6. Sonntag nach Ostern, Exaudi (nach Ps. 27,7: Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe! Sei mir gnädig und erhöre mich!) 24. Mai 2020

HIER gehts zum Livestream aus der Erlöserkirche mit Pfrn. Christina Beck und Pfr. Joachim Stricker

 

 


5. Sonntag nach Ostern, Rogate (Nach nach Mt 7,7: Bittet, so wird euch gegeben) 17. Mai 2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

Die Gedanken zum Download in PDF

Gedanken als Audio

Liebe Leserinnen und Leser,

heute wollte ich mit meinen Konfirmandinnen und Konfirmanden die Konfirmation feiern. „Leben, Lieben, Lachen“, das stellten sie sich als Thema vor. Leben, Lieben, Lachen. Intensiv, aus ganzem Herzen und ausgelassen. Verantwortungsvoll, einfühlsam und ansteckend fröhlich, mit Übersicht, mit Leidenschaft und mit Heiterkeit. Dreiklänge aus Leben Lieben und Lachen, die unser Leben beziehungsreich machen und die ein Spiegel für unsere Gottesbeziehung sein können. Über diese Gottesbeziehung stellt dieser Sonntag den Leitgedanken: Bittet, so wird euch gegeben.

Und wir bleiben verbunden im Dreiklang des Glaubens: in der Gnade Jesu Christi, der Liebe Gottes und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Amen.

 

Lasst uns beten

Gott, ich fühle mich fest verankert im Leben.

Ich habe Erfahrungen gemacht, die mich prägen.

Ich habe Wege beschritten, die mich meinen Zielen nähergebracht haben.

Vieles ist mir gelungen und manches auch nicht.

Aber alles gehört zu mir und meinem Leben.

Ich bin auf dem Boden geblieben

Und doch habe erlebt wie gut das tut,

immer wieder den Blick zu heben

und die Weite zu suchen, in die du unser Leben stellst

und deine Gegenwart, die den Horizont weitet

und die Gedanken befreit.

Fest verankert in dir lass uns aus vollem Herzen

leben, lieben und lachen.

In der Stille bringen wir vor dich, was uns heute bewegt

 

Danke, dass Du unser Beten hörst und unsere Herzen füllst. Amen.

 

Lasst uns singen: Lied: NL 116 Da wohnt ein Sehnen tief in uns

 

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz, sei da, sei uns nahe, Gott.

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht, sei da, sei uns nahe, Gott.

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod, sei da, sei uns nahe, Gott.

 

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

4. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich, sei da, sei uns nahe, Gott.

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

Originaltitel: There Is A Longing. Text und Melodie: Anne Quigley 1973; deutsch: Eugen Eckert 1986

 

Predigt über Mt 6,5-15

Der heutige Sonntag, mit dem Vater unser als Predigttext, richtet unseren Blick auf das Beten. Es lässt sich wohl noch ganz einfach sagen: Menschen, die an Gott glauben, beten. Wie sich aber der Mensch in diesem Spannungsverhältnis zwischen Gott und Mensch versteht und wie der Mensch Gott versteht, da tut sich ein weites Feld auf.

Wir Menschen erleben uns ständig zwischen dem Machbaren und dem Unverfügbaren. Wir erleben unsere Gestaltungsräume und unsere Möglichkeiten. Wie oft gelingt es uns, Notwendiges zu erledigen, richtige Entscheidungen zu treffen, Probleme zu lösen, Beziehungen beglückend und wohltuend zu leben und das Miteinander zu genießen. Das fühlt sich gut an und erfüllt uns mit Dankbarkeit und beflügelt uns.

Das andere gehört auch dazu: Die Grenzen des Machbaren, die wir erleben, wenn wir an die Grenzen unserer Fähigkeiten und Möglichkeiten stoßen, wenn wir uns ausgeliefert fühlen, wenn Sorge, Schuld und Angst uns lähmen, dann sind wir mit all unserer Energie herausgefordert, damit umzugehen und das einzuordnen.

Im Blick auf Gott hat wohl jeder seine ganz eigenen Zugänge. Gott, der Allmächtige, unverfügbar Freie, dessen Gedanken uns unbegreiflich sind. Gott, der mächtige König der Ehren, der alles, was ist, ins Dasein gerufen hat.

Aber auch: Gott, der Zugewandte, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel Gutes getan hat. Gott, der Mut gibt, gestalterisch zu wirken, der uns über uns hinauswachsen lässt in herausfordernden Zeiten, ein Gott, der nahe ist und uns befähigt, behütet und bewahrt, ein Gott, der in der Not auch das Rettende wachsen lässt, der uns nahe kommt, der den glimmenden Docht nicht auslöscht, der stärkt und in Wüstenzeiten am Leben erhält. Ein Gott, den wir nur zu bitten brauchen, dann gibt er?

Im Vaterunser nimmt Jesus uns hinein wie er das Beziehungsgeflecht beleuchtet, zwischen Gott und Mensch und Mitmensch. In Mt 6,5-13 lesen wir:

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. 6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. 7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. 8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. 9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. 10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. 11 Unser tägliches Brot gib uns heute. 12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. 13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

In der Einleitung holt Jesus das Gebet aus der Öffentlichkeit. Er macht es zu einem fast intimen Geschehen zwischen dem Beter und Gott, das gerade so die größtmögliche Offenheit und Ehrlichkeit ermöglicht und deshalb nicht viel Worte braucht. Gott sieht ins Herz, weiß, was uns umtreibt.

In dieser vertrauten und vertraulichen Atmosphäre beginnt das Gebet, das Jesus uns ans Herz legt. „Vater unser im Himmel

Wie gut, dass es da einen Gott im Himmel gibt, nah, verbunden, fürsorglich, warmherzig, einer, der tröstet wie einen seine Mutter tröstet, einer, der schon auf sein Kind wartet, wenn es in die Irre gegangen ist. Ein Vater, aber nicht exklusiv, nicht mein Vater, sondern Vater unser. Einer, der in der vertrauensvollen Atmosphäre den Blick für das Miteinander geweitet hält.  

Geheiligt werde dein Name. Das Heilige trennt vom Profanen. Es gehört in eine andere Sphäre, die unserer Verfügbarkeit entzogen ist. Aber wir können uns ihr öffnen und in sie eintreten. Voller Ehrfurcht und Respekt. Seine Wirklichkeit soll Raum gewinnen. In uns und durch uns. „Alles, was ihr tut, mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott dem Vater durch ihn“, so klingt es im Kolosserbrief. Das Heilige will verändernd hineinwirken ins Profane.

Dein Reich komme. Drei Worte voller Sehnsucht, wir füllen sie mit Frieden und Gerechtigkeit, wir füllen sie mit Vollkommenheit und Gelingen, mit Tatkraft und Harmonie, mit dem Verstehen dessen, was alles im Innersten zusammenhält, und doch wollen wir festhalten, was wir an Glück und Lebensfreude, Erfolg und Beziehungsreichtum erfahren haben.

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Ich höre Jesus in Gethsemane, „Aber nicht mein, dein Wille geschehe.“ Ich höre es mit dem Unterton: Lass mich erkennen, was dein Wille ist, was deiner Liebe und Güte, was deiner Gerechtigkeit und deiner Barmherzigkeit entspricht und ich höre darin die Hoffnung, dass dieser Wille sich Bahn bricht gegen alle unheilvollen Mächte und Gedanken.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Nicht das Brot für alle Tage. Nicht die vollständige Absicherung gegen alle mögliche Not. Aber das Vertrauen, dass der heutige Tag seines hat. Jesus hat es für sich so gelebt. Schau die Lilien auf dem Feld und die Vögel unter dem Himmel – und doch höre ich in mir die mahnenden Worte, dass sich der Leichtsinn so gern als Gottvertrauen tarnt, und dass nur der für andere da sein kann, der sein Leben geordnet und geregelt hat.

Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Das eine nicht ohne das andere. Wie schwer das fällt und wie befreiend das sein kann, statt einem harten Urteil zu hören oder zu sagen: „Das soll nicht mehr zwischen uns stehen.“ Da wird nicht unter den Teppich gekehrt, sondern in ein anderes Licht gestellt. Ich vergesse nicht was geschehen ist, aber es darf die Zukunft nicht mehr prägen. So kann die Schuld ihre lähmende Macht verlieren. Und ja, die Bitte reicht weit in einer Welt, in der alles zusammenhängt, in der der Reichtum der Reichen die Armen arm macht und in der es die Armen sind, die am meisten unter den Katastrophen unserer Zeit zu leiden haben.

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Gegen alle Angst, gegen alle Verunsicherung, gegen jedes Gefühl von Ausgeliefertsein, setzt Jesus seine Bitte. Ohne Sorge, ohne Schuld und ohne Angst sollen wir leben können. Da öffnet sich ein Raum, in dem das Lob seinen Klang entfaltet und seine Resonanz in uns finden will:

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Ein Lob, das in dem Amen seine Bestätigung findet. In diesem Raum, den das Gebet öffnet, da ist gut Leben, Lieben und Lachen. Für uns und alle. Amen.

 

Lied 658,1-4 Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn

(Kehrvers): Laß uns den Weg der Gerechtigkeit gehn. / Dein Reich komme, Herr, / dein Reich komme.

1. Dein Reich in Klarheit und Frieden, / Leben in Wahrheit und Recht. / Dein Reich komme, Herr, / dein Reich komme. (Matthäus 6,10)

(Kehrvers): Laß uns den Weg der Gerechtigkeit gehn. / Dein Reich komme, Herr, / dein Reich komme.

2. Dein Reich des Lichts und der Liebe / lebt und geschieht unter uns. / Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.

(Kehrvers): Laß uns den Weg der Gerechtigkeit gehn. / Dein Reich komme, Herr, / dein Reich komme.

3. Wege durch Leid und Entbehrung / führen zu dir in dein Reich. / Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.

(Kehrvers): Laß uns den Weg der Gerechtigkeit gehn. / Dein Reich komme, Herr, / dein Reich komme.

4. Sehn wir in uns einen Anfang, / endlos vollende dein Reich. / Dein Reich komme, Herr, dein Reich komme.

(Kehrvers): Laß uns den Weg der Gerechtigkeit gehn. / Dein Reich komme, Herr, / dein Reich komme.

Text: Diethard Zils, Christoph Lehmann 1983 nach dem spanischen »Anunciaremos tu reino, Señor« von Maria Pilar Figuera López 1965; Melodie: Cristóbal Halffter Jiménez 1965

 

Statt Fürbitten möchte ich heute nur das Vaterunser beten und nach den einzelnen Sätzen Raum lassen für Ihre Gedanken, die sich daran festmachen wollen

 

Vater unser im Himmel! ---

Geheiligt werde dein Name. ---

Dein Reich komme. ---

Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. ---

Unser tägliches Brot gib uns heute. ---

Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. ---

Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. ---

Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen. ---

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

Die Rubrik "Feiertage nacherzählt" finden Sie HIER.

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4. SONNTAG NACH OSTERN, 10. Mai 2020

Gottesdienstliche Gedanken von Christina Beck

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Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen.

Eigentlich hatten wir vor, heute Konfirmation zu feiern. Wie so vieles in letzter Zeit

wurde dieser Plan durcheinandergewirbelt. So feiern wir heute den Sonntag, der

sonst aufgrund der Konfirmationen ausfällt: Kantate - „Singet dem Herrn ein neues

Lied, denn er tut Wunder.“ (Psalm 98,1) Weiter in den einzelnen Häusern und

Wohnungen – und doch verbunden in Gottes Liebe.

Wir beten:

Gott, du liebst uns.

Wir treten vor dich, mit geschlossenen Augen und geöffneten Händen.

Wir danken dir, weil wir leben. Du bist so gut zu uns.

Du schenkst uns die Erde, Brot und Licht und die Menschen um uns.

Manchmal spüren wir das kaum. Wir fühlen uns einsam und allein.

Dann wecke ein Lied in uns, das uns aufatmen lässt –

und die Gewissheit, dass wir mit unserer Lebensmelodie in deiner Hand geborgen

sind.

In der Stille bringen wir vor dich, was uns bewegt…



Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich, und gibst meiner Seele große Kraft.

Amen.

Wir singen: EG 302, 1-5.8 Du meine Seele singe

1. Du meine Seele, singe, / wohlauf und singe schön / dem, welchem alle Dinge / zu

Dienst und Willen stehn. / Ich will den Herren droben / hier preisen auf der Erd; / ich

will ihn herzlich loben, / solang ich leben werd.

2. Wohl dem, der einzig schauet / nach Jakobs Gott und Heil! / Wer dem sich

anvertrauet, / der hat das beste Teil, / das höchste Gut erlesen, / den schönsten

Schatz geliebt; / sein Herz und ganzes Wesen / bleibt ewig unbetrübt.

3. Hier sind die starken Kräfte, / die unerschöpfte Macht; / das weisen die Geschäfte,

/ die seine Hand gemacht: / der Himmel und die Erde / mit ihrem ganzen Heer, / der

Fisch unzähl’ge Herde / im großen wilden Meer.

4. Hier sind die treuen Sinnen, / die niemand Unrecht tun, / all denen Gutes gönnen, /

die in der Treu beruhn. / Gott hält sein Wort mit Freuden, / und was er spricht,

geschicht; / und wer Gewalt muss leiden, / den schützt er im Gericht.

5. Er weiß viel tausend Weisen, / zu retten aus dem Tod, / ernährt und gibet Speisen

/ zur Zeit der Hungersnot, / macht schöne rote Wangen / oft bei geringem Mahl; / und

die da sind gefangen, / die reißt er aus der Qual.

8. Ach ich bin viel zu wenig, / zu rühmen seinen Ruhm; / der Herr allein ist König, /

ich eine welke Blum. / Jedoch weil ich gehöre / gen Zion in sein Zelt, / ist’s billig, dass

ich mehre / sein Lob vor aller Welt.

Text: Paul Gerhardt 1653

Melodie: Johann Georg Ebeling 1666

Predigt

Ein modernes Lied erzählt von einer alleinerziehenden Mutter, die neben Arbeit und Kindern kaum Zeit für sich selbst findet. In den wenigen Momenten setzt sie ihre Kopfhörer auf: „Und wenn sie tanzt, ist sie wo anders – für den Moment, dort wo sie will… Und wenn sie tanzt, ist sie wer anders – lässt alles los nur für das Gefühl.“

"Die Musik ist die beste Gottesgabe. Durch sie werden viele und große Anfechtungen verjagt. Musik ist der beste Trost für einen verstörten Menschen, auch wenn er nur ein wenig zu singen vermag. Sie ist eine Lehrmeisterin, die die Leute gelinder, sanftmütiger und vernünftiger macht." Diese Worte sind von Martin Luther überliefert. Sie bringen es auf den Punkt: Musik tut gut. Sie tröstet und stärkt. Sie ist Balsam für die Seele. Genauso wie für das gebrochene Herz. Sie hat die Kraft, ein inneres Ungleichgewicht wieder in Balance zu bringen.

Ein berühmtes Beispiel dafür ist König Saul aus der Bibel. Er hat viele Kämpfe auszufechten. Der schwerste Kampf, in dem er steckt, nennt der biblische Bericht einen „bösen Geist“, der von Saul Besitz ergriffen hat. Heute würden wir sagen: er ist an einer Depression erkrankt. Sie hat sich tief in seine Seele hineingefressen. Er sieht keinen Sinn, keinen Weg vorwärts, keinen Zweck, verliert die Orientierung und die innere Kraft. Und es hilft ihm überhaupt nichts, dass er König ist oder Reichtum besitzt. Da haben seine Diener eine Idee:

UNSER HERR BEFEHLE NUN SEINEN KNECHTEN, DIE VOR IHM STEHEN, DASS SIE EINEN MANN SUCHEN, DER AUF DER HARFE GUT SPIELEN KANN, DAMIT, WENN DER BÖSE GEIST GOTTES ÜBER DICH KOMMT, ER MIT SEINER HAND DARAUF SPIELE, UND ES BESSER MIT DIR WERDE. Kurz darauf ist mit David ein begabter Harfenspieler gefunden und der Bericht fährt fort: WENN NUN DER GEIST GOTTES ÜBER SAUL KAM, NAHM DAVID DIE HARFE UND SPIELTE DARAUF MIT SEINER HAND. SO ERQUICKTE SICH SAUL, UND ES WARD BESSER MIT IHM, UND DER BÖSE GEIST WICH VON IHM. (1. Sam 16, 14-16.23)

„Ich kann nicht singen“ höre ich immer wieder. Manche singen dann gern in der Dusche oder beim Autofahren. Dort wo sie niemand hört. Schade eigentlich. Denn auch wenn man vielleicht nicht jeden Ton trifft, so kommt es doch viel mehr darauf an, ob man es gerne tut. Und was es mit einem macht: Singen hält Leib und Seele zusammen. Der Leib ist der Klangkörper. Das Herz, die Seele sie finden Ausdruck, Gehör. Das kann regelrecht befreiend wirken:

NACHDEM MAN PAULUS UND SILAS HART GESCHLAGEN HATTE, WARF MAN SIE INS GEFÄNGNIS UND BEFAHL DEM KERKERMEISTER, SIE GUT ZU BEWACHEN. ALS ER DIESEN BEFEHL EMPFANGEN HATTE, WARF ER SIE IN DAS INNERSTE GEFÄNGNIS UND LEGTE IHRE FÜßE IN DEN BLOCK. UM MITTERNACHT ABER BETETEN PAULUS UND SILAS UND LOBTEN GOTT. UND ES HÖRTEN SIE DIE GEFANGENEN. PLÖTZLICH ABER GESCHAH EIN GROßES ERDBEBEN, SODASS DIE GRUNDMAUERN DES GEFÄNGNISSES WANKTEN. UND SOGLEICH ÖFFNETEN SICH ALLE TÜREN UND VON ALLEN FIELEN DIE FESSELN AB. (Apg 16, 23-26)

Singen ist ein Akt der inneren Befreiung. In der eigenen Stimme erklingt etwas von dem, was die eigene Person ausmacht. Im Gesang drückt sich mehr aus als im gesprochenen Wort. Singen stiftet Identität. Im Gesang drücken sich Gefühle und Stimmungen aus, die Menschen mitbringen; sie werden durch das Singen intensiviert und vertieft.

Wenn man gemeinsam singt, wird der Klang der Stimme des oder der Einzelnen mit anderen Stimmen verbunden. Im Gesang teilen wir eigene Erfahrungen und haben Anteil an Erfahrungen anderer.

Menschen können sich aber auch in eine Empfindung, die sie vorab so gar nicht gespürt haben, und in eine Lebenshaltung „hineinsingen“, indem sie in ein Lob Gottes einstimmen, ein Klagelied oder ein Hoffnungslied mitsingen oder mitsummen.

Die Psalmen sind voll davon. Wenn in der nur durch Kerzen erhellten Kirche der volle Klang des „O du fröhliche“ ertönt, dann ist für mich Weihnachten – ob ich vorher in weihnachtlicher Stimmung war oder noch mitten im Stress. Der Jubelruf des Osterliedes „Christ ist erstanden“ reißt heraus aus der Dunkelheit der Karfreitagsnacht und nimmt hinein in das ungläubige Staunen und die unfassbare Freude.

