wachsen beigebracht. Kein Mensch hat das Wetter so im Griff, dass er es steuern kann. Wachsen und Wetter sind Geschenke. Geschenke des Himmels!

Wer sammelt, den ergreift Dankbarkeit, dass ihm etwas zur Verfügung gestellt wird, mit dem er arbeiten und aus dem er etwas machen darf. Wertschätzung gegenüber dem Essen beginnt also mit der Dankbarkeit gegenüber Gott, der uns SEINE Welt zur Verfügung stellt.

„...so viel er zum Essen brauchte“: Diese Überschrift bringt neben der Dankbarkeit auch die Frage nach dem Maß zur Sprache. Wie viel ist denn „soviel“? Wo ist dafür das Maß?

Interessant ist, dass im Deutschen das Wort Maß mit dem Wort Mitte verwandt ist. Wir können das Maß nur bestimmen, wenn eine Mitte, ein Ausgangspunkt festgelegt ist.

Die alles bestimmende Mitte legt unsere Erzählung mit dem Sabbat fest. Am Tag davor soll doppelt so viel gesammelt werden, damit auch für den Ruhetag gesorgt ist ohne sammeln zu müssen. Während diese Doppelration nicht verdirbt, verdarb das Zuviel an anderen Tagen unmittelbar.

Im Sabbat oder christlich gesprochen im Sonntag liegt die Mitte für unser Leben! An diesem einen Tag in der Woche soll es nicht um die Lebens-Mittel, sondern um die Lebens-Mitte gehen. Die Sorge ums täglich Brot darf zurücktreten, damit Gottes Wort uns erreicht. Anstelle der Besorgtheit um das Leben darf nun die vertrauende Gelassenheit auf Gott regieren, damit davon auch ein maßvoller Umgang in unseren Alltag fließt.

Wie viel „soviel“ ist, das kann nicht für jeden und alle gleich festgelegt werden, ja es darf unterschiedlich sein. Aber um den Maßstab nicht zu verlieren, dürfen und sollen wir immer wieder in die Mitte zurückkehren, die Dankbarkeit für Gottes vorausgehende Versorgung finden. „Ein jeder... so viel er zum Essen brauchte“ – das setzt uns auch im Wochenrhythmus eine Grenze, die den Ruhetag und das Reden Gottes zu mir, die Stärkung meiner Seele, die Freude Gottes an uns zur Orientierung macht.

Gerade angesichts der uns bevorstehenden Veränderungen ist eine solche Kraftquelle wie die des Sonntags unerlässlich. Denn so wie es ist, kann es nicht bleiben – das dürfte uns allen, die recht bei Verstand sind, ziemlich klar sein, allemal nach den Monaten einer weltweit bedrohlichen Viruspandemie. Wenn alle nur mit billiger Produktion aufs Vollgas des Wohlstands drücken, hat niemand eine Zukunft. Deshalb braucht es neben den Herausforderungen bezüglich Klimawandel und weltweiter Armut auch bei der Wertschätzung der Nahrungsmittel ein Umdenken. Weniger Lebensmittel wegwerfen und für gutes Essen mehr bezahlen – das wäre ein Weg, bei dem die Vernunft über den Bauch siegen würde. Dieser Weg würde unseren Landwirten den Spielraum geben, der ihnen Veränderungen im Umgang mit Gottes Schöpfung möglich macht. Rücken wir also den Sonntag in die Mitte. Dann wird diese Mitte auch maßgebend sein!

AMEN

 

Lied: Geh aus mein Herz

1. Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

2. Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide; Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide, als Salomonis Seide.

7. Der Weizen wächset mit Gewalt; darüber jauchzet jung und alt und rühmt die große Güte des, der so überfließend labt und mit so manchem Gut begabt das menschliche Gemüte, das menschliche Gemüte.

8. Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen; ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.

13. Hilf mir und segne meinen Geist mit Segen, der vom Himmel fleußt, dass ich dir stetig blühe; gib, dass der Sommer deiner Gnad in meiner Seele früh und spat viel Glaubensfrüchte ziehe, viel Glaubensfrüchte ziehe.

Text: Paul Gerhardt 1653

Melodie: August Harder vor 1813

 

Fürbitten und Vaterunser

Himmlischer Vater, du hast die Erde wunderbar gemacht, du hast uns das Leben geschenkt und es bis heute erhalten. Zeige uns, wie wir uns für die Bewahrung deiner Schöpfung einsetzen können.

In deiner Hand, Herr unser Gott, steht Wachstum und Gedeihen. Deinem Segen verdanken wir alles, was nach dem Winter auf den Feldern und Gärten herangewachsen ist, was wir in den nächsten Wochen und Monaten ernten werden.

Und doch ist in diesem Jahr so manches ganz anders: Die Pandemie lässt uns alle mit einmal ganz neu darüber nachdenken, wie gut wir es haben, und dankbar feststellen, wie gut du für uns sorgst. Wir danken dir, dass wir allzeit genug und vielseitig zu essen und zu trinken haben.

Wir bitten dich für alle Kranken und Einsamen, welche heute nicht unter uns sein können. Wir sind traurig, weil wir sie zur Zeit nicht besuchen dürfen. Sie sind traurig, weil die Isolierung einsam macht. Sei ihnen nahe, schenke ihnen Trost und Hoffnung.

Wir bitten dich: Segne nun die Ernte und alle, die in ihr arbeiten. Hilf, dass all das, was heranreift, auch gut eingebracht werden kann. Sei bei denen, die jetzt sehr viel zu tun haben, dass die Hektik nicht zu groß wird und sie vor Unglück bewahrt werden.

Wir bitten dich, Herr, unser Gott, für die Menschen weltweit, bei denen es dieses Jahr wenig zu ernten gibt, oder denen das Geld nicht reicht für genügend Lebensmittel.

Wir bitten dich auch für die allzu Satten, denen der Wert der Lebensmittel nicht mehr richtig bewusst ist. Lass uns alle sorgsam mit dem umgehen, was jetzt geerntet wird, was wir kaufen können in der Bäckerei und der Metzgerei, auf dem Markt und im Supermarkt.

Hilf, dass wir weltweit Lösungen finden für mehr Gerechtigkeit, damit die Hungernden auch satt werden.

Hilf uns auch in unseren Kirchengemeinden, dass die guten Gedanken und Ideen aufgehen und Frucht bringen.

Herr, sei auch bei denjenigen, die sich um Ihren Arbeitsplatz sorgen und gib jedem seinen gerechten Lohn.

Gemeinsam beten wir mit den Worten, die du uns gelehrt hast: Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lied: Sei behütet auf deinen Wegen

Refrain: Sei behütet auf deinen Wegen, sei behütet auch mitten in der Nacht. Durch Sonnentage, Stürme und durch Regen hält der Schöpfer über dir die Wacht.

1. Mitten in der grauen Alltagswelt, die sang- und klanglos mich beengt, höre ich ein Lied, das mir gefällt, und das mir Perspektiven schenkt.

2. Manchmal, wenn ein Tag zu Ende geht und die Nacht durch alle Ritzen dringt, spüre ich den Wind, der uns umweht und diese Zeilen mit sich bringt.

3. Immer, wenn wir auseinander gehn, spür ich Trauer, fühl ich mich allein. Und bis wir uns einmal wiedersehn, solln die Worte dein Begleiter sein.

Text: Clemens Bittlinger. Melodie: Clemens Bittlinger Fabian Vogt. © bei den Urhebern

 

Bleibt bewahrt im Segen Gottes

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

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2. Sonntag nach Trinitatis, 21.6.2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

Die Gedanken zum Download in PDF

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Eingangswort Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen. Am 2. Sonntag nach dem Dreieinigkeitsfest grüße ich Sie ganz herzlich zu unseren gottesdienstlichen Gedanken. Sie wollen heute Einladen, im Glauben unsere Mitte zu finden und daraus unser Leben zu gestalten. Erlöst und befreit.

 

Psalm 36 (719)

 

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

  und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

 

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes

und dein Recht wie die große Tiefe.

  Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

 

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,

  daß Menschenkinder unter dem Schatten

  deiner Flügel Zuflucht haben!

 

Sie werden satt von den reichen Gütern deines Hauses,

  und du tränkst sie mit Wonne wie mit einem Strom.

 

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

  und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

 

gesprochen:Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist. Wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Eingangsgebet

Ich werde ruhig vor dir, Gott.

Ich bringe meine Lebensfragen mit:

Was macht mich aus?

was hat mich geprägt, was gibt mir Energie und innere Stärke?

Wer ist wichtig für mich?

Für wen war und bin ich wichtig?

Welche Chancen will ich ergriffen?

Worin will ich mir treu bleiben

Wie bereit bleiben, die Wunder zu entdecken,

die du mir begegnen lässt?

Ich werde nicht alle Antworten auf einmal finden.

Aber ich möchte das festhalten, was ich erkannt habe

Und es mit Leben füllen.

Und sehen, wo ich reifen kann

Und Orientierung finden in meinem Glauben.

Dir öffne ich in der Stille mein Herz

 

Stilles Gebet

Danke, Gott, dass du unser Gebet hörst. Lass unser Bitten und Beten für uns und andere zum Segen werden. Amen.

 

Schriftlesung Mt 11,25-30

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. 26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. 27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. 28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.


Lied NL 51 Herr, ich komme zu dir

Herr, ich komme zu dir, und ich steh vor dir, so wie ich bin. Alles, was mich bewegt, lege ich vor dich hin.

Herr, ich komme zu dir, und ich schütte mein Herz bei dir aus. Was mich hindert, ganz bei dir zu sein, räume aus!

Meine Sorgen sind dir nicht verborgen, du wirst sorgen für mich. Voll Vertrauen will ich auf dich schauen. Herr, ich baue auf dich! Gib mir ein neues, ungeteiltes Herz. Lege ein neues Lied in meinen Mund. Fülle mich neu mit deinem Geist, denn du bewirkst dein Lob in mir.

 

Text und Melodie: Albert Frey. © SCM Hänssler, Holzgerlingen, für Immanuel-Music, Ravensburg

Predigtgedanken

Die Mitte, liebe Gemeinde, übt eine gewisse Faszination auf uns aus. Etwa die Lebensmitte, in der wir schon viel Erfahrung gesammelt haben und noch nicht viel von unserer Dynamik und Leistungsfähigkeit verloren haben, da muss man nicht im Mittelpunkt stehen und ist doch mitten drin. Wie bei einer Balkenwaage steht die Mitte für Balance und Ausgleich. Das ist ja auch eine Sehnsucht in uns: Dass wir unsere Mitte finden, die Balance zwischen Pflichten und Freiheiten, die Balance zwischen den wahrgenommenen Grenzen und Möglichkeiten. Dazu gehört wohl auch, dass ich meine Mitte finde. In mir ruhen kann, dass ich ein Bild von mir habe und weiß, wer ich bin. Bei anderen fällt uns das oft leichter als bei uns selbst.

Wir haben da ja ein feines Gespür dafür. In der Regel brauchen wir nur wenige Sekunden, um uns ein Bild von einem Menschen zu machen, den wir noch nicht kennen. Mit dieser Einschätzung gehen wir auf andere zu. Und mit der Zeit erfahren wir, ob unsere Einschätzung richtig war oder nicht. Wir passen unser Bild an, ergänzen und korrigieren es, oder wir finden es bestätigt.

Bei uns selber ist das ungleich schwieriger. Sich klar zu machen, aus welchen Energien ich lebe, welche meiner Fähigkeiten ich am erfolgreichsten einsetze, aber auch: Welche Grundsätze mich leiten und mir Orientierung geben – und wo ich mich in mir getäuscht habe und mein Bild von mir ergänzen oder korrigieren muss.

Am Ende des 1. Hauptteils des Matthäusevangeliums, quasi in der inhaltlichen Mitte des Evangeliums finden wir diesen ach so vertrauten Text, den wir in der Schriftlesung gehört haben. Hochverdichtet, mit nur wenigen Worten bringt Jesus seine Mitte zur Sprache, zeigt uns den Kern seiner Persönlichkeit:  finden wir diesen Lobpreis von Jesus und diesen bekannten Ruf: Kommt her zu mir…

Jesus preist die Größe Gottes, des Herrn über Himmel und Erde. Mit Weisheit und Klugheit ist er nicht zu fassen. Er bleibt verborgen im Geheimnis. Seine Existenz lässt sich nicht beweisen, und genauso wenig lässt sie sich widerlegen. Aber wer den Sprung wagt, vertrauensvoll wie ein Kind, und darauf vertraut, dass es ihn gibt, der kann ihn in seinem Leben erfahren. Wenn du wissen willst, wer Gott ist, schau mich an, sagt Jesus. Aus dieser Beziehung zu Gott lebt er. Das ist seine Mitte, das ist der Kern seiner Persönlichkeit, dass sich in Jesus das Wesen Gottes spiegelt. Zu dieser Mitte, in diese Balance will uns Jesus einladen mit seinem Ruf an uns: Kommt her zu mir.

Ich denke, Jesus lockt uns mit seinem Ruf, einmal auf Abstand zu gehen, aus einer anderen Perspektive auf unser Leben zu schauen. Vor welchen Karren bist du gespannt? Schau ihn dir an. Ist es das, was dir entspricht, das, was dich befriedigt, was du willst?

Und ziehst du ihn allein? Den Karren der Lebensbewältigung mit all seinen Facetten und Herausforderungen? Den Karren, der uns auf das Machbare reduziert und uns funktionieren lässt? Wir brauchen schließlich unser Einkommen und unser Auskommen.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, sagt Jesus, ihr mit dem verspannten Nacken, ihr, die ihr Rücken habt, ihr, denen manchmal die Puste ausgeht, ich will euch erquicken, Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

Sie kennen so ein Joch, das für zwei Ochsen gemacht ist. Wenn nur einer eingespannt ist, kommt es in eine Schieflage, dann drückt es.

Wenn es zu zweit gezogen wird, kommt es in Balance.

Jesus lädt uns ein, im Glauben unsere Orientierung zu finden und diese Balance, die uns spüren lasst: Ich tue, was ich tue nicht in erster Linie weil es von mir erwartet wird, weil es nötig ist, weil es nicht anders geht, weil ich keine andere Wahl habe, Ich tue, was ich tue, weil es mir und meinem Glauben, mir und meiner Einstellung zum Leben entspricht, weil ich darin Entsprechungen finde, zu dem, was Jesus gelebt hat, zu der Liebe Gottes für die er eingestanden ist, für seine heilsame Zuwendung zu den Menschen, ganz besonders zu denen, die ihre Mitte verloren hatten.

Jesus bietet sich an. Er will mittragen. Er steht für die Mitte, in der ich mich und zu mir finden kann. Er steht für die Liebe – und haben wir nicht schon oft erlebt, dass wir von unserer Großzügigkeit so viel zurückbekommen? Dass die liebevolle Zuwendung auch das eigene Herz wärmt? Wie befreiend das sein kann, nicht immer auf die Frage nach der Schuld fixiert zu sein, sondern auf Lösungen, eben weil Jesus uns von der Schuld befreit hat, weil er uns Erlösung zugesagt hat. Wir werden es sicher nicht schaffen, durchs Leben zu kommen ohne Fehler zu machen oder an unseren Idealen zu scheitern, aber Fehler sind nicht dazu da, als Schuld auf unseren Schultern zu liegen und uns zu verspannen und aus der Ruhe zu bringen, sondern um sie zu bereinigen und nach guten Lösungen zu schauen. Wie wohltuend kann es sein, zu einer Fehlerfreundlichkeit zu finden, die jeden Fehler und jedes Fehlverhalten als Chance versteht zu wachsen und zu reifen. Im Miteinander. Das sollten wir uns gegenseitig zugestehen. Wir sind nicht am Ziel, aber mit dem Glauben als Orientierung sind wir auf einem guten Weg der Persönlichkeitsentwicklung. Jesus hat in seinen Begegnungen die Menschen nicht auf ihre Grenzen und Schwächen festgelegt, er hat sie an ihre Möglichkeiten erinnert, auch und gerade an ihre Möglichkeit, sich zu entwickeln und ihre Situation in einem neuen Licht zu sehen.

Mit Jesus unter dem Joch zu gehen, das heißt doch, bei ihm unsere Mitte zu finden, die uns Orientierung gibt und aus dieser Mitte zu leben, erlöst von den Festlegungen, die unsere Kräfte binden, frei, unser Leben an seiner Liebe auszurichten, die so viel zurückgibt. Denn unser Glaube unterjocht uns nicht, unser Glaube macht das Leben leichter. Amen.

 

Lied: NL 5 Bei dir bin ich geborgen, still wie ein Kind

Bei Gott bin ich geborgen, still, wie ein Kind, bei ihm ist Trost und Heil. Ja, hin zu Gott verzehrt sich meine Seele, kehrt in Frieden ein.

Text: zu Psalm 91,1–2. Musik: Jacques Berthier. © Ateliers et Presses de Taizé, Taizé-Communauté, Frankreich

Fürbittengebet

Gott, du Herr des Himmels und der Erde,

durch Jesus rufst du uns: Kommt her.

Bei dir finden wir Orientierung

Bei dir finden wir Erleichterung und Ruhe,

Erlösung und Befreiung.

Gott, du Herr des Himmels und der Erde,

Du hast jedem Leben seinen Wert und seine Würde gegeben.

Aber noch immer sehen wir Menschen, die unterjocht sind,

die schwer tragen an Festlegungen und Geringachtung.

Lass uns dafür eintreten, dass alle Menschen ein Leben in Würde leben können, mitten unter uns und überall.

Schenke Frieden und Gerechtigkeit, wo das Recht mit Füßen getreten und missachtet wird.

Schenke Barmherzigkeit und Liebe, wo Einsamkeit und Trauer wohnen,

Schenke Heimat und Zukunft, wo Flucht der einzige Ausweg war. Schenke Heilung und Trost, wo Krankheit das Leben einschränkt und bedroht und schenke Hoffnung und Begleitung, wo Menschen auf dem letzten Weg sind.

Lass deine Friedensmacht, deine Erlösung und Befreiung auf der ganzen weiten Erde spürbar werden.

Gemeinsam beten wir

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lied NL 142 Gnädiger Gott, lass dein Angesicht leuchten

Gnädiger Gott, lass dein Angesicht leuchten! Kehr bei uns ein mit dem Geist deiner Kraft! Gnädiger Gott, steck uns an mit der Liebe, die neues Leben schafft! Kehr bei uns ein mit deiner Kraft! Kehr bei uns ein mit deiner Kraft!

Text und Musik: Martin Buchholz-Fiebig. © Felsenfest Musikverlag, Wesel

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

Die Rubrik "Feiertage nacherzählt" finden Sie HIER.

Orgelmusik finden Sie HIER.

Flöten- und Trompetenmusik finden Sie HIER.

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Liturgie für den 1. Sonntag nach Trinitatis, 14. Juni 2020

Musik: Joseph Liebl, Liturgie und Predigt: Christina Beck

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Eingangswort

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Einen schönen guten Morgen an diesem Sonntag! Wir feiern Gottesdienst, wir feiern, weil Gott in unserer Mitte ist und in uns wirkt. Wir treten vor ihn und hören auf sein Wort.

Wochenspruch: Christus spricht zu seinen Jüngern: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. (Lk 10, 16a)

 

Eingangsgebet

Gott, du bist da. Darauf dürfen wir vertrauen, wenn wir uns vor dir versammeln. Wir sind zusammengekommen, stehen vor dir. Wir suchen die Ruhe, wir suchen deine Gemeinschaft. Wir bringen vor dich, was wir auf dem Herzen tragen…

(Stilles Gebet)

Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft. Amen.

 

Schriftlesung aus Lukas 16, 19-31

 

»Einst lebte ein reicher Mann. Er trug einen Purpurmantel und Kleider aus feinstem Leinen. Tag für Tag genoss er das Leben in vollen Zügen. Aber vor dem Tor seines Hauses lag ein armer Mann, der Lazarus hieß. Sein Körper war voller Geschwüre. Er wollte seinen Hunger mit den Resten vom Tisch des Reichen stillen. Aber es kamen nur die Hunde und leckten an seinen Geschwüren. Dann starb der arme Mann. Die Engel brachten ihn zu Abraham und setzten ihn an dessen Seite. Auch der Reiche starb und wurde begraben. Im Totenreich litt er große Qualen. Einmal blickte er auf und sah in weiter Ferne Abraham und Lazarus an seiner Seite. Da schrie er: ›Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir! Bitte schick Lazarus, damit er seine Fingerspitze ins Wasser taucht und meine Zunge kühlt. Ich leide schrecklich in diesem Feuer!‹ Doch Abraham antwortete: ›Kind, erinnere dich: Du hast deinen Anteil an Gutem schon im Leben bekommen – genauso wie Lazarus seinen Anteil an Schlimmem. Dafür findet er jetzt hier Trost, du aber leidest. Außerdem liegt zwischen uns und euch ein tiefer Graben. Selbst wenn jemand wollte, könnte er von hier nicht zu euch hinübergehen, genauso wie keiner von dort zu uns herüberkommen kann.‹ Da sagte der Reiche: ›So bitte ich dich, Vater: Schick Lazarus doch wenigstens zu meiner Familie. Ich habe fünf Brüder. Lazarus soll sie warnen, damit sie nicht auch an diesen Ort der Qualen kommen!‹ Aber Abraham antwortete: ›Sie haben doch Mose und die Propheten: Auf die sollen sie hören!‹ Der Reiche erwiderte: ›Nein, Vater Abraham! Nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie ihr Leben ändern.‹ Doch Abraham antwortete ihm: ›Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, dann wird es sie auch nicht überzeugen, wenn jemand vom Tod aufersteht.‹«

 

Liedvortrag: NL 105, 1-3 Atme in uns, Heiliger Geist

Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist, wirke in uns, Heiliger Geist, Atem Gottes, komm!

1. Komm, du Geist, durchdringe uns. Komm, du Geist, kehr bei uns ein. Komm, du Geist, belebe uns, wir ersehnen dich!

2. Komm, du Geist der Heiligkeit, komm, du Geist der Wahrheit. Komm, du Geist der Liebe, wir ersehnen dich!

3. Komm, du Geist, mach du uns eins, komm, du Geist, erfülle uns. Komm, du Geist und schaff uns neu, wir ersehnen dich!

Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist, wirke in uns, Heiliger Geist, Atem Gottes, komm!

Text französisch: Jean-Marc Morin; deutsch: Thomas Csanády und Roger Ibounigg 1985.
Melodie: Pierre und Viviane Mugnier. © Éditions de l'Emmanuel 89, Paris

 

Predigt

 

„Kindern erzählt man Geschichten, damit sie einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen.“ (Jorge Bucay) So ging es mir, als ich den heutigen Predigttext zum ersten Mal las. Er lies mich nicht in Ruhe und doch wusste ich nichts dazu zu sagen.

Was soll man auch sagen, wenn einer von einer heilen Welt erzählt? Da gehen einem ja doch gleich Vergleiche durch den Kopf und man überlegt, warum das aber heute bei einem selbst ganz und gar nicht so sein kann…

Hören Sie selbst:

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. (Apg 4, 32-35)

Wie geht es ihnen, wenn Sie das hören?

Ich dachte: ja, das klingt ja alles ganz toll – aber war damals wirklich alles so rosig? Gab es denn nicht auch bald schon Streit – wir brauchen ja nur ein paar Kapitel in der Apostelgeschichte weiterblättern – und schon sind wir mitten drin.

Und doch steht da erst einmal: die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele.

Wenn ich genau nachdenke, dann fallen mir doch auch ein paar Situationen ein:

-        Neulich saß ich am Tisch bei Freunden. Bei mir saß ihre 2-jährige Tochter. Sprechen kann sie noch nicht wirklich, zumindest nennt sie mich immer nur „Bauer“. Wir saßen vor den Resten des Nachtischs. Immer wieder schob sie mir mit einem glucksenden Lachen ein Stück Obst in den Mund: „Bauer auch!“ Ohne große Worte haben wir den Rest geteilt.

 

-        Als wir plötzlich vor dem Lock-Down am Anfang der Coronawelle in Deutschland standen, da war plötzlich überall von einer „neuen Solidarität“ die Rede. Eigentlich möchte ich eher sagen: Solidarität, die sicher auch vorher schon da war, wurde wieder sichtbarer. Weil nicht mehr tausend unwichtige Dinge vom Wesentlichen abgelenkt haben, was letztlich doch uns zusammenhält.

-        Was die Neurowissenschaft als „Spiegelneuronen“ bezeichnet, das sehen wir, wenn wir in das Gesicht eines anderen schauen, und er unser Lächeln erwidert. Das ist so tief in unserem Gehirn verankert, dass wir gar nicht darüber nachdenken.

-        Zwei Menschen treffen aufeinander, lernen sich kennen. Sie spüren: da verbindet uns mehr als Freundschaft. Viele viele Jahre später, sitzen sie beisammen und erzählen beim Besuch anlässlich der goldenen Hochzeit: wir ergänzen uns einfach gut. Ich kann mich noch gut bewegen, ich mache immer die Einkäufe – und Martin, der bastelt gern und dann haben wir eine schöne Wohnung.

-        Oder im Stadion (also zumindest in Zeiten, in denen keine Geisterspiele stattfinden müssen): viele tausend Menschen kommen zusammen, kennen sich nicht – und doch singen sie wie „ein Herz und eine Seele“ ihre Mannschaft nach vorne.

So eine gemeinsame Sache verbindet uns stärker als vieles anderes. Und auf den zweiten Blick, entdeckt man auch im Predigttext solch ein verbindendes Element:

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; […] Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen.

Das, was diese Menschen damals so fest zusammengeschweißt hat, das war der Glaube an den auferstandenen Christus. Ein Herz und eine Seele. Darin schwingt ein großer Satz aus dem ersten Teil der Bibel mit, den damals alle Menschen auswendig kannten und verinnerlicht hatten: Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einer. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. (5. Mose 6, 4-5)

Gott lieb haben, mit ihm ein Herz und eine Seele werden. So wie es Jesus vorgelebt hat. Zuerst Rückzug und Gebet, dann wieder tatkräftiges Wirken.