Davon ist auch im heutigen Predigttext die Rede. Darin bietet die Freude angesichts der Einweihung des ersten Tempels in Jerusalem Grund zum Singen: DA VERSAMMELTE SALOMO ALLE ÄLTESTEN ISRAELS, ALLE HÄUPTER DER STÄMME UND DIE FÜRSTEN DER SIPPEN ISRAELS IN JERUSALEM, DAMIT SIE DIE LADE DES BUNDES DES HERRN HINAUFBRÄCHTEN AUS DER STADT DAVIDS, DAS IST ZION. UND ES VERSAMMELTEN SICH BEIM KÖNIG ALLE MÄNNER ISRAELS ZUM FEST, DAS IM SIEBENTEN MONAT IST. UND ES KAMEN ALLE ÄLTESTEN ISRAELS, UND DIE LEVITEN HOBEN DIE LADE AUF UND BRACHTEN SIE HINAUF SAMT DER STIFTSHÜTTE UND ALLEM HEILIGEN GERÄT, DAS IN DER STIFTSHÜTTE WAR; ES BRACHTEN SIE HINAUF DIE PRIESTER UND LEVITEN. … UND ALLE LEVITEN, DIE SÄNGER WAREN, NÄMLICH ASAF, HEMAN UND JEDUTUN UND IHRE SÖHNE UND BRÜDER, ANGETAN MIT FEINER LEINWAND, STANDEN ÖSTLICH VOM ALTAR MIT ZIMBELN, PSALTERN UND HARFEN UND BEI IHNEN HUNDERTZWANZIG PRIESTER, DIE MIT TROMPETEN BLIESEN. UND ES WAR, ALS WÄRE ES EINER, DER TROMPETETE UND SÄNGE, ALS HÖRTE MAN EINE STIMME LOBEN UND DANKEN DEM HERRN. UND ALS SICH DIE STIMME DER TROMPETEN, ZIMBELN UND SAITENSPIELE ERHOB UND MAN DEN HERRN LOBTE: "ER IST GÜTIG, UND SEINE BARMHERZIGKEIT WÄHRT EWIG", DA WURDE DAS HAUS ERFÜLLT MIT EINER WOLKE, ALS DAS HAUS DES HERRN, SODASS DIE PRIESTER NICHT ZUM DIENST HINZUTRETEN KONNTEN WEGEN DER WOLKE; DENN DIE HERRLICHKEIT DES HERRN ERFÜLLTE DAS HAUS GOTTES. (2. Chronik 5, 2-5.12-14)

Die Stiftshütte mit der Bundeslade hat die Israeliten in der Zeit ihrer Wüstenwanderung begleitet. Der Tempel ist das endgültige Zeichen, dass sie angekommen sind. Die Menschen sind voll des Lobes im Rückblick auf ihre bewegte Geschichte mit ihrem Gott: „ER IST GÜTIG, UND SEINE BARMHERZIGKEIT WÄHRT EWIG!“ So singen sie „die Wolke der Herrlichkeit des Herrn“ herbei. Er ist mitten unter den Menschen. Unsichtbar und doch zu spüren.

Menschen singen nicht nur über das, was sie erlebt haben oder was gegenwärtig ist, sondern auch über das, was noch aussteht und was sie erhoffen. Die endzeitliche Vision des Johannes ist auch eine Audition, ein Vor-Klang. Am Ende der Zeiten wird ein Lied erschallen, das Gott lobt: GROß UND WUNDERBAR SIND DEINE WERKE, HERR, ALLMÄCHTIGER GOTT! GERECHT UND WAHRHAFTIG SIND DEINE WEGE, DU KÖNIG DER VÖLKER. WER SOLLTE DICH, HERR, NICHT FÜRCHTEN UND DEINEN NAMEN NICHT PREISEN? DENN DU ALLEIN BIST HEILIG! JA, ALLE VÖLKER WERDEN KOMMEN UND ANBETEN VOR DIR, DENN DEINE URTEILE SIND OFFENBAR GEWORDEN. (Offenbarung 15, 3b-4)

Die Lieder des Glaubens halten nicht nur Erinnerungen fest, sie sind auch Zukunftsmusik. Musik berührt uns tief im Innersten. Mit ihr können wir uns für eine Weile hinausträumen aus der oft harten Wirklichkeit. Sie berührt Schichten, die tiefer liegen als Verstand und Erfahrung. Sie berührt das Herz. Wenn uns kein eigenes Lied auf den Lippen liegt, dann dürfen wir auf den reichen Schatz an Liedern blicken, die uns die Bibel und die Gesangbücher anbieten. Und vielleicht spüren wir dann ja das, was der Volksmund so schön benennt: Loben zieht nach oben. Oder eben den unsichtbaren Gott, der mitten unter uns ist. Amen.

Wir singen: EG 316, 1-5 Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren

1. Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, / lob ihn, o Seele, vereint mit den himmlischen Chören. / Kommet zuhauf, / Psalter und Harfe, wacht auf, / lasset den Lobgesang hören!

2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, / der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, / der dich erhält, / wie es dir selber gefällt; / hast du nicht dieses verspüret?

3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet, / der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet. / In wie viel Not / hat nicht der gnädige Gott / über dir Flügel gebreitet!

4. Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet, / der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet. / Denke daran, / was der Allmächtige kann, / der dir mit Liebe begegnet.

5. Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen. / Lob ihn mit allen, die seine Verheißung bekamen. / Er ist dein Licht, / Seele, vergiss es ja nicht. / Lob ihn in Ewigkeit. Amen.

Text und Melodie: Nr. 317, ökumenische Fassung 1973


Wir beten

Gott, uns zugewandt wie ein Vater, wie eine Mutter, neue und alte Lieder wollen wir dir singen. Unser Glaube lebt in diesen Liedern, die wir dir singen, als deine Gemeinde. Doch noch müssen wir leben in liedloser Zeit, verschlossen die Münder, stumm die Instrumente, hier bei uns und an vielen Orten dieser Erde. Aber unser Gebet können wir dir sagen, gemeinsam vor dich treten, das vor dich bringen, was uns bewegt, was dein Geist uns eingibt.

So bitten wir für all die Menschen, die krank sind oder im Sterben liegen. Und für die Menschen, die anderen dienen in Therapie und Pflege.

So bitten wir für all die Menschen, die sich sorgen um die Seelen der Einsamen, die Verbindungen suchen und Nähe schaffen, wo Trennung herrscht.

So bitten wir für all die Menschen, die in Sorge sind um ihren Lebensunterhalt. Und für die Menschen, die Verantwortung übernehmen für das wirtschaftliche Leben.

Wir sehnen uns zurück nach einem Leben mit frohen Liedern, offenen Gesichtern und herzlichen Begegnungen, so bitten wir dich: Komm uns entgegen, du unser Gott!

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.


Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen und beschwingten Sonntag!

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3. Sonntag nach Ostern, Jubilate (Nach Ps 66,1: Jauchzt Gott, alle Lande.) 3. Mai 2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

Die Gedanken zum Download in PDF

Gedanken als Audio

Liebe Leserinnen und Leser,

In den letzten Tagen hat es wenigstens ein paar Tropfen geregnet. Viel war es nicht. Die Äcker, Wiesen, Felder und Weinberge hätten mehr gebraucht.

Ausgetrocknet sind die Böden. Ausgetrocknet in einem gewissen Sinne ist auch unser soziales Miteinander in diesen Tagen. Wir bleiben in Verbindung. Übers Telefon, über Skype und andere Programme, über Postkarten und Briefe, über Gespräche auf Distanz.

Und wir bleiben verbunden in der Gnade Jesu Christi, der Liebe Gottes und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Amen.

 

Lasst uns beten

Du Gott willst unser Leben mit dir verbinden.

Aus einer Ahnung, aus einer vagen Vorstellung

willst du Glauben wachsen lassen.

Du willst uns Mut machen, dass wir uns darauf einlassen,

aus der Kraft deines Geistes zu leben,

auf den Wegen der Liebe zu gehen,

auf denen wir die anderen wahrnehmen,

so wie sie sind

und versuchen, sie zu verstehen.

Du willst uns Mut machen

dieser Verbindung zu dir zu trauen

und so zu leben wie es dieser Verbundenheit entspricht.

Und die Energie entdecken,

die uns zufließt,

wenn wir uns dir öffnen.

Du, Gott, kennst unser Leben.

Hilf uns immer tiefer einzudringen

in die Hoffnung und die Gewissheit des Glaubens,

in der wir immer mehr von dir kennenlernen.

In der Stille vertrauen wir uns dir an

mit allem, was uns bewegt. Amen.

 

 

Wir loben dich mit unserem Singen: 

 

Lied 449,1-4 Die güldne Sonne voll Freud und Wonne

1. Die güldne Sonne / voll Freud und Wonne / bringt unsern Grenzen / mit ihrem Glänzen / ein herzerquickendes, liebliches Licht. / Mein Haupt und Glieder, / die lagen darnieder; / aber nun steh ist, / bin munter und fröhlich, / schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

2. Mein Auge schauet, / was Gott gebauet / zu seinen Ehren / und uns zu lehren, / wie sein Vermögen sei mächtig und groß / und wo die Frommen / dann sollen hinkommen, / wann sie mit Frieden / von hinnen geschieden / aus dieser Erden vergänglichem Schoß.

3. Lasset uns singen, / dem Schöpfer bringen / Güter und Gaben; / was wir nur haben, / alles sei Gotte zum Opfer gesetzt! / Die besten Güter / sind unsre Gemüter; / dankbare Lieder / sind Weihrauch und Widder, / an welchen er sich am meisten ergötzt.

4. Abend und Morgen / sind seine Sorgen; / segnen und mehren, / Unglück verwehren / sind seine Werke und Taten allein. / Wenn wir uns legen, / so ist er zugegen; / wenn wir aufstehen, / so läßt er aufgehen / über uns seiner Barmherzigkeit Schein.

Text: Paul Gerhardt 1666; Melodie: Johann Georg Ebeling 1666

 

Predigt über Joh 15,1-8

Der Predigttext für diesen Sonntag steht im Johannesevangelium. Er gehört in die Reihe der Abschiedsreden von Jesus, die schon den Horizont in die Zeit nach Ostern öffnen. Wie soll das sein, wie soll das gehen. Und Jesus malt mit seinen Worten ein Bild davon, das damals wie heute zugänglich ist: Wir bleiben in Verbindung. Wie soll diese Verbindung aussehen?

Ich bin kein Weingärtner. Aber wie viele andere habe ich es schon gesehen, wie im Winter die Weinstöcke beschnitten werden. Ein bis zwei Reben lässt der Weingärtner am Weinstock stehen und bindet sie auf. Zurzeit kann man sehen wie sie austreiben und Blüten ansetzen. Die Pflege geht weiter. Die schwachen und unnötigen Triebe werden ausgeschnitten. Aber was stehen bliebt, trägt im Herbst Früchte, süß und schwer. Sie werden geerntet und gekeltert und reifen zu Wein, der am Ende Genuss und Lebensfreude bringen soll.

Das Bild hat eine lange Tradition. Jesus kennt es vom Propheten Jesaja, der das Volk Israel mit einem Weinberg Gottes verglichen hat. Jesus öffnet das Bild, verändert, weitet es. Ich lese Joh 15,1-8:

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Wir Menschen suchen nach Kraftquellen. Es gibt so vieles, was uns Kräfte raubt, was Energien verzehrt, Manche sind erschöpft von den körperlichen Anstrengungen, den ganzen Tag auf den Beinen, im Haushalt, im Handwerk, in der Pflege, im Verkauf, in der Werkhalle. Andere spüren wie sich über den Tag ihre emotionale Energie verzehrt. Konflikte aushalten, Enttäuschungen verkraften, Stress bewältigen, konzentrierte Gespräche, Krisensitzungen, die Balance halten, ausgleichend wirken, Verständnis wecken, Teamgeist fördern, gemeinsame Ziele formulieren, qualifiziertes Feedback geben, Bemühungen bündeln, unterschiedliche Lösungsansätze zusammenführen, oder einfach Streit schlichten, trösten, Regeln einfordern, motivieren, loben, begleiten.

Jeder von uns kennt wohl seine eigenen Krafträuber ganz gut. Und manches gibt das Essen und der Schlaf, ein verständnisvolles Gespräch und Zeit für mich und meine Interessen wieder zurück. Es ist gut, darauf zu achten, was uns guttut und uns bei Kräften hält. Das alles gehört zu den Früchten unseres Lebens, wie unser Engagement, das wir bringen, in der Familie, im Beruf, in der Freizeit, für das eigene Fortkommen und für andere.

Wir Menschen suchen nach Kraftquellen. Jesus zeigt uns die Kraftquelle, aus der er schöpft und zu der er uns einlädt.

Er malt sein Bild von einer Wirklichkeit hinter der Oberfläche. Er kennt Gott als Kraft, die ihn bewegt. In der er verwurzelt ist mit all seinen Erfahrungen, mit seinen Erfolgen und seinem Leiden. Knorrig gewachsen wie das Leben.

Ich habe vor vielen Jahren ein paar abgeschnittene Weinruten bekommen. Ich wollte damit eigentlich nur eine Garagenwand begrünen. Zwei der Ruten sind angewachsen. Mit Vorliebe begrünen sich nicht nur die Wand. Immer wieder legten sie ihre Reben auf die warmen Steine des Garagendachs. In einem Jahr kam ich nicht dazu, sie herunterzunehmen. Die meisten von ihnen kamen aus einem dicken Trieb. Als ich den abschnitt, kam aus der Mitte des Triebes Wasser. Es war sehr eindrücklich. In 2 Metern Höhe rann Wasser aus dem Trieb. Mehrere Wochen lang. Bis weit in den Herbst hinein, trotz all der anderen Triebe, wurde die Schnittstelle nicht trocken. So viel Kraft hatte diese Rebe aus dem Weinstock.

Eine Rebe, die so im Saft steht, sollen wir sein. Lebt aus dieser Kraftquelle, sagt Jesus. Ihr findet sie in der Verbindung zu Gott.

Zu unserem Glauben gehört, dass wir vieles nicht wissen. Aber Jesus lädt uns ein:

Lebe und deute deine Erfahrungen unter der Annahme, dass es Gott gibt, dass er es mit deinem Leben zu tun haben will.

Lebe und deute deine Erfahrungen aus der Verbindung zu Gott und schau, ob sich daraus ein stimmiges Bild ergibt.

Bleib in der Verbindung zum Weinstock. Unsere Gebete festigen auf besondere Weise diese Verbindung: unsere Stoßseufzer, wenn uns die Worte fehlen, unsere Sorgen, die wir vor Gott bringen, unsere Fragen, auf die wir keine Antwort finden, unsere Entscheidungen, die uns nicht leicht fallen und uns den Schlaf rauben, unsere Freude und unsere Dankbarkeit.

Mit Abstand sieht man oft besser. Für mich sind Gebete eine wunderbare Möglichkeit Abstand zu gewinnen. Ganz bei mir zu sein, offen und ehrlich und doch in einem anderen Horizont. Geduldig und voller Vertrauen, dass sich findet, was ich suche, dass sich klärt, wo ich im trüben fische, dass die Enge sich weitet wo ich nicht weiterweiß.

Wo sich das Herz im Gebet öffnet ändert sich mein Horizont, da trete ich ein in das Kraftfeld der Liebe, die neben den Kreisen um sich selbst den anderen nicht aus dem Blick verliert. Wo sich das Herz im Gebet öffnet wächst aus einem: „Da sollte man was machen!“ die Frage: „Was kann ich beitragen?“

Und vielleicht muss auch ich mich immer wieder fragen lassen: Wofür setzt du deine Zeit und deine Energie ein? Ist Sinn- und Nutzloses dabei, das dir und anderen nicht weiterhilft? Auch im Lassen gewinne ich Kraft, wie die Rebe, die immer wieder ausgegeizt werden muss.

Und ist neben dem Gespräch mit Vertrauten Menschen nicht auch das Gebet eine gute Möglichkeit, mich diesen Fragen zu stellen und Schwerpunkte zu setzen und die Früchte meines Engagements zu genießen?

Wir Menschen suchen nach Kraftquellen. Ich habe für mich im Gebet eine Kraftquelle gefunden und in der Gewissheit, dass es diesen Gott gibt, der sich um mein Leben sorgt wie ein Weingärtner um seine Reben. Amen.

 

Lied 268, 1-5 Strahlen brechen viele aus einem Licht

1. Strahlen brechen viele aus einem Licht. / Unser Licht heißt Christus. / Strahlen brechen viele aus einem Licht - / und wir sind eins durch ihn.

2. Zweige wachsen viele aus einem Stamm. / Unser Stamm heißt Christus. / Zweige wachsen viele aus einem Stamm -- / und wir sind eins durch ihn.

3. Gaben gibt es viele, Liebe vereint. / Liebe schenkt uns Christus. / Gaben gibt es viele, Liebe vereint -- / und wir sind eins durch ihn.

4. Dienste leben viele aus einem Geist, / Geist von Jesus Christus. / Dienste leben viele aus einem Geist -- / und wir sind eins durch ihn.

5. Glieder sind es viele, doch nur ein Leib. / Wir sind Glieder Christi. / Glieder sind es viele, doch nur ein Leib -- / und wir sind eins durch ihn.

Text: Dieter Trautwein 1976 nach dem schwedischen »Lågorna är många, ljuset är ett« von Anders Frostenson ( 1972 ) 1974; Melodie: Olle Widestrand 1974

 

Lasst uns beten:
Ich will Dir mein Herz öffnen, Gott,
dir alle die Menschen anvertrauen, die mir wichtig sind.
Behüte und bewahre sie. Schenke ihnen Kraft und Lebensfreude.
Ich will Dir mein Herz öffnen, Gott,
und dir alle meine Sorgen anvertrauen, wie wir die gegenwärtige Krise überstehen sollen,
zwischen dem Schutz der Gesundheit und dem Schutz der Lebensmöglichkeiten.
Weise uns Wege, unsere Ängste ernst zu nehmen und mit ihnen umzugehen,
verantwortungsvoll und ohne uns von ihnen lähmen zu lassen.
Ich will Dir mein Herz öffnen, Gott und bitte dich, fülle es mit deiner Liebe,
die sich nicht abfindet mit dem, was wir vorfinden, an Einsamkeit und Verzweiflung,
an Ratlosigkeit und Sorgen, mitten unter uns und in der Ferne an Hunger und Not und Gewalt und Krieg,
an Heimatlosigkeit und Entwurzelung, an Hoffnungslosigkeit und Zukunftsangst.
Fülle mein Herz mit deiner Liebe, die Wege sucht, die Not zu lindern. Ich will Dir mein Herz öffnen,
Gott, und aus deiner Kraft leben, voller Glauben und Hoffnung, Vertrauen und Liebe.

Gemeinsam beten wir: Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

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2. Sonntag nach Ostern, Misericordias Domini (nach Ps 33,5: Die Erde ist voll der Güte des Herrn), 26.4.2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

 

Die Gedanken zum Download in PDF

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Ungeduld macht sich bei manchen unter uns breit. Die Kanzlerin spricht sich mahnend gegen die Öffnungsdiskussionsorgien aus. Wer will schon das Erreichte verlieren und wieder riskieren, was schon gewonnen schien? Ostern liegt hinter uns, wir haben den Sieg des Lebens gefeiert. Nicht wie sonst. Mit Abstand oder übers Internet. Wir müssen wohl noch eine längere Zeit auf die Auferstehung des öffentlichen Miteinanders und der persönlichen Begegnungen warten. Die eingeschränkten Möglichkeiten können ins Nachdenken und zu neuen Perspektiven führen.

Wir bleiben verbunden in der Gnade Jesu Christi, der Liebe Gottes und der Gemeinschaft des Heiligen Geistes. Amen.

Lasst uns beten

Gott, die Ruhe ist da in diesen Tagen.