Ein Herz und eine Seele und alle teilen, was sie haben, dass wird „zu normalen Zeiten“ auch spürbar im Abendmahl. Beim Friedensgruß gehen wir aufeinander zu und wünschen „Friede sei mit dir“ – Frieden heißt: In uns ist Frieden. Wir sind friedlich miteinander. Und dann feiern wir Abendmahl, wir feiern die Gemeinschaft miteinander und mit Gott.

Ein Herz und eine Seele. Das ist nichts, das sich „einfach so“ einstellt. Das geht für eine Weile, vor allem, wenn man davon ausgeht, dass Jesus bald wiederkommt und dann Besitz sowieso keine Rolle mehr spielt, weil ich ihn nicht mehr brauche. Aber wenn die Wiederkunft Jesu auf sich warten lässt? Dann muss ich ja auch für mich und meine Familie vorsorgen. Dann bekommen die Unterschiede, die uns ausmachen, wieder mehr Gewicht.

Doch es gibt einen Unterschied zwischen kluger Vorsorge und einem Leben in Protz und Pomp, um sich selbst darzustellen, wie der reiche Mann aus der Geschichte aus der Schriftlesung. Er hatte nur Augen für sich und nicht für seinen Mitmenschen, der vor seiner Haustür in tiefstem Elend lebte. Nicht mal die Reste einer klugen Vorsorge hat er abbekommen – dabei hätte er wenigstens davon noch leben können (Lk 16, 19-31).

Die Menschen, die in der ersten christlichen Gemeinde lebten, die haben geteilt. Der, der was zu geben hatte, hat gegeben. Und der, der etwas brauchte, hat bekommen.

Das wirkt letzten Endes immer nach außen. Damals, in der Geschichte der ersten Christen, haben sich die Römer abgeschaut, was sie getan haben. Sie haben erkannt: so, wie es ist, kann es nicht weitergehen. Eine Gesellschaft ist immer nur so stark wie die schwächsten Glieder, also müssen wir schauen, dass wir die stärken, die Hilfe brauchen. Notfalls mit staatlicher Hilfe. Auf diese Weise wollten sie das Christentum überflüssig machen. Das ist aber nicht gelungen, denn da war noch etwas stärkeres, dass die Menschen miteinander verbunden hat als mildtätige Gaben: dazu zu gehören, einen Platz haben wo ich willkommen bin, das ist ebenso wichtig wie Brot.

Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte.

Da steht nichts davon, dass ALLE ALLES verkauft hätten. Wenn jeder sein Haus verkauft hätte, dann gäbe es keine Häuser mehr, in denen wir uns treffen könnten. Wenn jeder der einen Acker hatte ihn verkauft hätte, hätte die ganze Gemeinde kein Land mehr, auf dem das Getreide für das Brot wächst.

Provozierend bleibt das Bild dieser „heilen Gemeinschaft“ trotzdem: „Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte!“ Diese Irritation, die mich befällt, wenn ich das „damals“ mit dem „heute“ vergleiche, ist vielleicht auch gut. Denn sie hält mich ab davon so satt zu werden wie der reiche Mann, der sich selbst genügte und erst hinterher erkannte, was im zuvor schon vor Augen stand. Das Bild, so unbequem es sein mag, rüttelt mich wach, damit ich die Augen öffne für die Missstände in meiner Umgebung und überlege, was ICH zu geben habe.

Amen.

 

Liedvortrag: NL 140, 1-4 Gemeinsam auf dem Weg

Gemeinsam auf dem Weg, Gott ist dabei. Hoffnung, die uns trägt: Er bleibt treu.

1. Wir danken dir für jeden Schritt, der Grenzen überwindet. Wir bitten, lenke unsern Blick auf das, was uns verbindet. Gemeinsam auf dem Weg, Gott ist dabei. Hoffnung, die uns trägt: Er bleibt treu.

2. Gemeinsam hören wir dein Wort. Hilf uns, es zu bedenken. Damit es reiche Früchte trägt, musst du die Schritte lenken. Gemeinsam auf dem Weg, Gott ist dabei. Hoffnung, die uns trägt: Er bleibt treu.

3. Gemeinsam singen wir dein Lob: Das wird uns weiter tragen. Gib du uns Mut und Leidenschaft und hilf uns Neues wagen. Gemeinsam auf dem Weg, Gott ist dabei. Hoffnung, die uns trägt: Er bleibt treu.

4. Auf dein Wort hin sind wir getauft und so bei dir geborgen. Wir wissen, nach der dunklen Nacht schaffst du den neuen Morgen. Gemeinsam auf dem Weg, Gott ist dabei. Hoffnung, die uns trägt: Er bleibt treu.

Text: Margret und Lothar Wand; französisch: Sybille Stohrer. Melodie: Christoph Spengler. © Strube, München

 

Fürbitten und Vaterunser

Gott der Liebe, der Glaube an dich verbindet uns mit Menschen überall auf der Welt. Gemeinsam sind wir über alle Grenzen als deine Gemeinde unterwegs. Wir bitten dich für uns und die Christenheit in aller Welt: erfülle durch deinen Geist die Gemeinden mit Leben; hilf denen, die für die Weitergabe der Frohen Botschaft Verantwortung tragen und uns allen, die Wahrheit Gottes vor den Menschen glaubwürdig zu bezeugen.

Wir bitten für die Christen in Somalia, Libyen, Nordkorea und an allen Orten, an denen sie unter Verfolgung und Gewalt leiden. Stärke du sie im Glauben und hilf, dass in ihrem Land Freiheit gewährt und Recht anerkannt wird.

Wir bitten für alle, die ihr Leben der Diakonie gewidmet haben. Hilf, dass sich auch künftig Menschen finden, die zu solchem Dienst bereit sind. Wir beten für die Armen, die Verachteten, die Mittellosen und von Hunger Bedrohten; für die Verzweifelten und Trostbedürftigen, für die Verirrten, die Gefangenen, die Einsamen, die Kranken, die Sterbenden - dass ihnen allen dein Erbarmen und deine Liebe durch menschlichen Beistand weitergegeben wird.

Wir bitten in diesen Wochen für alle, die durch die Corona-Krise besonders bedroht, betroffen und beansprucht sind: für sog. Risikogruppen, für Mediziner und Pflegekräfte, für Betreuer von alten Menschen und Behinderten. Wir danken für die Einsatzbereitschaft, die sich in vielen Bereichen zeigt, in der Versorgung, in den Nachbarschaften, für die geweckte Phantasie, Hilfe zu bieten. Wir danken für Rücksicht, Verantwortung und Achtsamkeit im öffentlichen Leben, für maßvolle Entscheidungen in der Politik Wir danken mit allen Genesenden. Wir gedenken aller Verstorbenen und derer, die um sie trauern.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Liedvortrag: NL 87, 1-2 Wiesen und Berge, die Wälder und Seen

1. Wiesen und Berge, die Wälder und Seen, was lebt und atmet in Tälern und Höhn: es trägt deine Handschrift, bezeugt dein Tun, verkündet deinen Ruhm!

Und darum jubel ich dir zu, dass jeder es hört: der Meister bist du. Ich will tanzen und singen vor dir, du herrlicher Schöpfer, Ehre sei dir!

2. Das Werk deiner Liebe, das du in mir vollbracht, das mich zum Kind deines Reiches gemacht: es trägt deine Handschrift, bezeugt dein Tun, verkündet deinen Ruhm!

Und darum jubel ich dir zu, dass jeder es hört: der Meister bist du. Ich will tanzen und singen vor dir, du herrlicher Schöpfer, Ehre sei dir!

Originaltext („Stand Here and Rejoice”) und Melodie: Danny Plett. Deutsch: Ute Meißner. © Janz Musikverlag, adm. by Gerth Medien, Asslar

 

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!


Liturgie für den Sonntag Trinitatis, Dreieinigkeitsfest am 7.6.20

Musik: Bernd Stäb, Liturgie und Predigt: Freimut Bott

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Gedanken als Audio

Eingangswort

Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen. Mit solchen dreiteiligen Formulierungen beginnen wir unsere Gottesdienste. Wir begreifen Gott als einen, dem wir uns auf verschiedene Weise nähern können und der mit sich selbst im Gespräch ist. Heute am Dreieinigkeitsfest geht es um diesen Gott, der mit uns in Verbindung tritt, ganz besonders im Zuspruch des Segens. Um das gesegnete Leben soll es heute gehen.

Eingangsgebet

Dreieiniger Gott, in deiner ganzen Macht und Größe bist du mir zugewandt. Ansprechbar. Staunend betrachte ich die Wunder deiner Schöpfung. Wie wunderbar alles gemacht ist. Unbegreiflich in seiner Vielfalt und Harmonie.  Alles greift ineinander, eines ist ohne das andere nicht denkbar und wir sind ein Teil davon.

Unbegreiflich bleibt uns manchmal dein Wirken. Aber du hast uns in Jesus dein Wesen geoffenbart. Du wendest dich uns in Liebe zu, bist ein Gott des Lebens, der das Leben will. Für alle, ohne Ängste, ohne Sorgen, ohne drückende Schuld.

Wir wollen aus deiner zugewandten Liebe leben. Schließe uns das Herz auf und lass uns dein Wirken begreifen. Erfülle uns mit deinem Heiligen Geist, der uns die Richtung weist und uns verbindet, zu einer Gemeinschaft, die aus der Hoffnung lebt.

Dreieiniger Gott, wir stehen vor Dir, lass uns aus deiner Liebe leben und sie weitergeben. Amen.

Schriftlesung 4. Mose 6,22-27: Der Segen

22 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: 24 Der HERR segne dich und behüte dich; 25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; 26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. 27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Liedvortrag NL 68,1-3 Lobe den Herrn meine Seele

Refrain: Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen. Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele. Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.

1. Der meine Sünden vergeben hat, der mich von Krankheit gesund gemacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

2. Der mich im Leiden getröstet hat, der meinen Mund wieder fröhlich macht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

3. Der mich vom Tode errettet hat, der mich behütet bei Tag und Nacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

4. Der Erd und Himmel zusammenhält, unter sein göttliches Jawort stellt, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

Text (nach Psalm 103), Kanon für 2 Stimmen und Melodie: Norbert Kissel. © SCM Hänssler, Holzgerlingen


Predigttext und Predigt

Liebe Gemeinde,

eines der Kernstücke unseres Glaubens und unserer Frömmigkeit wird uns heute wie ein leuchtendes Bild vom Leben vor Augen gemalt, ein Leben wie Gott es will und wie wir, die aus dem Glauben leben es ersehnen. Es sind Worte, die nicht von dem kommen, der sie ausspricht. „So sollt ihr sagen, wenn ihr segnet.“ Es sind geschenkte Worte, anvertraute Worte, Worte einer tiefen Verbundenheit.

Wir tauchen ein in eine lange Tradition. Wir lassen uns berühren von Worten, die seit Jahrtausenden den Menschen jüdischen Glaubens zugesprochen werden. Wir vereinnahmen sie nicht für uns, aber wir setzen uns ihrer Wirkung aus. Ihre Kraft kommt nicht aus dem, der sie spricht, sondern aus dem, der sie gegeben hat.

Kunstvoll aufgebaut sind die Worte. Hochverdichtete Sprache. Im Hebräischen sind es in der ersten Zeile 3 Worte, in der zweiten 5 und in der dritten 7 Worte. Wir können uns einfinden in ihren Schwung. Sie nehmen uns mit. Der Blick wendet sich. Nicht wir schauen nach vorn auf das, was kommt, wir werden angeschaut. Wir finden uns wieder in dem, der uns seinen Blick zuwendet.

Der Herr segne dich und behüte dich

Das Wortfeld des Segens beschreibt das gelingende Leben mit intakten Beziehungen, mit einem auskömmlichen Wohlstand und Anerkennung. Gesegnet soll unser Leben sein. Und voller Gelingen, weil Gott es ist, der uns wie ein Hirte behütet, und die Orte gastlich macht, an denen wir sind, lebenswert und liebenswert. Leben wie in Landschaften, die uns vertraut sind, in denen wir uns wohlfühlen können und sicher fühlen, sicher auch aus dem Miteinander mit vertrauten und wohlmeinenden Menschen, ein Leben wie unter Freunden, vertrauensvoll und offen, weil wir uns keine Position erkämpfen müssen, sondern einfach da sein können. Gesegnet und behütet.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Ein neuer Schwung. Gott wendet uns sein Angesicht zu. Er schaut uns an, er nimmt uns wahr. Wir sind seines Blickes würdig. Uns wird sein Ansehen zuteil. Es sind strahlende, leuchtende Augen, die uns ansehen. Voller Leidenschaft und Freude und Begeisterung, voller Charisma, Es ist ein Blick wie die aufgehende Sonne, ein Blick, der ansteckt und erhebt. Ein Blick, in dem sich der Glanz Gottes spiegelt, seine Herrlichkeit und der Überfluss, an dem er uns teilhaben lässt. In seinem gnädig sein kommt er uns nahe, wir spüren die Intensität der Begegnung und des Lebens.

Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Der dritte, der große Schwung. Gott schaut auf. Er hebt seinen Blick. Es ist nicht der distanzierende, herablassende Blick von oben herab, der klein macht und erniedrigt. Es ist er Blick, der aufschaut, der Wert und Würde schenkt. Es ist ein Blick, der Potenziale wahrnimmt, die noch nicht zu sehen sind, ein Blick, der den Angeschauten über sich hinauswachsen und entdecken lässt, was in ihm steckt. Der so angeschaute Mensch ist hochgeschätzt. Ihn setzt Gott ein in den Frieden. Das ist sein verlässlicher Bund. Da hat der Mensch seinen Platz. Im Frieden, in dem das gelingende Leben seinen Raum hat, in dem es sich entfalten kann, unter Menschen, die mir guttun und denen ich großzügig begegnen kann, Frieden – ein Miteinander, in dem der Mangel durch Gutes ausgeglichen wird und jeder seine Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten hat. Dort, wo Gerechtigkeit wohnt und einer dem anderen gönnt, was er hat und es ihm nicht streitig macht.

Frieden, der zur Zufriedenheit wird, weil keiner alleine steht, sondern einer dem anderen mit seinen Möglichkeiten zur Seite steht.

Was für ein Schwung, der uns da im Segen erreicht, was für ein Bild von einem intensiven und gelingenden und beziehungsreichen und kommunikativen Leben.

Es berührt unsere tiefsten Sehnsüchte. Es ist kein Bild gegen etwas, sondern für ein segensreiches, glückendes Leben.

Diesen Schwung nehmen wir als Gesegnete mit, wenn wir nach dem Zuspruch des Segens den Blick wieder wenden, und als von Gott Angesehene die Menschen ansehen.

Ob wir dann nicht in jedem anderen auch einen sehen, der so von Gott und bei Gott angesehen ist wie wir?

Die Nachrichten unserer Tage sind voller verstörender Berichte. Ob aus Hongkong, wo denen Gewalt angetan wird, die für die Freiheitsrechte eintreten, die ihnen zugesichert sind, ob aus Amerika, wo der Rassismus noch immer blüht und denen, die dagegen aufbegehren und für die Würde aller Menschen aufstehen, wo denen, die diesen Segen für alle einfordern, mit der Bibel in der Hand militärische Gewalt angedroht wird. Oder aus unserem Land, in dem, bei manchen unterschwellig, bei anderen ganz offen dem Rassismus und dem Hass das Wort geredet wird, wo denen, die sich öffentlich engagieren anonym aus dem Netz furchtbare Hetze entgegenschlägt, wo die Gerechtigkeit in vielen Feldern noch immer einen unglaublich langen Atem braucht. Da ist der Segen verborgen, zugedeckt, aufgehalten unter Machtstreben und Gleichgültigkeit oder Angst und mangelndem Zutrauen.

Aber der Schwung des Segens wird uns zugesprochen, er malt uns das Bild von einem intensiven und gelingenden und beziehungsreichen und kommunikativen Leben vor unsere Augen.

Lasst uns aus diesem Segen, aus dieser Sehnsucht, aus diesem schwungvollen Bild unseres Lebens leben. Lasst uns nicht müde werden, in unseren Ansichten, in Gesprächen, Begegnungen und Auseinandersetzungenfür dieses segensreiche Leben einzutreten. Ich bin sicher, es wird uns und anderen zum Segen werden, wenn wir uns von dieser Sehnsucht nach einem gesegneten Leben für alle leiten lassen. Amen.

Liedvortrag: NL 118,1.2 Der Herr segne dich

Refrain: Der Herr segne dich, behüte dich, lasse sein Angesicht leuchten über dir, und der Herr sei dir gnädig! Er erhebe sein Angesicht über dich und erfülle dein Herz mit seinem Licht, tiefer Friede begleite dich.

1. Ob du ausgehst oder heimkommst, ob du wach bist oder schläfst, sei gesegnet und gestärkt durch seinen Geist. Ob du in das Tal hinabgehst oder Berge vor dir stehn, mögest du den nächsten Schritt in seinem Segen gehn!

2. Ob die Menschen, die du liebst, dies erwidern oder nicht, sei ein Segen durch die Gnade deines Herrn. Ob die Träume, die du träumtest, noch verheißungsvoll bestehn oder längst schon nicht mehr für dich wie ein Traum aussehn. Friede mit dir! Friede mit dir!

Text und Melodie: Martin Pepper 2000. © 2000 mc peppersongs, Berlin

Fürbittengebet

Dreieiniger Gott,

du stellst unser Leben und unser Miteinander unter deinen Segen.

Ein gelingendes, erfülltes, intensives Leben sprichst du uns zu.

Du kennst die Situationen, in denen uns dieser Segen verborgen bleibt,

in denen wir uns und unsere Welt ganz anders wahrnehmen.

Weite du unseren Blick, Lass uns deinen Segen spüren,

der uns Selbstvertrauen gibt und Energie, Mut und Offenheit.

Und lass uns aus deinem Segen leben, damit er um sich greift, überall, wo auf dieser Welt Krankheiten, Ungerechtigkeit, Gewalt und Hunger das Leben bedrohen.

Schaffe deinem Segen Raum und stärke unsere Herzen, damit auch wir, wo immer wir können, diesem Segen für uns und andere eine sichtbare und greifbare Gestalt geben.

Zu Dir beten wir gemeinsam:

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Liedvortrag NL 167,1-3 Keinen Tag soll es geben

1. Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst: Niemand ist da, der mir die Hände reicht. Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst: Niemand ist da, der mit mir Wege geht.

Refrain: Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft, der halte unsren Verstand wach und unsre Hoffnung groß und stärke unsre Liebe.

2. Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst: Niemand ist da, der mich mit Kraft erfüllt. Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst: Niemand ist da, der mir die Hoffnung stärkt.

3. Keinen Tag soll es geben, da du sagen musst: Niemand ist da, der mich mit Geist beseelt. Keinen. Tag soll es geben, da du sagen musst: Niemand ist da, der mir das Leben schenkt.

Text: Uwe Seidel. Melodie: Thomas Quast 1997. © tvd-Verlag, Düsseldorf

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

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Pfingstsonntag, 31. Mai 2020 - Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

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Gedanken als Audio

Guten Morgen! An diesem Pfingsttag grüße ich Sie ganz herzlich. Wir sind nach etlichen Wochen wieder in der Kirche. Wir feiern Pfingsten als Fest der Lebensfreude. Wir feiern Pfingsten als Fest des Aufbruchs, wir feiern Pfingsten als Fest des belebenden Geistes Gottes, der uns bewegt und verbunden hält in der Gnade Jesu Christi, der Liebe Gottes und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes.

 

Eingangsgebet

Gott, Heiliger Geist,

du bist wie Sturm und Feuer

du bewegst und entflammst.

du verwandelst die Herzen der Menschen.

Du zeigst uns die Richtung und das Ziel.

Wir bitten dich:

Vertreibe Zweifel und Angst.

Du bist die Kraft, die Grenzen überwindet

Und Menschen zusammenführt.

Schenk uns diese pfingstliche Begeisterung,

mit der wir andere anstecken können

mit unserer Offenheit und unserer liebevollen Aufmerksamkeit

und mit dem Mut, nach vorn zu schauen

und aus der Hoffnung zu leben, die uns die Zukunft öffnet

Dir öffnen wir in der Stille unsere Herzen

Stilles Gebet

Erfülle uns mit deinem Leben schaffenden und belebenden Geist. Amen.

 

*Schriftlesung Apg 2,1-21

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? 8 Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache? 9 Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, 10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, 11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. 12 Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.

 

Lied NL 105,1-3

Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist, wirke in uns, Heiliger Geist, Atem Gottes, komm!

1. Komm, du Geist, durchdringe uns. Komm, du Geist, kehr bei uns ein. Komm, du Geist, belebe uns, wir ersehnen dich!

2. Komm, du Geist der Heiligkeit, komm, du Geist der Wahrheit. Komm, du Geist der Liebe, wir ersehnen dich!

3. Komm, du Geist, mach du uns eins, komm, du Geist, erfülle uns. Komm, du Geist und schaff uns neu, wir ersehnen dich!

 

Pfingsten. Liebe Gemeinde, das liest sich wie eine Geschichte, deren Anfang uns durchaus vertraut ist. Was haben diese Menschen nicht alles erlebt, die mit Jesus unterwegs waren. Das pralle Leben. Zeichen und Wunder, Erfahrungen der Gegenwart Gottes, das ganz besondere im Alltäglichen, aber auch Leiden und Sterben, Abschied und der Beginn von etwas Neuem, mit dem sie nichts anzufangen wussten.

Sie waren sich nicht sicher. Und wer sich nicht sicher ist, der zieht sich zurück. Auf engstem Raum bilden sie eine Gemeinschaft von einander vertrauten und doch auch sehr unterschiedlichen Charakteren.

Sie wahren den Abstand. Gehen nur raus für die nötigsten Erledigungen. Die Leichtigkeit ist verflogen. Schwer liegen die Erfahrungen auf ihnen. Wie kann es weitergehen? Wie lange können sie diesen Zustand noch ertragen?

Und die Stadt ist voller Pilger. Aus aller Herren Länder kommen sie zusammen zum Wochenfest. Unerträgliche Fröhlichkeit in den Straßen. Vorfreude und Lachen. Und ein Klangbrei aus den verschiedensten Sprachen.

Pfingsten. Mit den Verunsicherten und Zurückgezogenen passiert etwas. Etwas Unaussprechliches wird in Sprache gefasst. Etwas wie Sturm und Feuer und Zungen erfüllt den Raum und erfasst sie. Unbeschreiblich und doch auch unüberhörbar. Sie gehen hinaus, sie gehen aus sich heraus, sie treten in einen offenen Dialog. Sie öffnen Herzen und Lippen. Sie halten nicht zurück mit ihren Erfahrungen und dem, was sie bewegt und hält und vorantreibt. Es ist wie ein Erkennen, wie ein Sinn, der sich öffnet. Ereignisse, die unverbunden nebeneinanderstanden bekommen einen Zusammenhang, ihr Sinn erschließt sich und wird vermittelbar. Und es ereignet sich ein Verstehen, das über Sprache hinausgeht.

Pfingsten: „Du musst im Leben gar nichts, außer atmen.“ Die Verunsicherten haben ihr Leben zurückbekommen, wurden erfüllt von Gottes Geist, von Atem, von Leben. Und mit diesem Geist, diesem Atem, der ihnen das neue Leben schenkt, finden sie ihre Sprache wieder. Und mit ihrer Sprache ihren Standpunkt und ihre Position und ihre Offenheit und die Klarheit ihrer Gedanken.

Pfingsten: Sie gehen hinaus. Offen. Klar. Sie haben ihre Bestimmung gefunden. Sie haben gefunden, was sie wollen, was sie weitersagen wollen, wofür sie eintreten wollen, was sie in Bewegung bringen wollen. Sie treffen auf Menschen mit ganz unterschiedlichen Einstellungen, Menschen, die ganz verschiedene Sprachen sprechen, Menschen, die diesen Jesus nicht so recht einschätzen können, und doch - sie verstehen und fühlen sich verstanden

Pfingsten: Das wird oft als Gegengeschichte zum Turmbau zu Babel verstanden. Wo die Menschen sich einen Namen machen wollen, wo sie mit ihrer Macht und ihrer Selbstüberschätzung den Himmel erreichen wollen, und Gott verwirrt ihre Sprachen. Einer versteht den andern nicht mehr. Der Hochmut der Macht ist gebrochen. Sie erreichen den Himmel nicht. Gott sei Dank. Der Mensch bleibt Mensch. Und die Menschheit findet sich nicht gleichgeschaltet in der einen Sprache der Mächtigen zusammen um sich selbst zu verehren.

Wir Menschen bleiben angewiesen auf den Austausch der Ideen, wir bleiben angewiesen auf das Zusammenwirken der Talente und Fähigkeiten, wir bleiben angewiesen auf das Zusammenspiel der Verschiedenen in gegenseitigem Respekt. Wir teilen die gleichen Erkenntnisse Fakten und wir teilen die unterschiedlichen Deutungen. Es gibt keine einfachen Lösungen. Wir müssen diskutieren und uns respektvoll auseinandersetzen, nur so kommen wir zum Ziel.

Pfingsten: Die Verschiedenen hören die eine Botschaft des Evangeliums. Sie nehmen sich die Worte zu Herzen. Aber das ist kein Zusammenführen zu einer einheitlichen Weltsicht, zu einer einzigen Möglichkeit, die eigenen Erfahrungen und das Leben zu deuten. Das ist die Einladung Gottes, aus diesem Geist, aus diesem Atem Gottes das Leben zu finden, das die Vielfalt begrüßt, das die Unterschiede als Bereicherung erlebt. Offen und frei für alle, die mit ihnen die Botschaft der Liebe hinaustragen wollen, einer Liebe, die nicht vereinnahmen will, sondern befreien und erlösen. Einer Liebe, die für den andern da sein will, nicht gegen ihn. Einer Liebe, die die offene Auseinandersetzung nicht scheut, um der Erkenntnis und der besten Lösung willen.