Viele Ablenkungen schweigen.

Ich bin zurückgeworfen auf mich.

Vor dir kann ich mich erkennen,

mit meinen Bedürfnissen und meinen Eigenheiten,

mit den Möglichkeiten, die in meinem Wesen liegen

und den Grenzen, die ich immer wieder erlebe.

Zeig mir, wo ich über mich hinauswachsen kann

Und wo ich meine Grenzen akzeptieren muss.

Weise mir Wege zu einem gelingenden Leben,

kraftvoll und mit einem guten Blick

auf mich und auf die, mit denen ich verbunden bin.

Amen.

 

Lasst uns singen:

 

Lied 112,1-3.5 Auf, auf, mein Herz, mit Freuden

1. Auf, auf, mein Herz, mit Freuden / nimm wahr, was heut geschicht; / wie kommt nach großem Leiden / nun ein so großes Licht! / Mein Heiland war gelegt / da, wo man uns hinträgt, / wenn von uns unser Geist / gen Himmel ist gereist.

2. Er war ins Grab gesenket, / der Feind trieb groß Geschrei; / eh er's vermeint und denket, / ist Christus wieder frei / und ruft Viktoria, / schwingt fröhlich hier und da / sein Fähnlein als ein Held, / der Feld und Mut behält.

3. Das ist mir anzuschauen / ein rechtes Freudenspiel; / nun soll mir nicht mehr grauen / vor allem, was mir will / entnehmen meinen Mut / zusamt dem edlen Gut, / so mir durch Jesus Christ / aus Lieb erworben ist.

5. Die Welt ist mir ein Lachen / mit ihrem großen Zorn, / sie zürnt und kann nichts machen, / all Arbeit ist verlorn. / Die Trübsal trübt mir nicht / mein Herz und Angesicht, / das Unglück ist mein Glück, / die Nacht mein Sonnenblick.

 

Text: Paul Gerhardt 1647, Melodie: Johann Crüger 1647

 

 

Predigt über 1. Petr. 2, 21b - 25

Christus hat für euch gelitten und hat euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; 22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; 23 der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet; 24 der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. 25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

 

Um es gleich vorweg zu sagen: Auch ich bin kein Prophet. Auch ich weiß nicht wie lange uns die Einschränkungen begleiten werden, die jetzt nötig sind, damit die Covid-19 Pandemie sich nicht zu einer noch größeren Herausforderung auswächst.

Auch ich habe nicht die Zauberformel, mit der sich die Aufgabe lösen ließe, zwischen den unterschiedlichen Bedürfnissen und Auswirkungen die richtigen Maßnahmen zu finden. Manches Lebensgefühl, manche Motivation, manches Geschäftsmodell und manches Familiengefüge fühlt sich gerade so an als sei es an seine Grenzen gekommen, angespannt, eingeschränkt, abgestumpft, am Ende. Ob die staatlichen Hilfen das alles auffangen können?

Wir erleben auf der anderen Seite mehr Hilfsangebote als Nachfrage, mehr Solidarität und nachbarschaftliche Unterstützung als Egoismus, viel Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit. Und viel Phantasie und Kreativität auf der Suche nach Möglichkeiten, trotz aller Distanz den Kontakt nicht zu verlieren.

Wir suchen unseren Weg, irgendwo zwischen Sorge, Verzweiflung, Hoffnung und Vertrauen. Mit unseren eigenen Herausforderungen und Möglichkeiten.

Auf diesem Weg lag auch das Osterfest. Mitten in der Krise, oder vielleicht doch eher mitten im Anfang der Krise. Ostern in einem anderen Kontext.

Ostern, dieses Fest des Neuen Lebens. Vollmundig klingt es uns da entgegen. Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Geschichten und Erlebnisse verbinden sich damit. In unseren Osternächten gehörten meist Erfahrungen dazu, die davon erzählen, dass wir manche Situationen erlebt haben, in denen sich das Leben wie ein Karfreitag angefühlt hat, hoffnungslos, abgestorben, ohne Perspektive, den Kräften des Todes überlassen. Erfahrungen, die sich dann aber doch verwandelt haben, aus der Dunkelheit ins Licht. Aus der Hoffnungslosigkeit zu neuen Zielen, voller Lebendigkeit und voller Elan. Neue Lebensqualität und neuer Lebensmut, wo wir nicht damit gerechnet haben.

Erfahrungen, die den emotionalen Weg von Karfreitag bis zum Ostermorgen nachzeichnen. Erfahrungen, wie sie auch zu diesen Wochen mit ihrer Einsamkeit und ihrer Solidarität gehören.

Mit der Osterhoffnung suchen wir unseren Weg, irgendwo dazwischen.

Petrus will mit seinem Brief den Menschen seiner Zeit in ihren Lebensumständen eine Orientierungshilfe geben. Sie müssen sich als kleine Minderheit den Gepflogenheiten ihrer Umgebung anpassen, um nicht in Gefahr zu geraten. Ihre äußeren Möglichkeiten sind eingeschränkt, nicht aber ihre innere Freiheit. Die Möglichkeit aus der Verbindung zu Gott zu leben, in die Jesus sie geführt hat, die kann ihnen niemand nehmen, nicht ihr Vertrauen, dass ihr Leben in Gottes Hand liegt und nicht ihre Hoffnung, dass ihnen ihr Glaube den Horizont weitet, über das sichtbare hinaus in die Welt Gottes, die geprägt ist von seiner Gerechtigkeit und Güte, die sich als Wirklichkeit Gottes hinter unseren Wahrnehmungen findet.

Ihnen und uns stellt er Jesus als Vorbild vor Augen. Wie kein anderer hat er aus der Verbundenheit mit Gott seine Kraft gewonnen. Wie kein anderer hat er sein Leben mit allen Schwierigkeiten und aller Not in Gottes Hand gelegt.

Lasst euch von dem Vorbild leiten, das Jesus gegeben hat, geht in seinen Fußstapfen, so rät er. Das soll euer innerer Kompass sein.

Da liegen die Fußstapfen, wir gehen sie zurück durch diese dramatischen Tage des Endes, und sie heißen Verlassenheit, Verleugnung, Verrat auf dem Weg ins Sterben – und doch auch Vertrauen, Versöhnlichkeit, Fürsorge und der letzte Ruf: Es ist vollbracht. Die Fußstapfen liegen. Sie zeigen seinen Weg. Es war kein Weg der Selbstaufgabe, der Würdelosigkeit und des mangelnden Selbstwerts. Im Gegenteil. Bei der Tempelreinigung und bei den Verhandlungen vor den Hohepriestern und vor Pilatus, da zeigt sich Jesus selbstbewusst und stolz, als eine starke Persönlichkeit, als einer, der selbstbestimmt und ohne Selbstzweifel seinen Weg geht. Er lässt sich nicht beirren und er weicht seinem Schicksal nicht aus. Mit klarem Blick geht er einen Schritt nach dem anderen. Er geht seinen Weg. Er bleibt sich und seinen Überzeugungen treu. Er bleibt auf dem Weg der Liebe und der Verbundenheit mit Gott.

Es ist ein Weg, auf dem er sich auf die Andersartigkeit der anderen einlässt, auf ihren Blickwinkel, darauf, wie sich das Leben für sie anfühlt. Er fühlt sich ein. Aber er verliert sich nicht in ihrer Welt. Er stellt neben ihre Wirklichkeit seine Hoffnung und sein Gottvertrauen und sein Bild von einer anderen Welt und einem anderen Miteinander der Menschen. Er weitet den Horizont in die Wirklichkeit Gottes hinein, die sich hinter unserer Wahrnehmung auftut. Selbstbewusst und aufrecht, helfend und heilend, voller Nähe und Erbarmen. Er prägt die Begegnungen und setzt die entscheidenden Impulse für neue Perspektiven.

Petrus empfiehlt auch uns, in den Fußstapfen Jesu zu gehen, uns von seinem Vorbild leiten zu lassen wie von einem guten Hirten. Wir können das Werk Jesu nicht wiederholen. Wir können nicht tun, was er tat, aber wir können in unserem Tun Entsprechungen finden zu dem, was Jesus geleitet und angetrieben hat: Die innige Verbindung zu Gott und das grenzenlose Vertrauen in seine Nähe.

In diese innige Verbindung zu Gott will er uns führen. Wir finden sie in unseren Gebeten, wir finden sie in unserer Liebe, die zur Tat wird.

In dieser innigen Verbindung zu Gott finden wir die Freiheit, die sich durch äußere Umstände nicht einschränken lässt. Wir finden die Freiheit des Glaubens, die äußere Einschränkungen akzeptieren kann, wenn sie für eine gewisse Zeit nötig und hilfreich sind. Es ist die Freiheit unserem Glauben, unserer Liebe und unserer Hoffnung zu trauen und an ihnen festzuhalten. Denn sie weiten den Horizont, in dem wir unser Leben wahrnehmen. Aus dieser Freiheit kommt unser Antrieb und unsere Motivation, unser Einfühlen und Anteilnehmen, unser Beten und unsere Nächstenliebe. Amen.

 

Lied: NL 213,1-3 Wenn Glaube bei uns einzieht

1. Wenn Glaube bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt. Wenn Glaube bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt.

2. Wenn Liebe bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt. Wenn Liebe bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt.

3. Wenn Hoffnung bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt. Wenn Hoffnung bei uns einzieht, öffnet sich der Horizont. Wir fangen an zu leben, weil der Himmel bei uns wohnt.

Text: Martina Wittkowski 2004. Melodie: Ralf Grössler 2004. © Strube, München

 

Lasst uns beten:

Gott,

du hast uns die Freiheit finden lassen.

Eine Freiheit, die Perspektiven aufzeigt und Horizonte öffnet,

eine Freiheit, die aus der Verbindung mit dir erwächst.

Lass uns in Jesus ein Vorbild sehen.

In seinen Fußstapfen lass uns den Weg finden

Selbstbewusst und zuversichtlich

Zugewandt und aufmerksam

Mit offenen Augen für das, was nötig ist

mit einem Herzen, das sich bei dir geborgen weiß

mit Tagen voller Engagement und Tatkraft

damit diese Welt ein menschlicheres Gesicht bekommt.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

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1. SONNTAG NACH OSTERN, 19. April 2020

Wir beginnen mit dem Lied: EG 117 Der schöne Ostertag

1. Der schöne Ostertag! / Ihr Menschen, kommt ins Helle! / Christ, der begraben lag, / brach heut aus seiner Zelle. / Wär vorm Gefängnis noch der schwere Stein vorhanden, / so glaubten wir umsonst. / Doch nun ist er erstanden, / erstanden, erstanden, erstanden.

2. Was euch auch niederwirft, / Schuld, Krankheit, Flut und Beben - / er, den ihr lieben dürft, / trug euer Kreuz ins Leben. / Läg er noch immer, wo die Frauen ihn nicht fanden, / so kämpften wir umsonst. / Doch nun ist er erstanden, / erstanden, erstanden, erstanden.

3. Muss ich von hier nach dort - / er hat den Weg erlitten. / Der Fluss reißt mich nicht fort, / seit Jesus ihn durchschritten. /Wär er geblieben, wo des Todes Wellen branden, / so hofften wir umsonst. / Doch nun ist er erstanden, / erstanden, erstanden, erstanden.

Text: Jürgen Henkys 1983 frei nach dem englischen »This joyful Eastertide« von George Ratcliffe Woodward 1894 und dessen niederländischer Vorlage »Hoe groot de vrugten zijn« von Joachim Frants Oudaan 1684

Melodie: bei Dirk Raphaelszoon Camphuysen 1624

Wir feiern diesen Gottesdienst.

Jetzt ist Gott für uns da.

Er schenkt uns diese Welt.

Er macht uns lebendig.

Er kräftigt uns.

Jetzt sind wir bei Gott. Amen.

 

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1Petr 1,3)

Die Auferstehung Christi hat ein neues Licht in unsere Welt gebracht. In seinem Licht erscheint auch unser Leben neu. Quasimodogeniti - „wie die neugeborenen Kinder“ - das ist uns verheißen, das sollen wir schon jetzt sein, das sind wir durch die Taufe geworden, vertrauensvoll im Glauben auf das Wort, das uns herausruft.  

 

Wir beten heute mit Worten nach Psalm 116:

(nach Gottfried Schille)

Ich habe den Herrn lieb,

und ich sage auch gern, warum:

Als ich nach ihm rief, hat er mich gehört.

Darum will ich ihn rufen mein Leben lang.

Nach dem, wie meine Verwandten blickten,

was mir sagten, die es wissen müssen,

hatte ich mit dem Schlimmsten zu rechnen.

Wie klein erschien mir plötzlich mein Leben,

wie nutzlos – ja so ist das!

Aber ich rief: Herr, bitte, jetzt noch nicht!

Du heißt doch „gnädig und gütig“,

dich nennt man „barmherzig“,

es heißt, du nehmest ein Stammeln für voll,

das würdelose Stöhnen der Kranken.

Nun bin ich wieder ruhig.

Die Gefahr ist vorüber.

Er ließ mich nicht ins Bodenlose stürzen,

nicht dahin legen, wo kein Auge mehr weint.

Gewiss, Schmerzen sind geblieben,

aber mein Vertrauen ist fester als je.

Als ich ihn rief, habe ich ihm etwas versprochen.

Das soll nicht vergessen sein!

Sollte ich ihm leere Worte geben?

Wie die Gabe gewichtig sei auch mein Dank.

Amen.

 

 

Lied: EG 511 Weißt du wieviel Sternlein stehen

1. Weißt du, wie viel Sternlein stehen / an dem blauen Himmelszelt? / Weißt du, wie viel Wolken gehen / weithin über alle Welt? / Gott der Herr hat sie gezählet, / dass ihm auch nicht eines fehlet / an der ganzen großen Zahl, / an der ganzen großen Zahl.

2. Weißt du, wie viel Mücklein spielen / in der heißen Sonnenglut, / wie viel Fischlein auch sich kühlen / in der hellen Wasserflut? / Gott der Herr rief sie mit Namen, / dass sie all ins Leben kamen, / dass sie nun so fröhlich sind, / dass sie nun so fröhlich sind.

3. Weißt du, wie viel Kinder frühe / stehn aus ihrem Bettlein auf, / dass sie ohne Sorg und Mühe / fröhlich sind im Tageslauf? / Gott im Himmel hat an allen / seine Lust, sein Wohlgefallen; / kennt auch dich und hat dich lieb, / kennt auch dich und hat dich lieb.

Text: Wilhelm Hey 1837

Melodie: Volkslied um 1818

 

Predigt

„Weißt du wieviel Sternlein stehen?“ - welche Bilder entstehen vor Ihrem inneren Auge, wenn Sie dieses Lied hören?

Für die meisten ist es generationsübergreifend schon seit Kindertagen vertraut. In ihm kommt in ganz einfacher Sprache zum Ausdruck, dass Leben Beziehung ist. Noch bevor wir als Kinder den Sinn und Inhalt des Liedtextes verstanden haben, hat die Situation, in der es uns vorgesungen wurde, uns ein Gefühl davon gegeben, was es auch sprachlich zum Ausdruck bringen will. Durch die Geborgenheit des menschlichen Miteinanders zwischen Kind und vorsingendem/r Vater und/oder Mutter kurz vor der Ruhe der Nacht wird auch etwas begreifbar von der Beziehung, in die wir eingebettet sind in unserem Leben: Gott im Himmel hat an allen / seine Lust, sein Wohlgefallen; / kennt auch dich und hat dich lieb.

Auch unser Glaube ist Beziehung.

Wir glauben Gott als unvergleichliche Kraft, die am Beginn allen Lebens steht und die Welt und jeden einzelnen Menschen bejaht und ins Leben ruft. Das führt dazu, dass der Glaube unsere Weltsicht im entscheidenden Maße beeinflusst.

Naturwissenschaftliche Erkenntnisse stehen dem nur scheinbar gegenüber. Denn wenn man es genauer betrachtet, versucht unser Glaube nicht zu beschreiben WIE alles entstanden ist, sondern WARUM: Gott der Herr rief sie mit Namen, / dass sie all ins Leben kamen, / dass sie nun so fröhlich sind. Und da sind wir wieder bei der Beziehung.

Der Glaube an Gott als unser Schöpfer, der alle Dinge ins Leben ruft will nicht die naturwissenschaftliche Beschreibung der Welt ersetzen, sondern ihr Tiefe verleihen. Gott ruft uns beim Namen. Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! so steht es im Jesajabuch (Jes 43,1).

Durch persönliche Ansprache spüren wir: ich bin gemeint! Keine Ausrede.

Durch die Ansprache mit meinem Namen schafft es mein Gegenüber sogar, mich zu unterbrechen, wenn ich mich in Gedankenschleifen hineingedreht habe.

Zugegeben, manchmal braucht es da vielleicht ein bisschen Nachdruck: Christina! Spätestens dann aber merke ich: Huch, es gibt ja noch ein Außen. Etwas anderes als meine eigene begrenzte Sicht. Mein Blick hebt sich, wird wieder größer.

So ist es auch in der grundlegendsten all unserer Beziehungen:

Gott ruft uns ins Leben. Warum? Weil er will, dass wir leben.

Gott ruft uns beim Namen. Warum? Weil er Beziehung will.

Beziehung verbindet mich mit anderen, erweitert meinen Blick, schenkt meinem Leben Tiefe.

Deswegen sprechen zu Recht derzeit alle davon, dass man in diesen Zeiten des Rückzugs spürt, worauf im Leben es wirklich ankommt: das Leben zu teilen. Nicht nur auf facebook oder twitter, sondern im realen – spürbaren – Kontakt mit anderen.

Beziehung lässt uns spüren: es ist gut, dass es dich gibt. Es ist gut, dass du da bist. Es liegt mir etwas an dir und an dem, was du tust.

Diese Daseinsgewissheit ist elementar für unser Leben. Sie lässt uns leben. Und wenn wir diese Erfahrung immer wieder machen, dann gibt sie uns Kraft und verleiht uns Flügel.

Von dieser Erfahrung kraftspendender persönlicher Beziehung spricht auch der heutige Predigttext: Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?

Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. (Jes 40,26-31)

Starke Worte.

Flügel wie Adler, wie oft hätte ich das gerne, wenn die Mutlosigkeit meine Glieder schwer und müde macht.

Durch eine weitere Kraftanstrengung versuche ich dann, mir gedanklich Kraft einzureden: das musst du jetzt noch schaffen. Und oft genug denke ich dann am Ende: du hast es wieder nicht geschafft… du bist einfach zu nichts nutze!

Der Fehler, den ich so oft mache, ist, dass ich denke die Kraft müsste aus mir selbst kommen. ICH muss das schaffen. Dabei kann mir doch niemand helfen.

Aber der Predigttext korrigiert meine Gedankenspirale: die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler.

Am Anfang der Kraft steht die Beziehung.

Sie ist die Voraussetzung.

Das können wir auch in der Natur beobachten: Nester, in dem Adlerjunge heranwachsen, befinden sich hoch oben in steilen Felsen über einem tiefen Abgrund. Wenn die Adlermutter der Meinung ist, dass ihre Jungen flügge werden sollen, jagt sie sie aus dem Nest.

Die Jungen weigern sich natürlich und protestieren. Dann packt die Adlermutter den ersten ihrer Jungen mit den Krallen, fliegt mit ihm über den Abgrund und lässt es fallen.