Pfingsten: Wir sind eingeladen aus diesem Geist, aus diesem Atem Gottes das Leben zu teilen. Klar und offen und mit unserer Bestimmung für die Menschen da zu sein. Hinauszugehen, getrieben von seiner Liebe. Mit Respekt vor den Erfahrungen der anderen und mit der Einsicht, dass unsere Gesellschaft einen offenen Austausch der Meinungen und Positionen braucht und nicht eine einlinige Wahrheit, derer sich die Mächtigen bedienen können. Wir brauchen den offenen Austausch der Positionen, in gegenseitiger Achtung und in konstruktiver Atmosphäre.  In diesen Tagen heißt das auch: Mit gegenseitiger Rücksicht und einem aufmerksamen Zuhören, das die Interessen einzelner Gruppen nicht über das Wohl aller stellt und gerade so zu verantwortbaren Entscheidungen kommt. Mit Abstand, Maske und vor allem mit Vernunft.

Wir haben diese Wochen ganz verschieden erlebt, seit unsere Tage von den Einschränkungen der Pandemie geprägt sind. Mit ganz unterschiedlichen Auswirkungen auf unseren Alltag. Vielfältige Bedürfnisse sind sichtbar geworden, für Familien, für die in Kurzarbeit, für die bis zum Anschlag belasteten, für die, deren wirtschaftliche Basis weggebrochen ist, für, die in Ängsten um ihre Gesundheit leben oder unter der Einsamkeit leiden. Mit ganz verschiedenen Erfahrungen schauen wir nach vorn.

Pfingsten, das ist die Einladung, den Blick zu wenden, nach vorn zu schauen, sich einzulassen auf die Liebe. Wir sind nicht von allen guten Geistern verlassen. Wer im Weg der Liebe Jesu zu den Menschen seine Bestimmung gefunden hat, wer sich von seinem Geist des Lebens, wer sich von seinem Lebensatem beflügeln lässt, der kann auch Hoffnungszeichen finden, die uns guttun und die wir mit anderen teilen können.

In der neusten Ausgabe unseres Gemeindebriefs haben wir dazu eine Postkarte der Aktion: Lasstaubenfliegen eingelegt. Eine Einladung Hoffnung zu verbreiten, Hoffnung, die Zukunft öffnet. Mit einer Briefmarke drauf erreicht sie ihr Ziel auf diesem Weg. Viele andere Wege stehen uns offen, hoffnungsvoll zu leben, infiziert mit der Liebe Gottes, die unter uns viral gehen will. Amen.

 

Lied Wind des Geistes

So wie das Wasser trockne Erde tränkt, gieße aus den Lebensstrom, belebe uns ganz neu.

Komm mit deiner Kraft und berühre uns, mache unsre Herzen weich, mach sie stark und treu.

Wind des Geistes, wehe, komm Heiliger Geist, Feuer, fall auf uns herab!

 

Fürbittengebet

Komm, du Geist des Lebens, erfülle unsere Herzen. Löse, was uns bindet

Lass uns offen werden für das Neue, das du in uns schaffen willst.

Schenke uns Klarheit und Mut, Offenheit und eine Bestimmung, die wir leben, ansteckend für uns und andere.

Komm, Heiliger Geist, fülle unsere Herzen mit deiner Liebe, damit wir uns mit den Fröhlichen freuen können und die Trauernden in ihrer Trauer tragen.

Damit wir denen zur Seite stehen, die uns brauchen

und die an unserer Seite wissen, die mit uns aus dem Vertrauen leben.

Schaffe in uns Raum für deinen Geist des Friedens und der Versöhnung.

Gib uns die Kraft, in den großen Herausforderungen unserer Tage aus der Hoffnung zu leben, die du in unsere Herzen gibst und voller Phantasie und Ideenreichtum zu bewegen, was nötig ist.

Dir vertrauen wir uns an und beten gemeinsam:

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

 

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6. Sonntag nach Ostern, Exaudi (nach Ps. 27,7: Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe! Sei mir gnädig und erhöre mich!) 24. Mai 2020

HIER gehts zum Livestream aus der Erlöserkirche mit Pfrn. Christina Beck und Pfr. Joachim Stricker.

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Ökumenischer Gottesdienst zu Christi Himmelfahrt, 21. Mai 2020

HIER geht es zum Livestream des Gottesdienstes.

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5. Sonntag nach Ostern, Rogate (Nach nach Mt 7,7: Bittet, so wird euch gegeben) 17. Mai 2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

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Gedanken als Audio

Liebe Leserinnen und Leser,

heute wollte ich mit meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden die Konfirmation feiern. „Leben, Lieben, Lachen“, das stellten sie sich als Thema vor. Leben, Lieben, Lachen. Intensiv, aus ganzem Herzen und ausgelassen. Verantwortungsvoll, einfühlsam und ansteckend fröhlich, mit Übersicht, mit Leidenschaft und mit Heiterkeit. Dreiklänge aus Leben Lieben und Lachen, die unser Leben beziehungsreich machen und die ein Spiegel für unsere Gottesbeziehung sein können. Über diese Gottesbeziehung stellt dieser Sonntag den Leitgedanken: Bittet, so wird euch gegeben.

Und wir bleiben verbunden im Dreiklang des Glaubens: in der Gnade Jesu Christi, der Liebe Gottes und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Amen.

 

Lasst uns beten

Gott, ich fühle mich fest verankert im Leben.

Ich habe Erfahrungen gemacht, die mich prägen.

Ich habe Wege beschritten, die mich meinen Zielen nähergebracht haben.

Vieles ist mir gelungen und manches auch nicht.

Aber alles gehört zu mir und meinem Leben.

Ich bin auf dem Boden geblieben

Und doch habe erlebt wie gut das tut,

immer wieder den Blick zu heben

und die Weite zu suchen, in die du unser Leben stellst

und deine Gegenwart, die den Horizont weitet

und die Gedanken befreit.

Fest verankert in dir lass uns aus vollem Herzen

leben, lieben und lachen.

In der Stille bringen wir vor dich, was uns heute bewegt

 

Danke, dass Du unser Beten hörst und unsere Herzen füllst. Amen.

 

Lasst uns singen: Lied: NL 116 Da wohnt ein Sehnen tief in uns

 

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz, sei da, sei uns nahe, Gott.

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht, sei da, sei uns nahe, Gott.

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod, sei da, sei uns nahe, Gott.

 

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

4. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich, sei da, sei uns nahe, Gott.

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

Originaltitel: There Is A Longing. Text und Melodie: Anne Quigley 1973; deutsch: Eugen Eckert 1986

 

Predigt über Mt 6,5-15

Der heutige Sonntag, mit dem Vater unser als Predigttext, richtet unseren Blick auf das Beten. Es lässt sich wohl noch ganz einfach sagen: Menschen, die an Gott glauben, beten. Wie sich aber der Mensch in diesem Spannungsverhältnis zwischen Gott und Mensch versteht und wie der Mensch Gott versteht, da tut sich ein weites Feld auf.

Wir Menschen erleben uns ständig zwischen dem Machbaren und dem Unverfügbaren. Wir erleben unsere Gestaltungsräume und unsere Möglichkeiten. Wie oft gelingt es uns, Notwendiges zu erledigen, richtige Entscheidungen zu treffen, Probleme zu lösen, Beziehungen beglückend und wohltuend zu leben und das Miteinander zu genießen. Das fühlt sich gut an und erfüllt uns mit Dankbarkeit und beflügelt uns.

Das andere gehört auch dazu: Die Grenzen des Machbaren, die wir erleben, wenn wir an die Grenzen unserer Fähigkeiten und Möglichkeiten stoßen, wenn wir uns ausgeliefert fühlen, wenn Sorge, Schuld und Angst uns lähmen, dann sind wir mit all unserer Energie herausgefordert, damit umzugehen und das einzuordnen.

Im Blick auf Gott hat wohl jeder seine ganz eigenen Zugänge. Gott, der Allmächtige, unverfügbar Freie, dessen Gedanken uns unbegreiflich sind. Gott, der mächtige König der Ehren, der alles, was ist, ins Dasein gerufen hat.

Aber auch: Gott, der Zugewandte, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel Gutes getan hat. Gott, der Mut gibt, gestalterisch zu wirken, der uns über uns hinauswachsen lässt in herausfordernden Zeiten, ein Gott, der nahe ist und uns befähigt, behütet und bewahrt, ein Gott, der in der Not auch das Rettende wachsen lässt, der uns nahe kommt, der den glimmenden Docht nicht auslöscht, der stärkt und in Wüstenzeiten am Leben erhält. Ein Gott, den wir nur zu bitten brauchen, dann gibt er?

Im Vaterunser nimmt Jesus uns hinein wie er das Beziehungsgeflecht beleuchtet, zwischen Gott und Mensch und Mitmensch. In Mt 6,5-13 lesen wir:

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

In der Einleitung holt Jesus das Gebet aus der Öffentlichkeit. Er macht es zu einem fast intimen Geschehen zwischen dem Beter und Gott, das gerade so die größtmögliche Offenheit und Ehrlichkeit ermöglicht und deshalb nicht viel Worte braucht. Gott sieht ins Herz, weiß, was uns umtreibt.

In dieser vertrauten und vertraulichen Atmosphäre beginnt das Gebet, das Jesus uns ans Herz legt. „Vater unser im Himmel

Wie gut, dass es da einen Gott im Himmel gibt, nah, verbunden, fürsorglich, warmherzig, einer, der tröstet wie einen seine Mutter tröstet, einer, der schon auf sein Kind wartet, wenn es in die Irre gegangen ist. Ein Vater, aber nicht exklusiv, nicht mein Vater, sondern Vater unser. Einer, der in der vertrauensvollen Atmosphäre den Blick für das Miteinander geweitet hält.  

Geheiligt werde dein Name. Das Heilige trennt vom Profanen. Es gehört in eine andere Sphäre, die unserer Verfügbarkeit entzogen ist. Aber wir können uns ihr öffnen und in sie eintreten. Voller Ehrfurcht und Respekt. Seine Wirklichkeit soll Raum gewinnen. In uns und durch uns. „Alles, was ihr tut, mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott dem Vater durch ihn“, so klingt es im Kolosserbrief. Das Heilige will verändernd hineinwirken ins Profane.

Dein Reich komme. Drei Worte voller Sehnsucht, wir füllen sie mit Frieden und Gerechtigkeit, wir füllen sie mit Vollkommenheit und Gelingen, mit Tatkraft und Harmonie, mit dem Verstehen dessen, was alles im Innersten zusammenhält, und doch wollen wir festhalten, was wir an Glück und Lebensfreude, Erfolg und Beziehungsreichtum erfahren haben.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Ich höre Jesus in Gethsemane, „Aber nicht mein, dein Wille geschehe.“ Ich höre es mit dem Unterton: Lass mich erkennen, was dein Wille ist, was deiner Liebe und Güte, was deiner Gerechtigkeit und deiner Barmherzigkeit entspricht und ich höre darin die Hoffnung, dass dieser Wille sich Bahn bricht gegen alle unheilvollen Mächte und Gedanken.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Nicht das Brot für alle Tage. Nicht die vollständige Absicherung gegen alle mögliche Not. Aber das Vertrauen, dass der heutige Tag seines hat. Jesus hat es für sich so gelebt. Schau die Lilien auf dem Feld und die Vögel unter dem Himmel – und doch höre ich in mir die mahnenden Worte, dass sich der Leichtsinn so gern als Gottvertrauen tarnt, und dass nur der für andere da sein kann, der sein Leben geordnet und geregelt hat.

Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Das eine nicht ohne das andere. Wie schwer das fällt und wie befreiend das sein kann, statt einem harten Urteil zu hören oder zu sagen: „Das soll nicht mehr zwischen uns stehen.“ Da wird nicht unter den Teppich gekehrt, sondern in ein anderes Licht gestellt. Ich vergesse nicht was geschehen ist, aber es darf die Zukunft nicht mehr prägen. So kann die Schuld ihre lähmende Macht verlieren. Und ja, die Bitte reicht weit in einer Welt, in der alles zusammenhängt, in der der Reichtum der Reichen die Armen arm macht und in der es die Armen sind, die am meisten unter den Katastrophen unserer Zeit zu leiden haben.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Gegen alle Angst, gegen alle Verunsicherung, gegen jedes Gefühl von Ausgeliefertsein, setzt Jesus seine Bitte. Ohne Sorge, ohne Schuld und ohne Angst sollen wir leben können. Da öffnet sich ein Raum, in dem das Lob seinen Klang entfaltet und seine Resonanz in uns finden will:

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Ein Lob, das in dem Amen seine Bestätigung findet. In diesem Raum, den das Gebet öffnet, da ist gut Leben, Lieben und Lachen. Für uns und alle. Amen.

 

Lied 658,1-4 Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn

(Kehrvers): Laß uns den Weg der Gerechtigkeit gehn. / Dein Reich komme, Herr, / dein Reich komme.

1. Dein Reich in Klarheit und Frieden, / Leben in Wahrheit und Recht. / Dein Reich komme, Herr, / dein Reich komme. (Matthäus 6,10)

(Kehrvers): Laß uns den Weg der Gerechtigkeit gehn. / Dein Reich komme, Herr, / dein Reich komme.

2. Dein Reich des Lichts und der Liebe / lebt und geschieht unter uns. / Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.

(Kehrvers): Laß uns den Weg der Gerechtigkeit gehn. / Dein Reich komme, Herr, / dein Reich komme.

3. Wege durch Leid und Entbehrung / führen zu dir in dein Reich. / Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.

(Kehrvers): Laß uns den Weg der Gerechtigkeit gehn. / Dein Reich komme, Herr, / dein Reich komme.

4. Sehn wir in uns einen Anfang, / endlos vollende dein Reich. / Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.

(Kehrvers): Laß uns den Weg der Gerechtigkeit gehn. / Dein Reich komme, Herr, / dein Reich komme.

Text: Diethard Zils, Christoph Lehmann 1983 nach dem spanischen »Anunciaremos tu reino, Señor« von Maria Pilar Figuera López 1965; Melodie: Cristóbal Halffter Jiménez 1965

 

Statt Fürbitten möchte ich heute nur das Vaterunser beten und nach den einzelnen Sätzen Raum lassen für Ihre Gedanken, die sich daran festmachen wollen

 

Vater unser im Himmel! ---

Geheiligt werde dein Name. ---

Dein Reich komme. ---

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. ---

Unser tägliches Brot gib uns heute. ---

Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. ---

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. ---

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. ---

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

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4. SONNTAG NACH OSTERN, 10. Mai 2020

Gottesdienstliche Gedanken von Christina Beck

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Gedanken als Audio

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Eigentlich hatten wir vor, heute Konfirmation zu feiern. Wie so vieles in letzter Zeit

wurde dieser Plan durcheinandergewirbelt. So feiern wir heute den Sonntag, der

sonst aufgrund der Konfirmationen ausfällt: Kantate - „Singet dem Herrn ein neues

Lied, denn er tut Wunder.“ (Psalm 98,1) Weiter in den einzelnen Häusern und

Wohnungen – und doch verbunden in Gottes Liebe.

Wir beten:

Gott, du liebst uns.

Wir treten vor dich, mit geschlossenen Augen und geöffneten Händen.

Wir danken dir, weil wir leben. Du bist so gut zu uns.

Du schenkst uns die Erde, Brot und Licht und die Menschen um uns.

Manchmal spüren wir das kaum. Wir fühlen uns einsam und allein.

Dann wecke ein Lied in uns, das uns aufatmen lässt –

und die Gewissheit, dass wir mit unserer Lebensmelodie in deiner Hand geborgen

sind.

In der Stille bringen wir vor dich, was uns bewegt…



Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich, und gibst meiner Seele große Kraft.

Amen.

Wir singen: EG 302, 1-5.8 Du meine Seele singe

1. Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön / dem, welchem alle Dinge / zu

Dienst und Willen stehn. / Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd; / ich

will ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.

2. Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil! / Wer dem sich

anvertrauet, / der hat das beste Teil, / das höchste Gut erlesen, / den schönsten

Schatz geliebt; / sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig unbetrübt.

3. Hier sind die starken Kräfte, / die unerschöpfte Macht; / das weisen die Geschäfte,

/ die seine Hand gemacht: / der Himmel und die Erde / mit ihrem ganzen Heer, / der

Fisch unzähl’ge Herde / im großen wilden Meer.

4. Hier sind die treuen Sinnen, / die niemand Unrecht tun, / all denen Gutes gönnen, /

die in der Treu beruhn. / Gott hält sein Wort mit Freuden, / und was er spricht,

geschicht; / und wer Gewalt muss leiden, / den schützt er im Gericht.

5. Er weiß viel tausend Weisen, / zu retten aus dem Tod, / ernährt und gibet Speisen

/ zur Zeit der Hungersnot, / macht schöne rote Wangen / oft bei geringem Mahl; / und

die da sind gefangen, / die reißt er aus der Qual.

8. Ach ich bin viel zu wenig, / zu rühmen seinen Ruhm; / der Herr allein ist König, /

ich eine welke Blum. / Jedoch weil ich gehöre / gen Zion in sein Zelt, / ist’s billig, dass

ich mehre / sein Lob vor aller Welt.

Text: Paul Gerhardt 1653

Melodie: Johann Georg Ebeling 1666

Predigt

Ein modernes Lied erzählt von einer alleinerziehenden Mutter, die neben Arbeit und Kindern kaum Zeit für sich selbst findet. In den wenigen Momenten setzt sie ihre Kopfhörer auf: „Und wenn sie tanzt, ist sie wo anders – für den Moment, dort wo sie will… Und wenn sie tanzt, ist sie wer anders – lässt alles los nur für das Gefühl.“

"Die Musik ist die beste Gottesgabe. Durch sie werden viele und große Anfechtungen verjagt. Musik ist der beste Trost für einen verstörten Menschen, auch wenn er nur ein wenig zu singen vermag. Sie ist eine Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftmütiger und vernünftiger macht." Diese Worte sind von Martin Luther überliefert. Sie bringen es auf den Punkt: Musik tut gut. Sie tröstet und stärkt. Sie ist Balsam für die Seele. Genauso wie für das gebrochene Herz. Sie hat die Kraft, ein inneres Ungleichgewicht wieder in Balance zu bringen.

Ein berühmtes Beispiel dafür ist König Saul aus der Bibel. Er hat viele Kämpfe auszufechten. Der schwerste Kampf, in dem er steckt, nennt der biblische Bericht einen „bösen Geist“, der von Saul Besitz ergriffen hat. Heute würden wir sagen: er ist an einer Depression erkrankt. Sie hat sich tief in seine Seele hineingefressen. Er sieht keinen Sinn, keinen Weg vorwärts, keinen Zweck, verliert die Orientierung und die innere Kraft. Und es hilft ihm überhaupt nichts, dass er König ist oder Reichtum besitzt. Da haben seine Diener eine Idee:

UNSER HERR BEFEHLE NUN SEINEN KNECHTEN, DIE VOR IHM STEHEN, DASS SIE EINEN MANN SUCHEN, DER AUF DER HARFE GUT SPIELEN KANN, DAMIT, WENN DER BÖSE GEIST GOTTES ÜBER DICH KOMMT, ER MIT SEINER HAND DARAUF SPIELE, UND ES BESSER MIT DIR WERDE. Kurz darauf ist mit David ein begabter Harfenspieler gefunden und der Bericht fährt fort: WENN NUN DER GEIST GOTTES ÜBER SAUL KAM, NAHM DAVID DIE HARFE UND SPIELTE DARAUF MIT SEINER HAND. SO ERQUICKTE SICH SAUL, UND ES WARD BESSER MIT IHM, UND DER BÖSE GEIST WICH VON IHM. (1. Sam 16, 14-16.23)

„Ich kann nicht singen“ höre ich immer wieder. Manche singen dann gern in der Dusche oder beim Autofahren. Dort wo sie niemand hört. Schade eigentlich. Denn auch wenn man vielleicht nicht jeden Ton trifft, so kommt es doch viel mehr darauf an, ob man es gerne tut. Und was es mit einem macht: Singen hält Leib und Seele zusammen. Der Leib ist der Klangkörper. Das Herz, die Seele sie finden Ausdruck, Gehör. Das kann regelrecht befreiend wirken:

NACHDEM MAN PAULUS UND SILAS HART GESCHLAGEN HATTE, WARF MAN SIE INS GEFÄNGNIS UND BEFAHL DEM KERKERMEISTER, SIE GUT ZU BEWACHEN. ALS ER DIESEN BEFEHL EMPFANGEN HATTE, WARF ER SIE IN DAS INNERSTE GEFÄNGNIS UND LEGTE IHRE FÜßE IN DEN BLOCK. UM MITTERNACHT ABER BETETEN PAULUS UND SILAS UND LOBTEN GOTT. UND ES HÖRTEN SIE DIE GEFANGENEN. PLÖTZLICH ABER GESCHAH EIN GROßES ERDBEBEN, SODASS DIE GRUNDMAUERN DES GEFÄNGNISSES WANKTEN. UND SOGLEICH ÖFFNETEN SICH ALLE TÜREN UND VON ALLEN FIELEN DIE FESSELN AB. (Apg 16, 23-26)

Singen ist ein Akt der inneren Befreiung. In der eigenen Stimme erklingt etwas von dem, was die eigene Person ausmacht. Im Gesang drückt sich mehr aus als im gesprochenen Wort. Singen stiftet Identität. Im Gesang drücken sich Gefühle und Stimmungen aus, die Menschen mitbringen; sie werden durch das Singen intensiviert und vertieft.

Wenn man gemeinsam singt, wird der Klang der Stimme des oder der Einzelnen mit anderen Stimmen verbunden. Im Gesang teilen wir eigene Erfahrungen und haben Anteil an Erfahrungen anderer.

Menschen können sich aber auch in eine Empfindung, die sie vorab so gar nicht gespürt haben, und in eine Lebenshaltung „hineinsingen“, indem sie in ein Lob Gottes einstimmen, ein Klagelied oder ein Hoffnungslied mitsingen oder mitsummen.

Die Psalmen sind voll davon. Wenn in der nur durch Kerzen erhellten Kirche der volle Klang des „O du fröhliche“ ertönt, dann ist für mich Weihnachten – ob ich vorher in weihnachtlicher Stimmung war oder noch mitten im Stress. Der Jubelruf des Osterliedes „Christ ist erstanden“ reißt heraus aus der Dunkelheit der Karfreitagsnacht und nimmt hinein in das ungläubige Staunen und die unfassbare Freude.

Davon ist auch im heutigen Predigttext die Rede. Darin bietet die Freude angesichts der Einweihung des ersten Tempels in Jerusalem Grund zum Singen: DA VERSAMMELTE SALOMO ALLE ÄLTESTEN ISRAELS, ALLE HÄUPTER DER STÄMME UND DIE FÜRSTEN DER SIPPEN ISRAELS IN JERUSALEM, DAMIT SIE DIE LADE DES BUNDES DES HERRN HINAUFBRÄCHTEN AUS DER STADT DAVIDS, DAS IST ZION. UND ES VERSAMMELTEN SICH BEIM KÖNIG ALLE MÄNNER ISRAELS ZUM FEST, DAS IM SIEBENTEN MONAT IST. UND ES KAMEN ALLE ÄLTESTEN ISRAELS, UND DIE LEVITEN HOBEN DIE LADE AUF UND BRACHTEN SIE HINAUF SAMT DER STIFTSHÜTTE UND ALLEM HEILIGEN GERÄT, DAS IN DER STIFTSHÜTTE WAR; ES BRACHTEN SIE HINAUF DIE PRIESTER UND LEVITEN. … UND ALLE LEVITEN, DIE SÄNGER WAREN, NÄMLICH ASAF, HEMAN UND JEDUTUN UND IHRE SÖHNE UND BRÜDER, ANGETAN MIT FEINER LEINWAND, STANDEN ÖSTLICH VOM ALTAR MIT ZIMBELN, PSALTERN UND HARFEN UND BEI IHNEN HUNDERTZWANZIG PRIESTER, DIE MIT TROMPETEN BLIESEN. UND ES WAR, ALS WÄRE ES EINER, DER TROMPETETE UND SÄNGE, ALS HÖRTE MAN EINE STIMME LOBEN UND DANKEN DEM HERRN. UND ALS SICH DIE STIMME DER TROMPETEN, ZIMBELN UND SAITENSPIELE ERHOB UND MAN DEN HERRN LOBTE: "ER IST GÜTIG, UND SEINE BARMHERZIGKEIT WÄHRT EWIG", DA WURDE DAS HAUS ERFÜLLT MIT EINER WOLKE, ALS DAS HAUS DES HERRN, SODASS DIE PRIESTER NICHT ZUM DIENST HINZUTRETEN KONNTEN WEGEN DER WOLKE; DENN DIE HERRLICHKEIT DES HERRN ERFÜLLTE DAS HAUS GOTTES. (2. Chronik 5, 2-5.12-14)

Die Stiftshütte mit der Bundeslade hat die Israeliten in der Zeit ihrer Wüstenwanderung begleitet. Der Tempel ist das endgültige Zeichen, dass sie angekommen sind. Die Menschen sind voll des Lobes im Rückblick auf ihre bewegte Geschichte mit ihrem Gott: „ER IST GÜTIG, UND SEINE BARMHERZIGKEIT WÄHRT EWIG!“ So singen sie „die Wolke der Herrlichkeit des Herrn“ herbei. Er ist mitten unter den Menschen. Unsichtbar und doch zu spüren.

Menschen singen nicht nur über das, was sie erlebt haben oder was gegenwärtig ist, sondern auch über das, was noch aussteht und was sie erhoffen. Die endzeitliche Vision des Johannes ist auch eine Audition, ein Vor-Klang. Am Ende der Zeiten wird ein Lied erschallen, das Gott lobt: GROß UND WUNDERBAR SIND DEINE WERKE, HERR, ALLMÄCHTIGER GOTT! GERECHT UND WAHRHAFTIG SIND DEINE WEGE, DU KÖNIG DER VÖLKER. WER SOLLTE DICH, HERR, NICHT FÜRCHTEN UND DEINEN NAMEN NICHT PREISEN? DENN DU ALLEIN BIST HEILIG! JA, ALLE VÖLKER WERDEN KOMMEN UND ANBETEN VOR DIR, DENN DEINE URTEILE SIND OFFENBAR GEWORDEN. (Offenbarung 15, 3b-4)

Die Lieder des Glaubens halten nicht nur Erinnerungen fest, sie sind auch Zukunftsmusik. Musik berührt uns tief im Innersten. Mit ihr können wir uns für eine Weile hinausträumen aus der oft harten Wirklichkeit. Sie berührt Schichten, die tiefer liegen als Verstand und Erfahrung. Sie berührt das Herz. Wenn uns kein eigenes Lied auf den Lippen liegt, dann dürfen wir auf den reichen Schatz an Liedern blicken, die uns die Bibel und die Gesangbücher anbieten. Und vielleicht spüren wir dann ja das, was der Volksmund so schön benennt: Loben zieht nach oben. Oder eben den unsichtbaren Gott, der mitten unter uns ist. Amen.

Wir singen: EG 316, 1-5 Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren

1. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, / lob ihn, o Seele, vereint mit den himmlischen Chören. / Kommet zuhauf, / Psalter und Harfe, wacht auf, / lasset den Lobgesang hören!

2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, / der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, / der dich erhält, / wie es dir selber gefällt; / hast du nicht dieses verspüret?

3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, / der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. / In wie viel Not / hat nicht der gnädige Gott / über dir Flügel gebreitet!

4. Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet, / der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet. / Denke daran, / was der Allmächtige kann, / der dir mit Liebe begegnet.

5. Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen. / Lob ihn mit allen, die seine Verheißung bekamen. / Er ist dein Licht, / Seele, vergiss es ja nicht. / Lob ihn in Ewigkeit. Amen.

Text und Melodie: Nr. 317, ökumenische Fassung 1973


Wir beten

Gott, uns zugewandt wie ein Vater, wie eine Mutter, neue und alte Lieder wollen wir dir singen. Unser Glaube lebt in diesen Liedern, die wir dir singen, als deine Gemeinde. Doch noch müssen wir leben in liedloser Zeit, verschlossen die Münder, stumm die Instrumente, hier bei uns und an vielen Orten dieser Erde. Aber unser Gebet können wir dir sagen, gemeinsam vor dich treten, das vor dich bringen, was uns bewegt, was dein Geist uns eingibt.

So bitten wir für all die Menschen, die krank sind oder im Sterben liegen. Und für die Menschen, die anderen dienen in Therapie und Pflege.

So bitten wir für all die Menschen, die sich sorgen um die Seelen der Einsamen, die Verbindungen suchen und Nähe schaffen, wo Trennung herrscht.

So bitten wir für all die Menschen, die in Sorge sind um ihren Lebensunterhalt. Und für die Menschen, die Verantwortung übernehmen für das wirtschaftliche Leben.

Wir sehnen uns zurück nach einem Leben mit frohen Liedern, offenen Gesichtern und herzlichen Begegnungen, so bitten wir dich: Komm uns entgegen, du unser Gott!

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen und beschwingten Sonntag!

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3. Sonntag nach Ostern, Jubilate (Nach Ps 66,1: Jauchzt Gott, alle Lande.) 3. Mai 2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

Die Gedanken zum Download in PDF

Gedanken als Audio

Liebe Leserinnen und Leser,

In den letzten Tagen hat es wenigstens ein paar Tropfen geregnet. Viel war es nicht. Die Äcker, Wiesen, Felder und Weinberge hätten mehr gebraucht.

Ausgetrocknet sind die Böden. Ausgetrocknet in einem gewissen Sinne ist auch unser soziales Miteinander in diesen Tagen. Wir bleiben in Verbindung. Übers Telefon, über Skype und andere Programme, über Postkarten und Briefe, über Gespräche auf Distanz.

Und wir bleiben verbunden in der Gnade Jesu Christi, der Liebe Gottes und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Amen.

 

Lasst uns beten

Du Gott willst unser Leben mit dir verbinden.

Aus einer Ahnung, aus einer vagen Vorstellung

willst du Glauben wachsen lassen.

Du willst uns Mut machen, dass wir uns darauf einlassen,

aus der Kraft deines Geistes zu leben,

auf den Wegen der Liebe zu gehen,

auf denen wir die anderen wahrnehmen,

so wie sie sind

und versuchen, sie zu verstehen.

Du willst uns Mut machen

dieser Verbindung zu dir zu trauen

und so zu leben wie es dieser Verbundenheit entspricht.

Und die Energie entdecken,

die uns zufließt,

wenn wir uns dir öffnen.

Du, Gott, kennst unser Leben.

Hilf uns immer tiefer einzudringen

in die Hoffnung und die Gewissheit des Glaubens,

in der wir immer mehr von dir kennenlernen.

In der Stille vertrauen wir uns dir an

mit allem, was uns bewegt. Amen.

 

 

Wir loben dich mit unserem Singen: 

 

Lied 449,1-4 Die güldne Sonne voll Freud und Wonne

1. Die güldne Sonne / voll Freud und Wonne / bringt unsern Grenzen / mit ihrem Glänzen / ein herzerquickendes, liebliches Licht. / Mein Haupt und Glieder, / die lagen darnieder; / aber nun steh ist, / bin munter und fröhlich, / schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

2. Mein Auge schauet, / was Gott gebauet / zu seinen Ehren / und uns zu lehren, / wie sein Vermögen sei mächtig und groß / und wo die Frommen / dann sollen hinkommen, / wann sie mit Frieden / von hinnen geschieden / aus dieser Erden vergänglichem Schoß.

3. Lasset uns singen, / dem Schöpfer bringen / Güter und Gaben; / was wir nur haben, / alles sei Gotte zum Opfer gesetzt! / Die besten Güter / sind unsre Gemüter; / dankbare Lieder / sind Weihrauch und Widder, / an welchen er sich am meisten ergötzt.

4. Abend und Morgen / sind seine Sorgen; / segnen und mehren, / Unglück verwehren / sind seine Werke und Taten allein. / Wenn wir uns legen, / so ist er zugegen; / wenn wir aufstehen, / so läßt er aufgehen / über uns seiner Barmherzigkeit Schein.

Text: Paul Gerhardt 1666; Melodie: Johann Georg Ebeling 1666

 

Predigt über Joh 15,1-8

Der Predigttext für diesen Sonntag steht im Johannesevangelium. Er gehört in die Reihe der Abschiedsreden von Jesus, die schon den Horizont in die Zeit nach Ostern öffnen. Wie soll das sein, wie soll das gehen. Und Jesus malt mit seinen Worten ein Bild davon, das damals wie heute zugänglich ist: Wir bleiben in Verbindung. Wie soll diese Verbindung aussehen?

Ich bin kein Weingärtner. Aber wie viele andere habe ich es schon gesehen, wie im Winter die Weinstöcke beschnitten werden. Ein bis zwei Reben lässt der Weingärtner am Weinstock stehen und bindet sie auf. Zurzeit kann man sehen wie sie austreiben und Blüten ansetzen. Die Pflege geht weiter. Die schwachen und unnötigen Triebe werden ausgeschnitten. Aber was stehen bliebt, trägt im Herbst Früchte, süß und schwer. Sie werden geerntet und gekeltert und reifen zu Wein, der am Ende Genuss und Lebensfreude bringen soll.

Das Bild hat eine lange Tradition. Jesus kennt es vom Propheten Jesaja, der das Volk Israel mit einem Weinberg Gottes verglichen hat. Jesus öffnet das Bild, verändert, weitet es. Ich lese Joh 15,1-8:

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Wir Menschen suchen nach Kraftquellen. Es gibt so vieles, was uns Kräfte raubt, was Energien verzehrt, Manche sind erschöpft von den körperlichen Anstrengungen, den ganzen Tag auf den Beinen, im Haushalt, im Handwerk, in der Pflege, im Verkauf, in der Werkhalle. Andere spüren wie sich über den Tag ihre emotionale Energie verzehrt. Konflikte aushalten, Enttäuschungen verkraften, Stress bewältigen, konzentrierte Gespräche, Krisensitzungen, die Balance halten, ausgleichend wirken, Verständnis wecken, Teamgeist fördern, gemeinsame Ziele formulieren, qualifiziertes Feedback geben, Bemühungen bündeln, unterschiedliche Lösungsansätze zusammenführen, oder einfach Streit schlichten, trösten, Regeln einfordern, motivieren, loben, begleiten.

Jeder von uns kennt wohl seine eigenen Krafträuber ganz gut. Und manches gibt das Essen und der Schlaf, ein verständnisvolles Gespräch und Zeit für mich und meine Interessen wieder zurück. Es ist gut, darauf zu achten, was uns guttut und uns bei Kräften hält. Das alles gehört zu den Früchten unseres Lebens, wie unser Engagement, das wir bringen, in der Familie, im Beruf, in der Freizeit, für das eigene Fortkommen und für andere.

Wir Menschen suchen nach Kraftquellen. Jesus zeigt uns die Kraftquelle, aus der er schöpft und zu der er uns einlädt.

Er malt sein Bild von einer Wirklichkeit hinter der Oberfläche. Er kennt Gott als Kraft, die ihn bewegt. In der er verwurzelt ist mit all seinen Erfahrungen, mit seinen Erfolgen und seinem Leiden. Knorrig gewachsen wie das Leben.

Ich habe vor vielen Jahren ein paar abgeschnittene Weinruten bekommen. Ich wollte damit eigentlich nur eine Garagenwand begrünen. Zwei der Ruten sind angewachsen. Mit Vorliebe begrünen sich nicht nur die Wand. Immer wieder legten sie ihre Reben auf die warmen Steine des Garagendachs. In einem Jahr kam ich nicht dazu, sie herunterzunehmen. Die meisten von ihnen kamen aus einem dicken Trieb. Als ich den abschnitt, kam aus der Mitte des Triebes Wasser. Es war sehr eindrücklich. In 2 Metern Höhe rann Wasser aus dem Trieb. Mehrere Wochen lang. Bis weit in den Herbst hinein, trotz all der anderen Triebe, wurde die Schnittstelle nicht trocken. So viel Kraft hatte diese Rebe aus dem Weinstock.

Eine Rebe, die so im Saft steht, sollen wir sein. Lebt aus dieser Kraftquelle, sagt Jesus. Ihr findet sie in der Verbindung zu Gott.

Zu unserem Glauben gehört, dass wir vieles nicht wissen. Aber Jesus lädt uns ein:

Lebe und deute deine Erfahrungen unter der Annahme, dass es Gott gibt, dass er es mit deinem Leben zu tun haben will.

Lebe und deute deine Erfahrungen aus der Verbindung zu Gott und schau, ob sich daraus ein stimmiges Bild ergibt.

Bleib in der Verbindung zum Weinstock. Unsere Gebete festigen auf besondere Weise diese Verbindung: unsere Stoßseufzer, wenn uns die Worte fehlen, unsere Sorgen, die wir vor Gott bringen, unsere Fragen, auf die wir keine Antwort finden, unsere Entscheidungen, die uns nicht leicht fallen und uns den Schlaf rauben, unsere Freude und unsere Dankbarkeit.

Mit Abstand sieht man oft besser. Für mich sind Gebete eine wunderbare Möglichkeit Abstand zu gewinnen. Ganz bei mir zu sein, offen und ehrlich und doch in einem anderen Horizont. Geduldig und voller Vertrauen, dass sich findet, was ich suche, dass sich klärt, wo ich im trüben fische, dass die Enge sich weitet wo ich nicht weiterweiß.

Wo sich das Herz im Gebet öffnet ändert sich mein Horizont, da trete ich ein in das Kraftfeld der Liebe, die neben den Kreisen um sich selbst den anderen nicht aus dem Blick verliert. Wo sich das Herz im Gebet öffnet wächst aus einem: „Da sollte man was machen!“ die Frage: „Was kann ich beitragen?“

Und vielleicht muss auch ich mich immer wieder fragen lassen: Wofür setzt du deine Zeit und deine Energie ein? Ist Sinn- und Nutzloses dabei, das dir und anderen nicht weiterhilft? Auch im Lassen gewinne ich Kraft, wie die Rebe, die immer wieder ausgegeizt werden muss.

Und ist neben dem Gespräch mit Vertrauten Menschen nicht auch das Gebet eine gute Möglichkeit, mich diesen Fragen zu stellen und Schwerpunkte zu setzen und die Früchte meines Engagements zu genießen?

Wir Menschen suchen nach Kraftquellen. Ich habe für mich im Gebet eine Kraftquelle gefunden und in der Gewissheit, dass es diesen Gott gibt, der sich um mein Leben sorgt wie ein Weingärtner um seine Reben. Amen.

 

Lied 268, 1-5 Strahlen brechen viele aus einem Licht

1. Strahlen brechen viele aus einem Licht. / Unser Licht heißt Christus. / Strahlen brechen viele aus einem Licht - / und wir sind eins durch ihn.

2. Zweige wachsen viele aus einem Stamm. / Unser Stamm heißt Christus. / Zweige wachsen viele aus einem Stamm -- / und wir sind eins durch ihn.

3. Gaben gibt es viele, Liebe vereint. / Liebe schenkt uns Christus. / Gaben gibt es viele, Liebe vereint -- / und wir sind eins durch ihn.

4. Dienste leben viele aus einem Geist, / Geist von Jesus Christus. / Dienste leben viele aus einem Geist -- / und wir sind eins durch ihn.

5. Glieder sind es viele, doch nur ein Leib. / Wir sind Glieder Christi. / Glieder sind es viele, doch nur ein Leib -- / und wir sind eins durch ihn.

Text: Dieter Trautwein 1976 nach dem schwedischen »Lågorna är många, ljuset är ett« von Anders Frostenson ( 1972 ) 1974; Melodie: Olle Widestrand 1974

 

Lasst uns beten:
Ich will Dir mein Herz öffnen, Gott,
dir alle die Menschen anvertrauen, die mir wichtig sind.
Behüte und bewahre sie. Schenke ihnen Kraft und Lebensfreude.
Ich will Dir mein Herz öffnen, Gott,
und dir alle meine Sorgen anvertrauen, wie wir die gegenwärtige Krise überstehen sollen,
zwischen dem Schutz der Gesundheit und dem Schutz der Lebensmöglichkeiten.
Weise uns Wege, unsere Ängste ernst zu nehmen und mit ihnen umzugehen,
verantwortungsvoll und ohne uns von ihnen lähmen zu lassen.
Ich will Dir mein Herz öffnen, Gott und bitte dich, fülle es mit deiner Liebe,
die sich nicht abfindet mit dem, was wir vorfinden, an Einsamkeit und Verzweiflung,
an Ratlosigkeit und Sorgen, mitten unter uns und in der Ferne an Hunger und Not und Gewalt und Krieg,
an Heimatlosigkeit und Entwurzelung, an Hoffnungslosigkeit und Zukunftsangst.
Fülle mein Herz mit deiner Liebe, die Wege sucht, die Not zu lindern. Ich will Dir mein Herz öffnen,
Gott, und aus deiner Kraft leben, voller Glauben und Hoffnung, Vertrauen und Liebe.

Gemeinsam beten wir: Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

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2. Sonntag nach Ostern, Misericordias Domini (nach Ps 33,5: Die Erde ist voll der Güte des Herrn), 26.4.2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

 

Die Gedanken zum Download in PDF

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Ungeduld macht sich bei manchen unter uns breit. Die Kanzlerin spricht sich mahnend gegen die Öffnungsdiskussionsorgien aus. Wer will schon das Erreichte verlieren und wieder riskieren, was schon gewonnen schien? Ostern liegt hinter uns, wir haben den Sieg des Lebens gefeiert. Nicht wie sonst. Mit Abstand oder übers Internet. Wir müssen wohl noch eine längere Zeit auf die Auferstehung des öffentlichen Miteinanders und der persönlichen Begegnungen warten. Die eingeschränkten Möglichkeiten können ins Nachdenken und zu neuen Perspektiven führen.

Wir bleiben verbunden in der Gnade Jesu Christi, der Liebe Gottes und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Amen.

Lasst uns beten

Gott, die Ruhe ist da in diesen Tagen.

Viele Ablenkungen schweigen.

Ich bin zurückgeworfen auf mich.

Vor dir kann ich mich erkennen,

mit meinen Bedürfnissen und meinen Eigenheiten,

mit den Möglichkeiten, die in meinem Wesen liegen

und den Grenzen, die ich immer wieder erlebe.

Zeig mir, wo ich über mich hinauswachsen kann

Und wo ich meine Grenzen akzeptieren muss.

Weise mir Wege zu einem gelingenden Leben,

kraftvoll und mit einem guten Blick

auf mich und auf die, mit denen ich verbunden bin.

Amen.

 

Lasst uns singen:

 

Lied 112,1-3.5 Auf, auf, mein Herz, mit Freuden

1. Auf, auf, mein Herz, mit Freuden / nimm wahr, was heut geschicht; / wie kommt nach großem Leiden / nun ein so großes Licht! / Mein Heiland war gelegt / da, wo man uns hinträgt, / wenn von uns unser Geist / gen Himmel ist gereist.

2. Er war ins Grab gesenket, / der Feind trieb groß Geschrei; / eh er's vermeint und denket, / ist Christus wieder frei / und ruft Viktoria, / schwingt fröhlich hier und da / sein Fähnlein als ein Held, / der Feld und Mut behält.

3. Das ist mir anzuschauen / ein rechtes Freudenspiel; / nun soll mir nicht mehr grauen / vor allem, was mir will / entnehmen meinen Mut / zusamt dem edlen Gut, / so mir durch Jesus Christ / aus Lieb erworben ist.

5. Die Welt ist mir ein Lachen / mit ihrem großen Zorn, / sie zürnt und kann nichts machen, / all Arbeit ist verlorn. / Die Trübsal trübt mir nicht / mein Herz und Angesicht, / das Unglück ist mein Glück, / die Nacht mein Sonnenblick.

 

Text: Paul Gerhardt 1647, Melodie: Johann Crüger 1647

 

 

Predigt über 1. Petr. 2, 21b - 25

Christus hat für euch gelitten und hat euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; 22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; 23 der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; 24 der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. 25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

 

Um es gleich vorweg zu sagen: Auch ich bin kein Prophet. Auch ich weiß nicht wie lange uns die Einschränkungen begleiten werden, die jetzt nötig sind, damit die Covid-19 Pandemie sich nicht zu einer noch größeren Herausforderung auswächst.

Auch ich habe nicht die Zauberformel, mit der sich die Aufgabe lösen ließe, zwischen den unterschiedlichen Bedürfnissen und Auswirkungen die richtigen Maßnahmen zu finden. Manches Lebensgefühl, manche Motivation, manches Geschäftsmodell und manches Familiengefüge fühlt sich gerade so an als sei es an seine Grenzen gekommen, angespannt, eingeschränkt, abgestumpft, am Ende. Ob die staatlichen Hilfen das alles auffangen können?

Wir erleben auf der anderen Seite mehr Hilfsangebote als Nachfrage, mehr Solidarität und nachbarschaftliche Unterstützung als Egoismus, viel Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit. Und viel Phantasie und Kreativität auf der Suche nach Möglichkeiten, trotz aller Distanz den Kontakt nicht zu verlieren.

Wir suchen unseren Weg, irgendwo zwischen Sorge, Verzweiflung, Hoffnung und Vertrauen. Mit unseren eigenen Herausforderungen und Möglichkeiten.

Auf diesem Weg lag auch das Osterfest. Mitten in der Krise, oder vielleicht doch eher mitten im Anfang der Krise. Ostern in einem anderen Kontext.

Ostern, dieses Fest des Neuen Lebens. Vollmundig klingt es uns da entgegen. Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Geschichten und Erlebnisse verbinden sich damit. In unseren Osternächten gehörten meist Erfahrungen dazu, die davon erzählen, dass wir manche Situationen erlebt haben, in denen sich das Leben wie ein Karfreitag angefühlt hat, hoffnungslos, abgestorben, ohne Perspektive, den Kräften des Todes überlassen. Erfahrungen, die sich dann aber doch verwandelt haben, aus der Dunkelheit ins Licht. Aus der Hoffnungslosigkeit zu neuen Zielen, voller Lebendigkeit und voller Elan. Neue Lebensqualität und neuer Lebensmut, wo wir nicht damit gerechnet haben.

Erfahrungen, die den emotionalen Weg von Karfreitag bis zum Ostermorgen nachzeichnen. Erfahrungen, wie sie auch zu diesen Wochen mit ihrer Einsamkeit und ihrer Solidarität gehören.

Mit der Osterhoffnung suchen wir unseren Weg, irgendwo dazwischen.

Petrus will mit seinem Brief den Menschen seiner Zeit in ihren Lebensumständen eine Orientierungshilfe geben. Sie müssen sich als kleine Minderheit den Gepflogenheiten ihrer Umgebung anpassen, um nicht in Gefahr zu geraten. Ihre äußeren Möglichkeiten sind eingeschränkt, nicht aber ihre innere Freiheit. Die Möglichkeit aus der Verbindung zu Gott zu leben, in die Jesus sie geführt hat, die kann ihnen niemand nehmen, nicht ihr Vertrauen, dass ihr Leben in Gottes Hand liegt und nicht ihre Hoffnung, dass ihnen ihr Glaube den Horizont weitet, über das sichtbare hinaus in die Welt Gottes, die geprägt ist von seiner Gerechtigkeit und Güte, die sich als Wirklichkeit Gottes hinter unseren Wahrnehmungen findet.

Ihnen und uns stellt er Jesus als Vorbild vor Augen. Wie kein anderer hat er aus der Verbundenheit mit Gott seine Kraft gewonnen. Wie kein anderer hat er sein Leben mit allen Schwierigkeiten und aller Not in Gottes Hand gelegt.

Lasst euch von dem Vorbild leiten, das Jesus gegeben hat, geht in seinen Fußstapfen, so rät er. Das soll euer innerer Kompass sein.

Da liegen die Fußstapfen, wir gehen sie zurück durch diese dramatischen Tage des Endes, und sie heißen Verlassenheit, Verleugnung, Verrat auf dem Weg ins Sterben – und doch auch Vertrauen, Versöhnlichkeit, Fürsorge und der letzte Ruf: Es ist vollbracht. Die Fußstapfen liegen. Sie zeigen seinen Weg. Es war kein Weg der Selbstaufgabe, der Würdelosigkeit und des mangelnden Selbstwerts. Im Gegenteil. Bei der Tempelreinigung und bei den Verhandlungen vor den Hohepriestern und vor Pilatus, da zeigt sich Jesus selbstbewusst und stolz, als eine starke Persönlichkeit, als einer, der selbstbestimmt und ohne Selbstzweifel seinen Weg geht. Er lässt sich nicht beirren und er weicht seinem Schicksal nicht aus. Mit klarem Blick geht er einen Schritt nach dem anderen. Er geht seinen Weg. Er bleibt sich und seinen Überzeugungen treu. Er bleibt auf dem Weg der Liebe und der Verbundenheit mit Gott.

Es ist ein Weg, auf dem er sich auf die Andersartigkeit der anderen einlässt, auf ihren Blickwinkel, darauf, wie sich das Leben für sie anfühlt. Er fühlt sich ein. Aber er verliert sich nicht in ihrer Welt. Er stellt neben ihre Wirklichkeit seine Hoffnung und sein Gottvertrauen und sein Bild von einer anderen Welt und einem anderen Miteinander der Menschen. Er weitet den Horizont in die Wirklichkeit Gottes hinein, die sich hinter unserer Wahrnehmung auftut. Selbstbewusst und aufrecht, helfend und heilend, voller Nähe und Erbarmen. Er prägt die Begegnungen und setzt die entscheidenden Impulse für neue Perspektiven.

Petrus empfiehlt auch uns, in den Fußstapfen Jesu zu gehen, uns von seinem Vorbild leiten zu lassen wie von einem guten Hirten. Wir können das Werk Jesu nicht wiederholen. Wir können nicht tun, was er tat, aber wir können in unserem Tun Entsprechungen finden zu dem, was Jesus geleitet und angetrieben hat: Die innige Verbindung zu Gott und das grenzenlose Vertrauen in seine Nähe.

In diese innige Verbindung zu Gott will er uns führen. Wir finden sie in unseren Gebeten, wir finden sie in unserer Liebe, die zur Tat wird.

In dieser innigen Verbindung zu Gott finden wir die Freiheit, die sich durch äußere Umstände nicht einschränken lässt. Wir finden die Freiheit des Glaubens, die äußere Einschränkungen akzeptieren kann, wenn sie für eine gewisse Zeit nötig und hilfreich sind. Es ist die Freiheit unserem Glauben, unserer Liebe und unserer Hoffnung zu trauen und an ihnen festzuhalten. Denn sie weiten den Horizont, in dem wir unser Leben wahrnehmen. Aus dieser Freiheit kommt unser Antrieb und unsere Motivation, unser Einfühlen und Anteilnehmen, unser Beten und unsere Nächstenliebe. Amen.

 

Lied: NL 213,1-3 Wenn Glaube bei uns einzieht

1. Wenn Glaube bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt. Wenn Glaube bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt.

2. Wenn Liebe bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt. Wenn Liebe bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt.

3. Wenn Hoffnung bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt. Wenn Hoffnung bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt.

Text: Martina Wittkowski 2004. Melodie: Ralf Grössler 2004. © Strube, München

 

Lasst uns beten:

Gott,

du hast uns die Freiheit finden lassen.

Eine Freiheit, die Perspektiven aufzeigt und Horizonte öffnet,

eine Freiheit, die aus der Verbindung mit dir erwächst.

Lass uns in Jesus ein Vorbild sehen.