Aus der Not heraus zappelt das Junge mit seinen Flügeln und versucht, zu fliegen. Aber die Muskulatur, um gut fliegen zu können, muss erst einmal trainiert werden. Es scheint so, als würde das Junge nun hilflos in den Abgrund stürzen. Dann aber schießt die Adlermutter steil nach unten, fängt ihr Kleines im Fallen auf und trägt es wieder nach oben. Nach einer kurzen Erholungspause beginnt das Spiel von vorne.

So lernt der junge Adler, seine Flügel zu benutzen, um eigenständig fliegen zu können. Er lernt aufzusteigen, nicht durch energetische Anstrengung, sondern indem er die thermalen Luftströmungen ausnutzt. Er breitet seine Flügel und Schwanzfedern aus und lässt sich vom Wind empor tragen, gleitet wieder hinunter und schwebt mit der nächsten Strömung wieder nach oben. Dieses Gleiten ermöglicht es dem Adler, mit geringem Energieaufwand und wenigen Flügelschlägen durch die Lüfte zu fliegen.

Im ersten Moment: der Schock. Doch durch ihn kann die Erfahrung wachsen, dass die Beziehung trägt. So bewahrt uns auch der Glaube nicht vor Krisen und bedrohlichen Situationen. Aber durch sie hindurch können wir die Erfahrung machen, dass wir aufgefangen sind in Beziehung. Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?

Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.
Ich denke an Maria Magdalena am Grab. Weinend steht sie da. Unvorstellbar erscheint ihr, was die Engel zu ihr sagen. So vieles spricht dagegen. Dann steht Jesus vor ihr, aber sie erkennt ihn nicht. Sie denkt, es wäre der Gärtner. Der Wendepunkt ist, als Jesus sie direkt und mit sanftem Nachdruck anspricht: Maria!

Jesus ruft sie aus ihrer verzweifelten Müdigkeit, indem er mit ihrem Namen ruft und an ihre Beziehung erinnert. Er korrigiert ihre Gedankenspirale. Dadurch wächst in ihr Vertrauen und neue Kraft zu.

 die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler. „Harren“, das ist ein altes Wort und bedeutet so viel wie: ich rechne damit, dass Gott kommt.

Ich kann darauf vertrauen, oder im Vertrauen leben, dass Gott kommt. Und wer das weiß, dass Gott kommt und einen nicht allein lässt, der kann sich getrost Gott anvertrauen.

Amen.

 

 

Lasst uns singen, laut oder leise: EG 112 Auf, auf, mein Herz, mit Freuden

1. Auf, auf, mein Herz, mit Freuden / nimm wahr, was heut geschicht; / wie kommt nach großem Leiden / nun ein so großes Licht! / Mein Heiland war gelegt / da, wo man uns hinträgt, / wenn von uns unser Geist / gen Himmel ist gereist.

2. Er war ins Grab gesenket, / der Feind trieb groß Geschrei; / eh er’s vermeint und denket, / ist Christus wieder frei / und ruft Viktoria, / schwingt fröhlich hier und da / sein Fähnlein als ein Held, / der Feld und Mut behält.

3. Das ist mir anzuschauen / ein rechtes Freudenspiel; / nun soll mir nicht mehr grauen / vor allem, was mir will / entnehmen meinen Mut / zusamt dem edlen Gut, / so mir durch Jesus Christ / aus Lieb erworben ist.

4. Die Höll und ihre Rotten, / die krümmen mir kein Haar; / der Sünden kann ich spotten, / bleib allzeit ohn Gefahr. / Der Tod mit seiner Macht / wird nichts bei mir geacht’: / er bleibt ein totes Bild, / und wär er noch so wild.

Text: Paul Gerhardt 1647

Melodie: Johann Crüger 1647

 

Wir beten

Du Auferstandener, Christus, unsichtbar in unserer Mitte. Zu dir beten wir.

Du bist das Leben.
Du hast dem Tod die Macht genommen.
Doch wir erleben, wie der Tod immer noch nach uns greift.
Wir bitten um dein Leben für die, die gegen den Tod ankämpfen,
dein Leben für die, die dem Tod ausgeliefert werden,
dein Leben für die, deren Kräfte versiegen.
Nimm uns die Angst. Schenk uns Glauben.

Christus, du Auferstandener. Du bist das Leben.
Du schenkst den Frieden, der die Welt überwindet.
Doch wir erleben, wie weiter Unfriede herrscht.
Wir bitten um deinen Frieden für die Menschen in Syrien,
deinen Frieden für alle, die eingesperrt und bedrängt werden,
deinen Frieden in unseren Häusern und Familien, in unserer Nachbarschaft, in unserem Land.
Nimm uns die Angst. Schenk uns Frieden.

Christus, du Auferstandener. Du bist das Leben.
Du gibst den Müden Kraft. Du lässt uns aufatmen.
Wir danken dir für den Atem, für die Menschen an unserer Seite, für den Glauben und dein Wort.

Dir vertrauen wir diese Welt an. Dir vertrauen wir uns an.
Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne dich und behüte dich.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.

Amen.

 

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Sonntag!

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Ostersonntag, 12. April 2020

Gottesdienstliche Gedanken von Christina Beck

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Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden! Das ist die unumstößliche Freudenbotschaft, die sich, heute wie damals, ausbreitet. Nach dem Dunkel des Karfreitags, der Fassungslosigkeit und der Trauer, der Einsamkeit des Leides leuchtet uns heute ein neues Licht – das Licht des Lebens.

 

Lasst uns beten:

Gott, du bist voller Leben.

Staunend stehen wir vor dir.

Du hast Jesus nicht im Tod gelassen, sondern ihn zu einem neuen Leben erweckt.

Ganz zaghaft und behutsam wollen wir uns diesem Wunder zuwenden.

Du bist stärker als alle Macht der Dunkelheit.

Deine Liebe besiegt sogar den Tod.

Jetzt kann uns nichts mehr von deiner Liebe trennen.

Du stimmst in uns ein neues Lied an, ein Lied der Freude und des Lebens:

Lied: EG 99 Christ ist erstanden

Christ ist erstanden / von der Marter alle; / des solln wir alle froh sein, / Christ will unser Trost sein. / Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden, / so wär die Welt vergangen; / seit dass er erstanden ist, / so lobn wir den Vater Jesu Christ’. / Kyrieleis.

Halleluja, / Halleluja, / Halleluja! Des solln wir alle froh sein, / Christ will unser Trost sein. / Kyrieleis.

Text: Bayern; Österreich 12. bis 15. Jh.

Melodie: Salzburg 1160/1433, Tegernsee 15. Jh., Wittenberg 1529

 

Predigt

Ich sehe nichts,“ sagt Salome. Maria schaut ihr über die Schulter, „Lass mich mal vor!“ Sie schiebt sich an ihr vorbei, bis sie mitten in dem in Felsen gehauenen Raum steht: „Du hast recht. Das Grab ist leer!“ Und die andere Maria sagt: „Aber ich war doch dabei! Sieh her, hier ist die Stelle, an der wir ihn hingelegt haben!“ Fassungslos schauen sich die Frauen an. Und dann sehen sie es alle auf einmal. Spüren es in sich, sind durchflutet von dem Licht. Dem Glanz. Und hören als wäre es in ihnen: „Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ Entsetzen packt die Frauen. Zitternd laufen sie aus dem Grab.

 

Der Bericht des Markus von der Auferstehung (Mk 16, 1-8) kennt (zunächst) keine Osterfreude. Vielmehr endet er auf eine Weise, bei der wir uns zunächst fragen, wie sich die Botschaft der Auferstehung ausbreiten konnte:

Zittern und Entsetzen, Schweigen.

Die Frauen verstehen nicht was da geschehen ist.

Früh am Morgen haben sie sich aufgemacht, ihr Herz noch voll vom fassungslosen Schrecken des Vergangenen. Sie mussten miterleben, wie ihr Freund und Meister grausam verhöhnt und zu Tode gemartert wurde. Er, durch dessen Taten sie so viel Hoffnung geschöpft hatten, Hoffnung auf Veränderung. Und dann: so viel Gewalt, so viel Schmerz, so viel sinnloses Leid. Tödliche Mächte haben Jesus das Leben gekostet, ersticken jede Hoffnung. Die Botschaft des Lebens dringt nur schwer in ihre Trauer und Verzweiflung hinein. Die Schatten des Todes lassen sich nicht so leicht abschütteln.

Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“ Die Botschaft von der Auferstehung – sie spricht mitten hinein in Gewalt und Tod. Und sie braucht Zeit, um sich durchzusetzen.

 

Tödliche Mächte haben Jesus das Leben gekostet, tödliche Mächte umgeben auch uns. Krankheit, Gewalt, Terror und Krieg reißen Menschen in den Tod. Schrecken und Entsetzen erfüllen uns angesichts der Bilder aus den Krankenhäusern in Italien und Spanien und den zahlreichen Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt.

Die viel zu vielen schlechten Nachrichten und das Erleben von Krankheit und Tod in der Familie – sie nagen an der Hoffnung der Menschen, an uns. Nimmt das Leid denn gar kein Ende? So viel Gewalt, so viel Schmerz, so viel sinnloses Leid – können wir noch auf eine Veränderung der Welt hoffen, wenn doch überall neue Gewalt, Tod und Verderben lauern? Krankheit und Isolation, Streit und Trennung, Sorge und Schmerz überschatten unser alltägliches Leben. Sie sind grausame Realitäten unserer Welt.

Die Botschaft von der Auferstehung, die Botschaft der Veränderung – sie spricht auch heute mitten hinein in Gewalt und Tod. Und sie braucht Zeit, um sich durchzusetzen.

 

Auch den Menschen in Korinth fällt es schwer, die Tragweite der Auferstehungsbotschaft in ihr Leben einsinken zu lassen. Sie glauben – und doch überschattet sie der Zweifel angesichts der Realität des Todes, die sie erleben. Da brauchen sie die erneute Ermutigung, die neue Zusage dessen, was sie zuvor gehört und geglaubt haben. Und so schreibt Petrus in seinem ersten Brief an die Korinther in Kapitel 15, 1-11:

Brüder und Schwestern, ich will euch auf die Gute Nachricht hinweisen, die ich euch verkündet habe. Ihr habt sie ja angenommen und sie ist euer fester Grund. Durch sie werdet ihr gerettet, wenn ihr an dem Wortlaut festhaltet, den ich euch verkündet habe. Wenn nicht, wärt ihr vergeblich zum Glauben gekommen. Was ich euch weitergegeben habe, habe ich selbst als Überlieferung empfangen. Grundlegend ist: Dass Christus für unsere Schuld gestorben ist – wie es in den Heiligen Schriften steht. Dass er begraben wurde und dass er am dritten Tag auferweckt wurde – wie es in den Heiligen Schriften steht. Und dass er sich Kephas gezeigt hat, danach auch den Zwölf.

 

Später sahen ihn über fünfhundert Brüder und Schwestern gleichzeitig. Die meisten von ihnen sind noch am Leben, einige sind allerdings auch schon gestorben. Danach hat er sich Jakobus gezeigt, schließlich allen Aposteln. Ganz zuletzt ist er auch mir erschienen – also gleichsam einem Missratenen. Ich bin nämlich der unwürdigste unter den Aposteln. Ich verdiene es eigentlich nicht, Apostel genannt zu werden. Denn ich habe die Gemeinde Gottes verfolgt. Aber durch die Gnade Gottes bin ich, was ich bin. Und seine Gnade, die er mir erwiesen hat, blieb nicht ohne Wirkung. Im Gegenteil:

Ich habe mehr für die Gute Nachricht gearbeitet als sie alle. Aber das habe ich nicht mir selbst zuzuschreiben, sondern der Gnade Gottes, die mich begleitet. Aber gleichgültig, ob ich es sage

oder die anderen Apostel: Das ist unsere Verkündigung und das ist der Glaube, den ihr angenommen habt.

 

Die Gute Nachricht, die Paulus an die Korinther weitergibt und die wir jedes Jahr neu an Ostern verkünden, ist kurz und bündig zusammengefasst:

Dass Christus für unsere Schuld gestorben ist.

Dass er begraben wurde. 

Dass er am dritten Tag auferweckt wurde.

Dass er sich Petrus gezeigt hat, danach auch den Zwölf.

 

Gestorben – begraben – auferweckt – sich gezeigt.

Einfach mutet diese Botschaft angesichts dieser Kürze an. Und doch steckt in diesen vier Verben eine Verwandlungskraft, die wir manchmal nur schwer begreifen können:

Das Leben überwindet den Tod.

Gottes Leidenschaft für das Leben kommt ans Licht, setzt sich durch.

 

Diese Kraft der Verwandlung, die in der Auferstehung Jesu offenbar wird, wirkt sich aus in der Welt.

Sie trifft zunächst auf die Menschen, denen sich der Auferstandene zeigt:

den Frauen, die unter dem Kreuz verharren und Jesus im Grab aufsuchen.

Aber er zeigt sich nicht nur denen, die ihm treu geblieben sind.

Nein, er zeigt sich auch Petrus, der ihn verleugnet hatte.

Er zeigt sich den Jüngern, die angesichts der Gefahr geflohen waren.

Er zeigt sich Thomas, der dem Zeugnis der anderen nicht glauben kann und lässt ihn seine Wunden fühlen.

Er zeigt sich den beiden Jüngern, die voller enttäuschter Hoffnungen zurückkehren wollen in ihr altes Leben nach Emmaus. Er begleitet sie auf ihrem Weg und lässt ihnen Zeit, das Unbegreifliche zu verstehen.

Der Auferstandene zeigt sich den Menschen, die mit ihrem Glauben gescheitert sind. Immer wieder tritt er unter sie und spricht: „Fürchtet euch nicht! Friede sei mit euch!

Durch die wiederkehrende Begegnung mit dem Überwinder des Todes werden auch die Jünger verwandelt: sie wenden sich ab vom Grab und hin zum Leben.

Aus ihrer Trauer wird Freude, aus ihrer Klage ein Lied.

Aus ihrem Zweifel wird Glaube.

Aus ihrem Kleinmut erwächst Tatendrang.

Aus Empfängern einer Botschaft werden Botschafter, die die Gute Nachricht weithin verkünden:

„Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“

 

Doch die Welt wehrt sich gegen diese Botschaft des Lebens. In ihr bleiben tödliche Mächte weiterhin Realität. Sie wehren sich und geben nicht so schnell auf. Als Verfolger der Christusgläubigen war Paulus selbst anfangs einer ihrer Diener, einer der größten Feinde der Auferstehungsbotschaft: „Ich bin nämlich der unwürdigste unter den Aposteln. Ich verdiene es eigentlich nicht, Apostel genannt zu werden. Denn ich habe die Gemeinde Gottes verfolgt.“ Paulus hielt die Botschaft der Auferstehung für eine Gefahr. Eine Gefahr für sein Weltbild. Deshalb kämpfte er mit aller Kraft dagegen an. Doch die Kraft der Verwandlung macht auch vor ihm nicht halt. Der Auferstandene stellt sich ihm in den Weg. Paulus erfährt am eigenen Leib die verwandelnde Kraft der Auferstehung. Auch er wird zum Botschafter des Lebens. Sein Ich, das nach der Begegnung ganz in der Verkündigung der Auferstehungsbotschaft aufgeht, ist Antwort auf die Gnade Gottes, die er als umwälzenden Freispruch empfindet. Er kann JA sagen zu dem, was er war und ist.

 

Die Verwandlungskraft des Ostergeschehens braucht Zeit, um sich durchzusetzen. Aber auch in unserem Leben kann sie spürbar werden und verändert unser Leben.

Sie wirkt, wo wir Dunkelheit gemeinsam aushalten und nicht fliehen bis sich das Licht in ihr bricht.

Wo Schuld nicht stehen bleibt, sondern ein Neuanfang gewagt werden darf.

Wo wir nicht stehen bleiben müssen bei dem, was ist.

Wo wir uns abwenden von enttäuschten Hoffnungen und unser Blick wieder frei wird für das Leben und seine Möglichkeiten.

Wo wir einander Botschafter der Auferstehung sind oder uns den Glauben der anderen leihen können, wenn Zweifel uns klein halten.

Sie wirkt da, wo das Leben wieder zu Blühen beginnt.

 

Die Botschaft von der Auferstehung verändert aber nicht nur unser Leben, sondern auch unser Sterben. Auch für uns ist der Tod nicht das Ende! Unser Tod – egal wie grausam er auch das Leben unterbrechen mag – ist der Auftakt zu etwas Neuem. Die Auferstehungsbotschaft ist eine Hilfe beim, nicht zum Sterben.

 

Die Verwandlungskraft des Ostergeschehens braucht Zeit, um sich durchzusetzen. Ostern ist schon und muss doch immer wieder neu erst werden. Die Verwandlungskraft des Ostergeschehens braucht Zeit, um sich durchzusetzen aber sie kann nicht aufgehalten werden:

Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja! Amen.

 

Lasst uns singen, laut oder leise: EG 116 Er ist erstanden, Halleluja

1. Er ist erstanden, Halleluja. / Freut euch und singet, Halleluja. / Denn unser Heiland hat triumphiert, / all seine Feind gefangen er führt.

2. Er war begraben drei Tage lang. / Ihm sei auf ewig Lob, Preis und Dank; / denn die Gewalt des Tods ist zerstört; / selig ist, wer zu Jesus gehört.

3. Der Engel sagte: »Fürchtet euch nicht! / Ihr suchet Jesus, hier ist er nicht. / Sehet, das Grab ist leer, wo er lag: / er ist erstanden, wie er gesagt.«

4. »Geht und verkündigt, dass Jesus lebt, / darüber freu sich alles, was lebt. / Was Gott geboten, ist nun vollbracht, / Christ hat das Leben wiedergebracht.«

Kehrvers: Lasst uns lobsingen vor unserem Gott, / der uns erlöst hat vom ewigen Tod. / Sünd ist vergeben, Halleluja! / Jesus bringt Leben, Halleluja!

Text: Ulrich S. Leupold 1969 nach dem Suaheli-Lied »Mfurahini, Haleluya« von Bernard Kyamanywa 1966

Melodie: aus Tansania

 

Wir beten

Jesus Christus, durch deine Auferstehung verwandelst du unser Leben.

Wir danken dir für die Osterspuren in unserem Leben:

für alles, was uns aufatmen und befreit lachen lässt,

für Situationen, in denen das Dunkel sich auflöst

und in denen wir zu neuem Mut finden.

Danke dafür, dass wir immer wieder einen neuen Anfang wagen dürfen.

Wir bitten dich für diejenigen, die heute nicht feiern können:

für die Traurigen, 

für Zweifler,

für die, die keinen Ausweg sehen

und für die, die leiden unter Krankheit, Hunger und Gewalt.

Lass die Hoffnung nicht untergehen und schenke auch ihnen Zeichen deiner österlichen Verwandlung.

Wir bitten dich für uns,

bewahre uns vor Ängstlichkeit und Kleinmut, damit wir eintreten für das Leben,

aufbegehren gegen den Tod den Menschen einander zufügen,

aufbrechen die Grenzen die Menschen zwischen sich ziehen.

Begegne uns mit der verwandelnden Kraft deiner Auferstehung.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Gottes Segen leuchte dir wie das Licht am Ostermorgen.

Gottes Friede begleite dich.

Gottes Liebe beflügle dich.

Gottes Freude rühre dich an.

Amen.

 

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Feiertag!


Osternacht in Oßweil am 12. April 2020

Eine österliche Morgenandacht von Christina Beck

„wo einer im Dunkeln nicht verstummt“

 

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Normalerweise: 5.30 Uhr. Es ist dunkel. Glocken läuten mitten in der Nacht. Einige Menschen haben sich aufgemacht. Sie legen ihren warmen Mantel enger um sich. Die Nacht ist kalt. Vor der Kirche brennt das Osterfeuer. Licht inmitten der Dunkelheit.