In seinen Fußstapfen lass uns den Weg finden

Selbstbewusst und zuversichtlich

Zugewandt und aufmerksam

Mit offenen Augen für das, was nötig ist

mit einem Herzen, das sich bei dir geborgen weiß

mit Tagen voller Engagement und Tatkraft

damit diese Welt ein menschlicheres Gesicht bekommt.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

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1. SONNTAG NACH OSTERN, 19. April 2020

Wir beginnen mit dem Lied: EG 117 Der schöne Ostertag

1. Der schöne Ostertag! / Ihr Menschen, kommt ins Helle! / Christ, der begraben lag, / brach heut aus seiner Zelle. / Wär vorm Gefängnis noch der schwere Stein vorhanden, / so glaubten wir umsonst. / Doch nun ist er erstanden, / erstanden, erstanden, erstanden.

2. Was euch auch niederwirft, / Schuld, Krankheit, Flut und Beben - / er, den ihr lieben dürft, / trug euer Kreuz ins Leben. / Läg er noch immer, wo die Frauen ihn nicht fanden, / so kämpften wir umsonst. / Doch nun ist er erstanden, / erstanden, erstanden, erstanden.

3. Muss ich von hier nach dort - / er hat den Weg erlitten. / Der Fluss reißt mich nicht fort, / seit Jesus ihn durchschritten. /Wär er geblieben, wo des Todes Wellen branden, / so hofften wir umsonst. / Doch nun ist er erstanden, / erstanden, erstanden, erstanden.

Text: Jürgen Henkys 1983 frei nach dem englischen »This joyful Eastertide« von George Ratcliffe Woodward 1894 und dessen niederländischer Vorlage »Hoe groot de vrugten zijn« von Joachim Frants Oudaan 1684

Melodie: bei Dirk Raphaelszoon Camphuysen 1624

Wir feiern diesen Gottesdienst.

Jetzt ist Gott für uns da.

Er schenkt uns diese Welt.

Er macht uns lebendig.

Er kräftigt uns.

Jetzt sind wir bei Gott. Amen.

 

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1Petr 1,3)

Die Auferstehung Christi hat ein neues Licht in unsere Welt gebracht. In seinem Licht erscheint auch unser Leben neu. Quasimodogeniti - „wie die neugeborenen Kinder“ - das ist uns verheißen, das sollen wir schon jetzt sein, das sind wir durch die Taufe geworden, vertrauensvoll im Glauben auf das Wort, das uns herausruft.  

 

Wir beten heute mit Worten nach Psalm 116:

(nach Gottfried Schille)

Ich habe den Herrn lieb,

und ich sage auch gern, warum:

Als ich nach ihm rief, hat er mich gehört.

Darum will ich ihn rufen mein Leben lang.

Nach dem, wie meine Verwandten blickten,

was mir sagten, die es wissen müssen,

hatte ich mit dem Schlimmsten zu rechnen.

Wie klein erschien mir plötzlich mein Leben,

wie nutzlos – ja so ist das!

Aber ich rief: Herr, bitte, jetzt noch nicht!

Du heißt doch „gnädig und gütig“,

dich nennt man „barmherzig“,

es heißt, du nehmest ein Stammeln für voll,

das würdelose Stöhnen der Kranken.

Nun bin ich wieder ruhig.

Die Gefahr ist vorüber.

Er ließ mich nicht ins Bodenlose stürzen,

nicht dahin legen, wo kein Auge mehr weint.

Gewiss, Schmerzen sind geblieben,

aber mein Vertrauen ist fester als je.

Als ich ihn rief, habe ich ihm etwas versprochen.

Das soll nicht vergessen sein!

Sollte ich ihm leere Worte geben?

Wie die Gabe gewichtig sei auch mein Dank.

Amen.

 

 

Lied: EG 511 Weißt du wieviel Sternlein stehen

1. Weißt du, wie viel Sternlein stehen / an dem blauen Himmelszelt? / Weißt du, wie viel Wolken gehen / weithin über alle Welt? / Gott der Herr hat sie gezählet, / dass ihm auch nicht eines fehlet / an der ganzen großen Zahl, / an der ganzen großen Zahl.

2. Weißt du, wie viel Mücklein spielen / in der heißen Sonnenglut, / wie viel Fischlein auch sich kühlen / in der hellen Wasserflut? / Gott der Herr rief sie mit Namen, / dass sie all ins Leben kamen, / dass sie nun so fröhlich sind, / dass sie nun so fröhlich sind.

3. Weißt du, wie viel Kinder frühe / stehn aus ihrem Bettlein auf, / dass sie ohne Sorg und Mühe / fröhlich sind im Tageslauf? / Gott im Himmel hat an allen / seine Lust, sein Wohlgefallen; / kennt auch dich und hat dich lieb, / kennt auch dich und hat dich lieb.

Text: Wilhelm Hey 1837

Melodie: Volkslied um 1818

 

Predigt

„Weißt du wieviel Sternlein stehen?“ - welche Bilder entstehen vor Ihrem inneren Auge, wenn Sie dieses Lied hören?

Für die meisten ist es generationsübergreifend schon seit Kindertagen vertraut. In ihm kommt in ganz einfacher Sprache zum Ausdruck, dass Leben Beziehung ist. Noch bevor wir als Kinder den Sinn und Inhalt des Liedtextes verstanden haben, hat die Situation, in der es uns vorgesungen wurde, uns ein Gefühl davon gegeben, was es auch sprachlich zum Ausdruck bringen will. Durch die Geborgenheit des menschlichen Miteinanders zwischen Kind und vorsingendem/r Vater und/oder Mutter kurz vor der Ruhe der Nacht wird auch etwas begreifbar von der Beziehung, in die wir eingebettet sind in unserem Leben: Gott im Himmel hat an allen / seine Lust, sein Wohlgefallen; / kennt auch dich und hat dich lieb.

Auch unser Glaube ist Beziehung.

Wir glauben Gott als unvergleichliche Kraft, die am Beginn allen Lebens steht und die Welt und jeden einzelnen Menschen bejaht und ins Leben ruft. Das führt dazu, dass der Glaube unsere Weltsicht im entscheidenden Maße beeinflusst.

Naturwissenschaftliche Erkenntnisse stehen dem nur scheinbar gegenüber. Denn wenn man es genauer betrachtet, versucht unser Glaube nicht zu beschreiben WIE alles entstanden ist, sondern WARUM: Gott der Herr rief sie mit Namen, / dass sie all ins Leben kamen, / dass sie nun so fröhlich sind. Und da sind wir wieder bei der Beziehung.

Der Glaube an Gott als unser Schöpfer, der alle Dinge ins Leben ruft will nicht die naturwissenschaftliche Beschreibung der Welt ersetzen, sondern ihr Tiefe verleihen. Gott ruft uns beim Namen. Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! so steht es im Jesajabuch (Jes 43,1).

Durch persönliche Ansprache spüren wir: ich bin gemeint! Keine Ausrede.

Durch die Ansprache mit meinem Namen schafft es mein Gegenüber sogar, mich zu unterbrechen, wenn ich mich in Gedankenschleifen hineingedreht habe.

Zugegeben, manchmal braucht es da vielleicht ein bisschen Nachdruck: Christina! Spätestens dann aber merke ich: Huch, es gibt ja noch ein Außen. Etwas anderes als meine eigene begrenzte Sicht. Mein Blick hebt sich, wird wieder größer.

So ist es auch in der grundlegendsten all unserer Beziehungen:

Gott ruft uns ins Leben. Warum? Weil er will, dass wir leben.

Gott ruft uns beim Namen. Warum? Weil er Beziehung will.

Beziehung verbindet mich mit anderen, erweitert meinen Blick, schenkt meinem Leben Tiefe.

Deswegen sprechen zu Recht derzeit alle davon, dass man in diesen Zeiten des Rückzugs spürt, worauf im Leben es wirklich ankommt: das Leben zu teilen. Nicht nur auf facebook oder twitter, sondern im realen – spürbaren – Kontakt mit anderen.

Beziehung lässt uns spüren: es ist gut, dass es dich gibt. Es ist gut, dass du da bist. Es liegt mir etwas an dir und an dem, was du tust.

Diese Daseinsgewissheit ist elementar für unser Leben. Sie lässt uns leben. Und wenn wir diese Erfahrung immer wieder machen, dann gibt sie uns Kraft und verleiht uns Flügel.

Von dieser Erfahrung kraftspendender persönlicher Beziehung spricht auch der heutige Predigttext: Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?

Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. (Jes 40,26-31)

Starke Worte.

Flügel wie Adler, wie oft hätte ich das gerne, wenn die Mutlosigkeit meine Glieder schwer und müde macht.

Durch eine weitere Kraftanstrengung versuche ich dann, mir gedanklich Kraft einzureden: das musst du jetzt noch schaffen. Und oft genug denke ich dann am Ende: du hast es wieder nicht geschafft… du bist einfach zu nichts nutze!

Der Fehler, den ich so oft mache, ist, dass ich denke die Kraft müsste aus mir selbst kommen. ICH muss das schaffen. Dabei kann mir doch niemand helfen.

Aber der Predigttext korrigiert meine Gedankenspirale: die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.

Am Anfang der Kraft steht die Beziehung.

Sie ist die Voraussetzung.

Das können wir auch in der Natur beobachten: Nester, in dem Adlerjunge heranwachsen, befinden sich hoch oben in steilen Felsen über einem tiefen Abgrund. Wenn die Adlermutter der Meinung ist, dass ihre Jungen flügge werden sollen, jagt sie sie aus dem Nest.

Die Jungen weigern sich natürlich und protestieren. Dann packt die Adlermutter den ersten ihrer Jungen mit den Krallen, fliegt mit ihm über den Abgrund und lässt es fallen.

Aus der Not heraus zappelt das Junge mit seinen Flügeln und versucht, zu fliegen. Aber die Muskulatur, um gut fliegen zu können, muss erst einmal trainiert werden. Es scheint so, als würde das Junge nun hilflos in den Abgrund stürzen. Dann aber schießt die Adlermutter steil nach unten, fängt ihr Kleines im Fallen auf und trägt es wieder nach oben. Nach einer kurzen Erholungspause beginnt das Spiel von vorne.

So lernt der junge Adler, seine Flügel zu benutzen, um eigenständig fliegen zu können. Er lernt aufzusteigen, nicht durch energetische Anstrengung, sondern indem er die thermalen Luftströmungen ausnutzt. Er breitet seine Flügel und Schwanzfedern aus und lässt sich vom Wind empor tragen, gleitet wieder hinunter und schwebt mit der nächsten Strömung wieder nach oben. Dieses Gleiten ermöglicht es dem Adler, mit geringem Energieaufwand und wenigen Flügelschlägen durch die Lüfte zu fliegen.

Im ersten Moment: der Schock. Doch durch ihn kann die Erfahrung wachsen, dass die Beziehung trägt. So bewahrt uns auch der Glaube nicht vor Krisen und bedrohlichen Situationen. Aber durch sie hindurch können wir die Erfahrung machen, dass wir aufgefangen sind in Beziehung. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?

Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Ich denke an Maria Magdalena am Grab. Weinend steht sie da. Unvorstellbar erscheint ihr, was die Engel zu ihr sagen. So vieles spricht dagegen. Dann steht Jesus vor ihr, aber sie erkennt ihn nicht. Sie denkt, es wäre der Gärtner. Der Wendepunkt ist, als Jesus sie direkt und mit sanftem Nachdruck anspricht: Maria!

Jesus ruft sie aus ihrer verzweifelten Müdigkeit, indem er mit ihrem Namen ruft und an ihre Beziehung erinnert. Er korrigiert ihre Gedankenspirale. Dadurch wächst in ihr Vertrauen und neue Kraft zu.

 die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler. „Harren“, das ist ein altes Wort und bedeutet so viel wie: ich rechne damit, dass Gott kommt.

Ich kann darauf vertrauen, oder im Vertrauen leben, dass Gott kommt. Und wer das weiß, dass Gott kommt und einen nicht allein lässt, der kann sich getrost Gott anvertrauen.

Amen.

 

 

Lasst uns singen, laut oder leise: EG 112 Auf, auf, mein Herz, mit Freuden

1. Auf, auf, mein Herz, mit Freuden / nimm wahr, was heut geschicht; / wie kommt nach großem Leiden / nun ein so großes Licht! / Mein Heiland war gelegt / da, wo man uns hinträgt, / wenn von uns unser Geist / gen Himmel ist gereist.

2. Er war ins Grab gesenket, / der Feind trieb groß Geschrei; / eh er’s vermeint und denket, / ist Christus wieder frei / und ruft Viktoria, / schwingt fröhlich hier und da / sein Fähnlein als ein Held, / der Feld und Mut behält.

3. Das ist mir anzuschauen / ein rechtes Freudenspiel; / nun soll mir nicht mehr grauen / vor allem, was mir will / entnehmen meinen Mut / zusamt dem edlen Gut, / so mir durch Jesus Christ / aus Lieb erworben ist.

4. Die Höll und ihre Rotten, / die krümmen mir kein Haar; / der Sünden kann ich spotten, / bleib allzeit ohn Gefahr. / Der Tod mit seiner Macht / wird nichts bei mir geacht’: / er bleibt ein totes Bild, / und wär er noch so wild.

Text: Paul Gerhardt 1647

Melodie: Johann Crüger 1647

 

Wir beten

Du Auferstandener, Christus, unsichtbar in unserer Mitte. Zu dir beten wir.

Du bist das Leben.
Du hast dem Tod die Macht genommen.
Doch wir erleben, wie der Tod immer noch nach uns greift.
Wir bitten um dein Leben für die, die gegen den Tod ankämpfen,
dein Leben für die, die dem Tod ausgeliefert werden,
dein Leben für die, deren Kräfte versiegen.
Nimm uns die Angst. Schenk uns Glauben.

Christus, du Auferstandener. Du bist das Leben.
Du schenkst den Frieden, der die Welt überwindet.
Doch wir erleben, wie weiter Unfriede herrscht.
Wir bitten um deinen Frieden für die Menschen in Syrien,
deinen Frieden für alle, die eingesperrt und bedrängt werden,
deinen Frieden in unseren Häusern und Familien, in unserer Nachbarschaft, in unserem Land.
Nimm uns die Angst. Schenk uns Frieden.

Christus, du Auferstandener. Du bist das Leben.
Du gibst den Müden Kraft. Du lässt uns aufatmen.
Wir danken dir für den Atem, für die Menschen an unserer Seite, für den Glauben und dein Wort.

Dir vertrauen wir diese Welt an. Dir vertrauen wir uns an.
Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

 

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Sonntag!

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Ostersonntag, 12. April 2020

Gottesdienstliche Gedanken von Christina Beck

Audio-Datei zum Anhören

Die Gedanken zum Download in PDF

 

Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden! Das ist die unumstößliche Freudenbotschaft, die sich, heute wie damals, ausbreitet. Nach dem Dunkel des Karfreitags, der Fassungslosigkeit und der Trauer, der Einsamkeit des Leides leuchtet uns heute ein neues Licht – das Licht des Lebens.

 

Lasst uns beten:

Gott, du bist voller Leben.

Staunend stehen wir vor dir.

Du hast Jesus nicht im Tod gelassen, sondern ihn zu einem neuen Leben erweckt.

Ganz zaghaft und behutsam wollen wir uns diesem Wunder zuwenden.

Du bist stärker als alle Macht der Dunkelheit.

Deine Liebe besiegt sogar den Tod.

Jetzt kann uns nichts mehr von deiner Liebe trennen.

Du stimmst in uns ein neues Lied an, ein Lied der Freude und des Lebens:

Lied: EG 99 Christ ist erstanden

Christ ist erstanden / von der Marter alle; / des solln wir alle froh sein, / Christ will unser Trost sein. / Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden, / so wär die Welt vergangen; / seit dass er erstanden ist, / so lobn wir den Vater Jesu Christ’. / Kyrieleis.

Halleluja, / Halleluja, / Halleluja! Des solln wir alle froh sein, / Christ will unser Trost sein. / Kyrieleis.

Text: Bayern; Österreich 12. bis 15. Jh.

Melodie: Salzburg 1160/1433, Tegernsee 15. Jh., Wittenberg 1529

 

Predigt

Ich sehe nichts,“ sagt Salome. Maria schaut ihr über die Schulter, „Lass mich mal vor!“ Sie schiebt sich an ihr vorbei, bis sie mitten in dem in Felsen gehauenen Raum steht: „Du hast recht. Das Grab ist leer!“ Und die andere Maria sagt: „Aber ich war doch dabei! Sieh her, hier ist die Stelle, an der wir ihn hingelegt haben!“ Fassungslos schauen sich die Frauen an. Und dann sehen sie es alle auf einmal. Spüren es in sich, sind durchflutet von dem Licht. Dem Glanz. Und hören als wäre es in ihnen: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ Entsetzen packt die Frauen. Zitternd laufen sie aus dem Grab.

 

Der Bericht des Markus von der Auferstehung (Mk 16, 1-8) kennt (zunächst) keine Osterfreude. Vielmehr endet er auf eine Weise, bei der wir uns zunächst fragen, wie sich die Botschaft der Auferstehung ausbreiten konnte:

Zittern und Entsetzen, Schweigen.

Die Frauen verstehen nicht was da geschehen ist.

Früh am Morgen haben sie sich aufgemacht, ihr Herz noch voll vom fassungslosen Schrecken des Vergangenen. Sie mussten miterleben, wie ihr Freund und Meister grausam verhöhnt und zu Tode gemartert wurde. Er, durch dessen Taten sie so viel Hoffnung geschöpft hatten, Hoffnung auf Veränderung. Und dann: so viel Gewalt, so viel Schmerz, so viel sinnloses Leid. Tödliche Mächte haben Jesus das Leben gekostet, ersticken jede Hoffnung. Die Botschaft des Lebens dringt nur schwer in ihre Trauer und Verzweiflung hinein. Die Schatten des Todes lassen sich nicht so leicht abschütteln.

Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ Die Botschaft von der Auferstehung – sie spricht mitten hinein in Gewalt und Tod. Und sie braucht Zeit, um sich durchzusetzen.

 

Tödliche Mächte haben Jesus das Leben gekostet, tödliche Mächte umgeben auch uns. Krankheit, Gewalt, Terror und Krieg reißen Menschen in den Tod. Schrecken und Entsetzen erfüllen uns angesichts der Bilder aus den Krankenhäusern in Italien und Spanien und den zahlreichen Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt.

Die viel zu vielen schlechten Nachrichten und das Erleben von Krankheit und Tod in der Familie – sie nagen an der Hoffnung der Menschen, an uns. Nimmt das Leid denn gar kein Ende? So viel Gewalt, so viel Schmerz, so viel sinnloses Leid – können wir noch auf eine Veränderung der Welt hoffen, wenn doch überall neue Gewalt, Tod und Verderben lauern? Krankheit und Isolation, Streit und Trennung, Sorge und Schmerz überschatten unser alltägliches Leben. Sie sind grausame Realitäten unserer Welt.

Die Botschaft von der Auferstehung, die Botschaft der Veränderung – sie spricht auch heute mitten hinein in Gewalt und Tod. Und sie braucht Zeit, um sich durchzusetzen.

 

Auch den Menschen in Korinth fällt es schwer, die Tragweite der Auferstehungsbotschaft in ihr Leben einsinken zu lassen. Sie glauben – und doch überschattet sie der Zweifel angesichts der Realität des Todes, die sie erleben. Da brauchen sie die erneute Ermutigung, die neue Zusage dessen, was sie zuvor gehört und geglaubt haben. Und so schreibt Petrus in seinem ersten Brief an die Korinther in Kapitel 15, 1-11:

Brüder und Schwestern, ich will euch auf die Gute Nachricht hinweisen, die ich euch verkündet habe. Ihr habt sie ja angenommen und sie ist euer fester Grund. Durch sie werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Wenn nicht, wärt ihr vergeblich zum Glauben gekommen. Was ich euch weitergegeben habe, habe ich selbst als Überlieferung empfangen. Grundlegend ist: Dass Christus für unsere Schuld gestorben ist – wie es in den Heiligen Schriften steht. Dass er begraben wurde und dass er am dritten Tag auferweckt wurde – wie es in den Heiligen Schriften steht. Und dass er sich Kephas gezeigt hat, danach auch den Zwölf.

 

Später sahen ihn über fünfhundert Brüder und Schwestern gleichzeitig. Die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind allerdings auch schon gestorben. Danach hat er sich Jakobus gezeigt, schließlich allen Aposteln. Ganz zuletzt ist er auch mir erschienen – also gleichsam einem Missratenen. Ich bin nämlich der unwürdigste unter den Aposteln. Ich verdiene es eigentlich nicht, Apostel genannt zu werden. Denn ich habe die Gemeinde Gottes verfolgt. Aber durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin. Und seine Gnade, die er mir erwiesen hat, blieb nicht ohne Wirkung. Im Gegenteil:

Ich habe mehr für die Gute Nachricht gearbeitet als sie alle. Aber das habe ich nicht mir selbst zuzuschreiben, sondern der Gnade Gottes, die mich begleitet. Aber gleichgültig, ob ich es sage

oder die anderen Apostel: Das ist unsere Verkündigung und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.

 

Die Gute Nachricht, die Paulus an die Korinther weitergibt und die wir jedes Jahr neu an Ostern verkünden, ist kurz und bündig zusammengefasst:

Dass Christus für unsere Schuld gestorben ist.

Dass er begraben wurde. 

Dass er am dritten Tag auferweckt wurde.

Dass er sich Petrus gezeigt hat, danach auch den Zwölf.

 

Gestorben – begraben – auferweckt – sich gezeigt.

Einfach mutet diese Botschaft angesichts dieser Kürze an. Und doch steckt in diesen vier Verben eine Verwandlungskraft, die wir manchmal nur schwer begreifen können:

Das Leben überwindet den Tod.

Gottes Leidenschaft für das Leben kommt ans Licht, setzt sich durch.

 

Diese Kraft der Verwandlung, die in der Auferstehung Jesu offenbar wird, wirkt sich aus in der Welt.

Sie trifft zunächst auf die Menschen, denen sich der Auferstandene zeigt:

den Frauen, die unter dem Kreuz verharren und Jesus im Grab aufsuchen.

Aber er zeigt sich nicht nur denen, die ihm treu geblieben sind.

Nein, er zeigt sich auch Petrus, der ihn verleugnet hatte.

Er zeigt sich den Jüngern, die angesichts der Gefahr geflohen waren.

Er zeigt sich Thomas, der dem Zeugnis der anderen nicht glauben kann und lässt ihn seine Wunden fühlen.

Er zeigt sich den beiden Jüngern, die voller enttäuschter Hoffnungen zurückkehren wollen in ihr altes Leben nach Emmaus. Er begleitet sie auf ihrem Weg und lässt ihnen Zeit, das Unbegreifliche zu verstehen.

Der Auferstandene zeigt sich den Menschen, die mit ihrem Glauben gescheitert sind. Immer wieder tritt er unter sie und spricht: „Fürchtet euch nicht! Friede sei mit euch!

Durch die wiederkehrende Begegnung mit dem Überwinder des Todes werden auch die Jünger verwandelt: sie wenden sich ab vom Grab und hin zum Leben.

Aus ihrer Trauer wird Freude, aus ihrer Klage ein Lied.

Aus ihrem Zweifel wird Glaube.

Aus ihrem Kleinmut erwächst Tatendrang.

Aus Empfängern einer Botschaft werden Botschafter, die die Gute Nachricht weithin verkünden:

„Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“

 

Doch die Welt wehrt sich gegen diese Botschaft des Lebens. In ihr bleiben tödliche Mächte weiterhin Realität. Sie wehren sich und geben nicht so schnell auf. Als Verfolger der Christusgläubigen war Paulus selbst anfangs einer ihrer Diener, einer der größten Feinde der Auferstehungsbotschaft: „Ich bin nämlich der unwürdigste unter den Aposteln. Ich verdiene es eigentlich nicht, Apostel genannt zu werden. Denn ich habe die Gemeinde Gottes verfolgt.“ Paulus hielt die Botschaft der Auferstehung für eine Gefahr. Eine Gefahr für sein Weltbild. Deshalb kämpfte er mit aller Kraft dagegen an. Doch die Kraft der Verwandlung macht auch vor ihm nicht halt. Der Auferstandene stellt sich ihm in den Weg. Paulus erfährt am eigenen Leib die verwandelnde Kraft der Auferstehung. Auch er wird zum Botschafter des Lebens. Sein Ich, das nach der Begegnung ganz in der Verkündigung der Auferstehungsbotschaft aufgeht, ist Antwort auf die Gnade Gottes, die er als umwälzenden Freispruch empfindet. Er kann JA sagen zu dem, was er war und ist.

 

Die Verwandlungskraft des Ostergeschehens braucht Zeit, um sich durchzusetzen. Aber auch in unserem Leben kann sie spürbar werden und verändert unser Leben.

Sie wirkt, wo wir Dunkelheit gemeinsam aushalten und nicht fliehen bis sich das Licht in ihr bricht.

Wo Schuld nicht stehen bleibt, sondern ein Neuanfang gewagt werden darf.

Wo wir nicht stehen bleiben müssen bei dem, was ist.

Wo wir uns abwenden von enttäuschten Hoffnungen und unser Blick wieder frei wird für das Leben und seine Möglichkeiten.

Wo wir einander Botschafter der Auferstehung sind oder uns den Glauben der anderen leihen können, wenn Zweifel uns klein halten.

Sie wirkt da, wo das Leben wieder zu Blühen beginnt.

 

Die Botschaft von der Auferstehung verändert aber nicht nur unser Leben, sondern auch unser Sterben. Auch für uns ist der Tod nicht das Ende! Unser Tod – egal wie grausam er auch das Leben unterbrechen mag – ist der Auftakt zu etwas Neuem. Die Auferstehungsbotschaft ist eine Hilfe beim, nicht zum Sterben.

 

Die Verwandlungskraft des Ostergeschehens braucht Zeit, um sich durchzusetzen. Ostern ist schon und muss doch immer wieder neu erst werden. Die Verwandlungskraft des Ostergeschehens braucht Zeit, um sich durchzusetzen aber sie kann nicht aufgehalten werden:

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja! Amen.

 

Lasst uns singen, laut oder leise: EG 116 Er ist erstanden, Halleluja

1. Er ist erstanden, Halleluja. / Freut euch und singet, Halleluja. / Denn unser Heiland hat triumphiert, / all seine Feind gefangen er führt.

2. Er war begraben drei Tage lang. / Ihm sei auf ewig Lob, Preis und Dank; / denn die Gewalt des Tods ist zerstört; / selig ist, wer zu Jesus gehört.

3. Der Engel sagte: »Fürchtet euch nicht! / Ihr suchet Jesus, hier ist er nicht. / Sehet, das Grab ist leer, wo er lag: / er ist erstanden, wie er gesagt.«

4. »Geht und verkündigt, dass Jesus lebt, / darüber freu sich alles, was lebt. / Was Gott geboten, ist nun vollbracht, / Christ hat das Leben wiedergebracht.«

Kehrvers: Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, / der uns erlöst hat vom ewigen Tod. / Sünd ist vergeben, Halleluja! / Jesus bringt Leben, Halleluja!

Text: Ulrich S. Leupold 1969 nach dem Suaheli-Lied »Mfurahini, Haleluya« von Bernard Kyamanywa 1966

Melodie: aus Tansania

 

Wir beten

Jesus Christus, durch deine Auferstehung verwandelst du unser Leben.

Wir danken dir für die Osterspuren in unserem Leben:

für alles, was uns aufatmen und befreit lachen lässt,

für Situationen, in denen das Dunkel sich auflöst

und in denen wir zu neuem Mut finden.

Danke dafür, dass wir immer wieder einen neuen Anfang wagen dürfen.

Wir bitten dich für diejenigen, die heute nicht feiern können:

für die Traurigen, 

für Zweifler,

für die, die keinen Ausweg sehen

und für die, die leiden unter Krankheit, Hunger und Gewalt.

Lass die Hoffnung nicht untergehen und schenke auch ihnen Zeichen deiner österlichen Verwandlung.

Wir bitten dich für uns,

bewahre uns vor Ängstlichkeit und Kleinmut, damit wir eintreten für das Leben,

aufbegehren gegen den Tod den Menschen einander zufügen,

aufbrechen die Grenzen die Menschen zwischen sich ziehen.

Begegne uns mit der verwandelnden Kraft deiner Auferstehung.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Gottes Segen leuchte dir wie das Licht am Ostermorgen.

Gottes Friede begleite dich.

Gottes Liebe beflügle dich.

Gottes Freude rühre dich an.

Amen.

 

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Feiertag!


Osternacht in Oßweil am 12. April 2020

Eine österliche Morgenandacht von Christina Beck

„wo einer im Dunkeln nicht verstummt“

 

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Die Gedanken zum Download in PDF

Normalerweise: 5.30 Uhr. Es ist dunkel. Glocken läuten mitten in der Nacht. Einige Menschen haben sich aufgemacht. Sie legen ihren warmen Mantel enger um sich. Die Nacht ist kalt. Vor der Kirche brennt das Osterfeuer. Licht inmitten der Dunkelheit.

 

Der Hahnenschrei

Stolz, aufrecht, ja geradezu triumphierend: so steht der Hahn da.

Aus seinem Schnabel: ein Schrei.

Unbarmherzig breitet er sich aus über dem Mann, der sich die Ohren zuhält.

Er will es nicht hören - aber das hilft ihm nichts.

Gnadenlos gellt der Schrei über ihm und wächst in die Stille.

Bedrängend. Niederschmetternd.

Petrus, am Boden zerstört.

Die Augen hat er geschlossen, bloß nichts sehen, nichts hören, nichts wahrnehmen.

Stumme Tränen rinnen ihm über das müde Gesicht.

Er ist entsetzt über sich selbst.

Er wollte doch stark sein, ein Fels!

Da hatte er doch noch so groß getönt: „Auch wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen!“ (Mk. 14,31)

Und jetzt das: Gleich dreimal hat er es abgestritten – „Nein, ich kenne den Mann nicht.“

6 Worte, sie reichen um das größte Versagen seines Lebens zu untermauern.

Nun hält der Hahnenschrei ihm den Spiegel vor: so einer bist du, Petrus.

Ein Großmaul. Ein Feigling. Verrätst deinen besten Freund.

Da zerbricht das Bild von sich selbst.

In Scherben liegt vor ihm, was er sein wollte: ein starker, verlässlicher Freund. Ein Fels.

Und nach dem Schrei: Stille.

Totenstille.

 

Wegworte

Wie soll es weitergehen?

Wenn wir vor Scherben stehen,

ent-täuscht von uns selbst und von dem Bild, das wir gerne von uns hätten?

Wie soll es weitergehen?

Wenn wir keinen Weg sehen,

wenn wir den nächsten Schritt nicht kennen

wenn die Zukunft unmöglich scheint?

Ob wir uns dann besinnen können,

auf das, was uns mal getragen hat?

Ob wir dann den Blick nach vorn wenden können,

obwohl wir lieber das Vergangene beweinen würden?

Ob wir aufstehen und den ersten Schritt wagen mit der Bitte:

Bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, ach bleib mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott.

 

Erfahrungen aus der Dunkelheit – Die Kreuzigung Jesu nach Mk 15,25-34

25 Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.

26 Auf einem Schild stand der Grund für seine Verurteilung: »Der König der Juden«.

27 Mit Jesus kreuzigten sie zwei Verbrecher. Den einen rechts, den anderen links von ihm.

29 Die Leute, die vorbeikamen, lästerten über ihn. Sie schüttelten ihre Köpfe und sagten: »Ha! Du wolltest doch den Tempel abreißen und in nur drei Tagen wieder aufbauen.

30 Rette dich selbst! Steig vom Kreuz herunter.«

31 Genauso machten sich die führenden Priester zusammen mit den Schriftgelehrten über ihn lustig. Sie sagten: »Andere hat er gerettet. Sich selbst kann er nicht retten.

32 Der Christus, der König von Israel, soll jetzt vom Kreuz herabsteigen. Wenn wir das sehen, glauben wir an ihn.«

33 Es war die sechste Stunde, da breitete sich im ganzen Land Finsternis aus. Das dauerte bis zur neunten Stunde.

34 In der neunten Stunde schrie Jesus laut: »Eloï, Eloï, lema sabachtani?« Das heißt übersetzt: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«

 

Erfahrungen aus der Dunkelheit

Das Unvorstellbare ist geschehen.

Sie haben Jesus tatsächlich gekreuzigt.

Mit einem dumpfen Schlag fällt der Stein vor das Grab.

Es ist vorbei.

Nichts geht mehr.

Jesus ist dem Tod übergeben.

Keine Spur von Leben.

Da ist nur noch Totenstille.

Und die Hoffnung ist umfangen von Dunkelheit.

 

Bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, ach bleib mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott.

 

Einzug des Lichts

Der Tag bricht an. Er vertreibt Dunkel und Zweifel. Er beendet das Morgengrauen mit seinem Licht: Christus unser Licht - Gott sei ewig Dank!

 

Von der Dunkelheit ins Licht: EG 551 Wo einer dem andern neu vertraut

1. Wo einer dem andern neu vertraut / und mit ihm eine Brücke baut, / um Hass und Feindschaft zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

2. Wo einer am Ende nicht verzagt / und einen neuen Anfang wagt, / um Leid und Trauer zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

Kehrvers: Wo einer im Dunkeln nicht verstummt, / sondern das Lied der Hoffnung summt, / um Totenstille zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

3. Wo einer das Unrecht beim Namen nennt / und sich zu seiner Schuld bekennt, / um das Vergessen zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

4. Wo einer das Unbequeme wagt / und offen seine Meinung sagt, / um Schein und Lüge zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

Kehrvers

5. Wo einer gegen die Strömung schwimmt / und fremde Lasten auf sich nimmt, / um Not und Leiden zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

6. Wo einer dich aus der Trägheit weckt / und einen Weg mit dir entdeckt, / um hohe Mauern zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

Kehrvers

Text: Reinhard Bäcker 1986, Melodie: Detlev Jöcker 1986

 

Erfahrungen aus dem Licht – Das Osterevangelium Mt 28, 1-8

1 Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

3 Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.

4 Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.

5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.

6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat;

7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.

8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.

 

Erfahrungen aus dem Licht – Christ ist erstanden

Christ ist erstanden / von der Marter alle; / des solln wir alle froh sein, / Christ will unser Trost sein. / Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden, / so wär die Welt vergangen; / seit dass er erstanden ist, / so lobn wir den Vater Jesu Christ’. / Kyrieleis.

Halleluja, / Halleluja, / Halleluja! Des solln wir alle froh sein, / Christ will unser Trost sein. / Kyrieleis.

Text: Bayern; Österreich 12. bis 15. Jh.

Melodie: Salzburg 1160/1433, Tegernsee 15. Jh., Wittenberg 1529

 

Ostergedanken

Da ist einer im Dunkel nicht verstummt.

Er stimmt summend ein Lied an.

Hoffnung keimt.

Leise, zögerlich vielleicht.

Die dunklen Schatten, sie liegen noch über ihm.

Ein erster Lichtstrahl fällt ins Dunkel.

Er summt weiter, etwas lauter nun.

Ein anderer hört sein Summen.

Er schöpft Mut.

Vorsichtig steigt er mit ein.

Die Melodie schwillt an.

Der Funke der Hoffnung springt über auf andere.

 

Wer die Hoffnung nicht aufgibt

und offen bleibt für das, was keiner zu hoffen wagte,

wer den Glauben nicht aufgibt an das, was alle Vorstellungen sprengt,

dem wird das Wunder jenes (Neu-)Anfangs zur Gewissheit:

Wo einer im Dunkeln nicht verstummt, / sondern das Lied der Hoffnung summt, / um Totenstille zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

Wer das Wunder dieses Anfangs in sich trägt,

verändert seine Sicht,

bleibt nicht allein,

findet andere Hoffnungsträger und tut sich mit ihnen zusammen,

damit sich das Lied ausbreitet und die Totenstille vertreibt.

 

Normalerweise teilen wir an dieser Stelle Brot und Traubensaft,

wir teilen das Leben und die Freude. Vielleicht können Sie ja beim Frühstück ganz bewusst das Brot nehmen: als Zeichen der Verbundenheit in der Isolation. Das Brot stärkt, es stillt unseren Hunger nach Leben. Es ist ein Zeichen der Gemeinschaft – wir sind alle ohne Unterschied eingeladen am Tisch unseres auferstandenen Herrn!

Lied: 550, 1-4 Die Sonne geht auf

1. Die Sonne geht auf: Christ ist erstanden! / Die Nacht ist vorbei: Christ ist erstanden! / Die Sonne geht auf. / Vergessen sind Ängste, Not, Kummer und Schmerzen, / wir atmen freier und singen von Herzen: / Die Sonne geht auf: Christ ist erstanden! / Die Nacht ist vorbei.

4. Die Freude ist groß: Christ ist erstanden! / Wir halten sie fest: Christ ist erstanden! / Die Freude ist groß. / O Herr, hilf, daß wir auch in unseren Tagen / den Menschen die Botschaft der Hoffnung sagen. / Die Freude ist groß: Christ ist erstanden! / Halleluja!

Text und Melodie: Hans-Martin Rauch 1980

 

Gebet und Vater unser

Jesus Christus, du Auferstandener, durch das Dunkel hindurch sehen wir dein Licht.

Wir wollen es in uns aufnehmen.

Es weckt in uns ein Lied der Hoffnung, der Freude und des Lebens.

Hilf uns, dein Lied hinauszutragen in die Welt, durch unser Engagement für ein Miteinander, das immer mehr von Gerechtigkeit und Frieden, Respekt und Achtung vor dem Weg der Anderen geprägt ist.

Lass dein Lied auch erklingen in den Krankenhäusern, den verwinkelten Gassen, den Kriegsgebieten. Du bist an den Einsamen und Kranken und Verzweifelten nicht vorübergegangen. Du hast ihnen deine heilsame Nähe geschenkt.

Wir bitten für alle Menschen, die an Körper, Seele oder Geist erkrankt sind. Mögen sie gesund werden und, falls dies nicht möglich ist, die Hoffnung und den Glauben nicht verlieren. Stärke uns, damit wir sie nicht allein lassen oder gar vergessen, sondern mit ihnen aushalten, was sie zu tragen haben.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Gottes Segen leuchte dir wie das Licht am Ostermorgen.

Gottes Friede begleite dich.

Gottes Liebe beflügle dich.

Gottes Freude rühre dich an.

Amen

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Feiertag!


Karfreitag, 10. April 2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

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Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Lasst uns beten

Gott, den Ruf der Verlassenheit habe ich im Ohr,

unzählige Male geschrien, meist ungehört, verhallt im Raum der Gleichgültigkeit.

Du musst ihn doch hören, diesen Ruf, von denen, die nicht mehr wissen,

was sie ihren Kindern zu Essen geben sollen, von denen, die nicht mehr wissen,

ob sie der Gewalt entrinnen können und dem Chaos, das sie umgibt;

von denen, die zurückgeblieben sind, die keine Träne mehr weinen können

um ihre Söhne und Töchter, ihre Väter und Mütter,

die allein zurückgeblieben sind ohne Zukunft.

Du muss ihn doch hören, den Ruf der Verlassenheit,

von denen, die trauern um den Menschen, der nicht mehr da ist,

um die Arbeit, die verloren ging, um die Hoffnung, die begraben liegt.

Lass mich den Weg finden, Gott, und die Kraft des Glaubens,

der mit den Schreien der Klage das Tor der Erinnerung öffnet,

und Zugang zu einer Vergangenheit verschafft,

in der du da warst, hilfreich, segnend, bewahrend, stärkend.

Lass mich den Weg finden, Gott, von der Klage zur Erinnerung

und von der Erinnerung zu neuem Vertrauen.

Du lässt den nicht los, der dich nicht mehr spürt,

der den Boden unter den Füßen verloren hat,

der keine Zukunft sieht.

Geh mit uns, Gott, sei du unser Licht, wenn die Dunkelheit uns umgibt,

mit ihren Ängsten und Sorgen. Amen.

Lied EG 81 Herzliebster Jesu

1. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, / daß man ein solch scharf Urteil hat gesprochen? / Was ist die Schuld, in was für Missetaten / bist du geraten?

2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, / ins Angesicht geschlagen und verhöhnet, / du wirst mit Essig und mit Gall getränket, / ans Kreuz gehenket.

3. Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen? / Ach, meine Sünden haben dich geschlagen; / ich, mein Herr Jesu, habe dies verschuldet, / was du erduldet.

4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! / Der gute Hirte leidet für die Schafe, / die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, / für seine Knechte.

Text: Johann Heermann 1630; Melodie: Johann Crüger 1640 nach Guillaume Franc 1543 (zu Psalm 23)

 

Predigt

Lassen Sie die Worte noch einmal auf sich wirken, diese Sätze des Apostels Paulus, geschrieben an die Gemeinde in Korinth, als Versuch das Geheimnis des Karfreitags zu verstehen und zu deuten. Lassen Sie die Worte von der Versöhnung noch einmal auf sich wirken und gehen Sie dann, mit diesen Worten im Gepäck mit mir hinein in die Geschichte jenes Karfreitags.

19Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 20So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! 21Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

 

Kommen Sie mit mir in die Szenerie, dort auf dem Berg Golgatha. Da stehen sie, die drei Kreuze, mit den beiden Verbrechern und mit Jesus. Alle sind sie da:

- die Kriegsknechte und ihr Hauptmann

- das Volk, passiv und neugierig, in sicherem Abstand, so, dass sie alles sehen können, ohne Gefahr zu laufen in die Geschehnisse verwickelt zu werden,

- in sicherem Abstand haben sich auch seine Freunde und Bekannten, die Jünger und die Frauen an den Ort des Geschehens gewagt, sie ertragen den Anblick, zeigen durch ihre Anwesenheit ihre Nähe und ihre Verzweiflung.

Jeder hat seinen Ort gefunden, von dem aus er das Geschehen verfolgt, jeder hat seine Position gefunden – und mit der Position auch seine Meinung, seinen Standpunkt. Sie erleben die gleiche Geschichte, und jeder muss sie deuten, für sich begreifen, verstehen, einordnen.

Da waren sie, die Kriegsknechte, die weit von ihrer Heimat ihren Dienst taten, in einem Volk, dem sie nicht verbunden waren. Sie taten ihre grausame Pflicht. Es war ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Ordnung aufrecht erhalten blieb. Jede Unruhe war im Keim zu ersticken. Wer nicht ins Bild passte wurde aus dem Weg geschafft. So war das eben. Wer das Land besetzt hat, hat die Macht. Bestimmt die Regeln. Wer die Macht hat, hat recht. Zumindest in seinen eigenen Augen. Dafür muss es eben Opfer geben. Menschen bluten und sterben, und bis heute steht der Rauch über den besiegten Städten, liegen Messer an den Kehlen der Geiseln. Nicht immer sind die Machtverhältnisse so eindeutig wie damals in Jerusalem.

Die Oberen und die Soldaten spotten: Bist du der Christus, dann hilf dir selbst und steig vom Kreuz herab

Aber Jesus steigt nicht vom Kreuz herab. Er verlässt nicht seinen Weg. Er weicht dem Leiden nicht aus. Er hält stand.

Er fügt sich nicht aus Schwäche, sondern aus Stärke!

Sie, die Kriegsknechte, die Besatzer, diese Garanten einer zweifelhaften Ordnung und Ruhe, sie hören dieses unerhörte und geheimnisvolle Wort Jesu, sie sind nah genug dabei, sie hören es genau, dieses: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Ein Satz, in dem sich die größte Herausforderung unseres Glaubens spiegelt. Jesus blieb sich treu und seinem Wort in der Bergpredigt, selbst und gerade als es ihn selber trifft: „Liebet eure Feinde!“ Es geht wohl von Mund zu Mund. Und wird schon überholt von der nächsten Ungeheuerlichkeit:

Die ganze Botschaft seines Lebens leuchtet da am Kreuz noch einmal auf. Die Schächer am Kreuz – sie sterben mit ihm. Der eine, angestachelt von der Menge, stimmt ein in den Spott, mutig geworden, jetzt, wo er nichts mehr zu verlieren hat.

Doch der andere hat sich bewegen lassen. „Wir empfangen, was unsere Taten verdienen,“ sagt er.

Aber Jesus steht für ein anderes Recht, er hat eine andere Gerechtigkeit Gottes gepredigt. Was am Ende zählt und über uns richtet, das sind nicht unsere Taten, sondern allein Gottes Güte, die stärker ist als alles Rechtsdenken! Hier gilt nicht mehr der alte Satz: Schuld bedarf der Sühne. Hier, am Stamm des Kreuzes wächst eine neue Logik der Gerechtigkeit, die ungekannte Früchte tragen will. Schuld bedarf nicht mehr der Sühne, weil Gott in Jesus das Schema von Schuld und Sühne aufgelöst hat.

Wahrlich, ich sage dir: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein,“ das ist das Evangelium für den Schächer am Kreuz, für den, dessen Taten den Tod verdient haben. Da ist keine Sühne, da ist kein Opfer, keine Wiedergutmachung, er rechnet die Sünde nicht zu, streicht sie von der Rechnung. Versöhnung ist ohne Berechnung.

Das war neu, das widersprach allem, was seither galt. Versöhnung ohne Sühne, Gerechtigkeit ohne Opfer, das alte Denken bekommt einen Riss, mindestens so tief wie der Vorhang im Tempel, der für dieses Denken steht, für dieses Denken, das für die Gerechtigkeit ein Opfer fordert.

Der Vorhang im Tempel, so erzählen die Evangelien, reißt entzwei. Der Blick wird frei, nicht entsetzlich vernichtend, nicht voller Furcht, die erzittern und zurückschrecken lässt, es bleibt nicht finster, die Sonne verliert nicht ihren Schein. Eine neue Sonne geht auf über dem Kreuz, die Sonne der Gerechtigkeit.

Sicher, manche schlugen sich zufrieden auf die Brust. Sie dachten, die Ordnung ist wiederhergestellt, der Unruhestifter ist weg. Aber sie täuschten sich. Das alte ist vergangen und Neues ist geworden. Ein Neues, das seinen Weg findet in die Herzen der Menschen, obwohl es ungewohnt und neu ist. Versöhnung ohne Sühne, Gerechtigkeit ohne Opfer. Das bewegt und lockt und macht Mut, diesem Gott zu vertrauen.

Der Hauptmann, zum Beispiel, hatte es gehört: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“

Dieses Neue ist nicht aufzuhalten, nicht durch Terror und Gewalt. Es ist nicht aufzuhalten, wenn es denn gewollt und gelebt wird, wenn es denn eine Chance bekommt, im Toben der Kräfte, es ist nicht aufzuhalten, denn Jesus hat es in Gottes Hand gelegt.

Der Hauptmann wurde nachdenklich, wurde erfasst von der verändernden Kraft des Geheimnisses vom Kreuz. Er hat seinen Standpunkt verändert: Die Saat des Neuen beginnt in ihm aufzugehen.

Und die Frauen, die allem standgehalten haben mit klammem Herzen, sie sind die stummen Zeugen des Geschehens, sie sind es, die versuchen das Unfassbare zu fassen.

Aber das gehört wohl zum Geheimnis des Karfreitags, zum Wunder der neuen Gerechtigkeit: Sie lässt sich nicht einfach begreifen. Es ist wohl die Herausforderung des Karfreitags, dass wir uns wie die Frauen und die Freunde Jesu und wie der Hauptmann auf den Weg machen müssen, und mit Leben füllen, was Jesus bis in seine Todesstunde hinein gepredigt hat:

Solidarität, die versöhnt, ohne zu fordern. Solidarität im Leiden, in der Verzweiflung, im Tod, aber auch in wunderbarer Weise Solidarität in einem Leben, in dem die Fülle der Hoffnung und des Vertrauens und der Güte wohnt, damit es alle Welt sieht und hört und glaubt.

(19)Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

(20)So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Laßt euch versöhnen mit Gott!

(21)Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. Amen.

Lied  EG 97,1-3.6 Holz auf Jesu Schulter

1. Holz auf Jesu Schulter, / von der Welt verflucht, / ward zum Baum des Lebens / und bringt gute Frucht.

Kyrie eleison, / sieh, wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, / laß uns auferstehn.

2. Wollen wir Gott bitten, / daß auf unsrer Fahrt / Friede unsre Herzen / und die Welt bewahrt.

Kyrie eleison, / sieh, wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, / laß uns auferstehn.

3. Denn die Erde klagt uns / an bei Tag und Nacht. / Doch der Himmel sagt uns: / Alles ist vollbracht!

Kyrie eleison, / sieh, wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, / laß uns auferstehn.

6. Hart auf deiner Schulter / lag das Kreuz, o Herr, / ward zum Baum des Lebens, / ist von Früchten schwer.

Kyrie eleison, / sieh, wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, / laß uns auferstehn.

Text: Jürgen Henkys ( 1975 ) 1977 nach dem niederländischen »Met de boom des levens« von Willem Barnard 1963

Melodie: Ignace de Sutter 1964

 

Wir beten

Wandle auch uns, Gott, damit aus unserer Trägheit Phantasie wird und aus unserer Verzagtheit Mut.

Wandle uns, damit wir den Leidenden zu Boten des Friedens werden.

Gott, aus dem Brot der Tränen ist das Brot des Lebens geworden.

Wandle auch uns, damit wir einander annehmen wie du uns angenommen hast.

Laß uns weitergehen als eine Gemeinschaft, in der Geben nicht mehr ist als Empfangen, in der Stark sein nicht mehr ist als Leiden, in der Reichsein nicht mehr ist als Armsein.

Lass Frieden werden, Gott, Frieden nicht nur über den Gräbern derer, die sich für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen, sondern Frieden überall auf deiner weiten Erde, wo Menschen um Macht und Einfluß ringen, wo sie noch das alte Lied von Rache und Vergeltung singen. Frieden, Gott in den Herzen der Menschen, Frieden, der ausstrahlt und der Erde ein neues Gesicht verleiht. Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Feiertag.

 

 

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Gründonnerstag, 9.4.2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

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Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

zum Gründonnerstag gehört die Geschichte vom letzten gemeinsamen Mahl von Jesus mit seinen Jüngern und von der Einsetzung des Abendmahls. Da fehlt schon was, wenn wir neben den Gedanken und Geschichten nicht die Feier des Abendmahls erleben und in den Gaben von Brot und Wein die Gegenwart von Jesus.

Dieses Jahr ist alles anders. Wir werden uns mit Gedanken und Geschichten und Gebeten und Liedern begnügen. Und spüren in diesen Tagen doch besonders deutlich, was damals in der Geschichte von Jesus spürbar war: Wie wichtig die Menschen sind, die uns vertraut sind, denen wir offen und ungeschützt begegnen können: Alle die Menschen, die uns freundschaftlich und in Liebe verbunden sind und uns durch unser Leben begleiten.

 

Lasst uns beten:

Es tut gut, Gott, Freunde zu haben.

Freunde, auf die Verlass ist,

Freunde, mit denen wir unsere Siege und Niederlagen teilen können.

Sie bilden das Netz, in dem unsere Lebensgeschichten getragen sind.

Was wären wir ohne solche Beziehungsnetze.

Wie könnten wir die Krisen unseres Lebens ohne sie bewältigen.

Lass uns spüren, dass Jesus auch so ein Knoten in unserem Netz ist.

Dass er mit drin ist.

Nicht als einer unter vielen.

Er verbindet uns mit allen, die mit ihm verbunden sind.

Zum Netzwerk des Glaubens.

In dem wir auch in schweren Zeiten verbunden bleiben

Füreinander einstehen, miteinander tragen und ertragen und das Leben mit allen seinen Facetten teilen. Amen.

 

Schriftlesung Lk 22,7-20 Das Abendmahl

7 Es kam nun der Tag der Ungesäuerten Brote, an dem man das Passalamm opfern musste. 8 Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin und bereitet uns das Passalamm, damit wir's essen. 9 Sie aber fragten ihn: Wo willst du, dass wir's bereiten? 10 Er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr hineinkommt in die Stadt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug; folgt ihm in das Haus, in das er hineingeht, 11 und sagt zu dem Hausherrn: Der Meister lässt dir sagen: Wo ist der Raum, in dem ich das Passalamm essen kann mit meinen Jüngern?