 

Der Hahnenschrei

Stolz, aufrecht, ja geradezu triumphierend: so steht der Hahn da.

Aus seinem Schnabel: ein Schrei.

Unbarmherzig breitet er sich aus über dem Mann, der sich die Ohren zuhält.

Er will es nicht hören - aber das hilft ihm nichts.

Gnadenlos gellt der Schrei über ihm und wächst in die Stille.

Bedrängend. Niederschmetternd.

Petrus, am Boden zerstört.

Die Augen hat er geschlossen, bloß nichts sehen, nichts hören, nichts wahrnehmen.

Stumme Tränen rinnen ihm über das müde Gesicht.

Er ist entsetzt über sich selbst.

Er wollte doch stark sein, ein Fels!

Da hatte er doch noch so groß getönt: „Auch wenn ich mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen!“ (Mk. 14,31)

Und jetzt das: Gleich dreimal hat er es abgestritten – „Nein, ich kenne den Mann nicht.“

6 Worte, sie reichen um das größte Versagen seines Lebens zu untermauern.

Nun hält der Hahnenschrei ihm den Spiegel vor: so einer bist du, Petrus.

Ein Großmaul. Ein Feigling. Verrätst deinen besten Freund.

Da zerbricht das Bild von sich selbst.

In Scherben liegt vor ihm, was er sein wollte: ein starker, verlässlicher Freund. Ein Fels.

Und nach dem Schrei: Stille.

Totenstille.

 

Wegworte

Wie soll es weitergehen?

Wenn wir vor Scherben stehen,

ent-täuscht von uns selbst und von dem Bild, das wir gerne von uns hätten?

Wie soll es weitergehen?

Wenn wir keinen Weg sehen,

wenn wir den nächsten Schritt nicht kennen

wenn die Zukunft unmöglich scheint?

Ob wir uns dann besinnen können,

auf das, was uns mal getragen hat?

Ob wir dann den Blick nach vorn wenden können,

obwohl wir lieber das Vergangene beweinen würden?

Ob wir aufstehen und den ersten Schritt wagen mit der Bitte:

Bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, ach bleib mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott.

 

Erfahrungen aus der Dunkelheit – Die Kreuzigung Jesu nach Mk 15,25-34

25 Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten.

26 Auf einem Schild stand der Grund für seine Verurteilung: »Der König der Juden«.

27 Mit Jesus kreuzigten sie zwei Verbrecher. Den einen rechts, den anderen links von ihm.

29 Die Leute, die vorbeikamen, lästerten über ihn. Sie schüttelten ihre Köpfe und sagten: »Ha! Du wolltest doch den Tempel abreißen und in nur drei Tagen wieder aufbauen.

30 Rette dich selbst! Steig vom Kreuz herunter.«

31 Genauso machten sich die führenden Priester zusammen mit den Schriftgelehrten über ihn lustig. Sie sagten: »Andere hat er gerettet. Sich selbst kann er nicht retten.

32 Der Christus, der König von Israel, soll jetzt vom Kreuz herabsteigen. Wenn wir das sehen, glauben wir an ihn.«

33 Es war die sechste Stunde, da breitete sich im ganzen Land Finsternis aus. Das dauerte bis zur neunten Stunde.

34 In der neunten Stunde schrie Jesus laut: »Eloï, Eloï, lema sabachtani?« Das heißt übersetzt: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?«

 

Erfahrungen aus der Dunkelheit

Das Unvorstellbare ist geschehen.

Sie haben Jesus tatsächlich gekreuzigt.

Mit einem dumpfen Schlag fällt der Stein vor das Grab.

Es ist vorbei.

Nichts geht mehr.

Jesus ist dem Tod übergeben.

Keine Spur von Leben.

Da ist nur noch Totenstille.

Und die Hoffnung ist umfangen von Dunkelheit.

 

Bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, ach bleib mit deiner Gnade bei uns, du treuer Gott.

 

Einzug des Lichts

Der Tag bricht an. Er vertreibt Dunkel und Zweifel. Er beendet das Morgengrauen mit seinem Licht: Christus unser Licht - Gott sei ewig Dank!

 

Von der Dunkelheit ins Licht: EG 551 Wo einer dem andern neu vertraut

1. Wo einer dem andern neu vertraut / und mit ihm eine Brücke baut, / um Hass und Feindschaft zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

2. Wo einer am Ende nicht verzagt / und einen neuen Anfang wagt, / um Leid und Trauer zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

Kehrvers: Wo einer im Dunkeln nicht verstummt, / sondern das Lied der Hoffnung summt, / um Totenstille zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

3. Wo einer das Unrecht beim Namen nennt / und sich zu seiner Schuld bekennt, / um das Vergessen zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

4. Wo einer das Unbequeme wagt / und offen seine Meinung sagt, / um Schein und Lüge zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

Kehrvers

5. Wo einer gegen die Strömung schwimmt / und fremde Lasten auf sich nimmt, / um Not und Leiden zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

6. Wo einer dich aus der Trägheit weckt / und einen Weg mit dir entdeckt, / um hohe Mauern zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

Kehrvers

Text: Reinhard Bäcker 1986, Melodie: Detlev Jöcker 1986

 

Erfahrungen aus dem Licht – Das Osterevangelium Mt 28, 1-8

1 Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.

3 Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee.

4 Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot.

5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.

6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat;

7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.

8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen.

 

Erfahrungen aus dem Licht – Christ ist erstanden

Christ ist erstanden / von der Marter alle; / des solln wir alle froh sein, / Christ will unser Trost sein. / Kyrieleis.

Wär er nicht erstanden, / so wär die Welt vergangen; / seit dass er erstanden ist, / so lobn wir den Vater Jesu Christ’. / Kyrieleis.

Halleluja, / Halleluja, / Halleluja! Des solln wir alle froh sein, / Christ will unser Trost sein. / Kyrieleis.

Text: Bayern; Österreich 12. bis 15. Jh.

Melodie: Salzburg 1160/1433, Tegernsee 15. Jh., Wittenberg 1529

 

Ostergedanken

Da ist einer im Dunkel nicht verstummt.

Er stimmt summend ein Lied an.

Hoffnung keimt.

Leise, zögerlich vielleicht.

Die dunklen Schatten, sie liegen noch über ihm.

Ein erster Lichtstrahl fällt ins Dunkel.

Er summt weiter, etwas lauter nun.

Ein anderer hört sein Summen.

Er schöpft Mut.

Vorsichtig steigt er mit ein.

Die Melodie schwillt an.

Der Funke der Hoffnung springt über auf andere.

 

Wer die Hoffnung nicht aufgibt

und offen bleibt für das, was keiner zu hoffen wagte,

wer den Glauben nicht aufgibt an das, was alle Vorstellungen sprengt,

dem wird das Wunder jenes (Neu-)Anfangs zur Gewissheit:

Wo einer im Dunkeln nicht verstummt, / sondern das Lied der Hoffnung summt, / um Totenstille zu überwinden, / da kannst du Osterspuren finden.

Wer das Wunder dieses Anfangs in sich trägt,

verändert seine Sicht,

bleibt nicht allein,

findet andere Hoffnungsträger und tut sich mit ihnen zusammen,

damit sich das Lied ausbreitet und die Totenstille vertreibt.

 

Normalerweise teilen wir an dieser Stelle Brot und Traubensaft,

wir teilen das Leben und die Freude. Vielleicht können Sie ja beim Frühstück ganz bewusst das Brot nehmen: als Zeichen der Verbundenheit in der Isolation. Das Brot stärkt, es stillt unseren Hunger nach Leben. Es ist ein Zeichen der Gemeinschaft – wir sind alle ohne Unterschied eingeladen am Tisch unseres auferstandenen Herrn!

Lied: 550, 1-4 Die Sonne geht auf

1. Die Sonne geht auf: Christ ist erstanden! / Die Nacht ist vorbei: Christ ist erstanden! / Die Sonne geht auf. / Vergessen sind Ängste, Not, Kummer und Schmerzen, / wir atmen freier und singen von Herzen: / Die Sonne geht auf: Christ ist erstanden! / Die Nacht ist vorbei.

4. Die Freude ist groß: Christ ist erstanden! / Wir halten sie fest: Christ ist erstanden! / Die Freude ist groß. / O Herr, hilf, daß wir auch in unseren Tagen / den Menschen die Botschaft der Hoffnung sagen. / Die Freude ist groß: Christ ist erstanden! / Halleluja!

Text und Melodie: Hans-Martin Rauch 1980

 

Gebet und Vater unser

Jesus Christus, du Auferstandener, durch das Dunkel hindurch sehen wir dein Licht.

Wir wollen es in uns aufnehmen.

Es weckt in uns ein Lied der Hoffnung, der Freude und des Lebens.

Hilf uns, dein Lied hinauszutragen in die Welt, durch unser Engagement für ein Miteinander, das immer mehr von Gerechtigkeit und Frieden, Respekt und Achtung vor dem Weg der Anderen geprägt ist.

Lass dein Lied auch erklingen in den Krankenhäusern, den verwinkelten Gassen, den Kriegsgebieten. Du bist an den Einsamen und Kranken und Verzweifelten nicht vorübergegangen. Du hast ihnen deine heilsame Nähe geschenkt.

Wir bitten für alle Menschen, die an Körper, Seele oder Geist erkrankt sind. Mögen sie gesund werden und, falls dies nicht möglich ist, die Hoffnung und den Glauben nicht verlieren. Stärke uns, damit wir sie nicht allein lassen oder gar vergessen, sondern mit ihnen aushalten, was sie zu tragen haben.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Gottes Segen leuchte dir wie das Licht am Ostermorgen.

Gottes Friede begleite dich.

Gottes Liebe beflügle dich.

Gottes Freude rühre dich an.

Amen

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Feiertag!


Karfreitag, 10. April 2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

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Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Lasst uns beten

Gott, den Ruf der Verlassenheit habe ich im Ohr,

unzählige Male geschrien, meist ungehört, verhallt im Raum der Gleichgültigkeit.

Du musst ihn doch hören, diesen Ruf, von denen, die nicht mehr wissen,

was sie ihren Kindern zu Essen geben sollen, von denen, die nicht mehr wissen,

ob sie der Gewalt entrinnen können und dem Chaos, das sie umgibt;

von denen, die zurückgeblieben sind, die keine Träne mehr weinen können

um ihre Söhne und Töchter, ihre Väter und Mütter,

die allein zurückgeblieben sind ohne Zukunft.

Du muss ihn doch hören, den Ruf der Verlassenheit,

von denen, die trauern um den Menschen, der nicht mehr da ist,

um die Arbeit, die verloren ging, um die Hoffnung, die begraben liegt.

Lass mich den Weg finden, Gott, und die Kraft des Glaubens,

der mit den Schreien der Klage das Tor der Erinnerung öffnet,

und Zugang zu einer Vergangenheit verschafft,

in der du da warst, hilfreich, segnend, bewahrend, stärkend.

Lass mich den Weg finden, Gott, von der Klage zur Erinnerung

und von der Erinnerung zu neuem Vertrauen.

Du lässt den nicht los, der dich nicht mehr spürt,

der den Boden unter den Füßen verloren hat,

der keine Zukunft sieht.

Geh mit uns, Gott, sei du unser Licht, wenn die Dunkelheit uns umgibt,

mit ihren Ängsten und Sorgen. Amen.

Lied EG 81 Herzliebster Jesu

1. Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen, / daß man ein solch scharf Urteil hat gesprochen? / Was ist die Schuld, in was für Missetaten / bist du geraten?

2. Du wirst gegeißelt und mit Dorn gekrönet, / ins Angesicht geschlagen und verhöhnet, / du wirst mit Essig und mit Gall getränket, / ans Kreuz gehenket.

3. Was ist doch wohl die Ursach solcher Plagen? / Ach, meine Sünden haben dich geschlagen; / ich, mein Herr Jesu, habe dies verschuldet, / was du erduldet.

4. Wie wunderbarlich ist doch diese Strafe! / Der gute Hirte leidet für die Schafe, / die Schuld bezahlt der Herre, der Gerechte, / für seine Knechte.

Text: Johann Heermann 1630; Melodie: Johann Crüger 1640 nach Guillaume Franc 1543 (zu Psalm 23)

 

Predigt

Lassen Sie die Worte noch einmal auf sich wirken, diese Sätze des Apostels Paulus, geschrieben an die Gemeinde in Korinth, als Versuch das Geheimnis des Karfreitags zu verstehen und zu deuten. Lassen Sie die Worte von der Versöhnung noch einmal auf sich wirken und gehen Sie dann, mit diesen Worten im Gepäck mit mir hinein in die Geschichte jenes Karfreitags.

19Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. 20So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! 21Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

 

Kommen Sie mit mir in die Szenerie, dort auf dem Berg Golgatha. Da stehen sie, die drei Kreuze, mit den beiden Verbrechern und mit Jesus. Alle sind sie da:

- die Kriegsknechte und ihr Hauptmann

- das Volk, passiv und neugierig, in sicherem Abstand, so, dass sie alles sehen können, ohne Gefahr zu laufen in die Geschehnisse verwickelt zu werden,

- in sicherem Abstand haben sich auch seine Freunde und Bekannten, die Jünger und die Frauen an den Ort des Geschehens gewagt, sie ertragen den Anblick, zeigen durch ihre Anwesenheit ihre Nähe und ihre Verzweiflung.

Jeder hat seinen Ort gefunden, von dem aus er das Geschehen verfolgt, jeder hat seine Position gefunden – und mit der Position auch seine Meinung, seinen Standpunkt. Sie erleben die gleiche Geschichte, und jeder muss sie deuten, für sich begreifen, verstehen, einordnen.

Da waren sie, die Kriegsknechte, die weit von ihrer Heimat ihren Dienst taten, in einem Volk, dem sie nicht verbunden waren. Sie taten ihre grausame Pflicht. Es war ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Ordnung aufrecht erhalten blieb. Jede Unruhe war im Keim zu ersticken. Wer nicht ins Bild passte wurde aus dem Weg geschafft. So war das eben. Wer das Land besetzt hat, hat die Macht. Bestimmt die Regeln. Wer die Macht hat, hat recht. Zumindest in seinen eigenen Augen. Dafür muss es eben Opfer geben. Menschen bluten und sterben, und bis heute steht der Rauch über den besiegten Städten, liegen Messer an den Kehlen der Geiseln. Nicht immer sind die Machtverhältnisse so eindeutig wie damals in Jerusalem.

Die Oberen und die Soldaten spotten: Bist du der Christus, dann hilf dir selbst und steig vom Kreuz herab

Aber Jesus steigt nicht vom Kreuz herab. Er verlässt nicht seinen Weg. Er weicht dem Leiden nicht aus. Er hält stand.

Er fügt sich nicht aus Schwäche, sondern aus Stärke!

Sie, die Kriegsknechte, die Besatzer, diese Garanten einer zweifelhaften Ordnung und Ruhe, sie hören dieses unerhörte und geheimnisvolle Wort Jesu, sie sind nah genug dabei, sie hören es genau, dieses: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Ein Satz, in dem sich die größte Herausforderung unseres Glaubens spiegelt. Jesus blieb sich treu und seinem Wort in der Bergpredigt, selbst und gerade als es ihn selber trifft: „Liebet eure Feinde!“ Es geht wohl von Mund zu Mund. Und wird schon überholt von der nächsten Ungeheuerlichkeit:

Die ganze Botschaft seines Lebens leuchtet da am Kreuz noch einmal auf. Die Schächer am Kreuz – sie sterben mit ihm. Der eine, angestachelt von der Menge, stimmt ein in den Spott, mutig geworden, jetzt, wo er nichts mehr zu verlieren hat.

Doch der andere hat sich bewegen lassen. „Wir empfangen, was unsere Taten verdienen,“ sagt er.

Aber Jesus steht für ein anderes Recht, er hat eine andere Gerechtigkeit Gottes gepredigt. Was am Ende zählt und über uns richtet, das sind nicht unsere Taten, sondern allein Gottes Güte, die stärker ist als alles Rechtsdenken! Hier gilt nicht mehr der alte Satz: Schuld bedarf der Sühne. Hier, am Stamm des Kreuzes wächst eine neue Logik der Gerechtigkeit, die ungekannte Früchte tragen will. Schuld bedarf nicht mehr der Sühne, weil Gott in Jesus das Schema von Schuld und Sühne aufgelöst hat.

Wahrlich, ich sage dir: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein,“ das ist das Evangelium für den Schächer am Kreuz, für den, dessen Taten den Tod verdient haben. Da ist keine Sühne, da ist kein Opfer, keine Wiedergutmachung, er rechnet die Sünde nicht zu, streicht sie von der Rechnung. Versöhnung ist ohne Berechnung.

Das war neu, das widersprach allem, was seither galt. Versöhnung ohne Sühne, Gerechtigkeit ohne Opfer, das alte Denken bekommt einen Riss, mindestens so tief wie der Vorhang im Tempel, der für dieses Denken steht, für dieses Denken, das für die Gerechtigkeit ein Opfer fordert.

Der Vorhang im Tempel, so erzählen die Evangelien, reißt entzwei. Der Blick wird frei, nicht entsetzlich vernichtend, nicht voller Furcht, die erzittern und zurückschrecken lässt, es bleibt nicht finster, die Sonne verliert nicht ihren Schein. Eine neue Sonne geht auf über dem Kreuz, die Sonne der Gerechtigkeit.

Sicher, manche schlugen sich zufrieden auf die Brust. Sie dachten, die Ordnung ist wiederhergestellt, der Unruhestifter ist weg. Aber sie täuschten sich. Das alte ist vergangen und Neues ist geworden. Ein Neues, das seinen Weg findet in die Herzen der Menschen, obwohl es ungewohnt und neu ist. Versöhnung ohne Sühne, Gerechtigkeit ohne Opfer. Das bewegt und lockt und macht Mut, diesem Gott zu vertrauen.

Der Hauptmann, zum Beispiel, hatte es gehört: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“

Dieses Neue ist nicht aufzuhalten, nicht durch Terror und Gewalt. Es ist nicht aufzuhalten, wenn es denn gewollt und gelebt wird, wenn es denn eine Chance bekommt, im Toben der Kräfte, es ist nicht aufzuhalten, denn Jesus hat es in Gottes Hand gelegt.

Der Hauptmann wurde nachdenklich, wurde erfasst von der verändernden Kraft des Geheimnisses vom Kreuz. Er hat seinen Standpunkt verändert: Die Saat des Neuen beginnt in ihm aufzugehen.

Und die Frauen, die allem standgehalten haben mit klammem Herzen, sie sind die stummen Zeugen des Geschehens, sie sind es, die versuchen das Unfassbare zu fassen.

Aber das gehört wohl zum Geheimnis des Karfreitags, zum Wunder der neuen Gerechtigkeit: Sie lässt sich nicht einfach begreifen. Es ist wohl die Herausforderung des Karfreitags, dass wir uns wie die Frauen und die Freunde Jesu und wie der Hauptmann auf den Weg machen müssen, und mit Leben füllen, was Jesus bis in seine Todesstunde hinein gepredigt hat:

Solidarität, die versöhnt, ohne zu fordern. Solidarität im Leiden, in der Verzweiflung, im Tod, aber auch in wunderbarer Weise Solidarität in einem Leben, in dem die Fülle der Hoffnung und des Vertrauens und der Güte wohnt, damit es alle Welt sieht und hört und glaubt.

(19)Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

(20)So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Laßt euch versöhnen mit Gott!