12 Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der mit Polstern versehen ist; dort bereitet es. 13 Sie gingen hin und fanden's, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passalamm. 14 Und als die Stunde kam, setzte er sich nieder und die Apostel mit ihm. 15 Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Passalamm mit euch zu essen, ehe ich leide. 16 Denn ich sage euch, dass ich es nicht mehr essen werde, bis es erfüllt wird im Reich Gottes. 17 Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmt ihn und teilt ihn unter euch; 18 denn ich sage euch: Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt. 19 Und er nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. 20 Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund1 in meinem Blut, das für euch vergossen wird!

Lied 430,1-4 Gib Frieden, Herr, gib Frieden

 

1. Gib Frieden, Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf.

Recht wird durch Macht entschieden, wer lügt, liegt obenauf.

Das Unrecht geht im Schwange, wer stark ist, der gewinnt.

Wir rufen: Herr, wie lange? Hilf uns, die friedlos sind.

 

2. Gib Frieden, Herr, wir bitten! Die Erde wartet sehr.

Es wird so viel gelitten, die Furcht wächst mehr und mehr.

Die Horizonte grollen, der Glaube spinnt sich ein.

Hilf, wenn wir weichen wollen, und lass uns nicht allein.

 

3. Gib Frieden, Herr, wir bitten! Du selbst bist, was uns fehlt.

Du hast für uns gelitten, hast unsern Streit erwählt,

damit wir leben könnten, in Ängsten und doch frei,

und jedem Freude gönnten, wie feind er uns auch sei.

 

4. Gib Frieden, Herr, gib Frieden: Denn trotzig und verzagt

hat sich das Herz geschieden von dem, was Liebe sagt!

Gib Mut zum Händereichen, zur Rede, die nicht lügt,

und mach aus uns ein Zeichen dafür, dass Friede siegt.

Text: Jürgen Henkys (1980) 1983 nach dem niederländischen »Geef vrede, Heer, geef vrede« von Jan Nooter 1963

Melodie: Befiehl du deine Wege (Nr. 361)

 

Predigt über 2. Mose 12,1-14 Einsetzung des Passafestes

Der Predigttext für diesen Gründonnerstag geht zurück in die Tradition des Volkes Israel. Aus der Knechtschaft in Ägypten hat Gott sich sein Volk erwählt. Er hat Mose berufen, sein Volk in die Freiheit zu führen. Sie erinnern sich. Das war nicht so einfach. Der Pharao schätzte die Arbeitskraft seiner Sklaven und wollte sie nicht ziehen lassen. Es brauchte viele Plagen, bis der Pharao bereit war dieses Sklavenvolk in die Freiheit zu entlassen. Diese Urerfahrung Israels spiegelt sich im Passahmahl wider, von seiner Einsetzung als Mahl des Aufbruchs und der Bewahrung und als Mahl der Erinnerung, das diese Befreiungstat Gottes im Bewusstsein hält. Die Tradition Israels und die Geschichte des Leidens von Jesus verschränken sich am Sederabend. Als die Israeliten ihr Passah feierten, da entstand unser Abendmahl. So hören wir hinein in die Einsetzung des Passahmahls in 2. Mose 12,1-14:

1 Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: 2 Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen. 3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. 4 Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er's mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können. 5 Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier, ein Jahr alt. Von den Schafen und Ziegen sollt ihr's nehmen 6 und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. 7 Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und die obere Schwelle damit bestreichen an den Häusern, in denen sie's essen, 8 und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen. 9 Ihr sollt es weder roh essen noch mit Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten mit Kopf, Schenkeln und inneren Teilen. 10 Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr's mit Feuer verbrennen. 11 So sollt ihr's aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es essen als die, die hinwegeilen; es ist des HERRN Passa. 12 Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter, ich, der HERR. 13 Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage. 14 Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

Bis heute feiern die Juden das Passafest. Es hat sich seitdem verändert und wurde mit einer festen Liturgie ausgestaltet, bei der die Bedeutung der Speisen auf dem Tisch und der Grund dieses Essens in einem fröhlichen Frage- und Antwortspiel erklärt werden. Der Jüngste fragt und die Familie antwortet. Und die Befreiungstat Gottes steht im Raum. Ein Fest der Freude, ein Fest der Dankbarkeit, ein Fest, das auch den Ursprung festhält, gegen alle Überheblichkeit: Wir waren Sklaven in Ägypten. Mit diesem Aufbruch fing alles an, ein Weg in die Freiheit, ein Weg durch eine wechselhafte Geschichte, und immer wieder die Erinnerung an die Begleitung und Gegenwart Gottes, die hineinwirkt in den Lauf der Dinge.

Auch Jesus feiert mit seinen Jüngern dieses Passamahl. Aber er feiert es nicht in der gewohnten Form, er feiert nicht die Rettung durch das Blut des Lammes an den Türpfosten, nicht das Vorübergehen des Unheils wie damals.

Jesus gibt dem Fest eine andere Richtung. Er macht es zu einer wichtigen Station auf seinem Weg. Er macht deutlich: Es wird kein glanzvoller Weg. Es wird ein Weg, der ins Leiden führt.

Er bereitet seine Jünger auf die Zeit vor, in der er nicht mehr bei ihnen ist. Auf die Zeit, in der es kein Feiern mehr gibt. Abschied liegt in der Luft. Er ahnt wohl, dass dies ihre letzte gemeinsame Mahlzeit ist. Und wie wichtig Freunde für uns sind, wird uns in diesen Tagen bewusst. Wie wertvoll all die kleinen Zeichen der Freundschaft geworden sind, die uns spüren lassen: Da denkt jemand an mich, wie gut das tut. Wie schön das wäre beieinander zu sitzen.

Jesus weiß: Seine Jünger brauchen die Kraft der Erinnerung an alles, was sie mit ihm erlebt haben. Das ist die Quelle, aus der sie schöpfen können, wenn er nicht mehr da ist. Das bringt sie mit der Kraft in Verbindung, aus der er gelebt hat. Das hält die besonderen Momente und intensiven Erlebnisse wach, in denen sie die Macht Gottes gespürt haben, aus der Jesus gehandelt hat.

Bei der Eröffnung des Mahls als Jesus das Dankgebet für das Brot spricht, erzählt er nicht vom Brot des Elends, das die Väter in Ägypten aßen. Er sagt: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.

Und beim Dank für den ersten Becher Wein sagt er: Trinket alle daraus. Das ist mein Blut des neuen Bundes.

Mit Jesus fängt etwas Neues an. Und die Grunderfahrung dieses Neuen wird nicht die Befreiung aus der Sklaverei sein, sondern die Befreiung aus der Macht des Todes, die mit dem Tod von Jesus ihren Lauf nimmt.

Der neue Bund bekommt sein Zeichen. Brot und Wein.

Geteiltes Brot ist wie geteiltes Leben. In Fleisch und Blut bin ich nicht mehr unter euch, so gibt Jesus seinen Jüngern zu verstehen, aber wenn ihr bei Brot und Wein eure Sorgen oder eure Freude teilt, eure Nöte und eure Möglichkeiten, dann bin ich unter euch.

Dann erinnert euch an die Kraft Gottes, die ihr so wunderbar erlebt habt. Eine Kraft, die Wunden heilen lässt, eine Kraft, die Menschen zusammen führt, eine Kraft, die Zerstrittene versöhnt, eine Kraft, die mit Gott so untrennbar verbindet, dass uns nicht einmal der Tod von ihm scheiden kann.

Jesus legt diese Erfahrungen in diesen Bissen Brot und in diesen Becher Wein. Mit dieser Erinnerung überwindet ihr jede Trennung und jeden Zweifel.

Wir können heute nicht Brot und Wein teilen. Aber wir können uns zu einem Gebet zusammenschließen. Jeden Tag, wenn die Glocken läuten und wissen, wir sind nicht allen. Wir gehen mit Abstand, aber uns leitet die gleiche Hoffnung. Wir gehen unseren Weg als Weg als Weg des Glaubens, solidarisch mit allen, die uns verbunden sind in unserem Beziehungsnetz und mit allen, die uns brauchen. Amen.

 

Wir beten

Hilf uns aus unserem Glauben zu leben.

Aus der Gemeinschaft, die uns stark macht,

aus deiner Gegenwart in Brot und Wein.

Schenk uns die Kraft, dem Leiden und der Not der Menschen zu begegnen,

ohne uns abzuwenden, dass wir mit ihnen durchstehen, was nicht zu ändern ist.

Dass wir mit ihnen anpacken und zum Guten wenden, was wir ändern können

Und dass wir nicht müde werden,

weil du uns auch Phasen der Ruhe und der Besinnung schenkst,

Zeiten, in denen Gebete zu Quellen werden, aus denen wir schöpfen

Und zu besonderen Momenten, in denen wir deine Gegenwart spüren.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segensbitte NL 30 durch das Dunkel hindurch

1. Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell. Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell. So hell soll auch die Erde sein, steht auf, steht auf, steht auf, so hell soll auch die Erde sein, steht auf!

2. Durch das Dunkel hindurch dringt ein neues Wort. Durch das Dunkel hindurch dringt ein neues Wort. Das Wort wird uns zur Zuversicht, steht auf, steht auf, steht auf, das Wort wird uns zur Zuversicht, steht auf!

3. Durch das Dunkel hindurch führt ein neuer Weg. Durch das Dunkel hindurch führt ein neuer Weg. Der Weg wird unsre Zukunft sein, steht auf, steht auf, steht auf, der Weg wird unsre Zukunft sein, steht auf!

4. Durch das Dunkel hindurch stärkt ein Bissen Brot. Durch das Dunkel hindurch stärkt ein Bissen Brot. Das Brot soll unser Zeichen sein, steht auf, steht auf, steht auf, das Brot soll unser Zeichen sein, steht auf!

Text: Hans-Jürgen Netz. Melodie: Christoph Lehmann. © tvd-Verlag, Düsseldorf

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Feiertag.

 

 

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6. Sonntag in der Passionszeit, Palmsonntag, 5.4.2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

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Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

 


Liebe Leserinnen und Leser,

Heute wollten wir eigentlich mit dem Palmsonntag auch die Feier der Goldenen und Diamantenen Konfirmation verbinden. Wie vieles andere in diesen Tagen sind auch diese Feiern abgesagt. Es ist wohl nicht die Zeit des Wiedersehens und des Feierns, und doch eine Zeit der Solidarität. Das Gemeinwohl ist wichtiger als meine Bedürfnisse. Das leben wir in diesen Tagen mit Dankeschön-Aktionen und Anerkennen für die, deren Arbeit wir sonst selten wahrgenommen haben. Unsere Dankbarkeit wird öffentlich sichtbar, wie die Solidarität, die wir leben und die Kreativität zu der uns diese Tage locken.

Heute ist Palmsonntag, der Sonntag hat seinen Namen von der Geschichte, die davon erzählt wie Jesus in Jerusalem eingezogen ist. Er reitet auf einem Esel. Das Volk jubelt, sie legen Palmzweige und Kleider auf den Weg, damit Jesus nicht den Staub der Straße abbekommt. Jetzt wird öffentlich sichtbar, was sich seither beispielhaft da und dort erkennen ließ. Der Anspruch von Jesus, der Messias, der Gesalbte Gottes zu sein, in dessen Hand, wenn auch noch unsichtbar, alle Macht liegt.

Lasst uns beten:

Wir stehen vor dir, Gott.

Wir schauen zurück. Was haben wir nicht alles schon erlebt,

wir haben Herausforderungen bestanden

Schwierige Aufgaben bewältigt

Wir haben uns eingebracht.

Jeder an seiner Stelle, mit seinen Möglichkeiten.

Und vieles konnte uns nur gemeinsam gelingen.

Wir bitten dich in diesen Tagen,

zeige uns, was unser Beitrag sein kann,

damit wir die gegenwärtigen Herausforderungen und Einschränkungen bestehen können.

Stärke unsere Solidarität und unser Durchhalten.

Erhalte uns unsere Geduld und unsere Zuversicht, unser Hoffen und Vertrauen. Amen.

EG 272 Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen

 Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen. / Erzählen will ich von all seinen Wundern / und singen seinem Namen. / Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen. / Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir! / Halleluja! / Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir! / Halleluja

Je louerai l'Eternel de tout mon cœur, / Je raconterai toutes tes merveilles, / Je chanterai ton nom. / Je louerai l'Eternel de tout mon cœur,/ Je ferai de toi le sujet de ma joie. / Alléluia! / Je ferai de toi le sujet de ma joie. / Alléluia!

Text: nach Psalm 9,2.3; Melodie: Claude Fraysse 1976

 

Predigt

Heute erinnern wir uns also an die Geschichte wie Jesus in Jerusalem einzieht. Jesus hatte seine Jünger geschickt. Und wie er gesagt hat, finden sie einen jungen Esel und bringen ihn zu Jesus. Der zieht auf dem Esel wie ein König in Jerusalem ein. Hosianna, rufen sie, was eigentlich so viel heißt wie „Hilf doch“. Aber hier klingt es schon wie ein Jubelruf. Hilf doch, du Davidssohn. Einen wie König David sehen sie in ihm, der das Land eint und wieder zu seiner alten Größe führt. Unabhängig und frei, eine angesehene Macht. Sie schneiden Zweige und legen sie auf den Boden, ihre Kleider legen sie auf den Weg. Sie setzen ihre ganze Hoffnung auf ihn. Er soll den Staub der Straße nicht abbekommen. Und wieder und wieder jubeln sie ihm zu: Hosianna, gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn.

Triumphal reitet er in die Hauptstadt ein, er geht hinauf zum Tempel und schaut sich alles an. Dann zieht er sich zurück, geht nach Betanien, 2.7 km südöstlich von Jerusalem, östlich vom Ölberg. Betanien, übersetzt würde das „Armenhausen“ heißen.

Er ist bei Simon zu Gast. Dort ereignet sich folgende Szene: (Mk 14,3-9)

3 Und als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

 

Bei uns sind zurzeit alle Feiern abgesagt, sogar die Gottesdienste. Solidarität ist angesagt, neue Formen eines Miteinanders auf Distanz, wir übernehmen Verantwortung füreinander, wir halten Abstand, wir halten Hygienemaßnahmen ein, wir vermeiden Kontakte, und das alles um dazu beizutragen, dass sich die Kurve abflachen kann. Wir finden unsere Rituale – den täglichen Spaziergang, das Achten auf das Glockengeläut, unsere Gebete, sie geben eine wohltuende Struktur für diese Tage, in denen jeder seinen Beitrag leisten muss zum Wohl aller und besonders derer, die besonders gefährdet sind.

Vielen fällt es nicht leicht in der häuslichen Nähe, manche leiden darunter. Die Kontakte fehlen, das vertraute Miteinander in Schule und Freundeskreis und Freizeit, das fröhliche Miteinander bei Festen. Ich habe meinen Geburtstag dieses Jahr in Ruhe mit meiner Frau gefeiert – nicht wie sonst mit einem offenen Haus.

 

Unser Abschnitt aus der Passionsgeschichte setzt einen ganz anderen Akzent. Da setzt sich eine über die Regeln der Tage hinweg. Die Tage um das Passafest sind Tage der Solidarität und des gegenseitigen Achtens, Tage, in denen man die Armen unterstützt und würdigt. Ausgerecht an diesem Ort, der übersetzt „Armenhausen“ heißt. Simons Haus war offen. Auch als sie zu Tisch saßen. Ungebeten, aber auch ungehindert kam sie herein, diese Frau, von der wir sonst nichts wissen. Sie bringt ein Geschenk. Es kommt von Herzen kommt. Wertvollstes Nardenöl, wohlduftendes Parfüm. Sie öffnet das Fläschchen und gießt es über Jesus aus. Der Duft erfüllt den Raum. Die Frau setzt ein Zeichen hingebungsvoller Liebe. Sie erwartet nichts dafür.

Unverständlich für Manche.

Solidarität sieht anders aus. Das gehört sich nicht. Mit dem Wert dieses Salböls – immerhin der Jahreslohn eines Arbeiters, hätte man viel Not lindern können. Wie es sich in diesen Tage gehört.

Aber hier, am Anfang der Passionsgeschichten geht es ausnahmsweise einmal nicht um das Miteinander in der Gesellschaft, nicht um die Integration derer, die am Rande stehen. Nicht um die beiden Pole, die Jesus so gern verbindet: das Heil und das Wohl der Menschen. Hier geht es einzig darum, den Weg von Jesus zu verstehen.

Die Frau, die da kommt, wird nicht näher beschrieben. Sie kommt und tut, was ihr am Herzen liegt. Sie gibt aus ganzem Herzen, aus reiner Liebe, ohne Hintergedanken. Ohne dafür etwas zu erwarten. Aus reiner Liebe. Sie hat kein Mandat und doch wird ihr Tun für viele zu einer bleibenden Zeichenhandlung. Sie salbt sie den König der Herzen, salbt ihn, wie die Propheten Männer wie David zu Königen salbten, lange bevor die Welt ihr Königtum sah.

Sie öffnet den Blick weit in die Passionszeit. Sie zeigt Jesus als den Gesalbten, den Messias, der helfen kann, den Retter, den sie erwarteten. Sie weist Jesus als König aus, aber nicht als ein König, der mit Macht seine Herrschaft antritt, sondern als ein König der Herzen, der mit Liebe die Herzen der Menschen gewinnt.

Er kommt nicht als der Messias, der sein Volk von der Fremdherrschaft der Römer und den auferlegten Steuerlasten befreit. Er kommt nicht als der Messias, der ihren Nationalstolz wieder aufpoliert und ihnen eine respektable Stellung im Kreis der Volker verschafft.

Er kommt als ein Messias, der von dieser vorbehaltlosen Liebe geleitet ist, der Frieden und Versöhnung bringt. Er kommt als ein Messias, ein König der Herzen und der Liebe, dessen Herrschaft erst im Rückblick sichtbar wird.

Sie zeigt Jesus aber auch schon am Anfang als den Gesalbten, auf den das Leiden wartet, nun trägt Jesus zeichenhaft schon das Salböl des Verstorbenen an sich. Jeder kann sehen, wohin sein Weg ihn führt.

Sein Weg der Liebe führt ihn in Leiden und Tod. Aber sein Leib und die Hoffnung werden nicht dem Verfall preisgegeben. Jesus ist todgeweiht und wird doch er den Tod überwinden. Aus seinem Sterben wird sich neues Leben öffnen.

Für ihn und für uns alle, die im Glauben mit ihm verbunden sind. Er öffnet auch für uns eine große Zukunft, weil unser Glaube mehr ist als Moral und Vernunft, mehr als das „zur rechten Zeit am rechten Ort das Richtige tun.“

Unser Glaube ist neben aller vernünftigen Verhaltensweisen eben auch geprägt von diesen Momenten, in denen wir das Alltägliche und das Besondere voneinander unterscheiden, und das Besondere zulassen. Vielleicht mit dem einen oder anderen seltenen Moment verschwenderischer Ergriffenheit, in dem wir das Leben in seiner größtmöglichen Intensität spüren. Er öffnet uns eine große Zukunft, erfüllt von seinem Geist der Liebe, der auch uns hingebungsvoll geben und schenken lässt, was wir haben: Aufmerksamkeit und Zeit, Engagement und Geld, Worte des Trostes und der Hoffnung, die Not mit ertragen, Geduld und Zuversicht auch in schwierigen Zeiten.

Im Glauben hat diese Zukunft Gottes mit uns schon begonnen. Wir können sie gestalten. Viel intensiver als wir uns zutrauen. Im Alltäglichen und im Besonderen. Und in Beiden zählt die Liebe. Amen.

 

Lasst uns singen, laut oder leise, allein oder als Kanon:

NL 68 Lobe den Herrn meine Seele

 

Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen. Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele. Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.

1. Der meine Sünden vergeben hat, der mich von Krankheit gesund gemacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

2. Der mich im Leiden getröstet hat, der meinen Mund wieder fröhlich macht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

3. Der mich vom Tode errettet hat, der mich behütet bei Tag und Nacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

4. Der Erd und Himmel zusammenhält, unter sein göttliches Jawort stellt, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

Text (nach Psalm 103), Kanon für 2 Stimmen und Melodie: Norbert Kissel. © SCM Hänssler, Holzgerlingen

 

Wir beten

Lass uns in dir, Gott,

den König der Herzen finden,

der mit Liebe die Herzen der Menschen für sich gewinnt

Hilf uns aus dieser Liebe zu leben

Und solidarisch sein

Im Abstand halten,

in der Rücksichtnahme

im Füreinander-da-sein.

Und lass uns im Alltäglichen

die ganz besonderen Momente

entdecken und ausleben

die uns das Verständnis öffnen

und Orientierung geben

die unseren Glauben und unsere Hoffnung

stärken und unsere Liebe tatkräftig werden lassen.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

 

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5. Sonntag der Passionszeit, Judica, 29.3.2020

Gottesdienstliche Gedanken von Christina Beck

 

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Orgelmusik von Bernd Stäb: Gott des Himmels und der Erde (EG 445)

 

1. Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und Heilger Geist, der es Tag und Nacht lässt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt, und was drinnen ist erhält:

2. Gott, ich danke dir von Herzen, dass du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen hast behütet und bewacht, dass des bösen Feindes List mein nicht mächtig worden ist.

5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein.

6. Meinen Leib und meine Seele samt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigentum.

7. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschlag von mir wende und mich halt in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh trage nach dem Himmel zu.

Text und Melodie: Heinrich Albert 1642

 

Liebe Leserinnen und Leser, 

ein weiterer Sonntag ohne Gottesdienstfeier in der Kirche – so grüße ich Sie in Ihren Wohnungen und Häusern: 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen. 

 

Orgelmusik von Bernd Stäb: AMEN

 

„Schaffe mir Recht, Gott“ – das ist die Überschrift, die über dem heutigen 5. Sonntag in der Passionszeit steht. Leiden und Tod sind in der Welt eine grausame Wirklichkeit. Aber Gott ist ein Gott, der Gerechtigkeit will, den Unterdrückten und Leidenden zur Seite steht. Deshalb ist er in Jesus zu uns gekommen, nicht, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. (Matth 20,28)

In seiner Liebe und in der Hoffnung an ihn sind wir vereint, auch wenn wir getrennt sind.

Lasst uns beten 

Herr, unser Gott,

wir kommen vor dich mit allem, was uns bewegt.

Wir müssen auf Abstand gehen zu denen, die wir mögen. 

Fragen und Sorgen treiben uns um.

„Ich bin, der ich bin da“, hast du versprochen. 

Wir rufen dich bei deinem Namen und bitten dich:

Komm und sei, der du bist:

Komm und sei: „Ich bin da!“

Amen.

 

Lasst uns singen, laut oder leise: Holz auf Jesu Schulter (EG 97)

Orgelmusik von Bernd Stäb: Holz auf Jesu Schultern

 

1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

3. Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht. Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht! Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

4. Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht. Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

5. Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu. Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du? Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

6. Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr, ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Text: Jürgen Henkys (1975) 1977 nach dem niederländischen »Met de boom des levens« von Willem Barnard 1963

Melodie: Ignace de Sutter 1964

 

Predigt:

Ich habe neulich einen Artikel gelesen mit der Überschrift: „Die Welt nach Corona“. Darin bringt der Autor die Überzeugung zum Ausdruck, dass es historische Momente gibt, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Solch historische Momente sind Tiefenkrisen, von deren Ausgangspunkt an die Welt, wie wir sie kennen, sich auflöst und für immer verändert.

 

Ein Moment solch historischen Ausmaßes ist, woran wir uns jedes Jahr in der Passionszeit und an Ostern erinnern: das Leiden und Sterben Jesu und seine Auferstehung von den Toten. Für uns Christen sind diese Ereignisse um den Mann aus Nazareth ein Wendepunkt unseres Menschen- und Gottesbildes. Hinter diesen Punkt können wir aus unserer Perspektive nicht mehr zurück – das gilt auch für den Verfasser unseres heutigen Predigttextes, der die Nachfolge im Leiden Christi thematisiert:

DARUM HAT JESUS DRAUßEN VOR DEM TOR GELITTEN, DAMIT ER DAS VOLK HEILIGE DURCH SEIN EIGENES BLUT. 

Ohne Ostern wäre diese Geschichte vom Leiden Jesu genauso unerträglich wie jede andere Geschichte eines Menschen der leidet unter Hunger, Verfolgung, Gewalt, Krankheit oder Tod. 

Das Leiden Christi entfaltet erst aus der Sicht von Ostern seine tröstende Kraft. 

DARUM HAT JESUS DRAUßEN VOR DEM TOR GELITTEN, DAMIT ER DAS VOLK HEILIGE DURCH SEIN EIGENES BLUT. SO LASST UNS NUN ZU IHM HINAUSGEHEN VOR DAS LAGER UND SEINE SCHMACH TRAGEN. DENN WIR HABEN HIER KEINE BLEIBENDE STADT, SONDERN DIE ZUKÜNFTIGE SUCHEN WIR.

Durch Ostern können wir eine neue Welt erahnen, eine Welt wie sie in der Offenbarung nach Johannes beschrieben wird: Dort wird keine Krankheit mehr sein, dort wird es keinen Tod mehr geben, kein Geschrei und kein Leid. Und Gott wird abwischen alle Tränen der Einsamkeit, der Angst, der Trauer und Verzweiflung. Noch können wir von DIESER ZUKÜNFTIGEN STADT nur träumen, da wir sie nicht scharf sehen. Aber egal wie unsicher auch der nächste oder übernächste Schritt auf unserem Weg sein mag, das Ziel ist klar.

Ein solche Tiefenkrise, von deren Ausgangspunkt an die Welt, wie wir sie kennen, sich auflöst und für immer verändert, vollzieht sich auch gerade: Was bis vor Kurzem noch selbstverständlich war, ist plötzlich undenkbar. Was undenkbar war, ist plötzlich Realität. Von diesem Moment aus wird es kein Zurück geben in ein „davor“, in einen Zustand ohne Corona. Selbst wenn an einem Tag in der Zukunft ein Impfstoff oder Medikamente zur Behandlung der durch den Coronavirus verursachten Erkrankungen gefunden wurde, so werden sich einige Gewissheiten und Selbstverständlichkeiten aufgelöst haben. 

Dahinter aber fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest schon erahnen können:

Eine Welt, in der es doch irgendwie möglich ist uns schon heute fundamental zu beschränken, damit zukünftige Generationen ein Klima vorfinden, in dem es sich noch leben lässt. 

Eine Welt, in der mich die räumliche Distanz auch näher gebracht hat zu meinen Nächsten, wie dem Nachbarn, den ich vorher nicht kannte und für den ich jetzt einkaufen gehe oder der alten Freundin, mit der ich endlich mal wieder ausgiebig telefonieren konnte, weil der hektische Alltag zur Ruhe gekommen ist.

Eine Welt, in der sich zeigt, was wir gemeinsam schaffen können und was passiert, wenn wir rücksichtsvoll und achtsam miteinander umgehen. 

Das ändert nun nichts daran, dass wir HIER und JETZT noch nicht in dieser Zukunft leben. HIER und JETZT spüren wir – ganz anders als sonst – wie fragil unsere Systeme, unsere Gesellschaft und unser Leben ist, in dem wir uns eingerichtet haben. Wir stoßen an unsere Grenzen, weil wir nicht oder nur zu einem kleinen Teil in der Hand haben, ob wir Menschen – ohne es zu wollen und trotz aller Vorsicht – angesteckt haben. 

Die Menschen, die zur biblischen Zeit VOR DIE TORE DER STADT verfrachtet wurden, das waren die Kranken, die Aussätzigen, die Ansteckenden und alle, die im normalen Alltag keinen Platz mehr hatten, die gefährlich fürs eigene Leben waren. Heute sind diese Menschen mitten in der Stadt, doch gesehen werden sie auch da nur selten. 

Und auch ganz ohne Corona fallen mir Menschen ein wie Du und Ich, die am kürzeren Hebel saßen als in ihrem Leben wichtige Weichen gestellt wurden oder die Züge haben abfahren sehen in ihrem Leben, die sie gerne erreicht hätten. Menschen, die aus Liebe zum Mitmenschen sich selbst ganz aus den Augen verloren haben. Oder Menschen, die verzweifelt versuchen, die brüchigen Stellen in ihrem Leben zusammenzuhalten, niemanden sehen zu lassen, wie dunkel, wie einsam, wie verlassen es in ihnen aussieht. 

Und dann lese ich den Predigttext: JESUS HAT DRAUßEN VOR DEM TOR GELITTEN. SO LASST UNS NUN ZU IHM HINAUSGEHEN VOR DAS LAGER.

Es ist ein Wink mit dem Evangeliums-Zaunpfahl: Geh raus vor die Tore der Stadt!

Sieh: Jesus ist dort, wo die Not am größten ist. Er ist bei den Menschen, die abgesondert und allein sind, die nicht mehr berührt und besucht werden dürfen, die nur noch vermummte Menschen sehen.

Und sieh doch: Er ist dort, um wieder heil zu machen, was zerbrochen ist; um gesund zu machen, wer krank ist; um aufzurichten, wer traurig und kraftlos ist.

Geh raus vor die Tore der Stadt!

Sieh: dort ist Golgatha – dort hängt Jesus am Kreuz.

Und sieh doch: Er trägt euer Leid, eure Fragen. Er kennt eure Schmach. Vor allem trägt er die Verantwortung auf seinen Schultern.

Und ich sehe: Jesus folgt mir nach. Er sucht mich auf unter den Bedingungen, die mir zu schaffen machen. Er sucht mich auf, wo ich im „Abseits“ stehe, wo ich mich meinem eigenen Leben entfremdet habe. Er sucht mich auf in den Situationen, in denen ich mich nicht arrangieren kann mit den Umständen. Er sucht mich auf, wenn ich nicht teilhaben kann an dem, was andere eine „Gegenwart mit Zukunft“ nennen.

Er sucht mich auf wo ich rufe: Herr, schaffe mir Recht! Schaffe uns Recht! Schaffe Recht im Leid und in der Ungerechtigkeit dieser Welt! 

Amen.

 

Wir beten

Herr, unser Gott, wir leben in der Gegenwart und es schmerzt, wenn wir spüren, wie ohnmächtig und endlich wir sind, wenn wir merken, dass wir hier keine bleibende Stadt haben. In die Zukunft können wir nicht sehen, wir können uns nur in sie hineinträumen. Aber ach, Gott, wie froh bin ich, dass du uns nicht allein lässt. Du bist um uns mit deinem Segen und Trost, auch wenn die Wege dunkel erscheinen. Wir sind nur kleine Menschen – aber wir sind deine Menschen. Du hast uns immer schon geliebt. 

Darauf hoffe ich – und darum bitte ich dich, Herr: Hilf uns dabei, schon während der Krise Chancen zu entdecken und die richtigen Wege einzuschlagen. Gib uns Kraft und segne, was wir tun. 

Du bist der, der alle Geschicke der Welt lenkt. Nimm uns unsere Angst.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lasst uns singen, laut oder leise: Von Gott will ich nicht lassen (EG 365)

Orgelmusik von Bernd Stäb: Von Gott will ich nicht lassen  

1. Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir, führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte sehr. Er reicht mir seine Hand; den Abend und den Morgen tut er mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land.

2. Wenn sich der Menschen Hulde und Wohltat all verkehrt, so find’t sich Gott gar balde, sein Macht und Gnad bewährt. Er hilft aus aller Not, errett’ von Sünd und Schanden, von Ketten und von Banden, und wenn’s auch wär der Tod.

3. Auf ihn will ich vertrauen in meiner schweren Zeit; es kann mich nicht gereuen, er wendet alles Leid. Ihm sei es heimgestellt; mein Leib, mein Seel, mein Leben sei Gott dem Herrn ergeben; er schaff’s, wie’s ihm gefällt!

4. Es tut ihm nichts gefallen, denn was mir nützlich ist. Er meint’s gut mit uns allen, schenkt uns den Herren Christ, sein’ eingebornen Sohn; durch ihn er uns bescheret, was Leib und Seel ernähret. Lobt Gott im Himmelsthron!

7. Obwohl ich hier schon dulde viel Widerwärtigkeit, wie ich auch wohl verschulde, kommt doch die Ewigkeit, ist aller Freuden voll, die ohne alles Ende, dieweil ich Christus kenne, mir widerfahren soll.

8. Das ist des Vaters Wille, der uns geschaffen hat. Sein Sohn hat Guts die Fülle erworben uns und Gnad. Auch Gott der Heilig Geist im Glauben uns regieret, zum Reich der Himmel führet. Ihm sei Lob, Ehr und Preis!

Text: Ludwig Helmbold 1563, Nürnberg 1569

Melodie: Lyon 1557; geistlich Erfurt 1563

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes: 

Der Herr segne euch und behüte euch. 

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch 

und sei euch gnädig. 

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

 

Orgelmusik von Bernd Stäb: AMEN, AMEN, AMEN

 

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4. Sonntag der Passionszeit, Lätare, 22.3.2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

 

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Liebe Leserinnen und Leser,

In diesen ungewöhnlichen Zeiten, in denen der soziale Abstand das Gebot der Stunde ist, grüße ich Sie von zu Hause aus. Heute ist schon der 2. Sonntag, an dem wir in unserer Kirche keinen Gottesdienst feiern. Aber wir bleiben verbunden im Glauben und Hoffen, in der Sorge und in der Zuversicht. Wir denken aneinander und beten füreinander. Wir schließen uns im Glauben zusammen, wir sind uns nah, auch wenn wir getrennt sind.

Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

 

Orgelmusik von Bernd Stäb: AMEN

 

Lasst uns beten

Wir suchen deine Nähe, Gott

Wir sehnen uns nach einer starken Hoffnung und einem Glauben, der uns trägt.

Mitten in der Unsicherheit dieser Tage suchen wir Geborgenheit

So vieles hat sich verändert in diesen Tagen.

Das distanzierte Miteinander ist ungewohnt

Und wir wissen nicht wie lange das noch dauern wird.

Schenke uns Geduld und Zuversicht.

Innere Ruhe und einen klaren Blick,

was wir zum Gelingen dieser Tage beitragen können.

Lass uns nicht los.

Wir hoffen auf dich.

Amen

 

Lasst uns singen, laut oder leise: Korn, das in die Erde

Orgelmusik von Bernd Stäb: Korn, das in die Erde

 

 

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,

Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,

 

 

Predigt:

Heute ist der 4. Sonntag der Passionszeit. Erinnern Sie sich noch an den Anfang? Da sind wir aufgebrochen mit einem Motto für diese 7 Wochen: Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus. Das ist gar nicht so leicht in diesen Tagen, in denen wir mitten in der Coronakrise stecken und Ausgangsbeschränkungen beschlossen wurden. Was wird werden? In meinem Fastenkalender hat die 4. Woche die Überschrift: Ich hoffte auf Licht, und es kam Finsternis. Manche mögen diese Tage so empfinden, in denen wir auf Abstand zueinander gehen müssen, um die Zahl der Infizierten nicht zu schnell ansteigen zu lassen.

Ich habe in meinem Kalender ein paar kurze Texte gefunden, die ich Ihnen weitergeben will: „Du bist viel weniger verlassen und vergessen, als du es wähnst, du bist von vielen umgeben, die deiner warten, aber du glaubst es nicht in der Stunde, welche du Verzweiflung nennst.“ Schreibt Carmen Sylva. Und ja, bei mir hat in den letzten Tagen ständig das Telefon geklingelt. „Wie geht es euch?“ „Braucht ihr was vom Einkaufen?“ „Soll ich euch was mitbringen?“ Eine rief an: Wenn du jemand weißt, der jetzt Hilfe braucht: Ich habe Zeit. Sag mir Bescheid.“ Ich gebe die Nummer gerne weiter. Sie müssen sich nur bei mir im Pfarramt melden.

Und noch ein Text: Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond. Schreibt Mascha Kaléko. Und ja, da sind diese lichten Momente, in denen Freunde sich melden und erzählen, clips und Filmchen schicken und Anteil nehmen und aus der Ferne ihre Nähe und Verbundenheit spüren lassen.

Tröstliche Gedanken tun uns gut in diesen Tagen. Da will auch der Predigttext aus dem 66., dem letzten Kapitel des Propheten Jesaja seinen Beitrag leisten. Hören wir hinein in diesen Schlussakkord des Propheten in den Versen 10-14:

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. 11 Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. 12 Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. 13 Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. 14 Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.

Die haben´s gut, kam mir als erstes in den Sinn – Gott zeigt ihnen seine mütterliche Seite. Wer hat nicht Erinnerungen und Bilder und Erfahrungen in sich vom Trost einer Mutter, von dieser warmherzigen Nähe, die gut getan hat. Erinnerungen an behütete Tage aus der Kinderzeit. Nach den großen Katastrophen des Lebens braucht es wohl nicht die harte Männlichkeit, sondern die mütterliche Geborgenheit, aus der heraus wir in Neues aufbrechen können. Wie Kinder, die sich abnabeln und selbständig werden und doch diese Geborgenheit in sich tragen. Sie stärkt und tröstet und macht Mut.

Die haben´s gut, dachte ich, denn die können auf die Katastrophe ihrer Geschichte zurückschauen. 70 Jahre haben sie in der Fremde gelebt. Weggeführt, gedemütigt. Ihrer Freiheit beraubt. Jetzt sind sie zurück. Nichts ist mehr wie es war. Es ist ein Neuanfang. Nochmal von vorn, aber diesmal richtig. 70 Jahre – so lange wird es bei uns sicher nicht dauern. Wer weiß, was sich alles verändert. Vielleicht sind ja doch wir besser dran.

Denen, die sich auf Neues einstellen müssen, die ihr Leben in der neuen Situation neu erfinden müssen, denen wird Trost und Wärme und Nähe und Frieden verheißen. Sie packen an und tun, was nötig ist. Und sie erfahren darin die Nähe Gottes, er zeigt ihnen seine mütterliche Seite und sie finden darin die Kraft, die ihnen zuwächst und den Segen, der auf ihrem Tun liegt.

Ich glaube, das ist die Botschaft Gottes an uns in diesen Tagen, dass wir voller Zuversicht und Offenheit anpacken. Jede und jeder mit dem, was er kann. Da lädt unser Kunstprojekt Kinder zum Mitmachen ein – sie finden es auf unserer Homepage, da werden viele Lieder, Gedichte, Filme übers Handy geteilt. Wir bleiben verbunden, wir überwinden die räumliche Trennung mit Kultur und mit Gesprächen über Skype oder übers Telefon. Und wir können das Telefon in die Hand nehmen und um Hilfe bitten, oder Hilfe anbieten, und ruhig bleiben.

Die Geschäfte werden geöffnet bleiben. Wir brauchen nicht mehr als sonst. Lasst uns Rücksicht nehmen auf die, die zu den Risikogruppen gehören und auf die, die am Ende der Kette stehen, als Paketzusteller, als Mitarbeiterin im Supermarkt, als Pflegekraft oder Arzt, als Beschäftigte in den Blaulichtberufen.

Ich glaube, das ist die Botschaft, die uns in diesen Tagen erreichen will, dass wir der verbindenden Kraft des Gebets wieder vertrauen und Gott etwas zutrauen, dass wir beten und tun, was wir können und aus der Ferne Kontakte halten und sehen, dass in dieser Veränderung mehr liegt, als eine gewaltige Herausforderung für unsere ganze Gesellschaft.

Wer weiß, was wir im Rückblick sehen werden. Neuen Respekt gegenüber Politikern, denen es nicht mehr um Ämter geht, sondern um das Wohlergehen der Bürgerinnen und Bürger, die den Experten trauen und über Parteigrenzen hinweg im Bund und in den Ländern die Maßnahmen ergreifen, die für uns alle nötig sind.

Neuen Respekt vor Journalisten, die nicht nach Schlagzeilen suchen, die die Auflage steigern, sondern faktenorientiert informieren und aufklären und dazu beitragen das Falsche und das Richtige auseinander zu halten.

Ein neues Miteinander, gewachsen aus dem Zusammenhalt in diesen Tagen und aus dem Glauben, der uns verbunden hält als eine tatkräftige Gemeinde.

Wer weiß, was auf uns zu kommt. Welche Herausforderungen und Zumutungen noch auf uns warten. Wenn wir uns konsequent an die Vorgaben halten, können wir sie Miteinander bewältigen. Amen.

 

 

 

Wir beten

Wir bitten dich Gott,

lass uns deine mütterliche und tröstende Seite erfahren.

Schenke uns Kraft und Mut, diese Zeit zu bestehen,

voller Anteilnahme und Rücksichtnahme,

voller Kreativität und Aneinander denken,

voller Ideen und Glauben und Hoffen,

Gesundheit hat einen neuen Klang bekommen.

Begegnung hat einen neuen Wert bekommen.

Wir sind nicht allein.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lasst uns singen, laut oder leise: 171,1-4 Bewahre uns Gott

Orgelmusik von Bernd Stäb: Bewahre und Gott

 

1. Bewahre uns, Gott, / behüte uns, Gott, / sei mit uns auf unsern Wegen. / Sei Quelle und Brot / in Wüstennot, / sei um uns mit deinem Segen, / sei Quelle und Brot / in Wüstennot, / sei um uns mit deinem Segen.

2. Bewahre uns, Gott, / behüte uns, Gott, / sei mit uns in allem Leiden. / Voll Wärme und Licht / im Angesicht, / sei nahe in schweren Zeiten, / voll Wärme und Licht / im Angesicht, / sei nahe in schweren Zeiten.

3. Bewahre uns, Gott, / behüte uns, Gott, / sei mit uns vor allem Bösen. / Sei Hilfe, sei Kraft, / die Frieden schafft, / sei in uns, uns zu erlösen, / sei Hilfe, sei Kraft, / die Frieden schafft, / sei in uns, uns zu erlösen.

4. Bewahre uns, Gott, / behüte uns, Gott, / sei mit uns durch deinen Segen. / Dein Heiliger Geist, / der Leben verheißt, / sei um uns auf unsern Wegen, / dein Heiliger Geist, / der Leben verheißt, / sei um uns auf unsern Wegen.

Text: Eugen Eckert (1985) 1987; Melodie: Anders Ruuth (um 1968) 1984 »La paz del Señor«

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

Orgelmusik von Bernd Stäb: AMEN, AMEN, AMEN

 

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Predigt & Andacht - Archiv

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Fr, 18.09.2020
Zum Sonntag: Sei gut, Mensch!
Sei gut, Mensch! So das Thema des diesjährigen Caritas-Sonntags. Diesen Aufruf kann man in verschiedener Weise verstehen. Zunächst ganz schlicht als Wertschätzung des sozialen Engagements, als Ermutigung und Ermunterung, sich für andere einzusetzen.
Oliver Merkelbach
Dekan / Kath. Kirche, Sonstige Dienste

Fr, 18.09.2020
Noch 100 Tage
Ist für Sie das Jahr auch zweigeteilt? In die Zeit vor und nach den Sommerferien? Nur beginnen bei uns die Sommerferien so spät, dass die zweite Hälfte des Jahres ab jetzt nur noch ca. 100 Tage hat. Das ist zugegeben weit weniger als die Hälfte.
Stefanie Henger
Pfarrerin, Evang. Kirchengemeinde Kornwestheim - Pfarramt Heilig-Geist-Kirche

Sa, 12.09.2020
Zum Sonntag: Jeder stehe an dem Platz wo er gewachsen
„Jeder stehe an dem Platz wo er gewachsen. Und erfülle was ihm obliegt! Also halten wir’s im Wald hier.“ Was hat sich der Unbekannte gedacht, der diesen Spruch vor über 100 Jahren in einen Granitblock gemeißelt hat?
Achim Dürr
Pfarrerin, Evang. Kirchengemeinde Remseck - Pfarramt Aldingen Nord - Neckargröningen
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Remseck - Pfarramt Aldingen Süd -
Pfarrer, Evang. Kirchenbezirk LB - Bezirksämter -

Fr, 11.09.2020
Nicht alltäglich
In meinem beruflichen Alltag werde ich einige Male im Jahr auf Schulungen geschickt und darüber hinaus aufgefordert, Weiterbildungskurse zu besuchen.
Frank-Michael Steichele

Sa, 05.09.2020
Zum Sonntag: Sind Sie „Team Fähre“ oder „Team Tunnel“?
Hinein, hinein in diese Röhre, und was waren wir stolz, sie mit nutzen zu können! Hier, im Sommerurlaub an der Westküste Norwegens lag der längste Unterwasser-Tunnel der Welt vor uns. 14,5 Kilometer ist er lang, er wurde erst vor kurzem eröffnet und erlaubte es uns, mit unserem Auto ohne Halt unter dem Fjord vor der Stadt Starvanger durchzufahren.
Martin Wendte
Pfarrer, Citykirche-Ludwigsburg -art-und-weise- -
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Ludwigsburg-Friedenskirche -

Sa, 29.08.2020
Zum Sonntag: Leere und Fülle
Wie leer fühlen Sie sich zurzeit durch die immer wieder neuen Herausforderungen? Oder ist auf der anderen Seite der Alltag gerade besonders an-gefüllt? Liegt in der äußeren Fülle die innere Leere? Oder macht die Leere die neue Fülle aus?
Sabine Horn
Geschäftsführerin, Ökumenische Hospizinitiative

Sa, 15.08.2020
Zum Sonntag: Mit Leib und Seele
Oft sagen wir: „Jemand ist mit Leib und Seele dabei.“ „Mit Leib und Seele“ – damit meinen wir, dass sich jemand ganz und vorbehaltlos für eine Sache einsetzt. Er ist innerlich erfüllt von dem, was er tut. Und indem er dies tut, ist er in seinem Einsatz für andere glaubwürdig.
Oliver Merkelbach
Dekan / Kath. Kirche, Sonstige Dienste

Sa, 08.08.2020
Zum Sonntag: Was im Leben trägt
Ich stehe auf der Enz. Ja, Sie haben richtig gelesen. Dank einer neueren Sportart hat man mit einem Stand-Up-Paddling Board unter den Füßen tatsächlich das Gefühl auf dem Wasser stehen zu können...
Kerstin Gottfried

Fr, 07.08.2020
Glück oder Unglück?
Die Corona-Krise hat auf allen gesellschaftlichen Schichten und Ebenen Auswirkungen. Viele leiden unter der Situation: Arbeitsplätze sind in Gefahr, Pläne können nicht umgesetzt werden, Besuche in Altersheimen sind eingeschränkt, Sorgen um die eigene Gesundheit kommen auf - und vieles mehr.
Frank-Michael Steichele

Fr, 31.07.2020
Raum für das Ungeplante
Die Sommerferien sind da. Jetzt ist endlich Urlaubszeit! Diejenige, die wegfahren, haben schon lange vorher geplant und vorbereitet. Die Vorfreude ist riesig und perfekt die Vorstellung: wunderbares Wetter; glückliche Kinder mit entspannten Eltern; Ehepartner, die immer die gleichen Wünsche haben.
Marilia Camargo
Vikarin, Evang. Kirchengemeinde Kornwestheim - Pfarramt Johanneskirche

Fr, 24.07.2020
Freiheit
„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“ erinnern Sie sich noch an diesen bekannten Song von Reinhard Mey aus dem Jahr 1974?
Thomas Schmückle

Sa, 18.07.2020
Zum Sonntag: „Ich füle mich tol“
Gefühlt kamen in diesem Jahr besonders früh die kleinen und großen Straßenkünstler aus ihren Häusern hervor. Sie zauberten ganze Kunstwerke auf die Bordsteine. Erinnerungen wurden wach: An aufgeschlagene Knie, Gummitwist und eben Straßenmalkreide.
Ann-Kristin Scholl

Fr, 17.07.2020
Glaubenskrise
Egal, ob wir uns als gläubige Menschen bezeichnen oder nicht – dieses Jahr stellt uns alle vor eine Glaubenskrise. Wie viele Ereignisse mussten wir schon ausfallen lassen, verschieben oder anders planen? Unser ganzes Leben ist davon betroffen.
Martin Mohns
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Kornwestheim - Pfarramt Thomaskirche

Sa, 11.07.2020
Zum Sonntag: Geduld, Geduld!
Man erzählt von einem Bauern, der seinen Reis schneller als alle anderen Bauern ernten wollte. Weil er nicht warten konnte, ging er eines Nachts heimlich in sein Reisfeld, zog ein wenig an den zarten Halmen und legte sich wieder schlafen...
Christian Lehmann

Sa, 04.07.2020
zum Sonntag: Modell für konstruktives Streiten: Peter und Paul
Vor der römischen Basilika „Sankt Paul vor den Mauern“ finden sich die Skulpturen der Apostel Petrus und Paulus, deren Doppelfest wir am vergangenen Montag gefeiert haben: Sie stehen einander gegenüber und sind einander zugewandt, von Angesicht zu Angesicht. Im Brief des Apostels Paulus an die Galater stoßen wir auf den biblischen Bezug dieser Darstellung.
Pfr. Alois Krist, Kath. Kirche Ludwigsburg

Fr, 03.07.2020
Hoffnung statt Hass
Die Bilder von den Krawallen in Stuttgart erschüttern die Menschen in der Region, ja sogar über die Region hinaus. Was bisher weit weg schien und nur aus den Medien zu uns drang, ist nun mitten in unserer Landeshauptstadt auch geschehen: Menschen, die Schaufenster zerstören, Geschäfte plündern und mit Steinen auf andere werfen.
Sabine Hering

Mi, 01.07.2020
Zum Sonntag: Ich bin dann mal weg…
Normalerweise sagen wir das ganz gerne, wenn wir irgendwohin aufbrechen. Normalerweise – aber was ist schon normal in diesen Monaten? Die Sommerferien haben am Donnerstag begonnen, der Urlaub steht vor der Tür.
Elke Goldmann
Geschäftsführende Pfarrerin, Evang. Kirchengemeinde Remseck - Pfarramt Hochberg
Geschäftsführende Pfarrerin, Evang. Kirchengemeinde Remseck - Geschäftsführendes Pfarramt

Fr, 19.06.2020
Eines ist sicher
Was gibt uns Sicherheit? Das Bedürfnis nach Sicherheit hat jeder Mensch. Das Gefühl von Sicherheit entsteht, wenn wir Vertrauen haben in das, was uns die Lebensumstände erleben lassen. Wir fühlen uns sicher auf Straßen, in denen wir Polizisten sehen. Wir fühlen uns sicher in der Nacht bei abgeschlossener Haustüre. Wir fühlen uns sicher in den Händen eines erfahrenen Arztes.
Ulrich Theophil
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Kornwestheim - Pfarramt Johanneskirche
Pfarrer, Evang. Kirchenbezirk LB - Bezirksämter -

Sa, 13.06.2020
Zum Sonntag: Der Heilige Geist ist keine Zimmerlinde …
Der Mathelehrer fragt: „Was ist die Wurzel von neun?“ Eine Schülerin antwortet: „Ich glaube drei!“ Daraufhin der Lehrer: „Glauben heißt: nicht wissen.“ Wenn es um Fakten geht, ist Wissen mehr wert, als vage Vermutungen. Der Lehrer fragt danach, was man weiß und will darum nicht hören, was man glaubt.
Martin Merdes
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Asperg

Fr, 12.06.2020
I can’t breathe
I can’t breathe – ich kann nicht atmen. Diese Worte sagte George Floyd mehrfach am 25.05. während seiner brutalen Festnahme, die ihn das Leben kosten sollte. Der gewaltsame Tod eines Schwarzen durch weiße Polizisten ist, so muss man es leider sagen, kein Einzelfall sondern nur ein weiterer.
Martin Mohns
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Kornwestheim - Pfarramt Thomaskirche