(21)Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. Amen.

Lied  EG 97,1-3.6 Holz auf Jesu Schulter

1. Holz auf Jesu Schulter, / von der Welt verflucht, / ward zum Baum des Lebens / und bringt gute Frucht.

Kyrie eleison, / sieh, wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, / laß uns auferstehn.

2. Wollen wir Gott bitten, / daß auf unsrer Fahrt / Friede unsre Herzen / und die Welt bewahrt.

Kyrie eleison, / sieh, wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, / laß uns auferstehn.

3. Denn die Erde klagt uns / an bei Tag und Nacht. / Doch der Himmel sagt uns: / Alles ist vollbracht!

Kyrie eleison, / sieh, wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, / laß uns auferstehn.

6. Hart auf deiner Schulter / lag das Kreuz, o Herr, / ward zum Baum des Lebens, / ist von Früchten schwer.

Kyrie eleison, / sieh, wohin wir gehn. / Ruf uns aus den Toten, / laß uns auferstehn.

Text: Jürgen Henkys ( 1975 ) 1977 nach dem niederländischen »Met de boom des levens« von Willem Barnard 1963

Melodie: Ignace de Sutter 1964

 

Wir beten

Wandle auch uns, Gott, damit aus unserer Trägheit Phantasie wird und aus unserer Verzagtheit Mut.

Wandle uns, damit wir den Leidenden zu Boten des Friedens werden.

Gott, aus dem Brot der Tränen ist das Brot des Lebens geworden.

Wandle auch uns, damit wir einander annehmen wie du uns angenommen hast.

Laß uns weitergehen als eine Gemeinschaft, in der Geben nicht mehr ist als Empfangen, in der Stark sein nicht mehr ist als Leiden, in der Reichsein nicht mehr ist als Armsein.

Lass Frieden werden, Gott, Frieden nicht nur über den Gräbern derer, die sich für Freiheit und Gerechtigkeit einsetzen, sondern Frieden überall auf deiner weiten Erde, wo Menschen um Macht und Einfluß ringen, wo sie noch das alte Lied von Rache und Vergeltung singen. Frieden, Gott in den Herzen der Menschen, Frieden, der ausstrahlt und der Erde ein neues Gesicht verleiht. Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Feiertag.

 

 

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Gründonnerstag, 9.4.2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

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Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

zum Gründonnerstag gehört die Geschichte vom letzten gemeinsamen Mahl von Jesus mit seinen Jüngern und von der Einsetzung des Abendmahls. Da fehlt schon was, wenn wir neben den Gedanken und Geschichten nicht die Feier des Abendmahls erleben und in den Gaben von Brot und Wein die Gegenwart von Jesus.

Dieses Jahr ist alles anders. Wir werden uns mit Gedanken und Geschichten und Gebeten und Liedern begnügen. Und spüren in diesen Tagen doch besonders deutlich, was damals in der Geschichte von Jesus spürbar war: Wie wichtig die Menschen sind, die uns vertraut sind, denen wir offen und ungeschützt begegnen können: Alle die Menschen, die uns freundschaftlich und in Liebe verbunden sind und uns durch unser Leben begleiten.

 

Lasst uns beten:

Es tut gut, Gott, Freunde zu haben.

Freunde, auf die Verlass ist,

Freunde, mit denen wir unsere Siege und Niederlagen teilen können.

Sie bilden das Netz, in dem unsere Lebensgeschichten getragen sind.

Was wären wir ohne solche Beziehungsnetze.

Wie könnten wir die Krisen unseres Lebens ohne sie bewältigen.

Lass uns spüren, dass Jesus auch so ein Knoten in unserem Netz ist.

Dass er mit drin ist.

Nicht als einer unter vielen.

Er verbindet uns mit allen, die mit ihm verbunden sind.

Zum Netzwerk des Glaubens.

In dem wir auch in schweren Zeiten verbunden bleiben

Füreinander einstehen, miteinander tragen und ertragen und das Leben mit allen seinen Facetten teilen. Amen.

 

Schriftlesung Lk 22,7-20 Das Abendmahl

7 Es kam nun der Tag der Ungesäuerten Brote, an dem man das Passalamm opfern musste. 8 Und er sandte Petrus und Johannes und sprach: Geht hin und bereitet uns das Passalamm, damit wir's essen. 9 Sie aber fragten ihn: Wo willst du, dass wir's bereiten? 10 Er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr hineinkommt in die Stadt, wird euch ein Mensch begegnen, der trägt einen Wasserkrug; folgt ihm in das Haus, in das er hineingeht, 11 und sagt zu dem Hausherrn: Der Meister lässt dir sagen: Wo ist der Raum, in dem ich das Passalamm essen kann mit meinen Jüngern?

12 Und er wird euch einen großen Saal zeigen, der mit Polstern versehen ist; dort bereitet es. 13 Sie gingen hin und fanden's, wie er ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passalamm. 14 Und als die Stunde kam, setzte er sich nieder und die Apostel mit ihm. 15 Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich verlangt, dies Passalamm mit euch zu essen, ehe ich leide. 16 Denn ich sage euch, dass ich es nicht mehr essen werde, bis es erfüllt wird im Reich Gottes. 17 Und er nahm den Kelch, dankte und sprach: Nehmt ihn und teilt ihn unter euch; 18 denn ich sage euch: Ich werde von nun an nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis das Reich Gottes kommt. 19 Und er nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. 20 Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund1 in meinem Blut, das für euch vergossen wird!

Lied 430,1-4 Gib Frieden, Herr, gib Frieden

 

1. Gib Frieden, Herr, gib Frieden, die Welt nimmt schlimmen Lauf.

Recht wird durch Macht entschieden, wer lügt, liegt obenauf.

Das Unrecht geht im Schwange, wer stark ist, der gewinnt.

Wir rufen: Herr, wie lange? Hilf uns, die friedlos sind.

 

2. Gib Frieden, Herr, wir bitten! Die Erde wartet sehr.

Es wird so viel gelitten, die Furcht wächst mehr und mehr.

Die Horizonte grollen, der Glaube spinnt sich ein.

Hilf, wenn wir weichen wollen, und lass uns nicht allein.

 

3. Gib Frieden, Herr, wir bitten! Du selbst bist, was uns fehlt.

Du hast für uns gelitten, hast unsern Streit erwählt,

damit wir leben könnten, in Ängsten und doch frei,

und jedem Freude gönnten, wie feind er uns auch sei.

 

4. Gib Frieden, Herr, gib Frieden: Denn trotzig und verzagt

hat sich das Herz geschieden von dem, was Liebe sagt!

Gib Mut zum Händereichen, zur Rede, die nicht lügt,

und mach aus uns ein Zeichen dafür, dass Friede siegt.

Text: Jürgen Henkys (1980) 1983 nach dem niederländischen »Geef vrede, Heer, geef vrede« von Jan Nooter 1963

Melodie: Befiehl du deine Wege (Nr. 361)

 

Predigt über 2. Mose 12,1-14 Einsetzung des Passafestes

Der Predigttext für diesen Gründonnerstag geht zurück in die Tradition des Volkes Israel. Aus der Knechtschaft in Ägypten hat Gott sich sein Volk erwählt. Er hat Mose berufen, sein Volk in die Freiheit zu führen. Sie erinnern sich. Das war nicht so einfach. Der Pharao schätzte die Arbeitskraft seiner Sklaven und wollte sie nicht ziehen lassen. Es brauchte viele Plagen, bis der Pharao bereit war dieses Sklavenvolk in die Freiheit zu entlassen. Diese Urerfahrung Israels spiegelt sich im Passahmahl wider, von seiner Einsetzung als Mahl des Aufbruchs und der Bewahrung und als Mahl der Erinnerung, das diese Befreiungstat Gottes im Bewusstsein hält. Die Tradition Israels und die Geschichte des Leidens von Jesus verschränken sich am Sederabend. Als die Israeliten ihr Passah feierten, da entstand unser Abendmahl. So hören wir hinein in die Einsetzung des Passahmahls in 2. Mose 12,1-14:

1 Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: 2 Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen. 3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. 4 Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er's mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können. 5 Ihr sollt aber ein solches Lamm nehmen, an dem kein Fehler ist, ein männliches Tier, ein Jahr alt. Von den Schafen und Ziegen sollt ihr's nehmen 6 und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. 7 Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und die obere Schwelle damit bestreichen an den Häusern, in denen sie's essen, 8 und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen. 9 Ihr sollt es weder roh essen noch mit Wasser gekocht, sondern am Feuer gebraten mit Kopf, Schenkeln und inneren Teilen. 10 Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr's mit Feuer verbrennen. 11 So sollt ihr's aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es essen als die, die hinwegeilen; es ist des HERRN Passa. 12 Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter, ich, der HERR. 13 Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage. 14 Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

Bis heute feiern die Juden das Passafest. Es hat sich seitdem verändert und wurde mit einer festen Liturgie ausgestaltet, bei der die Bedeutung der Speisen auf dem Tisch und der Grund dieses Essens in einem fröhlichen Frage- und Antwortspiel erklärt werden. Der Jüngste fragt und die Familie antwortet. Und die Befreiungstat Gottes steht im Raum. Ein Fest der Freude, ein Fest der Dankbarkeit, ein Fest, das auch den Ursprung festhält, gegen alle Überheblichkeit: Wir waren Sklaven in Ägypten. Mit diesem Aufbruch fing alles an, ein Weg in die Freiheit, ein Weg durch eine wechselhafte Geschichte, und immer wieder die Erinnerung an die Begleitung und Gegenwart Gottes, die hineinwirkt in den Lauf der Dinge.

Auch Jesus feiert mit seinen Jüngern dieses Passamahl. Aber er feiert es nicht in der gewohnten Form, er feiert nicht die Rettung durch das Blut des Lammes an den Türpfosten, nicht das Vorübergehen des Unheils wie damals.

Jesus gibt dem Fest eine andere Richtung. Er macht es zu einer wichtigen Station auf seinem Weg. Er macht deutlich: Es wird kein glanzvoller Weg. Es wird ein Weg, der ins Leiden führt.

Er bereitet seine Jünger auf die Zeit vor, in der er nicht mehr bei ihnen ist. Auf die Zeit, in der es kein Feiern mehr gibt. Abschied liegt in der Luft. Er ahnt wohl, dass dies ihre letzte gemeinsame Mahlzeit ist. Und wie wichtig Freunde für uns sind, wird uns in diesen Tagen bewusst. Wie wertvoll all die kleinen Zeichen der Freundschaft geworden sind, die uns spüren lassen: Da denkt jemand an mich, wie gut das tut. Wie schön das wäre beieinander zu sitzen.

Jesus weiß: Seine Jünger brauchen die Kraft der Erinnerung an alles, was sie mit ihm erlebt haben. Das ist die Quelle, aus der sie schöpfen können, wenn er nicht mehr da ist. Das bringt sie mit der Kraft in Verbindung, aus der er gelebt hat. Das hält die besonderen Momente und intensiven Erlebnisse wach, in denen sie die Macht Gottes gespürt haben, aus der Jesus gehandelt hat.

Bei der Eröffnung des Mahls als Jesus das Dankgebet für das Brot spricht, erzählt er nicht vom Brot des Elends, das die Väter in Ägypten aßen. Er sagt: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird.

Und beim Dank für den ersten Becher Wein sagt er: Trinket alle daraus. Das ist mein Blut des neuen Bundes.

Mit Jesus fängt etwas Neues an. Und die Grunderfahrung dieses Neuen wird nicht die Befreiung aus der Sklaverei sein, sondern die Befreiung aus der Macht des Todes, die mit dem Tod von Jesus ihren Lauf nimmt.

Der neue Bund bekommt sein Zeichen. Brot und Wein.

Geteiltes Brot ist wie geteiltes Leben. In Fleisch und Blut bin ich nicht mehr unter euch, so gibt Jesus seinen Jüngern zu verstehen, aber wenn ihr bei Brot und Wein eure Sorgen oder eure Freude teilt, eure Nöte und eure Möglichkeiten, dann bin ich unter euch.

Dann erinnert euch an die Kraft Gottes, die ihr so wunderbar erlebt habt. Eine Kraft, die Wunden heilen lässt, eine Kraft, die Menschen zusammen führt, eine Kraft, die Zerstrittene versöhnt, eine Kraft, die mit Gott so untrennbar verbindet, dass uns nicht einmal der Tod von ihm scheiden kann.

Jesus legt diese Erfahrungen in diesen Bissen Brot und in diesen Becher Wein. Mit dieser Erinnerung überwindet ihr jede Trennung und jeden Zweifel.

Wir können heute nicht Brot und Wein teilen. Aber wir können uns zu einem Gebet zusammenschließen. Jeden Tag, wenn die Glocken läuten und wissen, wir sind nicht allen. Wir gehen mit Abstand, aber uns leitet die gleiche Hoffnung. Wir gehen unseren Weg als Weg als Weg des Glaubens, solidarisch mit allen, die uns verbunden sind in unserem Beziehungsnetz und mit allen, die uns brauchen. Amen.

 

Wir beten

Hilf uns aus unserem Glauben zu leben.

Aus der Gemeinschaft, die uns stark macht,

aus deiner Gegenwart in Brot und Wein.

Schenk uns die Kraft, dem Leiden und der Not der Menschen zu begegnen,

ohne uns abzuwenden, dass wir mit ihnen durchstehen, was nicht zu ändern ist.

Dass wir mit ihnen anpacken und zum Guten wenden, was wir ändern können

Und dass wir nicht müde werden,

weil du uns auch Phasen der Ruhe und der Besinnung schenkst,

Zeiten, in denen Gebete zu Quellen werden, aus denen wir schöpfen

Und zu besonderen Momenten, in denen wir deine Gegenwart spüren.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel! Geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segensbitte NL 30 durch das Dunkel hindurch

1. Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell. Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell. So hell soll auch die Erde sein, steht auf, steht auf, steht auf, so hell soll auch die Erde sein, steht auf!

2. Durch das Dunkel hindurch dringt ein neues Wort. Durch das Dunkel hindurch dringt ein neues Wort. Das Wort wird uns zur Zuversicht, steht auf, steht auf, steht auf, das Wort wird uns zur Zuversicht, steht auf!

3. Durch das Dunkel hindurch führt ein neuer Weg. Durch das Dunkel hindurch führt ein neuer Weg. Der Weg wird unsre Zukunft sein, steht auf, steht auf, steht auf, der Weg wird unsre Zukunft sein, steht auf!

4. Durch das Dunkel hindurch stärkt ein Bissen Brot. Durch das Dunkel hindurch stärkt ein Bissen Brot. Das Brot soll unser Zeichen sein, steht auf, steht auf, steht auf, das Brot soll unser Zeichen sein, steht auf!

Text: Hans-Jürgen Netz. Melodie: Christoph Lehmann. © tvd-Verlag, Düsseldorf

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Feiertag.

 

 

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6. Sonntag in der Passionszeit, Palmsonntag, 5.4.2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

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Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

 


Liebe Leserinnen und Leser,

Heute wollten wir eigentlich mit dem Palmsonntag auch die Feier der Goldenen und Diamantenen Konfirmation verbinden. Wie vieles andere in diesen Tagen sind auch diese Feiern abgesagt. Es ist wohl nicht die Zeit des Wiedersehens und des Feierns, und doch eine Zeit der Solidarität. Das Gemeinwohl ist wichtiger als meine Bedürfnisse. Das leben wir in diesen Tagen mit Dankeschön-Aktionen und Anerkennen für die, deren Arbeit wir sonst selten wahrgenommen haben. Unsere Dankbarkeit wird öffentlich sichtbar, wie die Solidarität, die wir leben und die Kreativität zu der uns diese Tage locken.

Heute ist Palmsonntag, der Sonntag hat seinen Namen von der Geschichte, die davon erzählt wie Jesus in Jerusalem eingezogen ist. Er reitet auf einem Esel. Das Volk jubelt, sie legen Palmzweige und Kleider auf den Weg, damit Jesus nicht den Staub der Straße abbekommt. Jetzt wird öffentlich sichtbar, was sich seither beispielhaft da und dort erkennen ließ. Der Anspruch von Jesus, der Messias, der Gesalbte Gottes zu sein, in dessen Hand, wenn auch noch unsichtbar, alle Macht liegt.

Lasst uns beten:

Wir stehen vor dir, Gott.

Wir schauen zurück. Was haben wir nicht alles schon erlebt,

wir haben Herausforderungen bestanden

Schwierige Aufgaben bewältigt

Wir haben uns eingebracht.

Jeder an seiner Stelle, mit seinen Möglichkeiten.

Und vieles konnte uns nur gemeinsam gelingen.

Wir bitten dich in diesen Tagen,

zeige uns, was unser Beitrag sein kann,

damit wir die gegenwärtigen Herausforderungen und Einschränkungen bestehen können.

Stärke unsere Solidarität und unser Durchhalten.

Erhalte uns unsere Geduld und unsere Zuversicht, unser Hoffen und Vertrauen. Amen.

EG 272 Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen

 Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen. / Erzählen will ich von all seinen Wundern / und singen seinem Namen. / Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen. / Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir! / Halleluja! / Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir! / Halleluja

Je louerai l'Eternel de tout mon cœur, / Je raconterai toutes tes merveilles, / Je chanterai ton nom. / Je louerai l'Eternel de tout mon cœur,/ Je ferai de toi le sujet de ma joie. / Alléluia! / Je ferai de toi le sujet de ma joie. / Alléluia!

Text: nach Psalm 9,2.3; Melodie: Claude Fraysse 1976

 

Predigt

Heute erinnern wir uns also an die Geschichte wie Jesus in Jerusalem einzieht. Jesus hatte seine Jünger geschickt. Und wie er gesagt hat, finden sie einen jungen Esel und bringen ihn zu Jesus. Der zieht auf dem Esel wie ein König in Jerusalem ein. Hosianna, rufen sie, was eigentlich so viel heißt wie „Hilf doch“. Aber hier klingt es schon wie ein Jubelruf. Hilf doch, du Davidssohn. Einen wie König David sehen sie in ihm, der das Land eint und wieder zu seiner alten Größe führt. Unabhängig und frei, eine angesehene Macht. Sie schneiden Zweige und legen sie auf den Boden, ihre Kleider legen sie auf den Weg. Sie setzen ihre ganze Hoffnung auf ihn. Er soll den Staub der Straße nicht abbekommen. Und wieder und wieder jubeln sie ihm zu: Hosianna, gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn.

Triumphal reitet er in die Hauptstadt ein, er geht hinauf zum Tempel und schaut sich alles an. Dann zieht er sich zurück, geht nach Betanien, 2.7 km südöstlich von Jerusalem, östlich vom Ölberg. Betanien, übersetzt würde das „Armenhausen“ heißen.

Er ist bei Simon zu Gast. Dort ereignet sich folgende Szene: (Mk 14,3-9)

3 Und als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

 

Bei uns sind zurzeit alle Feiern abgesagt, sogar die Gottesdienste. Solidarität ist angesagt, neue Formen eines Miteinanders auf Distanz, wir übernehmen Verantwortung füreinander, wir halten Abstand, wir halten Hygienemaßnahmen ein, wir vermeiden Kontakte, und das alles um dazu beizutragen, dass sich die Kurve abflachen kann. Wir finden unsere Rituale – den täglichen Spaziergang, das Achten auf das Glockengeläut, unsere Gebete, sie geben eine wohltuende Struktur für diese Tage, in denen jeder seinen Beitrag leisten muss zum Wohl aller und besonders derer, die besonders gefährdet sind.

Vielen fällt es nicht leicht in der häuslichen Nähe, manche leiden darunter. Die Kontakte fehlen, das vertraute Miteinander in Schule und Freundeskreis und Freizeit, das fröhliche Miteinander bei Festen. Ich habe meinen Geburtstag dieses Jahr in Ruhe mit meiner Frau gefeiert – nicht wie sonst mit einem offenen Haus.

 

Unser Abschnitt aus der Passionsgeschichte setzt einen ganz anderen Akzent. Da setzt sich eine über die Regeln der Tage hinweg. Die Tage um das Passafest sind Tage der Solidarität und des gegenseitigen Achtens, Tage, in denen man die Armen unterstützt und würdigt. Ausgerecht an diesem Ort, der übersetzt „Armenhausen“ heißt. Simons Haus war offen. Auch als sie zu Tisch saßen. Ungebeten, aber auch ungehindert kam sie herein, diese Frau, von der wir sonst nichts wissen. Sie bringt ein Geschenk. Es kommt von Herzen kommt. Wertvollstes Nardenöl, wohlduftendes Parfüm. Sie öffnet das Fläschchen und gießt es über Jesus aus. Der Duft erfüllt den Raum. Die Frau setzt ein Zeichen hingebungsvoller Liebe. Sie erwartet nichts dafür.

Unverständlich für Manche.

Solidarität sieht anders aus. Das gehört sich nicht. Mit dem Wert dieses Salböls – immerhin der Jahreslohn eines Arbeiters, hätte man viel Not lindern können. Wie es sich in diesen Tage gehört.

Aber hier, am Anfang der Passionsgeschichten geht es ausnahmsweise einmal nicht um das Miteinander in der Gesellschaft, nicht um die Integration derer, die am Rande stehen. Nicht um die beiden Pole, die Jesus so gern verbindet: das Heil und das Wohl der Menschen. Hier geht es einzig darum, den Weg von Jesus zu verstehen.

Die Frau, die da kommt, wird nicht näher beschrieben. Sie kommt und tut, was ihr am Herzen liegt. Sie gibt aus ganzem Herzen, aus reiner Liebe, ohne Hintergedanken. Ohne dafür etwas zu erwarten. Aus reiner Liebe. Sie hat kein Mandat und doch wird ihr Tun für viele zu einer bleibenden Zeichenhandlung. Sie salbt sie den König der Herzen, salbt ihn, wie die Propheten Männer wie David zu Königen salbten, lange bevor die Welt ihr Königtum sah.

Sie öffnet den Blick weit in die Passionszeit. Sie zeigt Jesus als den Gesalbten, den Messias, der helfen kann, den Retter, den sie erwarteten. Sie weist Jesus als König aus, aber nicht als ein König, der mit Macht seine Herrschaft antritt, sondern als ein König der Herzen, der mit Liebe die Herzen der Menschen gewinnt.

Er kommt nicht als der Messias, der sein Volk von der Fremdherrschaft der Römer und den auferlegten Steuerlasten befreit. Er kommt nicht als der Messias, der ihren Nationalstolz wieder aufpoliert und ihnen eine respektable Stellung im Kreis der Volker verschafft.

Er kommt als ein Messias, der von dieser vorbehaltlosen Liebe geleitet ist, der Frieden und Versöhnung bringt. Er kommt als ein Messias, ein König der Herzen und der Liebe, dessen Herrschaft erst im Rückblick sichtbar wird.

Sie zeigt Jesus aber auch schon am Anfang als den Gesalbten, auf den das Leiden wartet, nun trägt Jesus zeichenhaft schon das Salböl des Verstorbenen an sich. Jeder kann sehen, wohin sein Weg ihn führt.

Sein Weg der Liebe führt ihn in Leiden und Tod. Aber sein Leib und die Hoffnung werden nicht dem Verfall preisgegeben. Jesus ist todgeweiht und wird doch er den Tod überwinden. Aus seinem Sterben wird sich neues Leben öffnen.

Für ihn und für uns alle, die im Glauben mit ihm verbunden sind. Er öffnet auch für uns eine große Zukunft, weil unser Glaube mehr ist als Moral und Vernunft, mehr als das „zur rechten Zeit am rechten Ort das Richtige tun.“

Unser Glaube ist neben aller vernünftigen Verhaltensweisen eben auch geprägt von diesen Momenten, in denen wir das Alltägliche und das Besondere voneinander unterscheiden, und das Besondere zulassen. Vielleicht mit dem einen oder anderen seltenen Moment verschwenderischer Ergriffenheit, in dem wir das Leben in seiner größtmöglichen Intensität spüren. Er öffnet uns eine große Zukunft, erfüllt von seinem Geist der Liebe, der auch uns hingebungsvoll geben und schenken lässt, was wir haben: Aufmerksamkeit und Zeit, Engagement und Geld, Worte des Trostes und der Hoffnung, die Not mit ertragen, Geduld und Zuversicht auch in schwierigen Zeiten.

Im Glauben hat diese Zukunft Gottes mit uns schon begonnen. Wir können sie gestalten. Viel intensiver als wir uns zutrauen. Im Alltäglichen und im Besonderen. Und in Beiden zählt die Liebe. Amen.

 

Lasst uns singen, laut oder leise, allein oder als Kanon:

NL 68 Lobe den Herrn meine Seele

 

Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen. Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele. Lobe, lobe den Herrn, lobe den Herrn, meine Seele.

1. Der meine Sünden vergeben hat, der mich von Krankheit gesund gemacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

2. Der mich im Leiden getröstet hat, der meinen Mund wieder fröhlich macht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

3. Der mich vom Tode errettet hat, der mich behütet bei Tag und Nacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

4. Der Erd und Himmel zusammenhält, unter sein göttliches Jawort stellt, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen, von Herzen ihm ewiglich singen:

Text (nach Psalm 103), Kanon für 2 Stimmen und Melodie: Norbert Kissel. © SCM Hänssler, Holzgerlingen

 

Wir beten

Lass uns in dir, Gott,

den König der Herzen finden,

der mit Liebe die Herzen der Menschen für sich gewinnt

Hilf uns aus dieser Liebe zu leben

Und solidarisch sein

Im Abstand halten,

in der Rücksichtnahme

im Füreinander-da-sein.

Und lass uns im Alltäglichen

die ganz besonderen Momente

entdecken und ausleben

die uns das Verständnis öffnen

und Orientierung geben

die unseren Glauben und unsere Hoffnung

stärken und unsere Liebe tatkräftig werden lassen.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

 

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5. Sonntag der Passionszeit, Judica, 29.3.2020

Gottesdienstliche Gedanken von Christina Beck

 

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Orgelmusik von Bernd Stäb: Gott des Himmels und der Erde (EG 445)

 

1. Gott des Himmels und der Erden, Vater, Sohn und Heilger Geist, der es Tag und Nacht lässt werden, Sonn und Mond uns scheinen heißt, dessen starke Hand die Welt, und was drinnen ist erhält:

2. Gott, ich danke dir von Herzen, dass du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen hast behütet und bewacht, dass des bösen Feindes List mein nicht mächtig worden ist.

5. Führe mich, o Herr, und leite meinen Gang nach deinem Wort; sei und bleibe du auch heute mein Beschützer und mein Hort. Nirgends als von dir allein kann ich recht bewahret sein.

6. Meinen Leib und meine Seele samt den Sinnen und Verstand, großer Gott, ich dir befehle unter deine starke Hand. Herr, mein Schild, mein Ehr und Ruhm, nimm mich auf, dein Eigentum.

7. Deinen Engel zu mir sende, der des bösen Feindes Macht, List und Anschlag von mir wende und mich halt in guter Acht, der auch endlich mich zur Ruh trage nach dem Himmel zu.

Text und Melodie: Heinrich Albert 1642

 

Liebe Leserinnen und Leser, 

ein weiterer Sonntag ohne Gottesdienstfeier in der Kirche – so grüße ich Sie in Ihren Wohnungen und Häusern: 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen. 

 

Orgelmusik von Bernd Stäb: AMEN

 

„Schaffe mir Recht, Gott“ – das ist die Überschrift, die über dem heutigen 5. Sonntag in der Passionszeit steht. Leiden und Tod sind in der Welt eine grausame Wirklichkeit. Aber Gott ist ein Gott, der Gerechtigkeit will, den Unterdrückten und Leidenden zur Seite steht. Deshalb ist er in Jesus zu uns gekommen, nicht, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele. (Matth 20,28)

In seiner Liebe und in der Hoffnung an ihn sind wir vereint, auch wenn wir getrennt sind.

Lasst uns beten 

Herr, unser Gott,

wir kommen vor dich mit allem, was uns bewegt.

Wir müssen auf Abstand gehen zu denen, die wir mögen. 

Fragen und Sorgen treiben uns um.

„Ich bin, der ich bin da“, hast du versprochen. 

Wir rufen dich bei deinem Namen und bitten dich:

Komm und sei, der du bist:

Komm und sei: „Ich bin da!“

Amen.

 

Lasst uns singen, laut oder leise: Holz auf Jesu Schulter (EG 97)

Orgelmusik von Bernd Stäb: Holz auf Jesu Schultern

 

1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

3. Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht. Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht! Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

4. Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht. Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

5. Denn die Erde jagt uns auf den Abgrund zu. Doch der Himmel fragt uns: Warum zweifelst du? Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

6. Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr, ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Text: Jürgen Henkys (1975) 1977 nach dem niederländischen »Met de boom des levens« von Willem Barnard 1963

Melodie: Ignace de Sutter 1964

 

Predigt:

Ich habe neulich einen Artikel gelesen mit der Überschrift: „Die Welt nach Corona“. Darin bringt der Autor die Überzeugung zum Ausdruck, dass es historische Momente gibt, in denen die Zukunft ihre Richtung ändert. Solch historische Momente sind Tiefenkrisen, von deren Ausgangspunkt an die Welt, wie wir sie kennen, sich auflöst und für immer verändert.

 

Ein Moment solch historischen Ausmaßes ist, woran wir uns jedes Jahr in der Passionszeit und an Ostern erinnern: das Leiden und Sterben Jesu und seine Auferstehung von den Toten. Für uns Christen sind diese Ereignisse um den Mann aus Nazareth ein Wendepunkt unseres Menschen- und Gottesbildes. Hinter diesen Punkt können wir aus unserer Perspektive nicht mehr zurück – das gilt auch für den Verfasser unseres heutigen Predigttextes, der die Nachfolge im Leiden Christi thematisiert:

DARUM HAT JESUS DRAUßEN VOR DEM TOR GELITTEN, DAMIT ER DAS VOLK HEILIGE DURCH SEIN EIGENES BLUT. 

Ohne Ostern wäre diese Geschichte vom Leiden Jesu genauso unerträglich wie jede andere Geschichte eines Menschen der leidet unter Hunger, Verfolgung, Gewalt, Krankheit oder Tod. 

Das Leiden Christi entfaltet erst aus der Sicht von Ostern seine tröstende Kraft. 

DARUM HAT JESUS DRAUßEN VOR DEM TOR GELITTEN, DAMIT ER DAS VOLK HEILIGE DURCH SEIN EIGENES BLUT. SO LASST UNS NUN ZU IHM HINAUSGEHEN VOR DAS LAGER UND SEINE SCHMACH TRAGEN. DENN WIR HABEN HIER KEINE BLEIBENDE STADT, SONDERN DIE ZUKÜNFTIGE SUCHEN WIR.

Durch Ostern können wir eine neue Welt erahnen, eine Welt wie sie in der Offenbarung nach Johannes beschrieben wird: Dort wird keine Krankheit mehr sein, dort wird es keinen Tod mehr geben, kein Geschrei und kein Leid. Und Gott wird abwischen alle Tränen der Einsamkeit, der Angst, der Trauer und Verzweiflung. Noch können wir von DIESER ZUKÜNFTIGEN STADT nur träumen, da wir sie nicht scharf sehen. Aber egal wie unsicher auch der nächste oder übernächste Schritt auf unserem Weg sein mag, das Ziel ist klar.

Ein solche Tiefenkrise, von deren Ausgangspunkt an die Welt, wie wir sie kennen, sich auflöst und für immer verändert, vollzieht sich auch gerade: Was bis vor Kurzem noch selbstverständlich war, ist plötzlich undenkbar. Was undenkbar war, ist plötzlich Realität. Von diesem Moment aus wird es kein Zurück geben in ein „davor“, in einen Zustand ohne Corona. Selbst wenn an einem Tag in der Zukunft ein Impfstoff oder Medikamente zur Behandlung der durch den Coronavirus verursachten Erkrankungen gefunden wurde, so werden sich einige Gewissheiten und Selbstverständlichkeiten aufgelöst haben. 

Dahinter aber fügt sich eine neue Welt zusammen, deren Formung wir zumindest schon erahnen können:

Eine Welt, in der es doch irgendwie möglich ist uns schon heute fundamental zu beschränken, damit zukünftige Generationen ein Klima vorfinden, in dem es sich noch leben lässt. 

Eine Welt, in der mich die räumliche Distanz auch näher gebracht hat zu meinen Nächsten, wie dem Nachbarn, den ich vorher nicht kannte und für den ich jetzt einkaufen gehe oder der alten Freundin, mit der ich endlich mal wieder ausgiebig telefonieren konnte, weil der hektische Alltag zur Ruhe gekommen ist.

Eine Welt, in der sich zeigt, was wir gemeinsam schaffen können und was passiert, wenn wir rücksichtsvoll und achtsam miteinander umgehen. 

Das ändert nun nichts daran, dass wir HIER und JETZT noch nicht in dieser Zukunft leben. HIER und JETZT spüren wir – ganz anders als sonst – wie fragil unsere Systeme, unsere Gesellschaft und unser Leben ist, in dem wir uns eingerichtet haben. Wir stoßen an unsere Grenzen, weil wir nicht oder nur zu einem kleinen Teil in der Hand haben, ob wir Menschen – ohne es zu wollen und trotz aller Vorsicht – angesteckt haben. 

Die Menschen, die zur biblischen Zeit VOR DIE TORE DER STADT verfrachtet wurden, das waren die Kranken, die Aussätzigen, die Ansteckenden und alle, die im normalen Alltag keinen Platz mehr hatten, die gefährlich fürs eigene Leben waren. Heute sind diese Menschen mitten in der Stadt, doch gesehen werden sie auch da nur selten. 

Und auch ganz ohne Corona fallen mir Menschen ein wie Du und Ich, die am kürzeren Hebel saßen als in ihrem Leben wichtige Weichen gestellt wurden oder die Züge haben abfahren sehen in ihrem Leben, die sie gerne erreicht hätten. Menschen, die aus Liebe zum Mitmenschen sich selbst ganz aus den Augen verloren haben. Oder Menschen, die verzweifelt versuchen, die brüchigen Stellen in ihrem Leben zusammenzuhalten, niemanden sehen zu lassen, wie dunkel, wie einsam, wie verlassen es in ihnen aussieht. 

Und dann lese ich den Predigttext: JESUS HAT DRAUßEN VOR DEM TOR GELITTEN. SO LASST UNS NUN ZU IHM HINAUSGEHEN VOR DAS LAGER.

Es ist ein Wink mit dem Evangeliums-Zaunpfahl: Geh raus vor die Tore der Stadt!

Sieh: Jesus ist dort, wo die Not am größten ist. Er ist bei den Menschen, die abgesondert und allein sind, die nicht mehr berührt und besucht werden dürfen, die nur noch vermummte Menschen sehen.

Und sieh doch: Er ist dort, um wieder heil zu machen, was zerbrochen ist; um gesund zu machen, wer krank ist; um aufzurichten, wer traurig und kraftlos ist.

Geh raus vor die Tore der Stadt!

Sieh: dort ist Golgatha – dort hängt Jesus am Kreuz.

Und sieh doch: Er trägt euer Leid, eure Fragen. Er kennt eure Schmach. Vor allem trägt er die Verantwortung auf seinen Schultern.

Und ich sehe: Jesus folgt mir nach. Er sucht mich auf unter den Bedingungen, die mir zu schaffen machen. Er sucht mich auf, wo ich im „Abseits“ stehe, wo ich mich meinem eigenen Leben entfremdet habe. Er sucht mich auf in den Situationen, in denen ich mich nicht arrangieren kann mit den Umständen. Er sucht mich auf, wenn ich nicht teilhaben kann an dem, was andere eine „Gegenwart mit Zukunft“ nennen.

Er sucht mich auf wo ich rufe: Herr, schaffe mir Recht! Schaffe uns Recht! Schaffe Recht im Leid und in der Ungerechtigkeit dieser Welt! 

Amen.

 

Wir beten

Herr, unser Gott, wir leben in der Gegenwart und es schmerzt, wenn wir spüren, wie ohnmächtig und endlich wir sind, wenn wir merken, dass wir hier keine bleibende Stadt haben. In die Zukunft können wir nicht sehen, wir können uns nur in sie hineinträumen. Aber ach, Gott, wie froh bin ich, dass du uns nicht allein lässt. Du bist um uns mit deinem Segen und Trost, auch wenn die Wege dunkel erscheinen. Wir sind nur kleine Menschen – aber wir sind deine Menschen. Du hast uns immer schon geliebt. 

Darauf hoffe ich – und darum bitte ich dich, Herr: Hilf uns dabei, schon während der Krise Chancen zu entdecken und die richtigen Wege einzuschlagen. Gib uns Kraft und segne, was wir tun. 

Du bist der, der alle Geschicke der Welt lenkt. Nimm uns unsere Angst.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lasst uns singen, laut oder leise: Von Gott will ich nicht lassen (EG 365)

Orgelmusik von Bernd Stäb: Von Gott will ich nicht lassen  

1. Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir, führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte sehr. Er reicht mir seine Hand; den Abend und den Morgen tut er mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land.

2. Wenn sich der Menschen Hulde und Wohltat all verkehrt, so find’t sich Gott gar balde, sein Macht und Gnad bewährt. Er hilft aus aller Not, errett’ von Sünd und Schanden, von Ketten und von Banden, und wenn’s auch wär der Tod.

3. Auf ihn will ich vertrauen in meiner schweren Zeit; es kann mich nicht gereuen, er wendet alles Leid. Ihm sei es heimgestellt; mein Leib, mein Seel, mein Leben sei Gott dem Herrn ergeben; er schaff’s, wie’s ihm gefällt!

4. Es tut ihm nichts gefallen, denn was mir nützlich ist. Er meint’s gut mit uns allen, schenkt uns den Herren Christ, sein’ eingebornen Sohn; durch ihn er uns bescheret, was Leib und Seel ernähret. Lobt Gott im Himmelsthron!

7. Obwohl ich hier schon dulde viel Widerwärtigkeit, wie ich auch wohl verschulde, kommt doch die Ewigkeit, ist aller Freuden voll, die ohne alles Ende, dieweil ich Christus kenne, mir widerfahren soll.

8. Das ist des Vaters Wille, der uns geschaffen hat. Sein Sohn hat Guts die Fülle erworben uns und Gnad. Auch Gott der Heilig Geist im Glauben uns regieret, zum Reich der Himmel führet. Ihm sei Lob, Ehr und Preis!

Text: Ludwig Helmbold 1563, Nürnberg 1569

Melodie: Lyon 1557; geistlich Erfurt 1563

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes: 

Der Herr segne euch und behüte euch. 

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch 

und sei euch gnädig. 

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

 

Orgelmusik von Bernd Stäb: AMEN, AMEN, AMEN

 

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4. Sonntag der Passionszeit, Lätare, 22.3.2020

Gottesdienstliche Gedanken von Freimut Bott

 

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Liebe Leserinnen und Leser,

In diesen ungewöhnlichen Zeiten, in denen der soziale Abstand das Gebot der Stunde ist, grüße ich Sie von zu Hause aus. Heute ist schon der 2. Sonntag, an dem wir in unserer Kirche keinen Gottesdienst feiern. Aber wir bleiben verbunden im Glauben und Hoffen, in der Sorge und in der Zuversicht. Wir denken aneinander und beten füreinander. Wir schließen uns im Glauben zusammen, wir sind uns nah, auch wenn wir getrennt sind.

Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

 

Orgelmusik von Bernd Stäb: AMEN

 

Lasst uns beten

Wir suchen deine Nähe, Gott

Wir sehnen uns nach einer starken Hoffnung und einem Glauben, der uns trägt.

Mitten in der Unsicherheit dieser Tage suchen wir Geborgenheit

So vieles hat sich verändert in diesen Tagen.

Das distanzierte Miteinander ist ungewohnt

Und wir wissen nicht wie lange das noch dauern wird.

Schenke uns Geduld und Zuversicht.

Innere Ruhe und einen klaren Blick,

was wir zum Gelingen dieser Tage beitragen können.

Lass uns nicht los.

Wir hoffen auf dich.

Amen

 

Lasst uns singen, laut oder leise: Korn, das in die Erde

Orgelmusik von Bernd Stäb: Korn, das in die Erde

 

 

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,

Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,

 

 

Predigt:

Heute ist der 4. Sonntag der Passionszeit. Erinnern Sie sich noch an den Anfang? Da sind wir aufgebrochen mit einem Motto für diese 7 Wochen: Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus. Das ist gar nicht so leicht in diesen Tagen, in denen wir mitten in der Coronakrise stecken und Ausgangsbeschränkungen beschlossen wurden. Was wird werden? In meinem Fastenkalender hat die 4. Woche die Überschrift: Ich hoffte auf Licht, und es kam Finsternis. Manche mögen diese Tage so empfinden, in denen wir auf Abstand zueinander gehen müssen, um die Zahl der Infizierten nicht zu schnell ansteigen zu lassen.

Ich habe in meinem Kalender ein paar kurze Texte gefunden, die ich Ihnen weitergeben will: „Du bist viel weniger verlassen und vergessen, als du es wähnst, du bist von vielen umgeben, die deiner warten, aber du glaubst es nicht in der Stunde, welche du Verzweiflung nennst.“ Schreibt Carmen Sylva. Und ja, bei mir hat in den letzten Tagen ständig das Telefon geklingelt. „Wie geht es euch?“ „Braucht ihr was vom Einkaufen?“ „Soll ich euch was mitbringen?“ Eine rief an: Wenn du jemand weißt, der jetzt Hilfe braucht: Ich habe Zeit. Sag mir Bescheid.“ Ich gebe die Nummer gerne weiter. Sie müssen sich nur bei mir im Pfarramt melden.

Und noch ein Text: Die Nacht, in der das Fürchten wohnt, hat auch die Sterne und den Mond. Schreibt Mascha Kaléko. Und ja, da sind diese lichten Momente, in denen Freunde sich melden und erzählen, clips und Filmchen schicken und Anteil nehmen und aus der Ferne ihre Nähe und Verbundenheit spüren lassen.

Tröstliche Gedanken tun uns gut in diesen Tagen. Da will auch der Predigttext aus dem 66., dem letzten Kapitel des Propheten Jesaja seinen Beitrag leisten. Hören wir hinein in diesen Schlussakkord des Propheten in den Versen 10-14:

Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid. 11 Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust. 12 Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen. 13 Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden. 14 Ihr werdet's sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.

Die haben´s gut, kam mir als erstes in den Sinn – Gott zeigt ihnen seine mütterliche Seite. Wer hat nicht Erinnerungen und Bilder und Erfahrungen in sich vom Trost einer Mutter, von dieser warmherzigen Nähe, die gut getan hat. Erinnerungen an behütete Tage aus der Kinderzeit. Nach den großen Katastrophen des Lebens braucht es wohl nicht die harte Männlichkeit, sondern die mütterliche Geborgenheit, aus der heraus wir in Neues aufbrechen können. Wie Kinder, die sich abnabeln und selbständig werden und doch diese Geborgenheit in sich tragen. Sie stärkt und tröstet und macht Mut.

Die haben´s gut, dachte ich, denn die können auf die Katastrophe ihrer Geschichte zurückschauen. 70 Jahre haben sie in der Fremde gelebt. Weggeführt, gedemütigt. Ihrer Freiheit beraubt. Jetzt sind sie zurück. Nichts ist mehr wie es war. Es ist ein Neuanfang. Nochmal von vorn, aber diesmal richtig. 70 Jahre – so lange wird es bei uns sicher nicht dauern. Wer weiß, was sich alles verändert. Vielleicht sind ja doch wir besser dran.

Denen, die sich auf Neues einstellen müssen, die ihr Leben in der neuen Situation neu erfinden müssen, denen wird Trost und Wärme und Nähe und Frieden verheißen. Sie packen an und tun, was nötig ist. Und sie erfahren darin die Nähe Gottes, er zeigt ihnen seine mütterliche Seite und sie finden darin die Kraft, die ihnen zuwächst und den Segen, der auf ihrem Tun liegt.

Ich glaube, das ist die Botschaft Gottes an uns in diesen Tagen, dass wir voller Zuversicht und Offenheit anpacken. Jede und jeder mit dem, was er kann. Da lädt unser Kunstprojekt Kinder zum Mitmachen ein – sie finden es auf unserer Homepage, da werden viele Lieder, Gedichte, Filme übers Handy geteilt. Wir bleiben verbunden, wir überwinden die räumliche Trennung mit Kultur und mit Gesprächen über Skype oder übers Telefon. Und wir können das Telefon in die Hand nehmen und um Hilfe bitten, oder Hilfe anbieten, und ruhig bleiben.

Die Geschäfte werden geöffnet bleiben. Wir brauchen nicht mehr als sonst. Lasst uns Rücksicht nehmen auf die, die zu den Risikogruppen gehören und auf die, die am Ende der Kette stehen, als Paketzusteller, als Mitarbeiterin im Supermarkt, als Pflegekraft oder Arzt, als Beschäftigte in den Blaulichtberufen.

Ich glaube, das ist die Botschaft, die uns in diesen Tagen erreichen will, dass wir der verbindenden Kraft des Gebets wieder vertrauen und Gott etwas zutrauen, dass wir beten und tun, was wir können und aus der Ferne Kontakte halten und sehen, dass in dieser Veränderung mehr liegt, als eine gewaltige Herausforderung für unsere ganze Gesellschaft.

Wer weiß, was wir im Rückblick sehen werden. Neuen Respekt gegenüber Politikern, denen es nicht mehr um Ämter geht, sondern um das Wohlergehen der Bürgerinnen und Bürger, die den Experten trauen und über Parteigrenzen hinweg im Bund und in den Ländern die Maßnahmen ergreifen, die für uns alle nötig sind.

Neuen Respekt vor Journalisten, die nicht nach Schlagzeilen suchen, die die Auflage steigern, sondern faktenorientiert informieren und aufklären und dazu beitragen das Falsche und das Richtige auseinander zu halten.

Ein neues Miteinander, gewachsen aus dem Zusammenhalt in diesen Tagen und aus dem Glauben, der uns verbunden hält als eine tatkräftige Gemeinde.

Wer weiß, was auf uns zu kommt. Welche Herausforderungen und Zumutungen noch auf uns warten. Wenn wir uns konsequent an die Vorgaben halten, können wir sie Miteinander bewältigen. Amen.

 

 

 

Wir beten

Wir bitten dich Gott,

lass uns deine mütterliche und tröstende Seite erfahren.

Schenke uns Kraft und Mut, diese Zeit zu bestehen,

voller Anteilnahme und Rücksichtnahme,

voller Kreativität und Aneinander denken,

voller Ideen und Glauben und Hoffen,

Gesundheit hat einen neuen Klang bekommen.

Begegnung hat einen neuen Wert bekommen.

Wir sind nicht allein.

Gemeinsam beten wir:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden.

Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

 

Lasst uns singen, laut oder leise: 171,1-4 Bewahre uns Gott

Orgelmusik von Bernd Stäb: Bewahre und Gott

 

1. Bewahre uns, Gott, / behüte uns, Gott, / sei mit uns auf unsern Wegen. / Sei Quelle und Brot / in Wüstennot, / sei um uns mit deinem Segen, / sei Quelle und Brot / in Wüstennot, / sei um uns mit deinem Segen.

2. Bewahre uns, Gott, / behüte uns, Gott, / sei mit uns in allem Leiden. / Voll Wärme und Licht / im Angesicht, / sei nahe in schweren Zeiten, / voll Wärme und Licht / im Angesicht, / sei nahe in schweren Zeiten.

3. Bewahre uns, Gott, / behüte uns, Gott, / sei mit uns vor allem Bösen. / Sei Hilfe, sei Kraft, / die Frieden schafft, / sei in uns, uns zu erlösen, / sei Hilfe, sei Kraft, / die Frieden schafft, / sei in uns, uns zu erlösen.

4. Bewahre uns, Gott, / behüte uns, Gott, / sei mit uns durch deinen Segen. / Dein Heiliger Geist, / der Leben verheißt, / sei um uns auf unsern Wegen, / dein Heiliger Geist, / der Leben verheißt, / sei um uns auf unsern Wegen.

Text: Eugen Eckert (1985) 1987; Melodie: Anders Ruuth (um 1968) 1984 »La paz del Señor«

 

Segen

Bleibt bewahrt im Frieden Gottes:

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden. Amen.

 

Ich wünsche Ihnen noch einen guten Sonntag.

Orgelmusik von Bernd Stäb: AMEN, AMEN, AMEN

 

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Predigt & Andacht - Archiv

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Sa, 23.05.2020
Zum Sonntag: #lassttaubenfliegen – seien Sie mit dabei!
Woran denken Sie, wenn Sie eine Taube sehen? Denken Sie an eine Brieftaube, die freudig gurrend auf geheimnisvolle Weise ihren Weg findet? Sie fliegt links am Kirchturm vorbei, biegt an der Buche ab und saust durch das Eingangstor in den Hinterhof hinein. Sie landet genau in dem für sie vorgesehen, kleinen dunkelbraunen Verschlag, mit einer Botschaft im Schnabel.
Martin Wendte
Pfarrer, Citykirche-Ludwigsburg -art-und-weise- -
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Ludwigsburg-Friedenskirche -

Fr, 22.05.2020
Vatertag
Das Fest Christi Himmelfahrt wurde in manchem Kalender durch den „Vatertag“ ersetzt, und die ursprünglich christliche Bedeutung trat somit etwas in den Hintergrund. Für viele Gläubige ein Unding. Dabei kann man aber recht gut eine Gedankenbrücke zwischen den beiden Begriffen Christi Himmelfahrt und Vatertag bauen.
Frank-Michael Steichele Leiter der neuapostolischen Kirchengemeinde Kornwestheim

Fr, 15.05.2020
Eine gute Chance: Briefe schreiben
Bei Geburtstagen, zu Weihnachten und anderen Anlässen freut man sich über Geschenke, vor allem dann, wenn sie liebevoll ausgesucht oder mit Engagement gebastelt und hergestellt worden sind. Aber besonders für Kinder und Jugendliche endet die Freude schnell, wenn es um das Bedanken geht.
Hansjürgen Bohner
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Kornwestheim - Pfarramt Heilig-Geist-Kirche

Sa, 25.04.2020
Zum Sonntag: Wegkreuz Pflugfelden
Seit 1989 steht am Ortsrand von Pflugfelden nahe des Westfriedhofs ein Feldkreuz, das seinen Ursprung hat in einer Initiative der Senioren der katholischen Kirchengemeinde St. Johann und das von dieser seither auch betreut wird.
Frank - Pfarrvikar Schöpe

Sa, 25.04.2020
Zum Sonntag: Ostern umsonst?
Was lernen wir aus der Corona-Krise? – Nach vielen Wochen mit noch nie dagewesenen Einschränkungen legt sich diese Frage nahe, obwohl die Gefahr noch nicht gebannt ist.
Christian Lehmann

Fr, 24.04.2020
Zum Sonntag: Gerade in unserer Ohnmacht lässt Gott Ostern werden
Ein ganz besonderes Osterfest liegt hinter uns – ein Ostern, wie wir es so noch nie erlebt haben. Keine Reisen, keine Verwandtenbesuche, keine Gottesdienste. Erfahrung von Ohnmacht.
Oliver Merkelbach
Dekan / Kath. Kirche, Sonstige Dienste

Fr, 24.04.2020
Wege der Zuversicht
Eine längere Zeit der Ungewissheit steht uns weiterhin bevor, ein flaues Gefühl, wie es weitergehen wird oder kann, weht ständig um uns herum und große Sorgen und Ängste um die wirtschaftliche Zukunft machen sich bei immer mehr Menschen auf bedrückende Weise bemerkbar.
Ulrich Theophil
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Kornwestheim - Pfarramt Johanneskirche Süd

Fr, 17.04.2020
Bei Licht betrachtet: Es geht uns gut.
Viele von uns sehnen sich danach, dass die Einschränkungen, die nötig sind um das Corona-Virus einzudämmen, endlich gelockert werden. Es ist eine gefühlte Ewigkeit, dass ich nicht mehr zusammen mit meiner Frau Essen gewesen bin.
Hansjürgen Bohner
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Kornwestheim - Pfarramt Heilig-Geist-Kirche

So, 12.04.2020
Predigt - Ostern 2020
„Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden“, so grüßen Christen in aller Welt sich zu Ostern.
Dorothea Schlatter
Pfarrerin, Evang. Kirchengemeinde Ludwigsburg-Martinskirche

Sa, 11.04.2020
Zum Sonntag: Gerade in unserer Ohnmacht lässt Gott Ostern werden
Ein ganz besonderes Osterfest liegt hinter uns – ein Ostern, wie wir es so noch nie erlebt haben. Keine Reisen, keine Verwandtenbesuche, keine Gottesdienste. Erfahrung von Ohnmacht.
Oliver Merkelbach
Dekan / Kath. Kirche, Sonstige Dienste

Fr, 03.04.2020
Leerstellen
Es sind eigenartige Zeiten gerade. Wir werden herausgefordert, viele unserer Gewohnheiten umzustellen und neu zu ordnen. Veranstaltungen werden abgesagt. Konzerte, auf die wir uns gefreut haben. Gottesdienste, die uns gut getan hätten.
Martin Mohns
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Kornwestheim - Pfarramt Pauluskirche

So, 29.03.2020
Bei Trost sein - Predigt des Streaming-Gottesdienstes vom 29.03.20
„Ja, bist du noch ganz bei Trost?!“, wütend begrüßt Anna ihre Mitbewohnerin an der Tür: „Wie kannst du bloß mit 4 unserer Kommilitoninnen spazieren gehen?! Schon mal was von Kontaktverbot gehört?“ Kleinlaut antwortet Laura: „Ich habe halt gedacht, wo gerade kaum jemand im Studidorf ist - da wäre ein Spaziergang mit ein paar doch ganz schön.“
Stephan Seiler-Thies
Hochschulpfarrer, Evangelische Studierendengemeinde Ludwigsburg -

Sa, 28.03.2020
Zum Sonntag: Zeichen der Hoffnung
Haben sie sie auch schon entdeckt? In Asperg kann man an manchem Fenster einen bunten Regenbogen sehen. Eine Aktion von Kindern für Kinder. So kann man auf dem Spaziergang sehen: "Auch in diesem Haus wohnen Kinder, die gerade Zuhause bleiben und nicht in die Schule oder in den Kindergarten oder auf Spielplätze gehen." Wir haben uns gleich an die Arbeit gemacht- gegen die Langeweile und den Lagerkoller - und haben einen Regenbogen gebastelt und so aufgehängt, dass man ihn von der Straße aus erkennen kann.
Kerstin Gottfried

Sa, 21.03.2020
Zum Sonntag: Ruhe im Sturm
So etwas hat es noch nicht gegeben! Schließung von Schulen und Kitas, Absage aller Kultur-, Sport- und Kirchenveranstaltungen, selbst der Gottesdienste – all dies aus der dringenden Notwendigkeit, das Gesundheitssystem vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Da braucht es Kraft, der anflutenden Unsicherheit und manch angstgesteuertem Verhalten standzuhalten.
Irmtraut Aebert
Pfarrerin, Evang. Kirchengemeinde Remseck - Pfarramt Hochdorf

Fr, 20.03.2020
Glauben in Krisenzeiten
In Zeiten der Corona-Krise überschlagen sich die Meldungen. Die Ausbreitung über die ganze Erde zeigt, wie stark die Menschen in unserer vernetzten Welt miteinander verbunden sind.
Sabine Hering

Sa, 14.03.2020
Zum Sonntag: „Komm! ins Offene, Freund!“
Das ruft Friedrich Hölderlin seinem Freund Christian Landauer zu. Und er schreibt ihm zum Geburtstag: "der Freunde Freund zu seyn, bist du geboren". Anderen Menschen Freund oder Freundin zu sein, ist demnach ein Lebens­ziel. Denn Freundschaft setzt der "bleiernen Zeit", die Hölderlin aus eigener Erfahrung kennt, etwas entgegen: sie lässt eine Wirklichkeit entstehen zwi­schen Menschen, die sich "aus innrem Werte kennen" und sich so "freudig Freunde nennen".
Margarete Rittmann
Pfarrerin, Evang. Kirchengemeinde Ludwigsburg-West -

Fr, 13.03.2020
Einschränkungen gerne hinnehmen?
Fußballspiele in der Bundesliga finden vor leeren Rängen statt. Aber immerhin werden diese sogenannten Geisterspiele an diesem Wochenende im Free-TV übertragen. Größere Veranstaltungen werden abgesagt.
Hansjürgen Bohner
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Kornwestheim - Pfarramt Heilig-Geist-Kirche

Sa, 07.03.2020
Zum Sonntag: Tu Gutes und rede darüber
ehören Sie auch zu jenen, die nach dem Anschauen der Tagethemen häufig frustriert sind? Da folgt eine Negativschlagzeile auf die andere. Flüchtlingselend, Fremdenfeindlichkeit, Kriege, Terrorismus , Naturkatastrophen, Coronavirus. Am Ende der Tagesthemen habe ich immer wieder den Eindruck, es gibt kaum noch etwas Positives zu berichten..
Thomas Schückle

Sa, 29.02.2020
Zum Sonntag: Gott kommt als Überraschungsgast!
Gott kommt als Überraschungsgast! Er steht vor der Tür, braucht Unterkunft und Essen. Davon erzählen viele biblische Geschichten. Von Abraham und Sarah erzählt sie, bei denen eines Tages fremde Männer vor dem Zelt stehen. Die Eheleute bewirten sie ...
Gisela Vogt
Geschäftsführende Pfarrerin, Evang. Kirchengemeinde Ludwigsburg-Friedenskirche -

Fr, 28.02.2020
Wann endlich?
»Zuerst fallen Worte, dann fallen Schüsse. Die Würde des Menschen ist in Deutschland verdammt antastbar geworden.« – »Wie soll ich [meinem Sohn] erklären, dass in Deutschland immer wieder Menschen getötet werden, weil sie eine andere Herkunft oder Religion haben«? – »Ich frage mich, was es braucht, damit sich diejenigen, die die Welt mit Hass vergiften, ändern.«
Martin Mohns
Pfarrer, Evang. Kirchengemeinde Kornwestheim - Pfarramt Pauluskirche